Six Degrees of inner Turbulence - Dream Theater Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von ahaefner
virtuos
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wieder einmal ist mir eine CD nur durch Zufall in die Hände gefallen. Die Band „Dream Theater“ war mir bislang gänzlich unbekannt, obwohl sie, wie ich inzwischen herausgefunden habe, schon jahrelang im Geschäft ist.
Auf die Empfehlung meines Plattenhändlers hörte ich dann zumindest mal hinein – entschied mich spontan zu kaufen, und ich kann es vorwegnehmen – wurde nicht
enttäuscht!
Es handelt sich um die noch recht neue Doppel-CD „Six Degrees Of Inner Turbulence“. Doppelt deshalb, weil eine CD kaum genügt hätte, die herrlich erfrischende Kreativität zu bannen. Sechs Songs auf zwei CDs mit einer Gesamtspielzeit von 96.22 Minuten, die kürzeste Nummer des Albums dauert knapp sieben Minuten – allein der Blick auf die nackten Zahlen ist beeindruckend:
CD1:
The Glass Prison 13:52
Blind Faith 10:21
Misunderstood 09:34
The Great Debate 13:43
Disappear 06:46
CD2:
Six Degress of Inner Turbulence 42:02
## CD1 ##
Mit der ersten CD fangen die Überraschungen erst an, denn sie besticht mit harten, thrashigen und dennoch melodischen Songs. Man schaut schon, ob man nicht eine alte Megadeath oder Metallica erwischt hat - aber waren Metallica (speziell Kirk Hammet) jemals so virtuos ?
Das Album beginnt mit „Glass Prison“, genauer gesagt, mit einem statischen Rauschen, in das sich langsam die Instrumente mischen, bis der Song dann wie eine Dampfwalze übers Parkett donnert. Vor allem durch die Keyboards von Rudess erhält der Song aber selbst bei heftigsten Trash-Metal-Gewittern eine enorme Tiefe und Atmosphäre.
'Blind Faith' ist da schon etwas kompakter, aber nicht weniger intensiv. Ebenfalls ein langer Song, mit einem irren chorus ausgestattet und genialem Instrumentalteil.
'Misunderstood' ist wohl das mysteriöseste Stück, man schwankt zwischen Depressivität und Nachdenklichkeit. Teilweise scheint es, Gitarrist John Petrucci denke, er wäre Jimi Hendrix und würde entdecken, welche lustigen Effekte man aus der Gitarre holen kann...
"The Great Debate" beginnt ganz leise mit atmosphärischen Keyboards und eingestreuten Sprachsamples eines US-Nachrichtensprechers und steigert sich über Minuten hinweg bis zum grandiosen Höhepunkt. Der Song hat starke Anleihen von 'Rush' und ein schwieriges, jedoch sehr kritisch und erwachsen behandeltes Thema (Stammzellen-Forschung). Für mich ein Meisterwerk mit grandioser Melodie und einem druckvollen Rhythmus.
Darauf folgt "Disappear", für progressive Rock-Verhältnisse fast schon ungewöhnlich kurz und ohne große technische Eskapaden, eine sehr ruhig gehaltene Ballade, fast schon unterkühlt. Mit melancholischer Stimmung, aber ungeheuer intensiv wird damit CD1 beendet.
Sehr faszinierend fand ich bereits auf dieser CD, dass ungewöhnliche Gesangstile anzutreffen sind, die von elektrischen Verfremdungen bis hin zu ungewohnt aggressiven Vokals von James LaBrie reichen. Schon erstaunlich, was er mit seiner Stimme alles machen kann.
## CD2 ##
Der Titelsong beansprucht dann eine ganze Silberscheibe für sich und besticht mit grandiosen Seventies-Synthie-Kaskaden und einem beeindruckenden Musik/Text-Konzept, das auf passgenaues Wechselspiel zwischen Musik und Stimme setzt. Für mich ist das die beste Verquickung von Metal- und Klassikelementen, die ich seit langem gehört habe.
Mit klassischen Anleihen (Overture, Reprise und Grand Finale), Yes-, Rush-, Marillion- und vielleicht sogar Saga-Einflüssen versehen wird hier ein geradezu unglaubliches Werk abgeliefert, welches sicher von den Erfahrungen der Bandmitglieder in diversen Nebenprojekten (allen voran Transatlantic oder etwa Mullmuzzler) lebt.
Wie ich es selten zuvor gehört habe, werden hier Klassik, Progressive Rock, Metal und auch Elemente anderer Musikrichtungen perfekt vermischt in einem "Gesamtkunstwerk" von sehr hohem Niveau vereint. Spannung und Abwechslung fesseln einen von der ersten bis zur letzten Sekunde, man wird auf eine Reise mitgenommen, die durch allerlei Klangbilder führt. Die Reise endet, wie das eben sein muss, mit dem "Grand Finale".
Aber von vorne:
CD zwei startet also mit „Overture“, die auf geniale Weise Rock und Klassik zusammenführt: Streicher, Keyboards, Gitarren – bombastisch, voluminös...
...weiter geht es mit „About to crash“, das von erstklassigen Keyboard- und Gitarrenarrangements und melodischem Gesang getragen wird.
Den ruhigen Pfad verlassen Dream Theater dann mit „War inside my head“, einem Song, der recht bedrohlich klingt. Fette Sounds von Mike Portnoy und derber Gesang von James LaBrie runden dieses Highlight ab. Beinahe nahtlos geht dieser Song in „The test that stumped them all“ über. Er wirkt auf mich ein wenig abgefahren, da recht ungewohnte Stilmittel zum Zuge kommen. Auch die anschließenden Soli folgen nicht unbedingt einer klaren Linie.
Bei „Goodnight kiss“ beruhigt sich die Stimmung wieder. Dieser Song wird vor allem von Sänger James LaBrie getragen, der allein mit seiner Stimme eine ungemein starke Atmosphäre erzeugt. Der ruhigste Abschnitt in den 42 Minuten schmeichelt den Ohren und ist dennoch opulent arrangiert. Nach ungefähr drei Minuten übernehmen seine Mitstreiter wieder das Regiment, wobei sie die vorher aufgebaute Atmosphäre nicht zerstört, sondern diese fließend zu „Solitary Shell“ weiter tragen. Ein Song, der mit genialen genialen Soli von John Petrucci und Jordan Rudess, sowie einem erneut starken James LaBrie aufwartet.
Die Reprise von „About to crash“ führt die Story allmählich dem Ende zu. Es ist ein atmosphärisch dichter Song, mit Gitarrenklängen, die mich ein wenig an Kansas erinnern.
Mit seinem Spiel treibt Mike Portnoy zu einem sich immer mehr steigendem Schluss, der direkt in “Losing Time/Grand Finale“ übergeht. Es ist der Abschluss eines überwältigenden Albums.
## zusammengefasst ##
Dream Theater liefern ein erstaunlich frisches, abwechslungsreiches u. selbstredend hervorragendes Album ab und decken dabei ein breites Klangspektrum ab - virtuos gespielt, modern produziert, irrwitzig arrangiert. Wunderbar heterogen, sowohl für Anhänger von Metal, wie auch für Fans des ProgRock zu empfehlen.
Interessant ist für mich, dass beide CDs eine völlig unterschiedliche Stimmung vermitteln. Ist die CD1 recht derb, fies und teilweise verstörend, verbeugen sich DT auf der CD2 vor dem ProgRock der 70er, nur mit moderneren Mitteln.
6DOIT ist ein Album, das man auf sich wirken lassen muss und dessen gesamte Bandbreite man erst nach mehrfachem Hören enthüllen und verarbeiten kann. Ist die Musik doch - verglichen mit dem, was uns sonst so in dem Bereich geboten wird - extrem komplex und dadurch recht anstrengend. Es gehört für meine Begriffe in jede wohlsortierte Plattensammlung hinein.
Abschließend noch etwas zur Bandgeschichte:
1985 lernten sich die Musikstudenten John Petrucci (Gitarre), John Myung (Bass) und Mike Portnoy (Drums) kennen und gründeten zusammen mit dem Keyboarder Kevin Moore, die Band MAJESTY.
Erst 1989 erschien das Debutalbum WHEN DREAM AND DAY UNITE. Dream Theaters Musik bestach mit unverwechselbaren Sound, harten Riffs, aber auch melodischen, schönen Parts. Das ganze arrangiert in komplexen Songs, die nicht selten an der 10 Minuten Grenze kratzten. Der große Durchbruch kam immer noch nicht.
3 Jahre später erschien dann IMAGES AND WORDS, das in den USA vergoldet wurde.
Es folgten weitere Alben: AWAKE (1994), FALLING INTO INFINITY (1997) und METROPOLIS PART II SCENES FROM A MEMORY (1999), dazu 3 LIVE-Alben.
Aktuell ist die Band mit der Besetzung PETRUCCI, MYUNG, PORTNOY sowie James La Brie (Gesang) und Jordan Ruddess (Keyboard) aktiv.
Ich hoffe, ich konnte Euch diese CD ein wenig näher bringen und bedanke mich schon mal - wie immer - für’s Lesen, Bewerten und natürlich auch über Eure Kommentare.
© Andreas Häfner
(am 25.02.2002 für ciao)
Übrigens: bei amazon.de ist die Doppel-CD aktuell zum Preis von EUR 19.99 zu haben...
Auf die Empfehlung meines Plattenhändlers hörte ich dann zumindest mal hinein – entschied mich spontan zu kaufen, und ich kann es vorwegnehmen – wurde nicht
enttäuscht!
Es handelt sich um die noch recht neue Doppel-CD „Six Degrees Of Inner Turbulence“. Doppelt deshalb, weil eine CD kaum genügt hätte, die herrlich erfrischende Kreativität zu bannen. Sechs Songs auf zwei CDs mit einer Gesamtspielzeit von 96.22 Minuten, die kürzeste Nummer des Albums dauert knapp sieben Minuten – allein der Blick auf die nackten Zahlen ist beeindruckend:
CD1:
The Glass Prison 13:52
Blind Faith 10:21
Misunderstood 09:34
The Great Debate 13:43
Disappear 06:46
CD2:
Six Degress of Inner Turbulence 42:02
## CD1 ##
Mit der ersten CD fangen die Überraschungen erst an, denn sie besticht mit harten, thrashigen und dennoch melodischen Songs. Man schaut schon, ob man nicht eine alte Megadeath oder Metallica erwischt hat - aber waren Metallica (speziell Kirk Hammet) jemals so virtuos ?
Das Album beginnt mit „Glass Prison“, genauer gesagt, mit einem statischen Rauschen, in das sich langsam die Instrumente mischen, bis der Song dann wie eine Dampfwalze übers Parkett donnert. Vor allem durch die Keyboards von Rudess erhält der Song aber selbst bei heftigsten Trash-Metal-Gewittern eine enorme Tiefe und Atmosphäre.
'Blind Faith' ist da schon etwas kompakter, aber nicht weniger intensiv. Ebenfalls ein langer Song, mit einem irren chorus ausgestattet und genialem Instrumentalteil.
'Misunderstood' ist wohl das mysteriöseste Stück, man schwankt zwischen Depressivität und Nachdenklichkeit. Teilweise scheint es, Gitarrist John Petrucci denke, er wäre Jimi Hendrix und würde entdecken, welche lustigen Effekte man aus der Gitarre holen kann...
"The Great Debate" beginnt ganz leise mit atmosphärischen Keyboards und eingestreuten Sprachsamples eines US-Nachrichtensprechers und steigert sich über Minuten hinweg bis zum grandiosen Höhepunkt. Der Song hat starke Anleihen von 'Rush' und ein schwieriges, jedoch sehr kritisch und erwachsen behandeltes Thema (Stammzellen-Forschung). Für mich ein Meisterwerk mit grandioser Melodie und einem druckvollen Rhythmus.
Darauf folgt "Disappear", für progressive Rock-Verhältnisse fast schon ungewöhnlich kurz und ohne große technische Eskapaden, eine sehr ruhig gehaltene Ballade, fast schon unterkühlt. Mit melancholischer Stimmung, aber ungeheuer intensiv wird damit CD1 beendet.
Sehr faszinierend fand ich bereits auf dieser CD, dass ungewöhnliche Gesangstile anzutreffen sind, die von elektrischen Verfremdungen bis hin zu ungewohnt aggressiven Vokals von James LaBrie reichen. Schon erstaunlich, was er mit seiner Stimme alles machen kann.
## CD2 ##
Der Titelsong beansprucht dann eine ganze Silberscheibe für sich und besticht mit grandiosen Seventies-Synthie-Kaskaden und einem beeindruckenden Musik/Text-Konzept, das auf passgenaues Wechselspiel zwischen Musik und Stimme setzt. Für mich ist das die beste Verquickung von Metal- und Klassikelementen, die ich seit langem gehört habe.
Mit klassischen Anleihen (Overture, Reprise und Grand Finale), Yes-, Rush-, Marillion- und vielleicht sogar Saga-Einflüssen versehen wird hier ein geradezu unglaubliches Werk abgeliefert, welches sicher von den Erfahrungen der Bandmitglieder in diversen Nebenprojekten (allen voran Transatlantic oder etwa Mullmuzzler) lebt.
Wie ich es selten zuvor gehört habe, werden hier Klassik, Progressive Rock, Metal und auch Elemente anderer Musikrichtungen perfekt vermischt in einem "Gesamtkunstwerk" von sehr hohem Niveau vereint. Spannung und Abwechslung fesseln einen von der ersten bis zur letzten Sekunde, man wird auf eine Reise mitgenommen, die durch allerlei Klangbilder führt. Die Reise endet, wie das eben sein muss, mit dem "Grand Finale".
Aber von vorne:
CD zwei startet also mit „Overture“, die auf geniale Weise Rock und Klassik zusammenführt: Streicher, Keyboards, Gitarren – bombastisch, voluminös...
...weiter geht es mit „About to crash“, das von erstklassigen Keyboard- und Gitarrenarrangements und melodischem Gesang getragen wird.
Den ruhigen Pfad verlassen Dream Theater dann mit „War inside my head“, einem Song, der recht bedrohlich klingt. Fette Sounds von Mike Portnoy und derber Gesang von James LaBrie runden dieses Highlight ab. Beinahe nahtlos geht dieser Song in „The test that stumped them all“ über. Er wirkt auf mich ein wenig abgefahren, da recht ungewohnte Stilmittel zum Zuge kommen. Auch die anschließenden Soli folgen nicht unbedingt einer klaren Linie.
Bei „Goodnight kiss“ beruhigt sich die Stimmung wieder. Dieser Song wird vor allem von Sänger James LaBrie getragen, der allein mit seiner Stimme eine ungemein starke Atmosphäre erzeugt. Der ruhigste Abschnitt in den 42 Minuten schmeichelt den Ohren und ist dennoch opulent arrangiert. Nach ungefähr drei Minuten übernehmen seine Mitstreiter wieder das Regiment, wobei sie die vorher aufgebaute Atmosphäre nicht zerstört, sondern diese fließend zu „Solitary Shell“ weiter tragen. Ein Song, der mit genialen genialen Soli von John Petrucci und Jordan Rudess, sowie einem erneut starken James LaBrie aufwartet.
Die Reprise von „About to crash“ führt die Story allmählich dem Ende zu. Es ist ein atmosphärisch dichter Song, mit Gitarrenklängen, die mich ein wenig an Kansas erinnern.
Mit seinem Spiel treibt Mike Portnoy zu einem sich immer mehr steigendem Schluss, der direkt in “Losing Time/Grand Finale“ übergeht. Es ist der Abschluss eines überwältigenden Albums.
## zusammengefasst ##
Dream Theater liefern ein erstaunlich frisches, abwechslungsreiches u. selbstredend hervorragendes Album ab und decken dabei ein breites Klangspektrum ab - virtuos gespielt, modern produziert, irrwitzig arrangiert. Wunderbar heterogen, sowohl für Anhänger von Metal, wie auch für Fans des ProgRock zu empfehlen.
Interessant ist für mich, dass beide CDs eine völlig unterschiedliche Stimmung vermitteln. Ist die CD1 recht derb, fies und teilweise verstörend, verbeugen sich DT auf der CD2 vor dem ProgRock der 70er, nur mit moderneren Mitteln.
6DOIT ist ein Album, das man auf sich wirken lassen muss und dessen gesamte Bandbreite man erst nach mehrfachem Hören enthüllen und verarbeiten kann. Ist die Musik doch - verglichen mit dem, was uns sonst so in dem Bereich geboten wird - extrem komplex und dadurch recht anstrengend. Es gehört für meine Begriffe in jede wohlsortierte Plattensammlung hinein.
Abschließend noch etwas zur Bandgeschichte:
1985 lernten sich die Musikstudenten John Petrucci (Gitarre), John Myung (Bass) und Mike Portnoy (Drums) kennen und gründeten zusammen mit dem Keyboarder Kevin Moore, die Band MAJESTY.
Erst 1989 erschien das Debutalbum WHEN DREAM AND DAY UNITE. Dream Theaters Musik bestach mit unverwechselbaren Sound, harten Riffs, aber auch melodischen, schönen Parts. Das ganze arrangiert in komplexen Songs, die nicht selten an der 10 Minuten Grenze kratzten. Der große Durchbruch kam immer noch nicht.
3 Jahre später erschien dann IMAGES AND WORDS, das in den USA vergoldet wurde.
Es folgten weitere Alben: AWAKE (1994), FALLING INTO INFINITY (1997) und METROPOLIS PART II SCENES FROM A MEMORY (1999), dazu 3 LIVE-Alben.
Aktuell ist die Band mit der Besetzung PETRUCCI, MYUNG, PORTNOY sowie James La Brie (Gesang) und Jordan Ruddess (Keyboard) aktiv.
Ich hoffe, ich konnte Euch diese CD ein wenig näher bringen und bedanke mich schon mal - wie immer - für’s Lesen, Bewerten und natürlich auch über Eure Kommentare.
© Andreas Häfner
(am 25.02.2002 für ciao)
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