Sonstige Konzerte Testbericht

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Erfahrungsbericht von sidhe

Onkelz 2002 - Die härteste Firma in ihrer Stadt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Lichter erlöschen, Sub7even betritt die Bühne der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Die Band spielt gute Musik, ähneln ein wenig „Linkin Park“, der Sänger spricht mit dem Publikum und versucht, Stimmung aufkommen zu lassen. Es wird geklatscht, mehr pro forma als vor Begeisterung, einige Singen mit und auch ein paar Hände werden zum Hallenhimmel gestreckt. Es kann keine reine Freude sein, an diesem Samstag als Vorgruppe der Onkelz zu spielen – die Halle wird ungeduldig, mit jedem neuen Lied, das angekündigt wird, schwinden die Hände, das Klatschen klingt immer genervter und es zeichnet sich Ungeduld in den Gesichtern. „Für all die, die uns von der Bühne herunter haben wollen, jetzt noch ein letztes Lied“ erlöst der Sub7even Sänger die Halle und so verlassen sie nach „Free your Mind“ die Bühne.

„Wir woll’n die Onkelz sehen“ hallt es durch die stickige Luft. Die warten. Die Bühne ist fertig umgebaut, der Vorhang gelüftet und das Publikum verlangt die Band. Die wartet. Der Geräuschpegel wird lauter, drängender, dringlicher und erst dann betreten die vier sie Bühne. Ein Feuerwerk geht los – wörtlich auf der Bühne und im übertragenen Sinne im Publikum. Sie beginnen mit instrumentalen Klängen, Peter „Pe“ Schorowsky martert das Schlagzeug und Matthias „Gonzo“ Röhr spielt die Gitarre. Stephan Weidner bedient den Bass, Kevin Russel schweigt noch, läuft auf der Bühne hin und her und wird in wenigen Momenten mit seiner unvergleichlichen Stimmen die Texte von der Bühne schleudern, die aus der Feder Stephans stammen.

„Ein Spiel mit Worten...“ zerreisst Kevins Stimme den verhalten Jubel, der noch anhält und löst gleichzeitig einen noch viel größeren damit aus. „Die Firma“ eröffnet das Konzert, sie singen von Wut in meinem Nacken und ich spüren den Bass im ganzen Körper, meine Knochen wackeln schier mit im Rhythmus. Die Halle singt, ich mit ihr, lasse mich mitreissen in dieser unvergleichlichen Stimmung, die ich bisher nur bei Konzerten der Onkelz erlebt habe. Nach dem Song Applaus – was hätte Sub7even wohl für dieses Euphorie gegeben, die den böhsen Jungs hier entgegen fliegt? „Schön, wieder Heimatluft zu schnuppern“ löst Stephan erneute Wogen von Applaus aus. Hinter den vier sind Leinwände aufgebaut, auf denen passend zum Song grobe Bilder erscheinen – „Dopamin“ ist die „Devise“ der ersten beiden Songs – „Die Firma“ und „Narben“. Zwei Großleinwände an beiden Seiten über der Bühne ermöglichen es den hinteren Rängen das Geschehen auf der Bühne mit zu verfolgen. Nach nur zwei Lieder scheint die Luft aus warmen Wasser zu bestehen, die Temperatur erreicht unangenehme Ausmaße.

Die Menschen lassen sich mitreissen mit dieser unvergleichlichen Gruppe, wie eine Person singen sie die Lieder mit, die Hände gen Decke gereckt. Die ohnehin schon wahnsinnige Stimmung erreicht neue Rekordmarken, als Stefan verlauten läßt, bisher sei das Publikum in Saarbrücken das beste gewesen. „Es wird Zeit, zu zeigen, was in Frankfurt los ist“ verlangt er – beim Echo schiele ich zu den Tribünen, ob die nicht Rissen bekommen. Ich war nicht in Saarbrücken, doch was ab diesem Zeitpunkt in Frankfurt passierte, kann niemals schlechter gewesen sein. „Oh wie ist das schön...“ teilen wir unserer Band mit, die sich lachend dafür bedanken. Das unvermeidliche Mexico wird gefordert und gespielt, eine singende und hüpfende Masse wogt hin und her, quer durch den Innenraum. „Nr. 1“ vom neuen Album ist live um ein hundertfaches besser als die CD-Version, ein böhses Märchen wird erzählt und bei „Find die Wahrheit“ erhebt Frankfurt bei „Reich mit die Hände“ die Arme, auf der Leinwand ist ein Meer von Händen zu sehen, die in die rauchgeschwängerte Luft gereckt sind.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten, die Halle singt, klatscht und schwitzt für die Böhsen Onkelz. „Schöne neue Welt“ ist für mich eine kleine Überraschung, noch mehr Stefans Ankündigung dieses Liedes, bei der er unter anderem über die bombenden Amerikaner spricht. „Ach sie suchen Streit“ ist ein weiterer „ältere“ Höhepunkt. Auch „Wie kann das sein“, als das Nachfolge-Lied von „Der nette Mann“ bezeichnet, wird gespielt.

Selbstverständlich fordern die Frankfurter Jungs auf ihrer Heimatbühne nicht nur besseres Bier bei der nächsten Veranstaltung sondern auch „Keine Amnestie für MTV“ – was die 13.000 Menschen in der Halle betrifft, wird dem Musiksender sicher keine Amnestie gewährt. Es werden auch leise Töne angeschlagen – „Wieder mal ein Tag verschenkt“ und mein Gänsehaut-Garant „Koma“ zum Beispiel. Irgendwann gegen viertel zwölf verlassen die vier die Bühne mit einem knappen „Machts gut“ – und dann erklimmt die Lautstärke weiter Gipfel – „Wir woll’n die Onkelz sehen“ folgt auf die durch Klatschen unterstützten „Onkelz“-Rufe, „Zugabe“ wird gefordert, „Böhse Onkelz“ gegrölt. Sie lassen sich feiern, sie haben es sich verdient.

Jubel bricht aus, als sie die Bühne wieder betreten und versichern „Wie ham nicht lange nicht genug“, bei „Gehaßt, verdammt, vergöttert“ schindet meine Stimme und mein Atme fast völlig, Gonzo rennt Gitarre spielender Weise durch den Fotograben! Kreuze begleiten eins der Lieder über etwas auf meiner Hassliste, „Kirche“. Eine deutliche Botschaft an die Politiker folgt „Macht für den der sie nicht will“. Gegen halb zwölf wird der nunmehr wirklich letzte Song angekündigt – mein Freund nimmt mich auf die Schulten, „Danke“ ruft Stefan dem Publikum zu und „Erinnerung“ beginnt. Feuerzeuge werden geschwenkt, die Menge klatscht und ein letztes Mal erheben alle die teils schon stark strapazierten Stimmen. Nach dem obligatorischen Abschiedslied verlassen wir die Halle, ein unvergleichlicher Abend nimmt ein viel zu schnelles Ende.

Meine Füsse schmerzen, meine Knie und mein Rücken nicht minder, mein Nacken ist vom „An die Leinwand“-Kucken total verspannt, ich habe dringend eine Dusche nötig, aber das war es tausendfach wert. Jedes einzelne Lied habe ich mitgesungen – ach, gegröhlt, stelle ich stolz fest. Sicher hätte ich die ganze Heimfahrt lang noch gesungen – wäre ich imstande gewesen, meinen Stimmbändern etwas anderes als ein rauhes Krächzen zu entlocken.

Ich kann nur sagen:
„Danke für alles, für diesen Traum dieses Privileg...“

Stimmungsmäßig zitiere ich aus dem Tourtagebuch:

"Kassel war schon beeindruckend – aber heute ist alles noch ´ne Ecke geiler, größer und besser! ... Frankfurt und die ONKELZ – das ist halt ´ne ganz besondere Paarung. "

Oh ja!!


"Nachwort"

Bitte entschuldigt, das ich mir nicht die Reihenfolge der Lieder merken konnte und auch nicht jeden gespielten Song aufgelistet habe (wär auch ein wenig langatmig geworden) aber dazu war ich in all meiner Begeisterung wirklich nicht in der Lage *g* Aber ich denke, das ist nicht nötig, um meine Erfahrung bei dem Konzert auszudrücken - und darum geht es ja!

Bin froh über jedes Kommentar und konstruktive Kritik!

NACHTRAG:
Der beste Fan an diesem Abend - hätte ich ein Foto dabei gehabt, hätte ich einen Film verknipst:

Eine ältere Dame (ca. Jahrgang meiner Oma) mit Strumpfhöschen, Faltenrock, weißer Bluse, Brille und ergrauten Locken - über der Bluse ein "Keine Amnestie für MTV" - Shirt! Da sag mal einer, Onkelz spricht nur eine bestimmte Gruppe von Leuten an!!!!!!!!



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ALTER BERICHT ALTER BERICHT ALTER BERICHT
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Onkelz 2001 - Jubiläumskonzert im Hexenkessel Frankfurt

In der Frankfurter Festhalle erlöschen die Lichter und „Onkelz“-Chöre werden laut. Doch wie immer zuerst eine Vorgruppe – „Suprados“ spielt laut und hart, eine gute Band um vor den Onkelz die ruhigen Fans anzuheizen und die wilden auszulaugen. Aber die Fans lassen sich nicht von einer Vorgruppe anheizen oder beruhigen. Die knapp 10.800 Menschen in und vor der Halle warten auf ihre Gruppe, auf den Grund, warum sie an diesem Sonntag hier sind.

Als die Vorgruppe die Bühne mit kaum mehr als einem Anstandsapplaus verlassen hat, sind auch die letzen Nachzügler in der Halle und grölen, wie aus einem Mund tönt durch den Raum: „Wir woll’n die Onkelz seh’n...“. Plötzlich die ersten Gitarrentöne und die Halle tobt. „Panamericana“, ein reines Akkustikstück, eröffnet das Konzert. Zwei große Leinwände schräg über der Bühne ermöglichen es auch den hinteren Plätzen die vier Jungs zu sehen. Von Lied zu Lied wird die Halle mehr und mehr zu einem Hexenkessel, in dem es mit jeder Minute stärker brodelt.

Der Baß vibriert im Körper nach, fühlt sich an wie ein zweiter Herzschlag, für manche wie der Herzschlag selbst. Die Fans singen jede Textzeile mit und als Sänger Kevin Russel einmal kurz aussetzen muß, geht der Song ohne ihn nicht weniger laut weiter. Der Bassist und Texter Stefan Weidner spricht zwischen den Liedern mit der Menge, bedankt sich, kündigt das nächste Stück an oder lacht einfach nur in das Mikrofon, wenn die „Onklez“-Rufe so laut werden, daß niemand mehr ihn verstehen würde. Matthias Röhr – als Gozo bekannt – erntet für seine Gitarrensolos tosenden Applau, von Peter „Pe“ Schorowsky sieht man nicht viel, hört aber um so deutlicher das dröhnende Schlagzeug.

Die Böhsen Onkelz sind laut und rauh. Sie verurteilen in ihren Liedern mit gnadenloser Offenheit und Härt alles, was ihnen nicht paßt. Sie verurteilen den Papst und das System der Kirche in dem Stück „Kirche“, bei dem hinter dem Sänger Kevin mit Licht ein großes Kreuz an die Wand geworfen wird – ein Anblick, reif für eine kleine Gänsehaut. Sie verurteilen die Presse – „fahrt zur Hölle“. Am dem Leinwänden werden verschiedene Zeitungsschlagzeilen gezeigt, die allesamt die Onkelz verdammen und verbieten – die vier ignorieren dies seit über 20 Jahren und singen noch heute „...wir lassen uns nicht unterkriegen, niemand hält uns auf...“.

Auf den Leinwänden fängt die Kamera die Stimmung in dem erhitzen Raum auf, nur Köpfe und hände scheinen die Halle zu füllen. Mit nichts ist diese Stimmung mit der, die „Suprados“ erlebten, zu vergleichen. Die böhsen Jungs sind noch ein bißchen härter, ein wenig lauter, impulsiver – sie sind einfach ein Stück echter, für die meisten hier ein Stück mehr Leben.

Das Lied „Danke“ von der neusten CD ist das Stück, bei der eingefleischte Onkelz-Fan wohl am liebsten weinen möchte. „Danke für alles, für diesen Traum, dieses Privileg...“, wahrscheinlich müssen noch einige mehr als ich schlucken während die vier singend versichern „...wir werden niemals auseinander gehen, wir werden immer zueinander stehen...“ und versprechen „...das wir nie vergessen, wer uns’re Freunde sind“.

Etwa um zwölf Uhr verlassen die vier scheinbar die Heimat-Bühne, die meisten hier wissen, daß sie sich nun feiern lassen. Kaum ist der letzte verschwunden, kocht die Luft in der Halle, geschwängert mit Rauch, zerissen von „Zugabe“ – Schreien und angereichert mit euphorischer Begeisterung. Die Onkelz lassen sich ein wenig Zeit, warten ein paar „Onkelz“-Chöre und ein wenig „Wir woll’n die Onkelz sehen...“ – Lieder ab, bevor sie unter ohrenbetäubenden Applaus, schrillem Pfeifen und Hochrufen wieder die Bühne betreten. Es folgen die letzten Lieder, sie erfüllen der schwitzenden Halle den Wunsch nach dem Lied „Mexiko“ und machen noch etwa eine halbe Stunde die Menschen hier glücklich – und heiser, bevor sie gegen Mitternacht ihr endgültig letztes Stück, das obligatorische „Erinnerung“, anstimmen und schließlich unter tosendem Applaus die Bühne verlassen.

Ende

Wenn ihr hier angekommen seit – schön, daß ihr euch die Zeit genommen habt, meinen Bericht zu lesen.
In diesem Fall heißt es nicht:
"Danke für Nichts"

In Liebe (-;

30 Bewertungen, 13 Kommentare

  • anonym

    27.11.2002, 16:14 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht. War in Kassel bei der vorletzten Tour, unvergesslich...

  • diewicca

    01.09.2002, 04:32 Uhr von diewicca
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich höre sie auch...Immer wieder

  • tr.o.p.

    19.08.2002, 17:31 Uhr von tr.o.p.
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Aber ich mag die Onkelz nicht. Auch wenn sie ihr politische Einstellungen geändert haben, können sie ihre Vergangenheit nicht einfach ausradieren.

  • L*G.Loki

    14.08.2002, 06:51 Uhr von L*G.Loki
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht, die Onkelz sind echt auf dem Vormarsch!!! CU L*G.Loki

  • Prinzalbert

    05.07.2002, 01:05 Uhr von Prinzalbert
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. Auch wenn das zwar nicht meine Musik ist, so haben die Jungs doch eine wahnsinnige Masse (Im Sinne der Menge) in ihren Bann gezogen. Das muss ihnen erst jemand nachmachen. mfg PA

  • WL999

    11.06.2002, 13:07 Uhr von WL999
    Bewertung: sehr hilfreich

    achso einfach bei Konzerte allgemein... gute Idee mach ich auch , bäh ! Bericht ist wie immer sehr gut !

  • walez

    08.05.2002, 00:32 Uhr von walez
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hast die stimmung gut rübergebracht war auch schon bei nem onkelz konzert

  • *Jayn*

    04.04.2002, 12:26 Uhr von *Jayn*
    Bewertung: sehr hilfreich

    ach der Molf war auch schon hier *gggg* ich kann mich ihm nur anschließen!!! :o)

  • DrDuke

    30.03.2002, 17:39 Uhr von DrDuke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die DVD / CD´s sind echt genial :))

  • DerMolf

    27.03.2002, 15:24 Uhr von DerMolf
    Bewertung: sehr hilfreich

    Was freu ich mich auf den 28.6. in Dortmund, war beinahe zwei Jahre nicht mehr auf 'nem Konzert... Geiler Bericht. Gruß, der Molf

  • forgi

    27.03.2002, 15:00 Uhr von forgi
    Bewertung: sehr hilfreich

    und bald in zürich die herren, ich freu mich ;)

  • KleineHexe82

    22.03.2002, 15:11 Uhr von KleineHexe82
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da wär ich auch gern gewesen...

  • sandy_spawn

    18.03.2002, 11:29 Uhr von sandy_spawn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch beim zweiten lesen, immer noch sehr gut! ;-) Gruss Sandy