Schweden: Stockholm Testbericht

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Erfahrungsbericht von ausforming_von_ciao

Venedig des Nordens

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

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Vor etwas mehr als einem Jahr suchte ich nach einer Stadt, in der ich meinen Sommerurlaub verbringen konnte. Da meine Eltern schon in Schweden waren und an die Hauptstadt Stockholm nur gute Erinnerungen hatten, entschied ich mich dann auch für das „Venedig des Nordens“. Die Reise buchte ich über das Reisebüro Breuninger, für die Anreise entschied ich mich für einen Flug mit der Lufthansa/SAS. Als ich in Stuttgart in den Flieger stieg, hatte ich das große Glück neben einem heimreisenden Schweden gleichen Alters zu sitzen. Da dieser nach einem dreimonatigen Deutschlandaufenthalt recht gut deutsch sprach, stellte die Verständigung keine Problem dar und er konnte mir einiges über Schweden und eben auch Stockholm erzählen. Der Flug ging auf diese Weise schnell vorüber und wir landeten ehe wir uns versahen auf dem Flughafen Arlanda. Da dieser doch recht außerhalb liegt, stellt sich schon das erste Problem, wie komme ich in die Stadt? Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt den Bus, oder den schnelleren und daher auch teureren Arlanda-Express. Ich entschied mich für den Schnellzug, nicht zuletzt da auf einer Karte zwei Personen fahren können. Da wir ja im Moment noch zu zweit waren hielt sich der Preis noch in Grenzen. Nach circa 20 Minuten erreichten wir City-Terminalen, den Hauptbahnhof Stockholms, wo sich auch unsere beiden Wege trennten. Nach einer kürzeren Suche kam ich dann bei meiner Bleibe für die nächste Woche , dem Wallin-Hotel, an. Das Hotel besitz zwar recht kleine Zimmer, bietet aber ein gutes Frühstücksbüffet und liegt recht zentral.

GESCHITE STOCKHOLMS
Da wir nun ja in Stockholm sind, ist es an der Zeit ein wenig über die Geschichte der Stadt zu erzählen. Stockholm wurde um das Jahr 1250 von Birger Jarl gegründet und entwickelte sich, Dank seines Hafens, zu einer bedeutenden Hansestadt. Wenige Jahre nach dem „Stockholmer Blutbad“, bei dem viele Adelige hingerichtet wurden, stieg Stockholm unter der Wasa-Dynastie 1523 zur Hauptstadt auf. In den folgenden Jahren entwickelte sich Stockholm von seinem ursprünglichen Zentrum, das nur auf vier Inseln lag, zu einer Millionenstadt, die mittlerweile auf 14 Inseln liegt (und das bezieht sich nur auf die eigentliche Stadt, mit allen Vorstädten erstreckt sich Stockholm noch erheblich weiter übers Land).
Aus neuerer Zeit sollte vielleicht auch noch ein Datum genannt werden. Seit 1952 ist Stockholm untertunnelt, das heißt es fährt eine U-Bahn.


Kommen wir nun zum Urlaub an sich. Was sich sehr schnell herausstellt ist, dass Stockholm, wie eigentlich alle Metropolen, nicht gerade günstig ist. Daher empfielt es sich, sofern man körperlich dazu in der Lage ist, die Stadt per pedes zu erkunden. Das Zentrum ist insgesamt recht kompakt und bereitet dabei keine Schwierigkeiten, zu auswärtigen Zielen wie dem Kaknästornet, dem Fernsehturm, nimmt der Weg aber schon eher den Charakter einer kleinen Wanderung an. Allerdings läuft man durch recht schönes Terrain, ist Stockholm doch die einzige Stadt weltweit, die in ihrem inneren einen Naturschutzpark besitzt. Neben dem Kaknästornet, der eine grandiose Aussicht liefert, architektonisch aber nicht allzu viel hergibt, finden sich noch weitere lohnenswerte Sehenswürdigkeiten.

SEHENSWÜRDIGKEITEN
Eines der schönsten Museen ist das „Vasa-Museet“. Hier liegt eines der bekanntesten Schiffe Schwedens auf dem „trockenen“. Die Vasa war zu ihrer Zeit, die war aber kürzer als gedacht, das größte Kriegsschiff Schwedens. Am 10. August 1628 war der große Tag der Jungfernfahrt, es war ein strahlender Tag mit wunderschönem Wetter, die Bevölkerung blickte voller Ehrfurcht auf das Schiff und bejubelte vermutlich die Bauherren. Als das Schiff aber mitten im Hafenbecken war kam ein leichter Wind auf und das Schiff kenterte und versank auf der Stelle. Im 20. Jahrhundert wurde die Vasa wiederentdeckt, gehoben, konserviert und ist seit 1990 im gleichnamigen Museum zu sehen. Besonders beeindruckend ist auch ein originalgetreuer Nachbau eines der Decks, in dem einem bewusst wird, wie hart die Arbeit auf so einem Segler war.

Gamla Stan, der historische Stadtkern, bietet ebenfalls einige Sehenswürdigkeiten. Neben dem Schloss finden sich hier auch noch der Dom, ein Münzmuseum (nicht unbedingt für jeden was, aber eigentlich ganz interessant) und natürlich auch einige schöne alte Häuser. Eine Besichtigung des Schlosses lohnt sich auf jeden Fall, die Kombikarte für alle vier Schloss-Museen kostete vor einem Jahr auch nur 100 SKr (etwa 15€), was für Stockholm doch recht günstig ist. Beim Dom verhält es sich dagegen wie bei allen anderen Stockholmer Kirchen auch, hier kostet nicht wie bei uns nur ein Turmaufstieg Eintritt, sondern auch das ganz normale Betreten der Kirche. Ist zwar nicht so teuer, aber wenn man sich ein zwei davon angeschaut hat, kann man sich den Rest wohl sparen.

Der Stadtteil City bietet leider nicht mehr viel von historischem Wert, da Mitte des letzten Jahrhunderts sämtliche alten Gebäude abgerissen worden sind und durch Betonbauten ersetzt wurden. Dafür ist die City nun das wirtschaftliche Zentrum. Hier findet man Kaufhäuser, Boutiquen und dergleichen.

Auf der kleinen Skeppsholmen finden sich vor allem Museen. Neben dem Architektur Museum gibt es auch noch eines für moderne Kunst sowie ein Theater.

Die Insel Djurgarden war da doch eher wieder mein Fall. Sie ist Teil des Nationalparks und ist der Ort des ältesten Freilichtmuseums weltweit, Skansen. Hier wird einem die frühere Lebensweise der Schweden nähergebracht. Auf dem Gelände gibt es viele Höfe und Handwerksbetriebe, in denen zum Teil noch Waren hergestellt werden. Neben diesem traditionellen Leben ist auf Djurgarden auch das krasse Gegenteil beheimatet. Am süd-westlichen Ufer erstreckt sich nämlich der, etwas überteuerte, Freizeitpark Gröna Lund. Freizeitpark heißt hier allerdings nicht, dass man auf etwas in der Größenordnung eines Europaparkes trifft, Gröna Lund ist eher recht klein, der Platz in der Stadt ist eben auch stark begrenzt. Weitere Attraktionen auf Djurgarden sind das „Nordische Museum“ und das oben genannte „Vasa-Museet“.

Weitere lohnenswerte Ziele, die aber nicht auf den vier Hauptinseln liegen sind zum Beispiel das Sstadshuset (Rathaus), von dessen Turm man einen weiten Blick über die Stadt genießen kann. Dieser Aufstieg ist vor allem den Leuten zu empfehlen, die nicht vor die Stadt zum Fernsehturm wollen (der hat dafür einen Aufzug).
Wenn man auf einem der Türme war, dürfte einem die Silhouette des Globen eigentlich nicht entgangen sein. Diese Allzweckarena ist das weltweit größte kugelförmige Gebäude, hierher sollte man aber wirklich mit der Tunnelbana fahren, da die Landschaft aus eintönigen Bürogebäuden und vollen Großstraßen besteht. Ebenfalls etwas merkwürdig mutet das Olympiastadion der Stadt an, man wird eher an eine Burg erinnert. Das einzige was diesen Eindruck stört, ist das Flutlicht auf dem zinnenbewehrten Turm.
Was man in bei seinem Stockholm Aufenthalt auch unbedingt machen sollte, ist ein Besuch der Fjällgatan. Besonders am Abend genießt man von dieser Straße aus einen schönen Blick auf die Stadt und den Sonnenuntergang im Hintergrund gibt’s kostenlos dazu.

Ein weiteres Muss ist natürlich eine Schifffahrt zu den Schären-Inseln. Erst wenn man das „mondäne“ Stockholm verlassen hat, bekommt man einen Eindruck vom wirklichen Schweden. Bei diesen Schären-Touren gibt es eine riesige Auswahl, es gibt ja auch mehrere tausend Schären. Allen gemein ist aber, dass man schon recht früh am Steg sein sollte. Das dürfte jedoch nicht schwer fallen, da es im Sommer sehr früh hell wird, wacht man natürlich auch schon früh auf. Neben dieser „großen“ Schifffahrt lohnt sich auch eine kleine Stadtrundfahrt mit dem Schiff. Man erhält einige interessante Informationen und hört auch ein paar Anekdoten.

EINIGE BESONDERHEITEN
Wer im Sommer nach Stockholm fährt und mit dem Wetter etwas Glück hat, der kann sogar in der Stadt baden. Das Wasser ist hier (Ostsee) säuberer als in den meisten anderen Metropolen und so steht dem Badevergnügen nichts mehr im Wege. Außerdem kann man, wenn man sich dafür interessiert, in der Stadt auch angeln und zwar ohne Angelschein (war zumindest vor einem Jahr noch so).
Eine Besonderheit, es ist eigentlich traurig, dass ich das als Besonderheit hervorheben muss, ist die Freundlichkeit der Stockholmer. Wenn man jemanden etwas fragt, erhält man auf fließendem Englisch bereitwillig Auskunft. Außerdem ist die Schwedische Mentalität auch etwas anders als bei uns. Auch wenn es eine Höflichkeitsform gibt, sie sind eigentlich mit allen Schweden per Du.

GASTRONOMIE
Auf die Gastronomie trifft das Gleiche zu wie auf den Rest: Sehr teuer. Wer geldsparend essen möchte hat natürlich auch die Möglichkeit in einen Mc Donalds zu gehen, ich empfehle aber eher einen kleinen Kiosk, da man hier auch schwedische Gerichte, wie Kjöttböller (Fleischbällchen) und eben auch Fisch, erhält.
Beim Getränke trifft das Wort teuer vor allem auf das Öl, zu deutsch Bier, zu. Alkohol ist in Skandinavien eben nicht billig und so sollte man eben ein paar Tage drauf verzichten. Wer allerdings nicht auf Cola oder dergleichen umsteigen möchte, wird bald feststellen, dass es kein normales Mineralwasser mit Kohlensäure gibt. Entweder es ist Zitronenlimo, oder stilles Wasser, man gewöhnt sich aber auch dran.

LITERATUR
Ich hatte einen Marco-Polo-Reiseführer Schweden und einen Dorling-Kindersley-Reiseführer Vis-a-Vis Stockholm bei mir. Ersteren brauchte ich so gut wie nie, da er einfach zu allgemein ist, den Vis-a-Vis kann ich dagegen nur empfehlen. Mit hervorragenden Karten und sehr umfangreich führt er einen durch die Stadt und ihre Umgebung. Er ist preislich zwar teurer, doch diese Investition lohnt sich allemal.

FAZIT
Seit meinem Stockholmbesuch weiß ich, dass ich wieder zurückkommen werde. Dieser Urlaub war einer meiner schönsten und abwechslungsreichsten. Abgesehen von der Stadt, die sowieso eine Reise lohnt, hatte ich auch noch Glück mit dem Wetter, 25 Grad waren für Stockholmer Verhältnisse sogar etwas ausgefallen. Auf jeden Fall kann ich diese Stadt nur jedem empfehlen. Ob man nun Abends durch Gamla Stan bummelt (sehr lohnenswert), sich kulturell weiterbilden möchte, oder einfach nur Spaß haben will, Stockholm bietet für jeden etwas.

Ich hoffe ich konnte bei einigen Interesse für die schwedische Hauptstadt wecken,
bis demnächst, oder wie die Stockholmer sagen würden:

Vi ses snart, adjö

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