Studium Testbericht

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Erfahrungsbericht von Chris_Barnes

Studieren aber was?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

\"Jeder angehende Abiturient stellt sich oder sollte sich zumindest die Frage stellen, was er/sie mit seinem beruflichen Leben anfangen sollte. Möglichkeiten gibt es für Abiturienten zu genüge, so sagt man, doch gerade dieser Überfluss schafft das Problem der Unentschlossenheit und Unentschiedenheit.

Meistens steht man nach dem Abitur vor der Wahl: Ausbildung oder Studium. Grundsätzlich sollte man dem Studium immer den Vorrang lassen, denn angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung geht der Trend eindeutig zu mehr Qualifikation! Wenn man sich allein schon die Stellenanzeigen für Ausbildungsberufe anschaut, wird man feststellen, dass sehr oft nach dem Abitur als Mindestqualifikation gefragt wird. Noch zugespitzter ist die Lage der „gut Bezahlten“ Jobs. Hier ist ein akademischer Abschluss fast schon ein Muss.

Auch wenn man sich zunächst für eine Ausbildung entscheidet, so bleibt einem später immer noch die Option des Studiums. Dennoch sollte man bedenken, dass man älter wird und die Bereitschaft zum intensiven Lernen eventuell abnehmen könnte. Man sollte sich auch den Sinn und Zweck der Ausbildung für sich selbst klar machen. Wenn es nur darum geht eine Sicherheit zu haben, falls es mit dem Studium nicht klappt, so sollte man die Ausbildung lassen! Denn die drei Jahre kann man sicher sinnvoller nutzen. Für die Sicherheitsbewussten sollte die Strategie anders lauten: Erst anfangen zu Studieren und wenn es dann doch nicht funktioniert mit der akademischen Ausbildung, hat man immer noch die Möglichkeit in einem Betrieb eine Ausbildung zu absolvieren.

Wenn es für einen schon klar sein sollte, dass man studieren möchte, aber sich über das Studienfach noch nicht im Klaren ist, so gibt es eine Reihe von Möglichkeit der Unentschlossenheit entgegen zu treten.

Die erste Möglichkeit der Studienfachfindung führt zur eigenen Biographie. Man sollte überlegen was man in den letzen Jahren gelesen hat, womit man sich über einen längeren Zeitraum beschäftigt hat und welche Hobbys man hat. Wichtig ist vor allem das langjährige Interesse, denn ein Studium dauert in der Regel bis zu fünf Jahre und man muss sich im Klaren sein, dass man sich nicht nur über diesen Zeitraum mit ein und derselben Thematik beschäftigen wird, sondern wohlmöglich auch für das restliche Berufsleben. Denn ein akademischer Abschluss, auch wenn er wie beim Diplom berufsqualifizierend ist, sagt noch lange nichts darüber aus welchen Beruf man später ergreift. Ob man nun Richter, Anwalt oder Staatsanwalt wird, in jedem der Berufe muss man Jura studieren. Wenn jemand Richter werden will, aber kein ausgeprägtes Interesse an Paragraphen und Gesetzestexten hat, der sollte lieber die Finger davon lassen.

Im Mittelpunkt sollte immer das eigene Interesse, die eigenen Vorlieben und die eigene Leidenschaft am Fach stehen. Denn nur wenn das Fach Spaß macht und der Wissensdurst im Studium befriedigt wird, kann man erfolgreich studieren und gerät nicht in Gefahr zu einem Langzeitstudenten zu werden.

Das oft gebrauchte Argument, um Unentschlossene in eine Richtung zu lenken, ist die orakelartige Prophezeiung über die zukünftige Arbeitsmarktlage. Der so genannte Schweinezyklus zeigt, dass z.B. ein augenblicklicher Ingenieurmangel bewirkt, dass immer mehr Abiturienten anfangen sich für Ingenieurtechnische Studienfächer einzuschreiben. Abgesehen davon, dass manche nach einigen Semestern merken, dass ihnen das Fach doch nicht so liegt, werden manche überraschend feststellen, dass in den fünf Jahren, die das Studium dauerte, die Arbeitsmarktlage sich plötzlich so gebessert hat, dass Ingenieure plötzlich nicht mehr gefragt sind. Die Vorraussagen, die manche äußern, orientieren sich immer nur an der augenblicklichen Arbeitsmarkt Situation. Keiner wird mit Sicherheit sagen können wie die Lage in fünf Jahren aussehen wird. Die beste Empfehlung lautet also das zu studieren, was man am besten kann.

Wie aber kann man herausfinden was man am besten kann? Wie schon erwähnt ist die eigene Biographie ein erster und bester Anhaltspunkt für die Suche nach einem Studienfach. Hier kann man eine Liste erstellen mit allen Themen, für die man sich in seinem Leben bisher interessiert hat. Somit hat man nun eine Themenliste, mit der nach Studienfächern gefahndet werden kann.

Wenn ein ausgeprägtes Interesse an Kafka, Goethe und Co besteht, so wäre deutsche Philologie oder Germanistik eine gute Wahl. Beim Hobby Segelfliegen wäre ein Ingenieurstudium der Flug- und Raumfahrtstechnik nicht so abwegig. Wenn man stark Naturwissenschaftlich interessiert ist und sich sozial engagiert, ist ein Studium der Medizin durchaus in betracht zu ziehen.

Wenn das Studienfach gefunden ist, dann sollte man sich mit der Einführungsliteratur bzw. mit den Studieninhalten intensiv auseinandersetzen! Man sollte also für sich selbst ein Probestudium durchführen, denn etwas anderes wird während des Studiums auch nicht passieren. Denn auch dann muss man sich selbstständig und aus eigener Motivation heraus mit den Studieninhalten beschäftigen.
Wenn man feststellt, dass die Thematik des Studienfaches bei einem Langeweile hervorruft, dann sollte man besser zum nächsten Fach auf der Liste übergehen. Wenn man sich allerdings so sehr in die Einführungsliteratur eingelesen hat, dass man vor lauter Begeisterung die Zeit vergisst, dann ist das Wunschwach gefunden. Die Einführungsliteratur zu dem jeweiligen Fach findet man immer in den Kommentierten Vorlesungsverzeichnissen auf der Homepage jeder Universität. Der zentrale Punkt bei dem Studienfach ist, dass man selbständig und aus eigener Motivation bereit ist sich mit einem Thema über einen längeren Zeitraum intensiv auseinander zu setzen! Nur dann kann man ein Studium auch erfolgreich abschließen, ansonsten wird man recht schnell alles hinschmeißen oder das Fach wechseln müssen.

Parallel mit der Einführungsliteratur kann man auch Eignungstests machen, um zu prüfen, ob man den Anforderungen des Wunschfaches gerecht wird. Leider gibt es für nicht allzu viele Fächer Eignungstests. Für Informatik hat die Ludwig-Maximilians-Universität München einen Test[1] entwickelt, mit dem man sich selbst testen kann, ob man für ein Informatikstudium geeignet ist. Gleichzeitig erhält man auch einen kleinen Ausschnitt aus den Problematiken, mit denen sich Informatikstudenten auseinander setzen müssen.

Die Noten aus der Schule oder lediglich aus der Oberstufenzeit können nur bedingt für die Studienfachwahl herangezogen werden. Zum einen setzen sich die Noten auf dem Zeugnis aus einer schriftlichen und mündlichen Leistung zusammen und verfälschen somit die mögliche Eignung. Allerdings kann man sich die Klausuren der Oberstufe heraussuchen und schauen welche Leistungen dort erbracht wurden. Besonders aussagekräftig sind dabei grundsätzliche Fächer wie Mathematik oder Deutsch.

Als letzten Schritt bei der Suche nach seinem oder ihrem Wunschfach kann man Vorlesungen oder Seminare als Gasthörer in jeder beliebigen Universität besuchen. Man kann sogar nach seinen Interessen gehen und sich die Vorlesungen aussuchen, die einen tatsächlich interessieren. Dies ist vor allem wichtig, um zu erleben wie die Stimmung in den Vorlesungen und Seminaren ist. Man sollte dabei die Gelegenheit nutzen und auch mit den Studenten reden, damit man herausfinden kann, ob sie einem sympathisch erscheinen und ob einem die Stimmung und Mentalität der zukünftigen Kommilitonen gefällt. Natürlich wird man so etwas nicht nach zwei Stunden feststellen können, aber nach einigen besuchen der gleichen Vorlesung bekommt man eine kleine Ahnung.

Bei all der Suche nach dem Wunschfach sollte man allerdings einige Grundsätze im Hinterkopf behalten, um zu wissen worauf es bei der Studienfachwahl ankommt. Zunächst sollte man sich die Frage stellen „Was will ich wissen?“ und nicht etwa „Was will ich werden?“, denn ein ausgeprägtes Fachinteresse ist entscheidend für ein erfolgreiches und vor allem zufriedenes studieren. Nur wenn das Studium Spaß macht und man sich gerne mit dem Lernstoff auseinandersetzt, wird man Seminarscheine bekommen und Klausuren erfolgreich bestehen und das ist weitaus motivierender als ein Traum von einem tollen Beruf als Arzt oder Anwalt, den manche Studienanfänger hegen.
Jeder Student in spe kann feststellen, ob das Fach das richtige für einen ist, wenn er die folgenden drei Kriterien glaubt zu erfüllen: Begabung, Interesse und Kenntnisse. Eine mathematische Begabung im Mathematik- oder Informatikstudium genauso wie in jedem Ingenieursstudium ist unabdingbar und absolut essentiell. Außerdem muss ein ausgeprägtes Interesse bis zu einer Leidenschaft am Fach bestehen. Ebenfalls wichtig ist, dass man schon einige Kenntnisse im Wunschfach vorweisen kann, denn nur so weiß man auch womit sich die Disziplin beschäftigt, welche Fragen gestellt und Methoden verwendet werden.

Die bisherige Vorgehensweise bei der Suche nach dem optimalen Studienfach verfuhr deduktiv. Das heißt man versucht von außen ein Fach zu suchen und dann zu entdecken, ob die drei Faktoren Begabung, Interesse und Kenntnisse vorhanden sind. Nun kann man auch induktiv an das Problem heran gehen.

Einige Einrichtungen wie das Geva-Institut oder der psychologische Dienst des Arbeitsamtes bieten allgemeine Berufstests, in den man durch bestimmte Fragen nach den Fähigkeiten und Interessen des Probanden herausfinden kann, welches Studienfach diese Anforderungen verlangt. Dadurch kann man Enttäuschungen und Fehleinschätzungen vorbeugen, die entstehen können, weil man sich über die Gesamtheit der Anforderungen, die ein Fach an den Studenten stellt nicht intensiv genug auseinandergesetzt hat, um alle Facetten zu erkennen. Ein Beispiel für eine solche Fehleinschätzung wäre das Fach Psychologie. Viele Studienanfänger sind sich überhaupt nicht darüber im Klaren wie hoch der mathematische Anteil in diesem Fach ist. Bis zu sechs Semester Statistik müssen die Studenten bis zum Diplom pauken. Solche groben Schnitzer kann man aber auch schon in einem Beratungsgespräch beim BIZ, das vor dem Termin zum psychologischen Dienst steht, ausräumen.

Das Geva-Instutut bietet dem angehenden Studenten zwei Möglichkeiten an wie man seine oder ihre Begabungen herausfinden kann. Zum einen bietet das Institut den „Was soll ich werden? - Der Test zur Studien- und Berufswahl“ Test an, in dem hauptsächlich die Eingaben des Kunden ausgewertet werden, wie Interesse und Wünsche an den Wunschberuf. Diesen Test kann man als Schüler für 18 Euro für die online Auswertung bzw. 23 für eine gedruckte Auswertung erhalten. Einen Leistungstest in den Bereichen Mathematik, Sprache, logisches und Technisches Verständnis bietet der zweite Test „Der Eignungstest Berufswahl“ an, dazu sind auch die Inhalte aus dem ersten Test zu finden. Dieser Test schlägt mit 38 Euro bzw. 45 Euro zu buche.
Gratis und auch umfangreicher sind die Leistungs- und Interessentest beim psychologischen Dienst des Arbeitsamtes. Nach einem ersten Beratungsgespräch beim BIZ, in dem von dem Berater festgestellt wird, ob ein Test notwendig ist, hat der Proband eine Auswahl zwischen fünf so genannten SFBT (Studienfeldbezogene Beratungstest) und einem allgemeinen Test. Die Studienfeldbezogenen Beratungstests umfassen aktuell fünf Studienrichtungen, in denen die Eignung für das jeweilige Studienfach festgestellt werden kann. Zurzeit bietet der psychologische Dienst Test für die Studienfächer Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Informatik/Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Philologie an. Die Tests für Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften beinhalten Aufgaben aus den jeweiligen Teildisziplinen: Bei den Naturwissenschaften sind dies die Physik/Astronomie, Chemie und Biologie. Bei den Ingenieurwissenschaften wurden Aufgaben und Arbeitsproben aus den Studiengängen Elektrotechnik, Maschinenbau und Bauingenieurwesen zusammengefasst. Die Tests haben jeweils einen Zeitumfang von etwa zwei Stunden. Prinzipiell besteht die Möglichkeit alle Studienfachbezogenen Tests zu machen, sowie den allgemeinen Test, allerdings nehmen nur sehr wenige diese Masse an Tests auf sich. In jeden Testverfahren wird der Test mit einer ausgebildeten Psychologin oder Psychologen ausgewertet und besprochen. Hier bekommt man auch Tipps und Hilfestellungen bei der Wahl des Studienganges.

9 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Boadicea

    25.01.2005, 18:37 Uhr von Boadicea
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...ich finde es sehr schön, (da u.U. idealistisch), dass du rätst, das zu studieren was man möchte. Allerdings glaube ich schon, dass man mit Blick auf die Gegenwart, bzw. eher durch genaues Beobachten derselben schon gewisse Tendenzen erken