Das Parfum (gebundene Ausgabe) / Patrick Süskind Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von dani___
Der Zeck der Menschheit
Pro:
unglaubliche Story, faszinierend, spannend, wissenswert, lesenswert, einfach phantastisch
Kontra:
manchmal etwas langwierig beschrieben, sonst absolut nichts
Empfehlung:
Ja
Ich stehe inmitten eines Feldes, um mich herum befinden sich Bäume, Sträucher, von weitem kann ich eine Schnellstraße erkennen, außerdem sehe ich das Weiß eines Hauses auf einer kleinen Erhöhung.
Ich kann verschiedenste Düfte wahrnehmen: der reine Erdboden des Ackers, der bald besät wird, das Gras, das so grün leuchtet, wie man es sich immer vorstellt, der Mist vom Bauernhof, der keine 200m entfernt liegt und auch die Bäume, welche ihre Düfte von dem Wind weitertragen lassen.
Es vermischt sich zu einem Gebräu, was sich nur mit viel Sorgfalt und Disziplin entfalten lässt. Man braucht Zeit und Geduld, oder ganz einfach eine gute Nase. Eine Nase wie meine. Ich rieche undendlich viele Düfte, die sich in unserer Welt entfachen, entblösen, sich zusammentun zu einem Gebräu, die manche positiven aber auch viele negativen Gefühle auslösen, mit denen man verschiedenste Assoziationen hat.
Ich könnte mit verbundenen Augen durch die Welt gehen, es würde mir nichts ausmachen, ich finde mich auch so zurecht, weil alles seinen eigenen, individuellen Geruch hat. Ich kann sie differenzieren und jeder Sache zuordnen, meine Augen sind dafür uninteressant. Ich brauche nur meine Nase.
Doch meine Welt wird langweilig, mich ekelt diese Welt der Düfte an, ich will mehr, will etwas anderes, will etwas besseres. Und weil ich diese Arbeit niemanden auferlegen kann, muss ich sie selber tun...
... und so machte sich Grenouille auf seinen Weg...
+++Story+++
Grenouille, wer ist das? Was ist das? Grenouille wird in dem stinkigen Paris geboren, alles trieft von verschiedensten Gerüchen, die niemand mehr wahrnimmt, die ganze Ekelhaftigkeit stapelt sich hier auf einem Haufen.
Der erste, der das denkt ist Grenouille. Und Grenouille ist anders. Nicht nur, dass er ungewöhnlich aussieht und ihm nichts ausmacht, nein, er kann verschiedenste Sachen „erriechen“, braucht seine Augen dazu nicht. Er kann Grasssorten voneinander unterscheiden und muss sie vorher nie gesehen haben. Er registriert sie in seinem Düftekatalog und strukturiert diesen mit der Zeit durch.
Es erhält alles ein System. Grenouilles ganzes Leben gleicht einem System. Es scheint am Ende des Buches ganz klar zu sein, was Grenouille vorhatte, schon immer. Keine Angst, verraten wird hier das Ende nicht, aber es ist typisch.
Grenouille wird von niemanden gemocht, von ihm geht eine etwas andere Athmosphäre aus. Er hat keinen Körpergeruch, was ihn inmitten von den eigentlichen Menschen zu einem Außenseiter macht. Sie wollen keinen „Menschen“, der nicht so ist wie sie. Und Grenouille arrangiert sich mit dieser Rolle, er wurde noch nie aufrichtig gemocht und wird dieses Gefühl auch nie erfahren.
Sogar seine Pflegemutter, die nichts mehr riecht, glaubt schließlich, er sei vom Teufel besessen, gibt ihn daraufhin zu Grimal in eine Gerberei, in der er schwere Arbeit verrichten muss und beinahe an einer Krankheit gestorben wäre. Doch Grenouille ist zäh, oft kommt der Vergleich mit dem Zeck. Dem Zeck, der zäh und widerstandsfähig ist, dem das Warten und Lauern nichts ausmacht, der nur darauf wartet, endlich seine Chance zu bekommen. Grenouille wartet auch und für ihn kommt ein Moment, in dem er seinen Duft wahrnimmt, als er in Paris spazieren geht: er riecht ein Mädchen mit einem göttlichen, nahezu ganz perfekten Duft, zumindest damals war er noch perfekt, das er schließlich umbringt und aussaugt. Aussaugen? Wie das geht? Für jemanden, der das Buch nicht kennt und sich mit dem Inhalt nicht auskennt, ist das etwas skurill. Grenouille aber sitzt gelassen am Boden und atmet solange den Geruch des Mädchens ein, bis er voll bis oben hin damit ist. Wie als wenn ein normaler Mensch satt wäre und nicht mehr kann.
Ab diesem Moment weiß Grenouille, dass es auf der Welt nichts Höheres gibt, als sich einen eigenen Geruch zu schaffen, er möchte sich seinen eigenen kreieren. Durch Zufälle und eigenes Zutun landet er schließlich bei Baldini, einem alten und mitlerweile nicht mehr erfolgreichen Parfumeur in Paris und dort kann Grenouille viele Arten der Duftgewinnung erlernen. Auch Baldini hat bei der Einstellung seinen Vorteil, welche aber für unsere Geschichte uninteressant ist.
Grenouille wird aber nach Jahren krank, als er merkt, dass sein Vorhaben nicht mehr weiter geht: er steht an einem Punkt, an dem seine Welt, die Welt der Düfte, sich nicht mehr dreht. Er wird lebensbedrohlich krank, bis er von Baldini erfährt, dass es in Grasse noch weitere Methoden der Duftgewinnung gibt. Nach seiner Genesung macht sich Grenouille sofort auf und bleibt insgesamt sieben Jahre auf einem Hügel, wo er das Fehlen der menschlichen Gerüche zu schätzen lernt. Hier ist er allein und kein Mensch stört ihn in seiner Ruhe. Alles ist gut und er wäre wahrscheinlich bis zu seinem Tode dort geblieben, wenn er in seinem Traum, in dem er in einem purpurnen Schloss lebt und von seinem Wein, dem Duft des Mädchens trinkt, nicht zu viel bekommen hätte und plötzlich merkt, dass er selber überhaupt keinen Geruch an sich hat. Für ihn bricht eine Welt zusammen und er entschließt sich, sich auf den Weg zu machen.
Wieder einmal trifft er auf einen Menschen, der, genau wie Baldini, nur auf seinen Vorteil aus ist: ein Wissenschaftler nimmt ihn als Anschauungsmodell seiner Theorie her: Grenouille sieht nämlich nach sieben Jahren auf dem Berg sehr verwest aus. Lange Fingernägel und langes Haar, Hautfetzen hängen an ihm herab usw. Die Theorie besteht darin, dass man sich nur als Mensch am besten entwickeln könne, wenn man sich weit genug von der Erde befände. An Grenouille sieht man deutlich, dass er nun von dem sogenannten Verwesungsgas, dem fluvium letale, gezeichnet ist. Der Wissenschaftler will ihn nun in den folgenden Wochen aufpeppeln und damit beweisen, dass man, wenn man normal lebt, von der Erde weg, wieder jünger und vitaler wird.
Nach diesem Erlebnis macht sich Grenouille entgültig auf nach Grasse, denn das ewige „Beschaut-werden“ von Menschen, die er nicht kennt, widert ihn an.
Er kommt nach Grasse, findet bei Madame Arnulfi eine Anstellung (Parfumerie) und arbeitet dort unermüdlich. Nun beginnt seine eigentliche Tat, die „Das Parfum“ zu so einer widerwärtigen Geschichte macht. Er gewinnt Düfte, die er schließlich zu seinem Duft komponiert. Auf welche Weise er das macht, in welchem Zeitraum und wie das Buch schließlich endet, erfahrt ihr bei mir wie immer nicht.
Lest es lieber selber, es lohnt sich auf jeden Fall. Falls ihr keine Lust habt, könnt ihr mich im GB kontaktieren und nach dem Schluss fragen ;)
+++Sprache+++
Die Sprache in dem Buch ist meistens recht einfach. In manchen Passagen lassen sich Sätze finden, die etwas länger und damit auch schwieriger werden, weil sie zu verschachtelt wirken, aber auch diese kann man noch relativ einfach verstehen, weil der Inhalt des Buches in einer sehr komplexen Art und Weise widergegeben wird.
Ich hatte nie ein Problem, den Inhalt nicht zu verstehen, zumindest nicht der Sprache wegen. Es lässt sich sehr flüssig lesen, man muss jetzt nicht innehalten zwischendurch und sich überlegen, was der Autor damit sagen wollte. Ich habe auf Anhieb alles gut nachvollziehen können, und ich denke, auch bei meinen Mitschülern war das nicht anders.
Hier eine kleine Leseprobe, abgeschrieben aus dem Buch \"Das Parfum\" selbst (!!!):
\"Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille, und wenn sein Name im Gegensatz zu den Namen anderer genialer Scheusale, wie etwa de Sades, Saint-Justs, Fouchés, Bonapartes usw., heute in Vergessenheit geraten ist, so sicher nicht deshalb, weil Grenouille diesen berühmten Finstermännern an Selbstüberhebung, Menschenverachtung, Immoralität, kurz an Gottlosigkeit nachgestanden hätte, sondern weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt: auf das flüchtige Reich der Gerüche.\"
Ich denke, an diesem Beispiel kann man gut erkennen, dass die Sprache gut zu verstehen ist, aber auch eine Tücken birgt. Sicherlich kann man nicht darüber hinweglesen, sonst versteht man vieles nicht, aber es ist, wenn man sich Mühe beim Lesen gibt, und es auch gerne tut, auch keine größere Schwierigkeit das Buch zu meistern.
Mir hat es vom sprachlichen Teil sehr gut gefallen, nicht zuletzt durch die wahnsinnig vielen Adjektive und Aufzählungen, die er bringt, Vergleiche, die er zieht oder auch die makaberen, animalischen und perversen Textstellen, die man findet. Auch Fremdwörter sind im Buch zu finden, die jetzt aber nicht überwiegen oder dergleichen. Man kann sich auch immer gleich darunter vorstellen, was gemeint ist, man braucht also keinen Duden.
Durch diese geschilderten sprachlichen Mittel erscheint die ganze Geschichte viel anschaulicher, man kann es sich besser vorstellen und man bekommt über die 320 Seiten Hass, Groll und Grausamkeit auch mehr Lust, zu lesen, wenn es etwas lebendiger dargestellt wird.
Mich hat es sehr angetan, einfach aus dem Grund, weil die Sprache sicherlich nicht langweilig wurde, der Auro hat immer andere sprachliche Mittel mit einfließen lassen, sodass sein Werk geworden ist, was es jetzt darstellt.
+++Lesegefühl+++
Das Lesegefühl war durchaus positiv. Manchmal war es aber so, dass man sich fragen musste, warum das alles so ausführlich geschilderst ist.
Vor allem jetzt, im Nachhinein, könnte man viel Plenklerei einfach weglassen, weil es für die Geschichte von Grenouille völlig unerheblich ist. Zum Beispiel wird Baldinis Zeit beschrieben, bevor Grenouille zu ihm kam. Dass er unzufrieden mit sich, nicht erfolgreich in seinem Métier war. Man hätte es auch um einiges kürzer fassen können.
Es wird in solchen Passagen auch keinerlei Spannung ausgestrahlt, es wird auf nichts hingearbeitet, was das Lesen auf manchen Seiten, nicht zu einer Qual, aber dennoch schwerer als sonst macht.
In allen anderen Szenen kann man sich gut in die Menschen und Grenouille hineinversetzen und auch nachvollziehen, warum jetzt wer genau was gemacht hat. Spannung herrscht durchaus in dem Buch, ich konnte es kaum mehr weglegen, auch wenn ich es innerhalb kürzester Zeit für die Schule lesen musste. Ich hätte es auch sonst sehr schnell verschlungen, denn es hält einen einfach im Bann, man möchte wissen, wie es weiter geht, was Grenouille im nächsten Kapitel vorhat, was mit den Menschen passiert und so weiter.
+++Sonstiges+++
Der Preis für dieses Buch liegt bei 9,90€. Hätte ich anfangs nicht gedacht, dass es noch so teuer ist, weil es ja nicht gerade erst herausgekommen ist, aber gut, das Geld ist es auf alle Fälle wert. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie gut es ist, hätte ich es mir sicherlich schon lange gekauft. Aber wie immer war ich zu spät dran.
Das Buch hat 320 Seiten mit dem Parfum an sich gefüllt, danach werden auch noch andere Bücher kurz vorgestellt, die im Diogenes Verlag erschienen sind.
Weiter Informationen unter: www.diogenes.ch
ISBN: 3-257-22800-7
+++Eigene Meinung+++
Das Buch hat mich, wie gesagt, wirklich gefesselt. Kein anderes hat es seit längerer Zeit geschafft, mich für Stunden auf meinem Bett sitzen zu lassen und es aus purer Neugierde immer und immer weiter zu lesen. Dieses hier hat aber einen Esprit, der es möglich macht.
\"Das Parfum\" ist so vielfältig, es hat so viele verschiedene Persönlichkeiten, die mitwirken. Auch die Handlungen treffen oft so ein, wie man sie sich am wenigsten vorgestellt hat, ganz abgesehen davon, ob man sie sich vorher je vorstellen hätte können. Für jemanden wie mich, wäre es völlig unmöglich gewesen, sich das auszudenken. Der pure Gedanke an die Arbeit, das Verständis und die Menge an Fantasy lassen mich erblassen, denn für mich wäre das völlig unmöglich.
Ich werde hier auch keinerlei Interpretation verfassen, einfach aus dem Grund, weil es viele davon gibt und sich jeder seine eigene dafür heraussuchen muss. Das kann man natürlich nur, wenn man das Buch gelesen hat, für alle anderen würde eine Interpretation desselben nur zu viel verraten.
Wer es allerdings gelesen hat, kann wahrscheinlich verstehen, warum ich so sprachlos bin (ok, sieht man nicht an der Länge des Berichtes +gg+), es ist einfach phänomenal, dieses Buch. Unglaublich, wie man sich so eine eigene Welt erschaffen und das auch noch in so genialer Weise niederschreiben kann. Für mich ein Werk, das meine Achtung hat. Und wer weiß, vielleicht werde ich es demnächst noch einmal lesen, einfach aus dem Grund, weil ich nun weiß, wie es ausgeht, worauf ich achten muss und wo die Stärken des Autors liegen.
Auch andere Bücher von Patrick Süskind bleiben sicherlich nicht ungelesen, mal sehen, was die Zeit bringt.
Für mich auf jeden Fall ein Buch, das sich zu Lesen gelohnt hat, ich kann jedem empfehlen, der etwas für Deutsch und seine Literatur übrig hat, einen genaueren Blick auf dieses Werk zu werfen, denn es lohnt sich in jedem Fall.
Es ist so bannal, so abscheulich, so unfassbar.
+++Fazit+++
Das Buch \"Das Parfum\" ist für mich ein sehr bedeutendes Buch. Nicht nur, dass ich darüber meinen Hausaufsatz geschrieben habe und ich einige Seiten fast auswendig kenne, nein, es ist mehr, weil es einfach so absurd ist.
Die ganze Geschichte bekommt so viel Logik, wenn man versucht, wie Grenouille zu denken, dass man fast schon meint, man selber ist nicht mehr normal.
Der Autor schafft es doch tatsächlich, den Leser so zu verwirren und ihn auf eine Reise in die Welt der Düfte einzuladen.
Zum Abschluss: ich war so davon gefangen, dass ich sogar mal bei einem Spaziergang alle Düfte wahrnehmen wollte, die um mich herum ihr Unwesen trieben, so beschäftigt hat mich diese Materie. Wirklich faszinierend. Und ich bin mir sicher, dass ich noch den ein oder anderen Moment an dieses Werk verschwenden werde, es war einfach genial.
Bleibt mir nur noch, euch intensive Stunden der Leseerfüllung zu wünschen und natürlich auch eine gehörige Portion Lesespaß – dani ;)
PS: dieser Bericht ist mit viel Liebe für den momentanen Bücherfrühling erstellt worden ;)
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Ich kann verschiedenste Düfte wahrnehmen: der reine Erdboden des Ackers, der bald besät wird, das Gras, das so grün leuchtet, wie man es sich immer vorstellt, der Mist vom Bauernhof, der keine 200m entfernt liegt und auch die Bäume, welche ihre Düfte von dem Wind weitertragen lassen.
Es vermischt sich zu einem Gebräu, was sich nur mit viel Sorgfalt und Disziplin entfalten lässt. Man braucht Zeit und Geduld, oder ganz einfach eine gute Nase. Eine Nase wie meine. Ich rieche undendlich viele Düfte, die sich in unserer Welt entfachen, entblösen, sich zusammentun zu einem Gebräu, die manche positiven aber auch viele negativen Gefühle auslösen, mit denen man verschiedenste Assoziationen hat.
Ich könnte mit verbundenen Augen durch die Welt gehen, es würde mir nichts ausmachen, ich finde mich auch so zurecht, weil alles seinen eigenen, individuellen Geruch hat. Ich kann sie differenzieren und jeder Sache zuordnen, meine Augen sind dafür uninteressant. Ich brauche nur meine Nase.
Doch meine Welt wird langweilig, mich ekelt diese Welt der Düfte an, ich will mehr, will etwas anderes, will etwas besseres. Und weil ich diese Arbeit niemanden auferlegen kann, muss ich sie selber tun...
... und so machte sich Grenouille auf seinen Weg...
+++Story+++
Grenouille, wer ist das? Was ist das? Grenouille wird in dem stinkigen Paris geboren, alles trieft von verschiedensten Gerüchen, die niemand mehr wahrnimmt, die ganze Ekelhaftigkeit stapelt sich hier auf einem Haufen.
Der erste, der das denkt ist Grenouille. Und Grenouille ist anders. Nicht nur, dass er ungewöhnlich aussieht und ihm nichts ausmacht, nein, er kann verschiedenste Sachen „erriechen“, braucht seine Augen dazu nicht. Er kann Grasssorten voneinander unterscheiden und muss sie vorher nie gesehen haben. Er registriert sie in seinem Düftekatalog und strukturiert diesen mit der Zeit durch.
Es erhält alles ein System. Grenouilles ganzes Leben gleicht einem System. Es scheint am Ende des Buches ganz klar zu sein, was Grenouille vorhatte, schon immer. Keine Angst, verraten wird hier das Ende nicht, aber es ist typisch.
Grenouille wird von niemanden gemocht, von ihm geht eine etwas andere Athmosphäre aus. Er hat keinen Körpergeruch, was ihn inmitten von den eigentlichen Menschen zu einem Außenseiter macht. Sie wollen keinen „Menschen“, der nicht so ist wie sie. Und Grenouille arrangiert sich mit dieser Rolle, er wurde noch nie aufrichtig gemocht und wird dieses Gefühl auch nie erfahren.
Sogar seine Pflegemutter, die nichts mehr riecht, glaubt schließlich, er sei vom Teufel besessen, gibt ihn daraufhin zu Grimal in eine Gerberei, in der er schwere Arbeit verrichten muss und beinahe an einer Krankheit gestorben wäre. Doch Grenouille ist zäh, oft kommt der Vergleich mit dem Zeck. Dem Zeck, der zäh und widerstandsfähig ist, dem das Warten und Lauern nichts ausmacht, der nur darauf wartet, endlich seine Chance zu bekommen. Grenouille wartet auch und für ihn kommt ein Moment, in dem er seinen Duft wahrnimmt, als er in Paris spazieren geht: er riecht ein Mädchen mit einem göttlichen, nahezu ganz perfekten Duft, zumindest damals war er noch perfekt, das er schließlich umbringt und aussaugt. Aussaugen? Wie das geht? Für jemanden, der das Buch nicht kennt und sich mit dem Inhalt nicht auskennt, ist das etwas skurill. Grenouille aber sitzt gelassen am Boden und atmet solange den Geruch des Mädchens ein, bis er voll bis oben hin damit ist. Wie als wenn ein normaler Mensch satt wäre und nicht mehr kann.
Ab diesem Moment weiß Grenouille, dass es auf der Welt nichts Höheres gibt, als sich einen eigenen Geruch zu schaffen, er möchte sich seinen eigenen kreieren. Durch Zufälle und eigenes Zutun landet er schließlich bei Baldini, einem alten und mitlerweile nicht mehr erfolgreichen Parfumeur in Paris und dort kann Grenouille viele Arten der Duftgewinnung erlernen. Auch Baldini hat bei der Einstellung seinen Vorteil, welche aber für unsere Geschichte uninteressant ist.
Grenouille wird aber nach Jahren krank, als er merkt, dass sein Vorhaben nicht mehr weiter geht: er steht an einem Punkt, an dem seine Welt, die Welt der Düfte, sich nicht mehr dreht. Er wird lebensbedrohlich krank, bis er von Baldini erfährt, dass es in Grasse noch weitere Methoden der Duftgewinnung gibt. Nach seiner Genesung macht sich Grenouille sofort auf und bleibt insgesamt sieben Jahre auf einem Hügel, wo er das Fehlen der menschlichen Gerüche zu schätzen lernt. Hier ist er allein und kein Mensch stört ihn in seiner Ruhe. Alles ist gut und er wäre wahrscheinlich bis zu seinem Tode dort geblieben, wenn er in seinem Traum, in dem er in einem purpurnen Schloss lebt und von seinem Wein, dem Duft des Mädchens trinkt, nicht zu viel bekommen hätte und plötzlich merkt, dass er selber überhaupt keinen Geruch an sich hat. Für ihn bricht eine Welt zusammen und er entschließt sich, sich auf den Weg zu machen.
Wieder einmal trifft er auf einen Menschen, der, genau wie Baldini, nur auf seinen Vorteil aus ist: ein Wissenschaftler nimmt ihn als Anschauungsmodell seiner Theorie her: Grenouille sieht nämlich nach sieben Jahren auf dem Berg sehr verwest aus. Lange Fingernägel und langes Haar, Hautfetzen hängen an ihm herab usw. Die Theorie besteht darin, dass man sich nur als Mensch am besten entwickeln könne, wenn man sich weit genug von der Erde befände. An Grenouille sieht man deutlich, dass er nun von dem sogenannten Verwesungsgas, dem fluvium letale, gezeichnet ist. Der Wissenschaftler will ihn nun in den folgenden Wochen aufpeppeln und damit beweisen, dass man, wenn man normal lebt, von der Erde weg, wieder jünger und vitaler wird.
Nach diesem Erlebnis macht sich Grenouille entgültig auf nach Grasse, denn das ewige „Beschaut-werden“ von Menschen, die er nicht kennt, widert ihn an.
Er kommt nach Grasse, findet bei Madame Arnulfi eine Anstellung (Parfumerie) und arbeitet dort unermüdlich. Nun beginnt seine eigentliche Tat, die „Das Parfum“ zu so einer widerwärtigen Geschichte macht. Er gewinnt Düfte, die er schließlich zu seinem Duft komponiert. Auf welche Weise er das macht, in welchem Zeitraum und wie das Buch schließlich endet, erfahrt ihr bei mir wie immer nicht.
Lest es lieber selber, es lohnt sich auf jeden Fall. Falls ihr keine Lust habt, könnt ihr mich im GB kontaktieren und nach dem Schluss fragen ;)
+++Sprache+++
Die Sprache in dem Buch ist meistens recht einfach. In manchen Passagen lassen sich Sätze finden, die etwas länger und damit auch schwieriger werden, weil sie zu verschachtelt wirken, aber auch diese kann man noch relativ einfach verstehen, weil der Inhalt des Buches in einer sehr komplexen Art und Weise widergegeben wird.
Ich hatte nie ein Problem, den Inhalt nicht zu verstehen, zumindest nicht der Sprache wegen. Es lässt sich sehr flüssig lesen, man muss jetzt nicht innehalten zwischendurch und sich überlegen, was der Autor damit sagen wollte. Ich habe auf Anhieb alles gut nachvollziehen können, und ich denke, auch bei meinen Mitschülern war das nicht anders.
Hier eine kleine Leseprobe, abgeschrieben aus dem Buch \"Das Parfum\" selbst (!!!):
\"Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille, und wenn sein Name im Gegensatz zu den Namen anderer genialer Scheusale, wie etwa de Sades, Saint-Justs, Fouchés, Bonapartes usw., heute in Vergessenheit geraten ist, so sicher nicht deshalb, weil Grenouille diesen berühmten Finstermännern an Selbstüberhebung, Menschenverachtung, Immoralität, kurz an Gottlosigkeit nachgestanden hätte, sondern weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt: auf das flüchtige Reich der Gerüche.\"
Ich denke, an diesem Beispiel kann man gut erkennen, dass die Sprache gut zu verstehen ist, aber auch eine Tücken birgt. Sicherlich kann man nicht darüber hinweglesen, sonst versteht man vieles nicht, aber es ist, wenn man sich Mühe beim Lesen gibt, und es auch gerne tut, auch keine größere Schwierigkeit das Buch zu meistern.
Mir hat es vom sprachlichen Teil sehr gut gefallen, nicht zuletzt durch die wahnsinnig vielen Adjektive und Aufzählungen, die er bringt, Vergleiche, die er zieht oder auch die makaberen, animalischen und perversen Textstellen, die man findet. Auch Fremdwörter sind im Buch zu finden, die jetzt aber nicht überwiegen oder dergleichen. Man kann sich auch immer gleich darunter vorstellen, was gemeint ist, man braucht also keinen Duden.
Durch diese geschilderten sprachlichen Mittel erscheint die ganze Geschichte viel anschaulicher, man kann es sich besser vorstellen und man bekommt über die 320 Seiten Hass, Groll und Grausamkeit auch mehr Lust, zu lesen, wenn es etwas lebendiger dargestellt wird.
Mich hat es sehr angetan, einfach aus dem Grund, weil die Sprache sicherlich nicht langweilig wurde, der Auro hat immer andere sprachliche Mittel mit einfließen lassen, sodass sein Werk geworden ist, was es jetzt darstellt.
+++Lesegefühl+++
Das Lesegefühl war durchaus positiv. Manchmal war es aber so, dass man sich fragen musste, warum das alles so ausführlich geschilderst ist.
Vor allem jetzt, im Nachhinein, könnte man viel Plenklerei einfach weglassen, weil es für die Geschichte von Grenouille völlig unerheblich ist. Zum Beispiel wird Baldinis Zeit beschrieben, bevor Grenouille zu ihm kam. Dass er unzufrieden mit sich, nicht erfolgreich in seinem Métier war. Man hätte es auch um einiges kürzer fassen können.
Es wird in solchen Passagen auch keinerlei Spannung ausgestrahlt, es wird auf nichts hingearbeitet, was das Lesen auf manchen Seiten, nicht zu einer Qual, aber dennoch schwerer als sonst macht.
In allen anderen Szenen kann man sich gut in die Menschen und Grenouille hineinversetzen und auch nachvollziehen, warum jetzt wer genau was gemacht hat. Spannung herrscht durchaus in dem Buch, ich konnte es kaum mehr weglegen, auch wenn ich es innerhalb kürzester Zeit für die Schule lesen musste. Ich hätte es auch sonst sehr schnell verschlungen, denn es hält einen einfach im Bann, man möchte wissen, wie es weiter geht, was Grenouille im nächsten Kapitel vorhat, was mit den Menschen passiert und so weiter.
+++Sonstiges+++
Der Preis für dieses Buch liegt bei 9,90€. Hätte ich anfangs nicht gedacht, dass es noch so teuer ist, weil es ja nicht gerade erst herausgekommen ist, aber gut, das Geld ist es auf alle Fälle wert. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie gut es ist, hätte ich es mir sicherlich schon lange gekauft. Aber wie immer war ich zu spät dran.
Das Buch hat 320 Seiten mit dem Parfum an sich gefüllt, danach werden auch noch andere Bücher kurz vorgestellt, die im Diogenes Verlag erschienen sind.
Weiter Informationen unter: www.diogenes.ch
ISBN: 3-257-22800-7
+++Eigene Meinung+++
Das Buch hat mich, wie gesagt, wirklich gefesselt. Kein anderes hat es seit längerer Zeit geschafft, mich für Stunden auf meinem Bett sitzen zu lassen und es aus purer Neugierde immer und immer weiter zu lesen. Dieses hier hat aber einen Esprit, der es möglich macht.
\"Das Parfum\" ist so vielfältig, es hat so viele verschiedene Persönlichkeiten, die mitwirken. Auch die Handlungen treffen oft so ein, wie man sie sich am wenigsten vorgestellt hat, ganz abgesehen davon, ob man sie sich vorher je vorstellen hätte können. Für jemanden wie mich, wäre es völlig unmöglich gewesen, sich das auszudenken. Der pure Gedanke an die Arbeit, das Verständis und die Menge an Fantasy lassen mich erblassen, denn für mich wäre das völlig unmöglich.
Ich werde hier auch keinerlei Interpretation verfassen, einfach aus dem Grund, weil es viele davon gibt und sich jeder seine eigene dafür heraussuchen muss. Das kann man natürlich nur, wenn man das Buch gelesen hat, für alle anderen würde eine Interpretation desselben nur zu viel verraten.
Wer es allerdings gelesen hat, kann wahrscheinlich verstehen, warum ich so sprachlos bin (ok, sieht man nicht an der Länge des Berichtes +gg+), es ist einfach phänomenal, dieses Buch. Unglaublich, wie man sich so eine eigene Welt erschaffen und das auch noch in so genialer Weise niederschreiben kann. Für mich ein Werk, das meine Achtung hat. Und wer weiß, vielleicht werde ich es demnächst noch einmal lesen, einfach aus dem Grund, weil ich nun weiß, wie es ausgeht, worauf ich achten muss und wo die Stärken des Autors liegen.
Auch andere Bücher von Patrick Süskind bleiben sicherlich nicht ungelesen, mal sehen, was die Zeit bringt.
Für mich auf jeden Fall ein Buch, das sich zu Lesen gelohnt hat, ich kann jedem empfehlen, der etwas für Deutsch und seine Literatur übrig hat, einen genaueren Blick auf dieses Werk zu werfen, denn es lohnt sich in jedem Fall.
Es ist so bannal, so abscheulich, so unfassbar.
+++Fazit+++
Das Buch \"Das Parfum\" ist für mich ein sehr bedeutendes Buch. Nicht nur, dass ich darüber meinen Hausaufsatz geschrieben habe und ich einige Seiten fast auswendig kenne, nein, es ist mehr, weil es einfach so absurd ist.
Die ganze Geschichte bekommt so viel Logik, wenn man versucht, wie Grenouille zu denken, dass man fast schon meint, man selber ist nicht mehr normal.
Der Autor schafft es doch tatsächlich, den Leser so zu verwirren und ihn auf eine Reise in die Welt der Düfte einzuladen.
Zum Abschluss: ich war so davon gefangen, dass ich sogar mal bei einem Spaziergang alle Düfte wahrnehmen wollte, die um mich herum ihr Unwesen trieben, so beschäftigt hat mich diese Materie. Wirklich faszinierend. Und ich bin mir sicher, dass ich noch den ein oder anderen Moment an dieses Werk verschwenden werde, es war einfach genial.
Bleibt mir nur noch, euch intensive Stunden der Leseerfüllung zu wünschen und natürlich auch eine gehörige Portion Lesespaß – dani ;)
PS: dieser Bericht ist mit viel Liebe für den momentanen Bücherfrühling erstellt worden ;)
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48 Bewertungen, 1 Kommentar
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24.01.2007, 20:47 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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