Erfahrungsbericht von AustroError
Bugparade
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Notwendiges Vorwort
Am letzten Freitag (26. Oktober 2002) war \"Anno-Alarm\". Das am sehnsüchtigsten erwartete PC-Spiel aller Zeiten (alleine der Versandhandel registrierte 450.000 Vorbestellungen) wurde den Verkäufern von froh gelaunten Kunden nur so aus den Warenregalen gerissen. Ich will nicht vorgreifen, doch die meisten von ihnen werden beim Hinblättern der 50-Euro-Note an der Kasse wohl zum letzten Mal an diesem Tag gelacht haben...
Fünf Jahre hat es gedauert, bis Sunflowers/Max-Design den Nachfolger des Strategiehits Anno 1602 fertig programmierten. Das ist mehr als doppelt so lange, als sonst in dieser schnell lebigen Branche üblich. Was lange währt, wird gut? Nun, die Presseleute waren sich längst darüber einig und bezeichnete Anno 1503 schon Monate vor seinem Erscheinen als Spiel des Jahres. Die Lobhudeleien nahmen gar kein Ende, genauso wie das ständige Hinausverschieben des endgültigen Release-Termins. Ganz ähnlich wie bei \"Port Royale - Gold, Macht und Kanonen\" von Ascaron wurde mit Vorschuss-Lorbeeren nicht gegeizt...
Systemvoraussetzungen/Installation
Verlangt werden ein Pentium - Prozessor ab 500-MHz, 128 MB RAM, mindestens 930 MB freier Festplattenspeicher, sowie je eine DirectX7-taugliche Sound- und Grafikkarte. Das dazu ebenfalls notwendige Steuerprogramm (DirectX 8.1) wird mitgeliefert.
Die Installation dauert also schon ein Weilchen. Grund dafür ist jedoch nicht ausschliesslich die Tatsache, dass ein knappes Gigabyte an Daten von der CD (es sind derer übrigens zwei) auf die Festplatte geschaufelt werden müssen. Der aufwändige Kopierschutzmechanismus bremst die Datenübertragungsrate rapide ab. Um mich nicht miss zu verstehen: Ich halte diese Sicherheitsmaßnahme für absolut gerechtfertigt - niemand lässt sich Früchte jahrelanger Arbeit einfach so stehlen...
Das Intro hat es in sich. Selbst unser AMD Athlon XP1800 (vor einem Monat neu gekauft und durchweg mit guter und zur Zeit gängiger Marken-Hardware bestückt) war nicht in der Lage, die Videosequenzen ruckelfrei und synchron auf den Bildschirm zu zaubern. Schwer vorstellbar, wie eine 500-MHz CPU damit zurecht kommen könnte. Auf jeden Fall trotzdem eine sehr hübsch anzusehende Eröffnung für das \"Spiel des Jahres\"...
Die erste Überraschung
Der Menüpunkt \"Mehrspieler\" war abgedunkelt. Mit keinem Wort (oder hatte ich es überlesen?) hatten Max-Design/Sunflowers im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht. Im Internet fand ich dann die Lösung: Er (der Mehrspielermodus) sei zwar fertig programmiert, enthalte aber noch Bugs. Er werde jedoch in den nächsten 4 Wochen als kostenloser Patch im Internet zur Verfügung gestellt. Wie jetzt? Wer um alles in der Welt bringt nach 60 Monaten Entwicklungsarbeit ein unfertiges Produkt auf den Markt? Die Parallelen zu \"Port Royale\" zeichneten sich immer klarer ab. Ascaron hatte vor einem knappen halben Jahr das Mehrspielermodul ausgeliefert, welcher sich allerdings als unspielbar erwies. Übrigens ist das auch bei Anno 1503 der Fall. Im Installationsverzeichnis befindet sich im Ordner Data ein Programm namens AnnoNetTool. Einfach per Doppelklick starten (natürlich muss das VOR dem Start von Anno geschehen) und ein Häkchen vor MultiplayerPart setzen. Dann wird dieser Menüpunkt frei geschaltet und kann theoretisch auch genutzt werden.
Ich entschied mich - als braver Kunde - für die frei gegebene Einzelspielerversion...
Zum Spiel
Fremde Welten entdecken, besiedeln, ausbauen und verteidigen - so in etwa konnte man Anno 1602 beschreiben - beim Nachfolger Anno 1503 hat sich daran (Gott sei Dank) nichts geändert. Im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Games ist die Spielfläche zu Beginn nicht abgedunkelt - eine manigfaltige Inselwelt liegt vor unserem Schiff und wartet nur darauf, von uns genutzt zu werden. Im Gegensatz zum Vorgänger (da war jedes Eiland grün) sind die Landstriche nun typisiert worden - die Ländereien im Norden sind optisch sofort von denen im Süden zu unterscheiden, sie bieten verschiedene Flora, Fauna und Ressourcen an. Ob saftiges Grün mit einheimischer Tierwelt, heiße gelbe Steppe mit Elefanten, Tigern, Löwen und Giraffen oder Schnee überzogene Eiswüste, vor deren Küste sich die Wale tummeln - ein Augenschmaus ohne jeden Zweifel. Hier setzten die Programmierer neue Maßstäbe!
Mit den vorhandenen Baumaterialien an Bord unseres Schiffes können wir nun ein Kontor auf einer uns genehmen Insel errichten. Sind wir nahe genug an einem Landstrich erfahren wir nämlich, über welche Ressourcen dieser verfügt. Zudem gibt es einen so genannten Scout (ein mit einem Eselkarren \"bewaffneter\" Kundschafter), der die im Inneren des Landes vorhandenen Berge nach Bodenschätzen (Gold, Edelsteine, Eisen, Marmor, Salz) untersuchen kann. Für den Anfang sind Eisen und Salz wichtig...
Die Besiedlung ist denkbar einfach: Wir transferieren weitere Rohstoffe (Holz, Werkzeuge) von Bord in das neu erbaute Kontor, weisen unseren Siedlern Wohnraum (Holzbaracken) und Arbeit (Holzfäller, Jäger, Fischer, Farmer) zu. Die Siedlung sollte so schnell wie möglich unabhängig von den Rohstoffen des Schiffes werden.
Bei Anno 1602 wurden unsere Einnahmen (also die des Spielers) durch Steuern eingetrieben - beim Nachfolger ist das anders. Wir müssen Verkaufsstände errichten, in denen erwirtschaftete bzw. eingekaufte Güter (Nahrung, Leder, Salz, Gewürze etc.) an die Bevölkerung verkauft werden. Je nach Wohlstandsstatus (Anno 1503 bietet fünf an: Pionier, Siedler, Bürger, Kaufleute, Aristokraten) steigern sich natürlich die Bedürfnisse unserer Untertanen, die eines Tages auch nach Schmuck, Wein und Seide verlangen werden. Kommen wir diesen Wünschen nach, bauen die virtuellen Spielfiguren das Land mit immer prunkvolleren Gebäuden aus, schaffen wir es nicht, werden bald einige Häuser in sich zusammen fallen.
Völlig neu überarbeitet wurde das Militär- und Diplomatiewesen. Früher eher ein Anhängsel ist es nun zu einem wichtigen Punkt geworden. So kann in Schulen (später Universitäten) nicht nur nach zivilen Verbesserungen geforscht werden. Mit dem Wissen über die Produktion von Armbrüsten oder Belagerungswaffen können wir nicht nur unsere Siedlungen gegen Feinde und ungebetene Gäste (Piraten) schützen sondern auch selbst zum Angriff gegen andere Nationen vorgehen.
Soweit zur Theorie bzw. dem ungeheuren Potential, das in Anno 1503 steckt...
Die Wirklichkeit
Auf einem XP1800 dauert es eine, auf einem AMD K7 über zwei Minuten, bis die erforderlichen Daten nach einem Klick auf \"Einzelspieler\" geladen sind und wir aktiv ins Spiel eingreifen können. Nach ca. 2 Spielminuten Segeln auf Hoher See der erste Absturz - das allseits \"beliebte\" Windows-Fensterchen\" mit dem Hinweis auf einen unbekannten Ausnahmefehler begrüßte mich. Der Neustart des PC war nur über den abgesicherten Modus möglich, ein Neustart von Anno 1503 gar nicht mehr. Ein Klick auf \"Einzelspieler\" verlief sich in einer Endlosschleife. Abhilfe schaffte wieder einmal nur das Internet. Sunflowers/Max-Design schrieben dazu, dass das - ich zitiere - \"VIELE mögliche Ursachen\" haben könne. Zunächst müsse man ALLE Programme bis auf Systray und Explorer aus dem Speicher nehmen (auch die Netzwerkverbindungen - frage mich, wie da ein Mehrspielmodus möglich sein soll *grins* - und Virenscanner), sowie die neuesten Grafik- und Soundkartentreiber installieren. Solle das alles nichts nutzen, helfe ein Löschen der Dateien Szenes.cash im Ordner Scenes bzw. der Datei InselCache.txt im Ordner Islands. Im gleichen Atemzug wurde eine Adresse genannt, wo man defekte CDs austauschen könne, da es beim Brennen von CD2 (ohne die startet Anno 1503 nicht) offensichtlich zu Problemen gekommen sei.
Leute ohne Internet waren natürlich arm dran ohne diese Infos - allerdings stürzte bei denen Anno 1503 nur einmal ab und dann nie wieder, weil es sich ja nicht mehr starten liess.
Ich gehörte zu den \"glücklich Informierten\", suchte nach neueren Treibern (nicht vorhanden) und befolgte die anderen Anweisungen (liess aber frech die Netzwerktreiber drin). Und siehe da - es funktionierte. Zumindest konnte mein Scout eine Insel untersuchen. Nur nicht zurück beordern. Dummer Weise hatte ich ihn wohl zu einer Stelle ausgesendet, die ihn unglaublich faszinierte. Er weigerte sich nämlich standhaft, wieder zurück aufs Schiff zu kehren, hatte sich im Dickicht verhangen und war daher von nun an für mich unbrauchbar. Von Meuterei stand zwar nichts im Handbuch aber ich verzagte dennoch nicht. Es gelang mir auch ohne meinen abtrünnigen Spion, eine kleine funktionierende Siedlung aufzubauen. Sie kostete zwar immer noch mehr als sie einbrachte aber das ist ja selbst 500 Jahre später der Normalfall.
Als ich nach einem Druck auf die \"Pause-Taste\" wieder an den PC zurück kehrte, erwarteten mich beeindruckende Animationen - im gemeinen Volksmund auch Grafikfehler genannt. Mit ein paar ziellosen Klicks verschwanden diese aber nach und nach und ich wollte mich endlich um den Bau meiner Kirche kümmern. Leider rutschte ich dadurch recht schnell finanziell ins Minus. Wie nur wieder schwarze Zahlen schreiben? Doch Anno 1503 nahm mir diese Aufgabe konsequent und zügig ab ... und stürzte wieder mal ins Nivana - Totalcrash am PC...
Urteil
Auf meinem PC laufen Cossacks - The Art of War, Commandos 2, Desperados, Die Siedler IV, Port Royale (nach Patch 1.20), Railroad Tycoon II, Civilization III und - nicht zuletzt - der Vorgänger von Anno 1503 (also Anno 1602) so gut wie fehlerfrei. Also fast alles \"brandneue\" Spiele. Im Gegensatz dazu ist Anno 1503 unspielbar - für mich persönlich eine herbe Enttäuschung. Nicht die Idee und schon gar nicht die tolle Grafik. Aber was nützt mir das? Es macht mich höchstens noch wütender. In seiner jetzigen Version ist Anno 1503 nicht nur unvollständig (siehe Mehrspielermodus) sondern ein Garant für Frust und schlechte Laune!
Nachsatz
Heute bekam ich eine E-Mail von Amazon.de (dort habe ich das Game bestellt) mit einem Gutschein über 5 Euro. Begründung: Anno 1503 wurde im Preis gesenkt (von 49,99 Euro auf 42,99 Euro). Ein Schelm, der Böses dabei denkt...
Liebe Grüße
Steffen
(veröffentlicht unter den Pseudos GermanError und AustroError)
Notwendiges Vorwort
Am letzten Freitag (26. Oktober 2002) war \"Anno-Alarm\". Das am sehnsüchtigsten erwartete PC-Spiel aller Zeiten (alleine der Versandhandel registrierte 450.000 Vorbestellungen) wurde den Verkäufern von froh gelaunten Kunden nur so aus den Warenregalen gerissen. Ich will nicht vorgreifen, doch die meisten von ihnen werden beim Hinblättern der 50-Euro-Note an der Kasse wohl zum letzten Mal an diesem Tag gelacht haben...
Fünf Jahre hat es gedauert, bis Sunflowers/Max-Design den Nachfolger des Strategiehits Anno 1602 fertig programmierten. Das ist mehr als doppelt so lange, als sonst in dieser schnell lebigen Branche üblich. Was lange währt, wird gut? Nun, die Presseleute waren sich längst darüber einig und bezeichnete Anno 1503 schon Monate vor seinem Erscheinen als Spiel des Jahres. Die Lobhudeleien nahmen gar kein Ende, genauso wie das ständige Hinausverschieben des endgültigen Release-Termins. Ganz ähnlich wie bei \"Port Royale - Gold, Macht und Kanonen\" von Ascaron wurde mit Vorschuss-Lorbeeren nicht gegeizt...
Systemvoraussetzungen/Installation
Verlangt werden ein Pentium - Prozessor ab 500-MHz, 128 MB RAM, mindestens 930 MB freier Festplattenspeicher, sowie je eine DirectX7-taugliche Sound- und Grafikkarte. Das dazu ebenfalls notwendige Steuerprogramm (DirectX 8.1) wird mitgeliefert.
Die Installation dauert also schon ein Weilchen. Grund dafür ist jedoch nicht ausschliesslich die Tatsache, dass ein knappes Gigabyte an Daten von der CD (es sind derer übrigens zwei) auf die Festplatte geschaufelt werden müssen. Der aufwändige Kopierschutzmechanismus bremst die Datenübertragungsrate rapide ab. Um mich nicht miss zu verstehen: Ich halte diese Sicherheitsmaßnahme für absolut gerechtfertigt - niemand lässt sich Früchte jahrelanger Arbeit einfach so stehlen...
Das Intro hat es in sich. Selbst unser AMD Athlon XP1800 (vor einem Monat neu gekauft und durchweg mit guter und zur Zeit gängiger Marken-Hardware bestückt) war nicht in der Lage, die Videosequenzen ruckelfrei und synchron auf den Bildschirm zu zaubern. Schwer vorstellbar, wie eine 500-MHz CPU damit zurecht kommen könnte. Auf jeden Fall trotzdem eine sehr hübsch anzusehende Eröffnung für das \"Spiel des Jahres\"...
Die erste Überraschung
Der Menüpunkt \"Mehrspieler\" war abgedunkelt. Mit keinem Wort (oder hatte ich es überlesen?) hatten Max-Design/Sunflowers im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht. Im Internet fand ich dann die Lösung: Er (der Mehrspielermodus) sei zwar fertig programmiert, enthalte aber noch Bugs. Er werde jedoch in den nächsten 4 Wochen als kostenloser Patch im Internet zur Verfügung gestellt. Wie jetzt? Wer um alles in der Welt bringt nach 60 Monaten Entwicklungsarbeit ein unfertiges Produkt auf den Markt? Die Parallelen zu \"Port Royale\" zeichneten sich immer klarer ab. Ascaron hatte vor einem knappen halben Jahr das Mehrspielermodul ausgeliefert, welcher sich allerdings als unspielbar erwies. Übrigens ist das auch bei Anno 1503 der Fall. Im Installationsverzeichnis befindet sich im Ordner Data ein Programm namens AnnoNetTool. Einfach per Doppelklick starten (natürlich muss das VOR dem Start von Anno geschehen) und ein Häkchen vor MultiplayerPart setzen. Dann wird dieser Menüpunkt frei geschaltet und kann theoretisch auch genutzt werden.
Ich entschied mich - als braver Kunde - für die frei gegebene Einzelspielerversion...
Zum Spiel
Fremde Welten entdecken, besiedeln, ausbauen und verteidigen - so in etwa konnte man Anno 1602 beschreiben - beim Nachfolger Anno 1503 hat sich daran (Gott sei Dank) nichts geändert. Im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Games ist die Spielfläche zu Beginn nicht abgedunkelt - eine manigfaltige Inselwelt liegt vor unserem Schiff und wartet nur darauf, von uns genutzt zu werden. Im Gegensatz zum Vorgänger (da war jedes Eiland grün) sind die Landstriche nun typisiert worden - die Ländereien im Norden sind optisch sofort von denen im Süden zu unterscheiden, sie bieten verschiedene Flora, Fauna und Ressourcen an. Ob saftiges Grün mit einheimischer Tierwelt, heiße gelbe Steppe mit Elefanten, Tigern, Löwen und Giraffen oder Schnee überzogene Eiswüste, vor deren Küste sich die Wale tummeln - ein Augenschmaus ohne jeden Zweifel. Hier setzten die Programmierer neue Maßstäbe!
Mit den vorhandenen Baumaterialien an Bord unseres Schiffes können wir nun ein Kontor auf einer uns genehmen Insel errichten. Sind wir nahe genug an einem Landstrich erfahren wir nämlich, über welche Ressourcen dieser verfügt. Zudem gibt es einen so genannten Scout (ein mit einem Eselkarren \"bewaffneter\" Kundschafter), der die im Inneren des Landes vorhandenen Berge nach Bodenschätzen (Gold, Edelsteine, Eisen, Marmor, Salz) untersuchen kann. Für den Anfang sind Eisen und Salz wichtig...
Die Besiedlung ist denkbar einfach: Wir transferieren weitere Rohstoffe (Holz, Werkzeuge) von Bord in das neu erbaute Kontor, weisen unseren Siedlern Wohnraum (Holzbaracken) und Arbeit (Holzfäller, Jäger, Fischer, Farmer) zu. Die Siedlung sollte so schnell wie möglich unabhängig von den Rohstoffen des Schiffes werden.
Bei Anno 1602 wurden unsere Einnahmen (also die des Spielers) durch Steuern eingetrieben - beim Nachfolger ist das anders. Wir müssen Verkaufsstände errichten, in denen erwirtschaftete bzw. eingekaufte Güter (Nahrung, Leder, Salz, Gewürze etc.) an die Bevölkerung verkauft werden. Je nach Wohlstandsstatus (Anno 1503 bietet fünf an: Pionier, Siedler, Bürger, Kaufleute, Aristokraten) steigern sich natürlich die Bedürfnisse unserer Untertanen, die eines Tages auch nach Schmuck, Wein und Seide verlangen werden. Kommen wir diesen Wünschen nach, bauen die virtuellen Spielfiguren das Land mit immer prunkvolleren Gebäuden aus, schaffen wir es nicht, werden bald einige Häuser in sich zusammen fallen.
Völlig neu überarbeitet wurde das Militär- und Diplomatiewesen. Früher eher ein Anhängsel ist es nun zu einem wichtigen Punkt geworden. So kann in Schulen (später Universitäten) nicht nur nach zivilen Verbesserungen geforscht werden. Mit dem Wissen über die Produktion von Armbrüsten oder Belagerungswaffen können wir nicht nur unsere Siedlungen gegen Feinde und ungebetene Gäste (Piraten) schützen sondern auch selbst zum Angriff gegen andere Nationen vorgehen.
Soweit zur Theorie bzw. dem ungeheuren Potential, das in Anno 1503 steckt...
Die Wirklichkeit
Auf einem XP1800 dauert es eine, auf einem AMD K7 über zwei Minuten, bis die erforderlichen Daten nach einem Klick auf \"Einzelspieler\" geladen sind und wir aktiv ins Spiel eingreifen können. Nach ca. 2 Spielminuten Segeln auf Hoher See der erste Absturz - das allseits \"beliebte\" Windows-Fensterchen\" mit dem Hinweis auf einen unbekannten Ausnahmefehler begrüßte mich. Der Neustart des PC war nur über den abgesicherten Modus möglich, ein Neustart von Anno 1503 gar nicht mehr. Ein Klick auf \"Einzelspieler\" verlief sich in einer Endlosschleife. Abhilfe schaffte wieder einmal nur das Internet. Sunflowers/Max-Design schrieben dazu, dass das - ich zitiere - \"VIELE mögliche Ursachen\" haben könne. Zunächst müsse man ALLE Programme bis auf Systray und Explorer aus dem Speicher nehmen (auch die Netzwerkverbindungen - frage mich, wie da ein Mehrspielmodus möglich sein soll *grins* - und Virenscanner), sowie die neuesten Grafik- und Soundkartentreiber installieren. Solle das alles nichts nutzen, helfe ein Löschen der Dateien Szenes.cash im Ordner Scenes bzw. der Datei InselCache.txt im Ordner Islands. Im gleichen Atemzug wurde eine Adresse genannt, wo man defekte CDs austauschen könne, da es beim Brennen von CD2 (ohne die startet Anno 1503 nicht) offensichtlich zu Problemen gekommen sei.
Leute ohne Internet waren natürlich arm dran ohne diese Infos - allerdings stürzte bei denen Anno 1503 nur einmal ab und dann nie wieder, weil es sich ja nicht mehr starten liess.
Ich gehörte zu den \"glücklich Informierten\", suchte nach neueren Treibern (nicht vorhanden) und befolgte die anderen Anweisungen (liess aber frech die Netzwerktreiber drin). Und siehe da - es funktionierte. Zumindest konnte mein Scout eine Insel untersuchen. Nur nicht zurück beordern. Dummer Weise hatte ich ihn wohl zu einer Stelle ausgesendet, die ihn unglaublich faszinierte. Er weigerte sich nämlich standhaft, wieder zurück aufs Schiff zu kehren, hatte sich im Dickicht verhangen und war daher von nun an für mich unbrauchbar. Von Meuterei stand zwar nichts im Handbuch aber ich verzagte dennoch nicht. Es gelang mir auch ohne meinen abtrünnigen Spion, eine kleine funktionierende Siedlung aufzubauen. Sie kostete zwar immer noch mehr als sie einbrachte aber das ist ja selbst 500 Jahre später der Normalfall.
Als ich nach einem Druck auf die \"Pause-Taste\" wieder an den PC zurück kehrte, erwarteten mich beeindruckende Animationen - im gemeinen Volksmund auch Grafikfehler genannt. Mit ein paar ziellosen Klicks verschwanden diese aber nach und nach und ich wollte mich endlich um den Bau meiner Kirche kümmern. Leider rutschte ich dadurch recht schnell finanziell ins Minus. Wie nur wieder schwarze Zahlen schreiben? Doch Anno 1503 nahm mir diese Aufgabe konsequent und zügig ab ... und stürzte wieder mal ins Nivana - Totalcrash am PC...
Urteil
Auf meinem PC laufen Cossacks - The Art of War, Commandos 2, Desperados, Die Siedler IV, Port Royale (nach Patch 1.20), Railroad Tycoon II, Civilization III und - nicht zuletzt - der Vorgänger von Anno 1503 (also Anno 1602) so gut wie fehlerfrei. Also fast alles \"brandneue\" Spiele. Im Gegensatz dazu ist Anno 1503 unspielbar - für mich persönlich eine herbe Enttäuschung. Nicht die Idee und schon gar nicht die tolle Grafik. Aber was nützt mir das? Es macht mich höchstens noch wütender. In seiner jetzigen Version ist Anno 1503 nicht nur unvollständig (siehe Mehrspielermodus) sondern ein Garant für Frust und schlechte Laune!
Nachsatz
Heute bekam ich eine E-Mail von Amazon.de (dort habe ich das Game bestellt) mit einem Gutschein über 5 Euro. Begründung: Anno 1503 wurde im Preis gesenkt (von 49,99 Euro auf 42,99 Euro). Ein Schelm, der Böses dabei denkt...
Liebe Grüße
Steffen
(veröffentlicht unter den Pseudos GermanError und AustroError)
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