Tipps zur Gesundheit Testbericht

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Erfahrungsbericht von benevampir

Hilfe, mein Hund wird blind - oder: Keratitis

Pro:

ist behandelbar

Kontra:

zeitaufwendig; ist nicht heilbar

Empfehlung:

Ja

Heute möchte ich mich mal an alle Hundebesitzer wenden, die bereits ein Problem in dieser Hinsicht haben, aber vor allem an die, die noch keine haben, um sie für diese Problematik zu sensibilisieren.

1. Keratitis ? was ist das??

Keratitis heißt übersetzt: Hornhautentzündung. Bei Hunden ist diese meist chronisch und oberflächlich. Auch die Bindehäute sind meistens davon betroffen.

2. Symptome ? oder: wie fängt es an?

Meis beginnt Keratitis schon im Alter von 3 ? 5 Jahren. Die Bindehäute sind meistens etwas gerötet und es gibt eine sogenannte ?Pigmentation? in den äußeren Augenwinkeln. Später trüben sich Bindegewebe und die Pigmentation setzt sich in den oberen Schichten der Hornhaut fest. In diesem Stadium kann man auch weißliche Flecken im Auge entdecken (was bei uns der Fall war). Die Symptome entwickeln sich meist schubweise und unterschiedlich stark. Letztenendes werden beide Hornhäute eingetrübt und führen dazu, dass der Hund nichts mehr sieht ? also blind ist.

3. Welche Hundearten sind betroffen?

Die Keratitis wird oft auch Schäferhundkeratits genannt, weil sie meistens bei Schäferhunden auftritt. Aber es können auch (in seltenen Fällen) andere Hunderassen, wie z. B. Colli, Dackel, Pudel, Greyhound oder auch Mischlinge betroffen sein.

4. Ursachen ? oder: was steckt dahinter?

Genau weiß man das leider noch nicht. Man geht aber davon aus, dass es sich um eine ?Autoimmunerkrankung? handelt (also ganz ähnlich wie menschliche Allergien). Dabei reagieren Abwehrzellen des Körpers plötzlich auf körpereigene Eiweiße und bekämpfen diese. Die Ursachen dafür sind bisher unbekannt. Bewiesen ist allerdings, dass es zum einen erblich (ist bei uns der Fall) und dass UV-Licht Auslöser sein kann. Darum sind auch die meisten Schübe der Krankheit im Sommer und im Winter (durch Reflektion im Schnee) zu beobachten.

5. Und was kann ich jetzt da machen? ? Sprich: Behandlung

Bisher ist die Krankheit nicht heilbar. Allerdings kann man versuchen, die Schübe zu mindern und dem Hund möglichst lange das Augenlicht zu erhalten. Das kann man mit entzündungshemmenden Mitteln erreichen (z. B. Cortison) und durch Verringerung der UV-Strahlung auf das Auge (siehe unten).
Als Hundebesitzer muss man sich darüber im klaren sein, dass die Behandlung lebenslang und ohne Unterbrechung erfolgen muss ? sonst ist der Schub schneller da, als man meint.
Meistens werden die Tropfen bzw. Salben einfach ins Auge gegeben. (naja, einfach ? aber dazu später).
In akuten Fällen kann Cortison auch unter die Bindehaut gespritzt werden (damit haben wir aber bisher keine Erfahrungen).
Bei Spaziergängen sollte man folgendes beachten: Morgens oder abends spazieren gehen; evtl. Sonnenbrille aufsetzen (in akuten Fällen). Schatten suchen. Nicht an reflektierenden Flächen (spricht Seen o. ä.) oder im Hochgebirge spazieren gehen. Lässt sich das nicht vermeiden, kann man auch einen ?flüssigen UV-Filter? in das Auge geben, um den Hund etwas vor der UV-Strahlung zu schützen.

Wenn Pigmentierung und Trübung schon sehr weit fortgeschritten sind, gibt es noch die Möglichkeit einer Operation. Hier werdendie oberflächigen Schichten der Hornhäute entfernt und blinden Tieren wieder Sehvermögen ermöglicht. Allerdings geht diese Operation nicht oft: die Hornhaut wächst nämlih nicht mehr auf die ursprüngliche Dicke zurück. Auch die Erkrankung ist danach nicht geheilt, sondern man muss weiter behandeln ? ein Leben lang.

6. Eigene Erfahrungen

Unser Hund ist jetzt 3 ? 4 Jahre alt und leidet seit ca. 1 Jahr an dieser Krankheit. Anfangs bekamen wir das gar nicht mit (anfängliche Pigmentierung, ?). Erst, als sich das rechte Auge schon sehr entzündete und ein richtiger kleiner, blutiger Hügel auf dem Auge entstand, gingen wir zum Tierarzt. Der meinte, dass man das mit Salben schon hinbekommen würde und es eine bakterielle Infektion sei. Nach 3-Wöchiger Behandlung allerdings stellte sich heraus, dass er mit seinem Latein am Ende war ? und schickte uns zu einem Spezialisten nach München ( Adresse am Ende des Artikels).
Uns war da schon sehr mulmig ? aber wir hatten auch den Verdacht, dass das erblich sein könnte, denn auch die Mutter unseres Hundes war mit 6 schon blind gewesen. Unser armer Hund, dachten wir bloß.
Der Spezialist erkannte schnell, dass es sich um die Keratitis handelte und verschrieb uns ein paar Mittel (Salben und ein CSA-Öl, fragt mich aber nicht, was da drin ist, keine Ahnung). 9 mal täglich (wir hatten 2 Salben und das Öl) mussten wir unseren Hund verarzten. Das war anfangs gar nicht so einfach, denn natürlich ist das nicht sehr angenehm und man braucht schon etwas Übung im Verabreichen (und vor allem Belohnungen).
Auch, die 9x durchzuhalten, war schwierig. Nach ein paar Wochen mussten wir (bis heute) nur noch 1 Salbe und 1 Öl je 3 x täglich verabreichen. Allerdings: das durchzuhalten erfordert schon Disziplin ? und leider überwog unser Mitleid oft bzw. wir vergaßen es schlichtweg einfach. Leider hat sich dadurch das Auge (nach anfänglicher Besserung) wieder sehr getrübt und auch das linke ist mittlerweile sehr eingetrübt. Daher werden wir demnächst wieder nach München müssen und überlegen, was wir denn machen werden. Vielleicht droht unserem Hund sogar eine Operation.

Soweit unsere Erfahrungen. Kostenpunkt der Salben und des Öles ? weiß ich jetzt leider nicht auswendig ? werde ich aber bei Gelegenheit noch Updaten (zahlt immer mein Vater).


Tipp von mir: sollte man einen Schäfer- oder Mischling besitzen (aber auch bei anderen Hunden in dem Alter): einfach oft tief in die Augen schauen (v. a. an den Rändern bemerkt man komische Pigmente bzw. weiße Flecken als erstes). Sollte das der Fall sein: möglichst schnell zum Tierarzt und wenn nötig, zum Spezialisten ? dann kann man noch viel machen.

Adresse unseres Augenspezialisten:

Dr. Jens Fritsche,
Kreuzhofstraße 10,
81476 München;
Tel.: 089/74576750

(von seinem Informationsblatt habe ich auch die meisten Daten entnommen).

Danke fürs Durchhalten und lesen.

© benevampir 2003

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