Tokio Testbericht

Tokio
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Erfahrungsbericht von cxgirl

Tokio - Stadt der 1000 Dörfer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So fremd uns diese Sprache auch sein mag, irgendwie steckt doch in jedem von uns ein kleiner Japaner. Sushi, Sony und zum Abschied "Sayonara". Ist doch gar nicht so schwer, oder? Na ja, findet man sich dann plötzlich eingekeilt zwischen Dutzenden anderen Fahrgästen in einer U-Bahn in Tokio wieder, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Nicht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit zuvor oder der beängstigenden Enge im Waggon. Aber irgendwie versagen angesichts der vielen japanischen Schriftzeichen sämtliche Pfadfinder-Sensoren. Bei welcher Station wollte man nun aussteigen? Shinagawa, Shimbashi oder Shibuya? Klingt alles irgendwie ähnlich. Hat man sich erst den Weg ins Freie gebahnt, wird die Irritation noch größer. Die Elf-Millionen-Metropole kennt nur etwa drei Dutzend Straßennamen. Der Rest der zahllosen, verschlungenen Gassen folgt einem nur Eingeweihten nachvollziehbaren Adressenkode.

Sich zu verirren, gehört also zum standesgemäßen Programm eines Stadtrundganges durch Tokio. Wobei das mit einem Rundgang in diesem derart unüberblickbaren Irrgarten so eine Sache ist. Besser man wagt fürs erste einmal nur kleine - Geisha-kompatible Schritte - bevor man in diesem Dickicht der "Stadt der tausend Dörfer" vollends verloren geht. Scheinbar chaotisch durch die Straßen ziehende Menschenmassen, rosa- und pinkfarbene Anzeigetafeln, gläserne Wolkenkratzer und versteckt liegende traditionelle Zen-Gärten. Ein Alltag als wäre man plötzlich in einem rasant geschnittenen Werbefilm gelandet. In Shibuya, Tokios hektischstem Einkaufsviertel, spürt man den Puls der Stadt am intensivsten.

Konsumpaläste mit gigantischen Videowalls an der Fassade, Schaufenster-Puppen in neongrellen Kimonos und heillos überfüllte Karaoke-Bars. Japaner bezeichnen sich selbst als "Augenmenschen", sie brauchen diese visuellen Reize offensichtlich wie ein Stück Sushi. Aber sie benötigen auch Ruhe. Und diese wird in meditativer Zurückhaltung zelebriert. In einem Teehaus etwa. Oder eben in einem der vielen Zen-Gärten. Hier ist strenge Geometrie angesagt. Im Gegensatz zur gemütlichen Unordnung, die in den Wohnvierteln herrscht. Vielfach hängen die Elektroleitungen wie Wäscheleinen an den Wänden. Tokio, dieser Tummelplatz für bisweilen bizarre Lebensformen, ist eine Stadt der Widersprüche.

So wie Teenies es als völlig normal empfinden, als Lara Croft verkleidet einen auf Saturday Night Fever zu machen, amüsieren sich jahrelang verheiratete Paare wegen der dünnen Wände zu Hause in diskreten, opulent ausgestatteten "Love Hotels".

Wer zum ersten Mal hierher kommt, wird mit ziemlicher Sicherheit mehr Unerwartetem begegnen als in jeder anderen Stadt. "So desu", "so ist es", bestätigen die Tokioter. Aber wenn sie dazu eifrig mit dem Kopf nicken, weiß man wieder nicht genau, wie das zu verstehen ist.

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