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Erfahrungsbericht von schraddel

Heizung - Der wichtigste Teil der Wohnung (+ Tipps für Umziehende)

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Diesen Beitrag schreibe ich aus aktuellem Anlass, denn bald fängt das neue Semester an. Und weil ich ja auch mal - mehr oder weniger erfolgreich - studiert habe, werde ich manchmal gefragt, worauf man denn besonders achten sollte, wenn man sich in einer neuen Stadt eine neue (oder vielleicht die erste) Wohnung sucht.

Meine Antwort mag sich etwas seltsam anhören, zumal da jetzt der Sommer vor der Tür steht und man an dieses Thema nicht so gerne denkt. Aber das Wichtigste an einer Wohnung ist für mich:

Die Heizung

Dass sie funktionieren muss, steht außer Frage; aber es gibt Heizungsarten, die passen zu einem Menschen wunderbar, und ein anderer könnte sich darüber zu Tode ärgern. Ich möchte deshalb hier vier verschiedene Sorten von Heizung beschreiben und Euch sagen, zu welchen Menschen sie meiner Meinung nach passen. Ich habe sie in der Reihenfolge von "archaisch" bis "modern" geordnet:
- Kohleheizung
- Gasetagenheizung
- Nachtspeicherheizung
- Zentralheizung

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Die Kohleheizung
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Gerade hier in Berlin gibt es sie noch häufig, die Kachelöfen in der Ecke. Die Wohnungen, in denen sie stehen, sind meist sehr billig, und deswegen eigentlich ideal für Studenten. Auch ich hatte mal für kurze Zeit einen Kachelofen, und ich finde, die Dinger sind besser als ihr Ruf.

So ein Kachelofen verbreitet eine Art von Wärme, die ich persönlich als behaglich empfinde. Es fühlt sich einfach anders an als bei anderen Heizungen. Irgendwie gemütlich.

Was die Kosten angeht, so sind sie relativ niedrig. Kohlen sind nicht teuer; man kauft sie eben im Herbst auf Vorrat und lagert sie im Keller, der ordentlich abschließbar sein sollte, damit die Nachbarn sich nicht selbst bedienen. Holz zum Anmachen kostet gar nichts, wenn man ein gutes Verhältnis zu seinem Obst- und Gemüsehändler hat: Obstkisten brennen hervorragend.

Die Nachteile sind das Kohlenschleppen am Tag nach der Party. Warum war man gestern nur so faul? Und der Ascheneimer, der immer dann voll ist und runtergetragen werden muss, wenn es regnet oder schneit.

Für Putzteufel ist so ein Kachelofen sicher nichts, denn Dreck gibt's dabei immer. Leute mit zwei linken Händen sollten ebenfalls die Finger davon lassen oder sich gründlich erklären lassen, wie man ein Feuer richtig anmacht. Und auch wenn man einen weniger steten Lebenswandel führt und nicht täglich morgens und abends zuhause ist, sollte man eine andere Heizungsart vorziehen, denn sonst ist dauernd der Ofen aus, und es dauert eine Weile, bis er seine "Betriebstemperatur" wieder erreicht hat.

Empfehlen würde ich einen Kachelofen aber Leuten, denen ein wenig Asche in der Bude nichts ausmacht, die gerne und oft zuhause sind, und vor allem denjenigen, die eine Katze haben: Sie wird es Euch danken.

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Die so genannte "Gasetage"
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Erdgas ist preiswert und, sofern der Gasbrenner richtig eingestellt ist, umweltfreundlich. Bei der Gasetagenheizung heizt ein Gasbrenner das Wasser für einen Wasserkreislauf auf, über den dann die Wohnung wie bei einer Zentralheizung mit Wärme versorgt wird.

Diese Heizungsart mag ich persönlich sehr, weil sie etwas für Individualisten ist. Wie viel Gas ich verbrauche, bestimme ich letztlich selber, denn ich kann am Thermostat die Temperatur genau regeln. Bin ich nicht zuhause, brauche ich auch nichts. Die monatliche Anschlussgebühr der Gaswerke ist recht gering, dazu kommt der tatsächliche Verbrauch. Bezahlt wird in Form von monatlichen oder zweimonatlichen Abschlägen; also bei der Wohnungsübernahme darauf achten, wie hoch die Pauschale des Vormieters war: Die "klebt" jetzt nämlich noch ein Jahr lang an Euch, und danach müsst Ihr entweder nachzahlen, oder Ihr bekommt Geld zurück.

So eine Gastherme muss einmal im Jahr gewartet werden, und ebenfalls einmal jährlich kommt der Schornsteinfeger zur Abgasmessung. Manche Vermieter versuchen, die Gebühren dafür auf den Mieter abzuwälzen. Ich weiß nicht, ob das überhaupt zulässig ist; auf jeden Fall machen seriöse Vermieter das nicht. Eine Pauschale für die Wartungskosten, die zur monatlichen Miete hinzu kommt, ist aber auf jeden Fall zulässig. Hier in der Gegend lagen letztes Jahr die Preise für eine Wartung zwischen 120 und 150 DM; mehr als ein Zwölftel davon sollte so ein Aufschlag also nicht betragen, sonst bereichert sich mit ziemlicher Sicherheit jemand daran.

Für notwendige Reparaturen muss der Vermieter aufkommen, so dass so eine Gasetagenheizung eine bequeme Sache ist und einem individuellen Lebenswandel sehr entgegenkommt. Betriebstemperatur ist fast in null-komma-nix erreicht, so dass man auch nach längerer Abwesenheit nicht lange frieren muss. Die Kosten sind relativ niedrig und vor allem überschau- und kontrollierbar, denn der Gaszähler hängt in der eigenen Wohnung, und man kann ihn von Zeit zu Zeit ablesen.

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Nachtspeicheröfen
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Die Dinger findet man vor allem in sanierten Altbauten recht gerne, und zwar in Gegenden, in denen der örtliche Stromanbieter einen Tarif anbietet, bei dem zwischen Tag- und Nachtstrom deutliche Preisunterschiede bestehen. Der hässliche Klotz unter dem Fenster erzeugt nachts also zum Billigtarif Wärme und speichert sie. Tagsüber soll er sie abgeben.

Wie gesagt: soll. Denn wenn so ein Ding richtig ausgekühlt ist und die Außentemperaturen entsprechend niedrig sind, kann es zwei bis drei Tage dauern, bis es richtig auf Betriebstemperatur kommt. In der Zeit friert man.

Ich würde so ein Teil nur Leuten empfehlen, die Papierkram hassen und sich nicht mit verschiedenen Rechnungen verschiedener Anbieter herumärgern wollen, denn die Heizkosten stehen hier auf der Stromrechnung. Die fällt dafür entsprechend hoch aus, denn auch die Nachtstrom-Tarife sind nicht mehr so billig, wie sie mal waren.

Mir persönlich hat ein Winter mit Nachtspeicher-Heizung gereicht, und ich würde diese Möglichkeit weder temperatur- noch kostenmäßig weiter empfehlen. Nachtspeicheröfen sind meiner Meinung nach Dinosaurier: Letzte Überbleibsel aus einer Zeit, in der Strom noch billig war, und heutzutage nicht mehr zu empfehlen. Wohnungen mit dieser Heizungsart unbedingt meiden!

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Zentralheizung
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Der "Standard" in den meisten Mietshäusern: Die Zentralheizung. Und gleichzeitig häufigster Grund für Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern. Denn meist ist eine "Warmmiete" vereinbart - die einem so "warm" dann doch nicht mehr vorkommt, wenn die alljährliche Heizkostenabrechnung ins Haus flattert. Dass da jemand Geld zurück bekommen hätte, habe ich noch nie erlebt; meist muss man noch ein gehöriges Sümmchen nachzahlen.

Irgendwelche Tricks, um die (Verdunstungs- oder Digital-)Zähler an den Heizkörpern zu überlisten - von Beuteln mit Eiswürfeln bis zum "aus Versehen" Zulackieren mit Klarlack - haben die zwei entscheidenden Nachteile, dass sie erstens hochgradig strafbar sind und zweitens nicht funktionieren.

Wenn der Vormieter noch zu erreichen ist, sollte man ihn nach der durchschnittlichen Höhe seiner Nachzahlungen fragen. Falls nicht, mit anderen Leuten im Haus sprechen. Nur so erhält man ein einigermaßen realistisches Bild. Andere Bewohner können einem auch sagen, ob die Heizung sehr störanfällig ist, und ob auch in Monaten ohne "r" geheizt wird. Manche Hausverwaltungen stellen im Frühjahr gnadenlos ab und im Herbst viel zu spät an. Ergebnis: Mal wieder Frostbeulen.

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Ein persönliches Fazit
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Kostenkontrolle und individuelle Temperaturregelung sind für mich die entscheidenden Vorteile der Gasetagenheizung. Deswegen versuche ich bei jedem Umzug, den ich notgedrungen machen muss, eine solche Wohnung zu finden.

Die Zentralheizung ist für mich die zweitbeste Alternative, aber nach schlechten Erfahrungen mit den Nebenkostenabrechnungen einiger Wohnungsbaugesellschaften versuche ich, so viele zusätzliche Informationen wie möglich zu bekommen, bevor ich mich für eine solche Wohnung entscheide.

Heizungen auf Elektro-Basis scheiden von vornherein aus, und dem Kachelofen trauere ich bestenfalls noch in meinen romantisch-nostalgischen Phasen nach. Vom Gemütlichkeitsfaktor her ist er allerdings unschlagbar.

9 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Brutus_king

    07.08.2003, 22:56 Uhr von Brutus_king
    Bewertung: sehr hilfreich

    netter Beitrag