Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
P. ist tot
Pro:
siehe Text
Kontra:
siehe Text
Empfehlung:
Ja
Der Tod war ohne das Dröhnen der Motoren gekommen, mit denen sich die Maschinen der Piloten ankündigen, die auf der Außenhaut ihrer Jagdflugzeuge trotzige Parolen wie „Death from above – swift and clean“ oder „We kill before dawn“ anbringen. Der Tod war ein leises Zischen gewesen, dem ein plötzlicher, heftiger Windstoß gefolgt war.
Noch bevor er sich über die Bö hätte wundern können, hatte ihn der Hieb einer Riesenfaust getroffen. Er hatte nicht leiden müssen. Das mutmaßten wenigstens die, die er zurückgelassen hatte. Und sie hatten allen Grund dazu, denn der tödliche Schlag gegen ihn war mit solcher Wucht geführt worden, dass von ihm nicht viel mehr als ein unförmiger, dunkler Fleck auf dem weißen Küchentisch geblieben war. Der Anblick ließ die Neugierigen, die sich um seinen Leichnam versammelt hatten, erschauern. Obwohl der Frühlingstag sonnig und trocken war, fröstelten sie unwillkürlich.
„Ich zittere nur so“, sagte ein rundliches Männchen in gelb-schwarz geringeltem Pullover, „ich zittere so, dass mir sogar der Appetit vergangen ist, und das will nun wirklich etwas heißen!“ Die Bemerkung trug ihm einen Rippenstoß seiner Freundin ein, die neben ihm stand und die gelb-schwarzen Partnerlook trug. Der kleine Seitenhieb mit dem Ellenbogen war zwar nur ein freundschaftlicher Knuff gewesen, doch das Männchen zuckte zusammen, als habe es ein heftiger Stoß getroffen: „Aua! Aua! Das tut doch weh – bestimmt kriege ich jetzt einen blauen Fleck!“ Das junge Mädchen an seiner Seite verdrehte die Augen: „Um Himmels Willen, nun stell dich doch nicht so an!“ Ein Herr, der Zylinderhut zum grünen Anzug trug, mischte sich ein: „Genau, reiß dich mal ein bisschen zusammen.“ Der Angesprochene beeilte sich zu antworten, überlegte es sich dann aber offenbar anders und schwieg. Seine trotzig vorgeschobene Unterlippe verriet, dass sein Schweigen ein beleidigtes Schmollen war.
Das Interesse seiner Freundin und das des Herrn in Grün galt jedoch längst wieder dem feuchten Fleck, der noch vor gar nicht allzu langer Zeit ein gemeinsamer Bekannter gewesen war. „Wer tut so was? Wer könnte ein Motiv gehabt haben, ausgerechnet einen solch harmlosen Kerl umzubringen?“ Ihr grasgrün gewandetes Gegenüber zuckte sämtliche Achseln: „Keine Ahnung, Maja. Aber ich glaube, wir sollten hier nicht allzu lange herumstehen. Irgendwie ist es mir hier nicht geheuer.“ Das Mädchen nickte. „Wahrscheinlich hast du recht, Flip. Komm, Willi, wir wollen mal sehen, ob wir nicht irgendwo eine schöne Blüte finden und ein bisschen Nektar saugen können!“ Die Miene ihres Begleiters hellte sich schlagartig auf, und sie flogen davon. Puck, die Stubenfliege, war nur noch eine Erinnerung.
20 Bewertungen, 7 Kommentare
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03.01.2007, 19:37 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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17.06.2006, 14:44 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨¨*:•. ... sh ... .•:*¨¨*:•.
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17.06.2006, 00:02 Uhr von doeter
Bewertung: sehr hilfreichPuck ist tot. Kein Freispiel drin. --- Irgendwie nett komplementär zu deiner Fliegenklatsche!
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15.06.2006, 08:05 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchön Dich hier zu finden. Habe Dich bei Ciao gerne gelesen und ich habe zwar nicht immer, aber oft gelesen. Kenne auch Deine Dooyoo Meinung über Ciao (vollständig gelesen. Bis dann - Eddy *wink*
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14.06.2006, 23:50 Uhr von panico
Bewertung: sehr hilfreichsh + lg panico :-)
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14.06.2006, 22:43 Uhr von frosch1109
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht
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14.06.2006, 21:23 Uhr von SuicideToday
Bewertung: sehr hilfreichschöne Geschichte




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