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Erfahrungsbericht von Ricke

Psychiatrie, aber vor 5 Tagen war sie doch noch Normal.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Vielleicht hab ihr in meinem Profil bei Ciao gelesen, das es mir zur Zeit nicht besonders gut geht.
Ich habe familiäre Probleme und weiß im Moment nicht wie sie zu bewältigen sind.

Aber von Anfang an:
*********************
Wir waren am vergangenen Samstag 20.07.2002 bei Männes Mutter, also bei meiner Schwiegermutter.
Sie ist eine 77 Jährige Dame die vor 2 1/2 Jahren ihren Mann verloren hat.
Wir haben ihr nach Schwiegervaters Tod eine nette kleine Wohnung eingerichtet und es mangelte ihr an nichts.
Sicherlich war sie nun allein, bzw. ohne ihren Mann, aber die Wohnung die wir ihr aussuchten war direkt neben einer alten Schulfreundin.
So war sie nicht ganz ohne Bekanntenkreis.
Direkt unter ihr wohnte ebenfalls eine ältere Dame die sie schon ewig lange kannte.
Wir dachten es wäre eine gute Idee.
Sie könnten sich zum Kaffee treffen oder auch mal bummeln gehen.

Nach und nach merkten wir wie sich meine Schwiegermutter absonderte.
Sie hatte Ausreden über Ausreden.
Mal war es ihr schwindelig , mal Bauchweh, mal keine Lust.
Wir brachten sie zum Arzt und der konnte keinerlei organische Leiden feststellen.
Gut altersgemäß war ihr Blutdruck und ihre Herzgefäße nicht mehr so in Ordnung. Aber dafür bekam sie Tabletten.

Erst letztens wurde sie noch am grauen Star operiert und hat neue Brillen bekommen.
Das verlief auch alles ohne Probleme.

Auch ihre Wohnung machte sie noch ordentlich sauber und kochte sich.
Zwar kein Festmenü, aber so das es ihr reichte.
Größere Sachen gingen wir für sie einkaufen und die kleineren Artikel besorgte sie sich im naheliegenden Tante Emma Laden.

Aber auch das wollte sie irgendwann in der letzen Zeit nicht mehr machen.
Sie suchte alle Ausreden die sie auf Lager hatte um nur nicht mehr ihre Wohnung verlassen zu müssen.
Wir konnte machen was wir wollten. Mit guten Worten war nichts drin und mein Mann hatte sie ab und zu schon mal forsch angegriffen. Dann ging es wieder eine Zeit lang gut.


So auch vergangenen Samstag.:
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Wir kamen vom Urlaub zurück und sie freute sich.
Sie kam gerade mit ihrem Zieheinkaufswägelchen vom Tante Emma Laden und wir waren mächtig stolz auf sie und lobten sie auch.
Wir sahen Urlaubsbilder an und unterhielten uns ganz normal.


Mittwochnacht:
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Am Mittwochnacht um 1.00 Uhr rief die Polizei bei uns an und frage ob uns eine Frau ...... bekannt wäre.
Sie würde total verwahrlost und geistig verwirrt auf der Wache sitzen.
Wir zogen uns sofort an und fuhren zur Polizeistation.
Da saß eine mir völlig fremde Frau.
Wirr und ungepflegt.
Es war meine Schwiegermutter.
Sie wurde kilometerweit von ihrer Wohnung mitten in der Nacht aufgegriffen.
Mit einer Tüte in der Hand, wo sich ein Messer und ihre Brille befanden.
Sie konnte uns nichts sagen, wo sie hinwollte und was los war.
Wirres Zeug und unkomplette Worte die sie nur herausbrachte.

Leider musste die Polizei und der gerufene Arzt sie wegen Selbstgefährdung in die geschlossene Psychiatrie einweisen.

Der Schock war für uns übermächtig groß.
Psychatrie... sie war doch noch vor 3 Tagen normal.
Da das Versicherungskärtchen gebraucht wurde, fuhren wir noch Nachts so gegen 3.00 Uhr in ihre Wohnung.
Auch um sicherzustellen, ob wir dort einen Anhaltspunkt finden würden.

Der Schreck kam noch viel größer.
Die Küche war verdreckst.
Das Essen auf dem Herd verkohlt, Herd – Gott sei Dank aus.
Der Topf verbrannt.
Die Kaffeemaschine übergelaufen, an den Schränken überall fertig gebrühter Kaffee.
Der Fernseher lief.
Das Bad war vollgeschi...., da sie den Stuhlgang nicht mehr anhalten konnte.

Was ist da passiert????????????

Fragen über Fragen.



1 Woche später:
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Heute 1 Woche später hat sich ihr Zustand eher noch verschlechtert.
Sie kennt uns nur noch teilweise, kann sich überhaupt nicht mehr an die Gegenwart erinnern.
Aus der Vergangenheit sind nur noch Bruchstücke vorhanden.
Sie kann weder Stuhlgang noch Urin zurückhalten, muss Pampas tragen.
Kann sich nicht mehr waschen, weiß nicht wie es geht.
Kann nicht mehr richtig essen, hat es vergessen oder vergisst zu kauen und zu schlucken.



Was sagen die Ärzte:
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Kein Alzheimer, denn die kommt schleichend.
Computertomographie wird erst Montag gemacht.
EKG ist in Ordnung und sonst auch kein organisches Leiden feststellbar.
Aber sie vermuten kleinere Schlaganfälle im Vorfeld und nun der Große, der alles ausgelöst hat.
Machen kann man dagegen nichts mehr.


Was erwartet uns nun:
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Erstmal müssen wir mit der Situation fertig werden.
Mein Mann heult nur noch und möchte sie am liebsten nicht sehen.
Er kann es nicht ertragen.
Wir wurden angesprochen, das ein Pflegeheim dringend gesucht werden muss, denn nach Hause kommt sie nicht mehr und ewig behalten die sie nicht in der Psychatrie.

Es muss eine Betreuung für sie beantragt werden, Früher nannte man das Vormund.

Es muss eine Schwerstpflegestufe beantragt werden.

Ein Pflegeheim muss gesucht werden, das nicht so einfach ist.
Die Heime sind voll und überlastet, so das es uns passieren kann, das sie kilometerweit weg kommt..

Wir müssen lernen mit ihr normal zu reden, auf sie eingehen, sie auch mal zu waschen in der Klinik.

Wir müssen lernen sie auch mal zwischendurch zu füttern, weil die Pflegekräfte total überlastet sind.

Wir müssen lernen mit der Situation umzugehen.

Wir müssen lernen, das es ein anderer Mensch geworden ist und doch der gleiche wie vor einer Woche ist.

Wir müssen schweren Herzens die Wohnung auflösen.

Wir müssen Behördengänge erledigen.

Wir müssen die Wäsche waschen, die arg verschmutzt und versabbert und verschiss... ist.

Wir müssen Wäsche aussortieren und persönliche Dinge auswählen, die sie mitholen kann.

Wir müssen, wir müssen, wir müssen.....
Wir müssen da durch, es führt kein Weg vorbei.

Wenn das nicht so schwierig wäre, ich bin bestimmt kein Mensch der sich vor Arbeit drückt.
Ich mache alles auch die Wäsche und die Wohnung habe ich heute schön geputzt, so als wenn sie wieder kommen würde.
Aber sie kommt nicht mehr und es ist nicht zu verstehen und will nicht in meinen Kopf hinein.
Ich muss zusehe, wie mein Mann leidet, weint und ihm Dinge aus der Hand fallen und auf einmal alles schief geht und anders ist.
Es hat sich schnell rumgesprochen und wir werden von anderen Leuten immer wieder gefragt wie steht es und wie ist es.
Die Leute die sie kannten weinen auch und wir wollen auch nicht unhöflich sein und sie irgendwie unwissend stehen lassen.
Das wühlt uns dann noch mehr auf.



Die größten Fragen:
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Haben wir was falsch gemacht, haben wir was übersehen, haben wir sie vernachlässigt. Hätten wir sollen dies oder jenes noch tun.
War es richtig ihr eine neue Wohnung nach Papa Tot zu suchen, aber sie wollte doch.
Hätten wir nicht in urlaub fahren sollen.
Hätte ich ihr eine Zugeh Frau besorgen sollen, die ab und zu nach dem Rechten sieht, aber sie kam doch zurecht.
Warum, ist das so schnell passiert?
All dies beschäftigt mich zur zeit sehr und ich bin auch nur noch unterwegs.


Ich glaub ich schaff das alles nicht.


Gestern Abend waren wir in ein Restaurant essen.
Die erste vernünftige Mahlzeit sei 3 Tagen.
Aber es hat mal gut getan, andere Menschen zu sehen.


Ich musste mir das mal von der Seele schreiben und hoffe ihr hab ein wenig Verständnis dafür.
Vielleicht sehen wir ja in ein bis zwei Wochen etwas Licht am Horizont.

Ich kann euch nur sagen, dieser Zustand – so Herzlos das nun klingen mag, ist schlimmer für uns als wäre sie Tod.
Es ist kein schöner Anblick, den sie von sich gibt und ich frage mich:

ist das noch ein Leben.

Ich hoffe nur, das sie nicht leidet und keine Schmerzen hat...
Und vielleicht ist sie auch nur in eine andere Welt übergetreten und wird dort vielleicht glücklicher.
Ich weiß es nicht.


Ricke

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