Erfahrungsbericht von witch_craft
Perle des Hessenlandes
Pro:
weltoffen, historische Umgebung
Kontra:
schlechte Verkehrsanbindung
Empfehlung:
Nein
Liebe LeserInnen,
da heute noch Ostern ist, habe ich die Rechenübungen nach hinten geschoben und mich an einen Bericht gemacht. Über die Stadt, in der ich lebe. Auch, besonders zu Beginn, über die Umgebung.
Die erste Erwähnung dieser Gegend um Marburg war gegen 500 v.Chr.
das Vordringen der Kelten . 200 Jahre später kamen die Chatten (Germanen). Um 500 n./ Chr. Wurde die Gegend ins Frankenreich einbezogen.
8. Jahrhundert
Christianisierung durch Bonifatius, den angelsächsischen Missionar,
dessen Erscheinen in Hessen die Entwicklung Europas nachhaltig prägte. Er stand unter dem Schutz der fränkischen Machthaber und hatte den Segen des Papstes. Ausgeschickt, um das „populus Hassiorum" (Volk der Hessen) zu bekehren. Sein erstes Ziel war die Amöneburg (ein ehemaliger Vulkan), hier fand er reines rohes von Heidentum völlig durchzogenes Christentum vor (er war sicher entsetzt). 721 gründete er ein Kloster (das erste Benediktinerkloster auf hessischem Boden) und damit begann die Eroberung der hessischen Seelen durch die Kirche.
Amöneburg ist ca. 15 Kilometer von Marburg entfernt, sehr malerischer Kurort. Das nächst gelegene Dorf Mardorf ist Teil der Diözese Fulda
und berühmt für seinen Frohnleichnamsumzug. Bonifatius „wirkt" noch immer.
http://www.bauerbach.de/heimatbuch/heimatbuchk04.htm
Obengenannte URL ist sehr interessant, ist eine alte Zeichnung von Marburg bei, sonst würde dieser Bericht ausarten.
Im 9. oder 10. Jahrhundert Erste Erwähnung : Burganlage auf dem Schloßberg.
1130/40 Gründung einer Marktsiedlung.
1222 Marburg erstmals als Stadt (civitas) erwähnt.
Um 1180 Erste Stadtmauer. Westtor bei der Barfüsserstrasse 26.
Warum eine Universtitätsstadt eine Universtitätstrasse hat, liegt auf der Hand, aber Barfüsser? Ja, die Franziskaner nannten sich wohl auch Barfüsser. Die Franziskaner gehören zu den sogenannten „Bettelorden". Nach 1200 gab es eine Ausbreitung dieser Orden, zu denen auch die Dominikaner und die Karmeliter zählen. Diese Mönche leben bewusst das arme Leben Jesu, was ja auch Elisabeth von Thüringen praktizierte. Sie predigten in der Volkssprache und sammelten keine Pfründen und Grundstücke . Ihre Volksverbundenheit und ihre Beliebtheit in den Städten liegen beieinander.
1228 Elisabeth errichtet das Franziskus-Hospital. Drei Jahre später stirbt sie in Marburg.
Elisabeth: geb. 1207 auf der Burg Sáros Patak (Nordungarn) als Tochter des ungarischen Königs Andreas II . Als Kleinkind wird sie bereits mit dem Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen verlobt und nach Thüringen geschickt. Trotz der „gestifteten Ehe" ist es eine glückliche. Elisabeth und Ludwig bekommen drei Kinder. Nach dem Ludwigs (Kreuzzug) wird sie dann doch von der Familie des Mannes von der Wartburg vergrault. Sie führt nun ein Leben in Armut und mildtätiger Liebe zu den Arme, das bald von vielen Wundererzählungen verklärt wird. Seltsam ihr übergehorsames Verhältnis zu Konrad von Magdeburg, der Äusserstes von ihr verlangt. Nach ihrem frühen Tod betrieb er zusammen mit Konrad von Thüringen die Heiligsprechung Elisabeths, doch weil er als Inquisitor und Verfolger von Ketzerei im Marburger Raum ein düsteres Regiment betrieb, wurde er auch für die Ritterschaft unerträglich und zwei Jahre nach dem Tod Elisabeths erschlagen in den Lahnbergen gefunden.
Mit ihrem Witwenvermögen gründete sie ein Franziskanerkloster und opferte sich im Dienst der Bedürftigen auf. Im 24. Jahr ihres Lebens starb sie an der Stätte ihres Wirkens, im Franziskanerhospitel. Das Kloster wurde später vom Deutschritterorden übernommen. Als sie am 1. Juni 1235 durch Papst Gregor IX. heiliggesprochen worden war
(der einen Ablaß zum Bau der Elisabethkirche erläßt. Mit den Bauarbeiten wird 1235 begonnen.), wurde sie in Marburg durch einen Staatsakt am 1. Mai 1236 in Anwesenheit von Kaiser Friedrich II. inthronisiert und gekrönt.
1236 Feierliche Erhebung der Gebeine der Heiligen. Die Zeremonie findet unter Anwesenheit von hochrangiger Prominenz statt. Unter anderen sind da: Kaiser Friedrich II., die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, Bremen, der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza.
URL für weitere Infos: http://www.elisabethkirche-mr.de/
1248 Marburg wird unter Sophie von Brabant Hauptsitz der Landgrafschaft Hessen (eine Statue von ihr steht heute vor dem Rathaus, aus Metall, die ist wirklich sehr schön und aussergewöhnlich, wer in Marburg über den Marktplatz geht, sollte sie sich mit den Händen ansehen).
1250 Eine steinerne Brücke über die Lahn wird genannt. Ich vermute, damit ist die Weidenhäuser Brücke gemeint. Weidenhausen ist einer der wirklich malerischen Stadteile, die sozusagen im Innenstadtbereich liegen. Dort gibt es einen Bootsverleih, auf der Lahn lässt sich schön Boot fahren.
1260 Stadterweiterung nach Norden (Neustadt). Das Schloß wird weiter ausgebaut. Neustadt, dass ist der Teil der Oberstadt, der auch „Wasserscheide" heisst. Im Sommer ist dort ein Eiscafè, im Winter gibt es dort Bücher, den Berg runter geht es in nördlicher Richtung zum Steinweg . Dort ist immer noch einmal im Monat ein Flohmarkt.
1512-1527 Bau des Rathauses
Wer den Markt sieht, sieht das Rathaus. Pflicht! Denn jede volle Stunde kräht der Hahn dort oben, der mechanische, man hört es einige Strassen weit. Selbst ich als gebürtige Marburgerin bleibe stehen, wenn der Hahn plärrt. Traditionsbewusste Marburger besitzen eine Schallplatte (Single) mit dem Hahnengeschrei. Touristen bekommen die sicher auch. Seit wann der Hahn da oben wohnt, das bekam ich heute nicht heraus.
1526 In Hessen wird die Reformation eingeführt.
1527 Die erste protestantische Universität wird am 1. Juli mit elf Professoren und 84 Studenten gegründet. Am Markt 9 gibt es die erste Marburger Buchdruckerei.
Spürt Ihr den gelehrten Flair dieser Stadt?
1529 Marburger Religionsgespräch im Schloß. Es diskutieren u.a. Zwingli, Luther, Melanchthon.
Wer davon nichts weiss, sollte diese Bildunglücke dringend füllen!
„In der Geschichte der deutschen Religionskämpfe des 16. und 17. Jahrhunderts hat Marburg eine beträchtliche Rolle gespielt. 1527 stiftete Landgraf Philipp der Großmütige die Universität, die erste protestantische Universität Deutschlands. Am 2. und 3. Oktober 1529 fand dort, auf Anregung des Landgrafen Philipp, das Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli über die Abendmahlslehre statt, das zu der Spaltung der lutherischen und der reformierten Konfession führte. Als Landgraf Moritz 1605 anordnete, daß künftig das reformierte Bekenntnis in Kurhessen gültig sei, weigerten sich vier Universitätsprofessoren, diesem Befehl Folge zu leisten, und wandten sich an den Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt mit dem Vorschlag, eine neue protestantische Universität zu gründen, was dann auch in der benachbarten Stadt Gießen geschah. So kam es, daß diese beiden hessischen Universitäten nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen."
Einen Gedächtnisraum gibt es im Marburger Schloß.
1802/03 Es entsteht in Marburg der sogenannte Romantikerkreis, bestehend aus:
Clemes Brentano 1801
Januar: Übersiedlung nach Marburg zu Savigny.
Der Briefwechsel mit der Schwester Bettina beginnt.
Juni: Bekanntschaft mit Achim von Arnim.
Bettina von Arnim, geb. Brentano
Geboren am 4. 4. 1785 in Frankfurt am Main,
gestorben am 20. 1. 1859 in Berlin.
In Marburg lebte sie eine Zeitlang bei ihrer verheirateten Schwester Gunda Savigny. Seit 1806 hatte sie Kontakt zum Goetheschen Hause und ab 1810 lebte sie bei den Savignys in Berlin, wo sie 1811 Achim von Arnim, den Freund ihres Bruders Clemens, heiratete.
Friedrich Carl von Savigny wurde 1779 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Studium in Marburg lehrte er zunächst als Privatdozent, seit 1803 als außerordentlicher Professor der Rechte in Marburg. Zu seinem engeren Freundeskreis zählten die Brüder Grimm, die in Marburg bei ihm studiert hatten. Mit Clemens Brentano und Bettina von Arnim war er durch seine Ehe mit Gunda Brentano verschwägert.
Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm, beide geboren und gestorben in
Hanau 04.01.1785 - 20.09.1863 Berlin
Hanau 24.02.1786 - 16.12.1859 Berlin
Begründer der Germanistik, Literatur und Sprachwissenschaftler, Märchensammler. Sie sind als untrennbare Einheit, in die Literaturgeschichte eingegangen. Die Gebrüder Grimm verbrachten 3 Jahre in Marburg. Marburg und seine Umgebung Haben sie inspiriert, das ist logisch. Der berühmte Maler Otto Ubbelohde hat viele dieser Märchen illustriert und sich dabei an Motiven der Marburger Gegend orientiert.
Es gibt Touristik-Angebote für ernsthaft Interessiert unter der
URL: http://www.marburg.de/touristik12.asp
1866 Marburg wird preußisch.
1877 Beginn des Universitäts-Neubaus am Lahntor und der Stadterweiterung um Biegen- und Südviertel
Vor ca. 10 Jahre gab es dann den „Kampf ums Biegenviertel", besetzte Häuser...nun steht dort ein Hotel.
1903 Pferdebahn (auf Schienen) zwischen Hauptbahnhof und Wilhelmplatz eröffnet.
1911 Fahrt der ersten elektrischen Straßenbahn
1930 Bei den Reichstagswahlen erreicht die NSDAP in Marburg 28,8% der Stimmen (im Reich 18,3%), die SPD 14,7% (im Reich 24,5%), die KPD 5,2% (im Reich 13,1%).
1942 Abtransport der letzten Juden aus Marburg in die Vernichtungslager
Im Stadtinneren, in der Universitätsstrasse, stand mal eine Synagoge.
Auch sie brannte in der „Reichskristallnacht", der Platz ist noch immer leer, inzwischen hat die jüdische Gemeinde ihn zurück erhalten.
1944/45 Bei Luftangriffen werden der Bahnhof und das Kliniksviertel beschädigt.
1945 Kampflos wird die Stadt am 28. März 1945 an die Amerikaner übergeben. Die Besatzungsmacht besteht aus 06000 bis 14 000 Soldaten.
Daran erinnert bis heute das Amerika-Haus, in dem die Stadtbücherei ihren Sitz hat. Die Stadtbücherei ist heute mit ihrem Angebot, zu dem nicht nur Bücher, Zeitschriften, Musik-CDs und CD-ROMs, sondern auch kostenlose Computerplätze gehören (mit denen man auch surfen kann).
1951 Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs von Straßenbahn auf Busbetrieb
Der Marburger Busverkehr ist ein Bericht für sich über Menschen und ihr Verhalten.
1968 Beginn der Bestandaufnahme für die Altstadtsanierung. Mir persönlich fiel die Stadtsanierung erst 1978 so richtig ins Auge: Am Rudolphsplatz wurde ein Fachwerktürmchen abgerissen, an dem eine Uhr war. Jeden Morgen sah ich auf dem Weg zur Arbeit nach, ob ich gut in der Zeit sei und eines Morgens war die Uhr weg...der Löwe aus Stein, der dort seit langer Zeit seinen Sitz hatte, irrt seitdem durch die Stadt. Zur Zeit steht er an der Stadthalle und bekommt ab und an von der Studentenschaft ein neues „Kleid": das letzte war eines mit Tigerstreifen.
Seitdem wurde in der Marburger Oberstadt viel positive Stadtsanierung praktiziert, in der „unteren" Stadt hat man mehr modern gebaut und sehr schöne Marburger Plätze sind nicht mehr da.
Wo das legendäre „Wirtshaus an der Lahn" stand, ist heute ein Hochhaus mit dem Namen „Affenfelsen", mehr will ich nun zu diesem Thema nicht mehr sagen.
Nein, ich will Euch den alten und den neuen botanischen Garten empfehlen: beide haben ihren eigenen Reiz. Unser Schloß ist ebenso einen Besuch wert, nicht nur zum Training der Wadenmuskeln: es ist sehr schön dort oben, obwohl ich die Neugestaltung nicht „den Hammer" nennen kann.
Denn Marburg ist eine bunte, liebenswürdige Stadt, die hessische Mentalität wird durch die ständig wechselnde Studentenschaft gemildert. Aber auch die vielen Blinden aus ganz Deutschland prägen das Bild von Marburg. Hier gibt es die BLISTA, eine Schuleinrichtung für Blinde und Sehbehinderte, einzigartig in Deutschland, deshalb gibt es hier sehr viele Blinde. Jede Ampel im Stadtbereich gibt akustische Signale von sich, wenn es grün ist und an der Fussgängerhauptkreuzung kann man ein Klopfen hören, dass stärker wird, wenn sich der Verkehr der Grünphase für Fussgänger nähert. Aber auch viele Praktisch Bildbare gibt es hier, denn hier ist auch die Lebenshilfe e.V. die Werkstätten hat, in der viele Behinderte arbeiten und auch sie prägen Marburgs Stadtbild.
Neben dieser schon recht bunten Mischung gibt es die Gruppe der Obdachlosen (wie in jeder Stadt), die in der warmen Jahreszeit zunimmt. Die sind recht friedlich, wenn man ihnen ihren Frieden lässt.
But last not least will ich nun noch unsere Originale erwähnen.
Leider verstorben ist Indianer-Axel, der einst Ingenieur war, dann durch den Alkohol zum Berber wurde, Jahrzehntelang Sommer wie Winter barfuss durch die Stadt zog, seine Leute hatte, die ihm Geld gaben, der dann an Krebs starb und einen eigenen Artikel in der Marburger Stadtzeitung „Express" bekam.
Auch „Mama_Lucia" lebt nicht mehr, sie sang früher auf der Ampelkreuzung vor der Elisabethkirche das bekannte Lied Mama Lucia (daher auch der Name, kein Mensch weiss, wie sie wirklich hiess).
Aber Gudrun, die kennt jeder. Früher mal eine Grundschullehrerin, zieht sie heute mit dem Fahrrad durch die Stadt, vornehmlich um die Elisabethkirche herum, aber auch in anderen Teilen der Stadt kann man sie hören: sie singt sehr laut ihre eigenen Lieder. Wäre sie deutlicher, hätte sie sicher ihre Jüngerschar, denn sie hat ja recht: „Achtet auf die Alten, macht nicht so viel Müll, fahrt weniger Auto..." das sind ihre Inhalte, wenn man die Zeit hat, sich in ihren Rhythmus reinzuhören. Trifft man sie „nichtsingend", kann man wunderbare Gespräche über „Gott und die Welt" mit ihr führen, denn sie ist keineswegs verrückt. Auch wenn viele das denken.
Wenn ich auch einiges zu meckern habe, so liebe ich diese meine Stadt doch sehr und bin stolz auf sie.
Ich hoffe, Eure Neugier geweckt zu haben.
da heute noch Ostern ist, habe ich die Rechenübungen nach hinten geschoben und mich an einen Bericht gemacht. Über die Stadt, in der ich lebe. Auch, besonders zu Beginn, über die Umgebung.
Die erste Erwähnung dieser Gegend um Marburg war gegen 500 v.Chr.
das Vordringen der Kelten . 200 Jahre später kamen die Chatten (Germanen). Um 500 n./ Chr. Wurde die Gegend ins Frankenreich einbezogen.
8. Jahrhundert
Christianisierung durch Bonifatius, den angelsächsischen Missionar,
dessen Erscheinen in Hessen die Entwicklung Europas nachhaltig prägte. Er stand unter dem Schutz der fränkischen Machthaber und hatte den Segen des Papstes. Ausgeschickt, um das „populus Hassiorum" (Volk der Hessen) zu bekehren. Sein erstes Ziel war die Amöneburg (ein ehemaliger Vulkan), hier fand er reines rohes von Heidentum völlig durchzogenes Christentum vor (er war sicher entsetzt). 721 gründete er ein Kloster (das erste Benediktinerkloster auf hessischem Boden) und damit begann die Eroberung der hessischen Seelen durch die Kirche.
Amöneburg ist ca. 15 Kilometer von Marburg entfernt, sehr malerischer Kurort. Das nächst gelegene Dorf Mardorf ist Teil der Diözese Fulda
und berühmt für seinen Frohnleichnamsumzug. Bonifatius „wirkt" noch immer.
http://www.bauerbach.de/heimatbuch/heimatbuchk04.htm
Obengenannte URL ist sehr interessant, ist eine alte Zeichnung von Marburg bei, sonst würde dieser Bericht ausarten.
Im 9. oder 10. Jahrhundert Erste Erwähnung : Burganlage auf dem Schloßberg.
1130/40 Gründung einer Marktsiedlung.
1222 Marburg erstmals als Stadt (civitas) erwähnt.
Um 1180 Erste Stadtmauer. Westtor bei der Barfüsserstrasse 26.
Warum eine Universtitätsstadt eine Universtitätstrasse hat, liegt auf der Hand, aber Barfüsser? Ja, die Franziskaner nannten sich wohl auch Barfüsser. Die Franziskaner gehören zu den sogenannten „Bettelorden". Nach 1200 gab es eine Ausbreitung dieser Orden, zu denen auch die Dominikaner und die Karmeliter zählen. Diese Mönche leben bewusst das arme Leben Jesu, was ja auch Elisabeth von Thüringen praktizierte. Sie predigten in der Volkssprache und sammelten keine Pfründen und Grundstücke . Ihre Volksverbundenheit und ihre Beliebtheit in den Städten liegen beieinander.
1228 Elisabeth errichtet das Franziskus-Hospital. Drei Jahre später stirbt sie in Marburg.
Elisabeth: geb. 1207 auf der Burg Sáros Patak (Nordungarn) als Tochter des ungarischen Königs Andreas II . Als Kleinkind wird sie bereits mit dem Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen verlobt und nach Thüringen geschickt. Trotz der „gestifteten Ehe" ist es eine glückliche. Elisabeth und Ludwig bekommen drei Kinder. Nach dem Ludwigs (Kreuzzug) wird sie dann doch von der Familie des Mannes von der Wartburg vergrault. Sie führt nun ein Leben in Armut und mildtätiger Liebe zu den Arme, das bald von vielen Wundererzählungen verklärt wird. Seltsam ihr übergehorsames Verhältnis zu Konrad von Magdeburg, der Äusserstes von ihr verlangt. Nach ihrem frühen Tod betrieb er zusammen mit Konrad von Thüringen die Heiligsprechung Elisabeths, doch weil er als Inquisitor und Verfolger von Ketzerei im Marburger Raum ein düsteres Regiment betrieb, wurde er auch für die Ritterschaft unerträglich und zwei Jahre nach dem Tod Elisabeths erschlagen in den Lahnbergen gefunden.
Mit ihrem Witwenvermögen gründete sie ein Franziskanerkloster und opferte sich im Dienst der Bedürftigen auf. Im 24. Jahr ihres Lebens starb sie an der Stätte ihres Wirkens, im Franziskanerhospitel. Das Kloster wurde später vom Deutschritterorden übernommen. Als sie am 1. Juni 1235 durch Papst Gregor IX. heiliggesprochen worden war
(der einen Ablaß zum Bau der Elisabethkirche erläßt. Mit den Bauarbeiten wird 1235 begonnen.), wurde sie in Marburg durch einen Staatsakt am 1. Mai 1236 in Anwesenheit von Kaiser Friedrich II. inthronisiert und gekrönt.
1236 Feierliche Erhebung der Gebeine der Heiligen. Die Zeremonie findet unter Anwesenheit von hochrangiger Prominenz statt. Unter anderen sind da: Kaiser Friedrich II., die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, Bremen, der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza.
URL für weitere Infos: http://www.elisabethkirche-mr.de/
1248 Marburg wird unter Sophie von Brabant Hauptsitz der Landgrafschaft Hessen (eine Statue von ihr steht heute vor dem Rathaus, aus Metall, die ist wirklich sehr schön und aussergewöhnlich, wer in Marburg über den Marktplatz geht, sollte sie sich mit den Händen ansehen).
1250 Eine steinerne Brücke über die Lahn wird genannt. Ich vermute, damit ist die Weidenhäuser Brücke gemeint. Weidenhausen ist einer der wirklich malerischen Stadteile, die sozusagen im Innenstadtbereich liegen. Dort gibt es einen Bootsverleih, auf der Lahn lässt sich schön Boot fahren.
1260 Stadterweiterung nach Norden (Neustadt). Das Schloß wird weiter ausgebaut. Neustadt, dass ist der Teil der Oberstadt, der auch „Wasserscheide" heisst. Im Sommer ist dort ein Eiscafè, im Winter gibt es dort Bücher, den Berg runter geht es in nördlicher Richtung zum Steinweg . Dort ist immer noch einmal im Monat ein Flohmarkt.
1512-1527 Bau des Rathauses
Wer den Markt sieht, sieht das Rathaus. Pflicht! Denn jede volle Stunde kräht der Hahn dort oben, der mechanische, man hört es einige Strassen weit. Selbst ich als gebürtige Marburgerin bleibe stehen, wenn der Hahn plärrt. Traditionsbewusste Marburger besitzen eine Schallplatte (Single) mit dem Hahnengeschrei. Touristen bekommen die sicher auch. Seit wann der Hahn da oben wohnt, das bekam ich heute nicht heraus.
1526 In Hessen wird die Reformation eingeführt.
1527 Die erste protestantische Universität wird am 1. Juli mit elf Professoren und 84 Studenten gegründet. Am Markt 9 gibt es die erste Marburger Buchdruckerei.
Spürt Ihr den gelehrten Flair dieser Stadt?
1529 Marburger Religionsgespräch im Schloß. Es diskutieren u.a. Zwingli, Luther, Melanchthon.
Wer davon nichts weiss, sollte diese Bildunglücke dringend füllen!
„In der Geschichte der deutschen Religionskämpfe des 16. und 17. Jahrhunderts hat Marburg eine beträchtliche Rolle gespielt. 1527 stiftete Landgraf Philipp der Großmütige die Universität, die erste protestantische Universität Deutschlands. Am 2. und 3. Oktober 1529 fand dort, auf Anregung des Landgrafen Philipp, das Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli über die Abendmahlslehre statt, das zu der Spaltung der lutherischen und der reformierten Konfession führte. Als Landgraf Moritz 1605 anordnete, daß künftig das reformierte Bekenntnis in Kurhessen gültig sei, weigerten sich vier Universitätsprofessoren, diesem Befehl Folge zu leisten, und wandten sich an den Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt mit dem Vorschlag, eine neue protestantische Universität zu gründen, was dann auch in der benachbarten Stadt Gießen geschah. So kam es, daß diese beiden hessischen Universitäten nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen."
Einen Gedächtnisraum gibt es im Marburger Schloß.
1802/03 Es entsteht in Marburg der sogenannte Romantikerkreis, bestehend aus:
Clemes Brentano 1801
Januar: Übersiedlung nach Marburg zu Savigny.
Der Briefwechsel mit der Schwester Bettina beginnt.
Juni: Bekanntschaft mit Achim von Arnim.
Bettina von Arnim, geb. Brentano
Geboren am 4. 4. 1785 in Frankfurt am Main,
gestorben am 20. 1. 1859 in Berlin.
In Marburg lebte sie eine Zeitlang bei ihrer verheirateten Schwester Gunda Savigny. Seit 1806 hatte sie Kontakt zum Goetheschen Hause und ab 1810 lebte sie bei den Savignys in Berlin, wo sie 1811 Achim von Arnim, den Freund ihres Bruders Clemens, heiratete.
Friedrich Carl von Savigny wurde 1779 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Studium in Marburg lehrte er zunächst als Privatdozent, seit 1803 als außerordentlicher Professor der Rechte in Marburg. Zu seinem engeren Freundeskreis zählten die Brüder Grimm, die in Marburg bei ihm studiert hatten. Mit Clemens Brentano und Bettina von Arnim war er durch seine Ehe mit Gunda Brentano verschwägert.
Grimm, Jacob & Grimm, Wilhelm, beide geboren und gestorben in
Hanau 04.01.1785 - 20.09.1863 Berlin
Hanau 24.02.1786 - 16.12.1859 Berlin
Begründer der Germanistik, Literatur und Sprachwissenschaftler, Märchensammler. Sie sind als untrennbare Einheit, in die Literaturgeschichte eingegangen. Die Gebrüder Grimm verbrachten 3 Jahre in Marburg. Marburg und seine Umgebung Haben sie inspiriert, das ist logisch. Der berühmte Maler Otto Ubbelohde hat viele dieser Märchen illustriert und sich dabei an Motiven der Marburger Gegend orientiert.
Es gibt Touristik-Angebote für ernsthaft Interessiert unter der
URL: http://www.marburg.de/touristik12.asp
1866 Marburg wird preußisch.
1877 Beginn des Universitäts-Neubaus am Lahntor und der Stadterweiterung um Biegen- und Südviertel
Vor ca. 10 Jahre gab es dann den „Kampf ums Biegenviertel", besetzte Häuser...nun steht dort ein Hotel.
1903 Pferdebahn (auf Schienen) zwischen Hauptbahnhof und Wilhelmplatz eröffnet.
1911 Fahrt der ersten elektrischen Straßenbahn
1930 Bei den Reichstagswahlen erreicht die NSDAP in Marburg 28,8% der Stimmen (im Reich 18,3%), die SPD 14,7% (im Reich 24,5%), die KPD 5,2% (im Reich 13,1%).
1942 Abtransport der letzten Juden aus Marburg in die Vernichtungslager
Im Stadtinneren, in der Universitätsstrasse, stand mal eine Synagoge.
Auch sie brannte in der „Reichskristallnacht", der Platz ist noch immer leer, inzwischen hat die jüdische Gemeinde ihn zurück erhalten.
1944/45 Bei Luftangriffen werden der Bahnhof und das Kliniksviertel beschädigt.
1945 Kampflos wird die Stadt am 28. März 1945 an die Amerikaner übergeben. Die Besatzungsmacht besteht aus 06000 bis 14 000 Soldaten.
Daran erinnert bis heute das Amerika-Haus, in dem die Stadtbücherei ihren Sitz hat. Die Stadtbücherei ist heute mit ihrem Angebot, zu dem nicht nur Bücher, Zeitschriften, Musik-CDs und CD-ROMs, sondern auch kostenlose Computerplätze gehören (mit denen man auch surfen kann).
1951 Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs von Straßenbahn auf Busbetrieb
Der Marburger Busverkehr ist ein Bericht für sich über Menschen und ihr Verhalten.
1968 Beginn der Bestandaufnahme für die Altstadtsanierung. Mir persönlich fiel die Stadtsanierung erst 1978 so richtig ins Auge: Am Rudolphsplatz wurde ein Fachwerktürmchen abgerissen, an dem eine Uhr war. Jeden Morgen sah ich auf dem Weg zur Arbeit nach, ob ich gut in der Zeit sei und eines Morgens war die Uhr weg...der Löwe aus Stein, der dort seit langer Zeit seinen Sitz hatte, irrt seitdem durch die Stadt. Zur Zeit steht er an der Stadthalle und bekommt ab und an von der Studentenschaft ein neues „Kleid": das letzte war eines mit Tigerstreifen.
Seitdem wurde in der Marburger Oberstadt viel positive Stadtsanierung praktiziert, in der „unteren" Stadt hat man mehr modern gebaut und sehr schöne Marburger Plätze sind nicht mehr da.
Wo das legendäre „Wirtshaus an der Lahn" stand, ist heute ein Hochhaus mit dem Namen „Affenfelsen", mehr will ich nun zu diesem Thema nicht mehr sagen.
Nein, ich will Euch den alten und den neuen botanischen Garten empfehlen: beide haben ihren eigenen Reiz. Unser Schloß ist ebenso einen Besuch wert, nicht nur zum Training der Wadenmuskeln: es ist sehr schön dort oben, obwohl ich die Neugestaltung nicht „den Hammer" nennen kann.
Denn Marburg ist eine bunte, liebenswürdige Stadt, die hessische Mentalität wird durch die ständig wechselnde Studentenschaft gemildert. Aber auch die vielen Blinden aus ganz Deutschland prägen das Bild von Marburg. Hier gibt es die BLISTA, eine Schuleinrichtung für Blinde und Sehbehinderte, einzigartig in Deutschland, deshalb gibt es hier sehr viele Blinde. Jede Ampel im Stadtbereich gibt akustische Signale von sich, wenn es grün ist und an der Fussgängerhauptkreuzung kann man ein Klopfen hören, dass stärker wird, wenn sich der Verkehr der Grünphase für Fussgänger nähert. Aber auch viele Praktisch Bildbare gibt es hier, denn hier ist auch die Lebenshilfe e.V. die Werkstätten hat, in der viele Behinderte arbeiten und auch sie prägen Marburgs Stadtbild.
Neben dieser schon recht bunten Mischung gibt es die Gruppe der Obdachlosen (wie in jeder Stadt), die in der warmen Jahreszeit zunimmt. Die sind recht friedlich, wenn man ihnen ihren Frieden lässt.
But last not least will ich nun noch unsere Originale erwähnen.
Leider verstorben ist Indianer-Axel, der einst Ingenieur war, dann durch den Alkohol zum Berber wurde, Jahrzehntelang Sommer wie Winter barfuss durch die Stadt zog, seine Leute hatte, die ihm Geld gaben, der dann an Krebs starb und einen eigenen Artikel in der Marburger Stadtzeitung „Express" bekam.
Auch „Mama_Lucia" lebt nicht mehr, sie sang früher auf der Ampelkreuzung vor der Elisabethkirche das bekannte Lied Mama Lucia (daher auch der Name, kein Mensch weiss, wie sie wirklich hiess).
Aber Gudrun, die kennt jeder. Früher mal eine Grundschullehrerin, zieht sie heute mit dem Fahrrad durch die Stadt, vornehmlich um die Elisabethkirche herum, aber auch in anderen Teilen der Stadt kann man sie hören: sie singt sehr laut ihre eigenen Lieder. Wäre sie deutlicher, hätte sie sicher ihre Jüngerschar, denn sie hat ja recht: „Achtet auf die Alten, macht nicht so viel Müll, fahrt weniger Auto..." das sind ihre Inhalte, wenn man die Zeit hat, sich in ihren Rhythmus reinzuhören. Trifft man sie „nichtsingend", kann man wunderbare Gespräche über „Gott und die Welt" mit ihr führen, denn sie ist keineswegs verrückt. Auch wenn viele das denken.
Wenn ich auch einiges zu meckern habe, so liebe ich diese meine Stadt doch sehr und bin stolz auf sie.
Ich hoffe, Eure Neugier geweckt zu haben.
22 Bewertungen, 3 Kommentare
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04.04.2002, 11:22 Uhr von aroza
Bewertung: sehr hilfreichsiehste, und ich bin der bahn auf dem weg nach gießen einfach nur vorbei gefahren. so was!!!
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01.04.2002, 18:48 Uhr von cos-setus-dwo
Bewertung: sehr hilfreichguter bericht kannst ja mal bei meinen vorbeischauen greetz setus
-
01.04.2002, 18:46 Uhr von Bettina-l
Bewertung: sehr hilfreichSehr Fleißig!




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