Erfahrungsbericht von niehls0815
Der Späher (Science Fiction)
Pro:
nur Fantasie
Kontra:
könnte Wirklichkeit werden
Empfehlung:
Nein
Ein durchdringender Sirenenton riss ihn aus dem Schlaf. Er sprang aus seiner Ruhezelle und eilte auf die Kommandobrücke. Glücklicherweise lag die Ruhezelle des Wachhabenden gleich neben der Brücke. Daher war er innerhalb von Sekunden am Steuerpult und schaltete den Alarmton aus. Das Blinken der Kontrolllampen lies er jedoch bestehen. Er schaltete das Licht auf der Brücke an und berührte noch zwei Sensoren auf dem Schaltpult. Auf dem Monitor an der Wand erschien der Grund für den Alarm. Sie näherten sich einem Planeten, auf dem lt. den Sensoren Wasser und Kohlenstoff vorhanden waren – also die Grundvoraussetzungen für Leben erfüllt wurden.
Sollte ihre Suche endlich ein Ende gefunden haben?
Er entschied sich, die anderen Mitglieder der Crew aus dem Tiefschlaf zu wecken und drückte wieder einige Knöpfe. An der seitlichen Anzeigetafel begannen jeweils drei Lämpchen zu blinken und eine Digitalanzeige begann anzusteigen. Wenn die Werte Normalniveau erreicht hatten, würden sich die Tiefschlafkapseln öffnen und die Kameraden nach wenigen Minuten hier auf der Brücke erscheinen. Er kannte diese Prozedur nun schon auswendig. Wie oft hatte er das bei der Wachablösung auf der Brücke selbst erlebt. Und auch die unzähligen im Nachhinein doch immer Fehlalarme während ihrer nun schon so langen Reise durch die Unendlichkeit des Alls.
Es würde einige Zeit dauern, bis die Kameraden völlig erwacht waren und deshalb machte er es sich in seinem Sessel bequem. Er dachte über die vergangene Zeit nach. Wie seine Zivilisation begann, die Technik zu nutzen. Wie man endlich in der Lage war, den Weltraum zu bereisen. Zunächst nur in nächster Nähe seines Heimatplaneten doch mit zunehmender Entwicklung stieß man immer weiter in das All vor. An die große Panik, als man errechnete, dass ihre bisherigen Energiereserven fast aufgebraucht waren. An das große Chaos, dass der Panik folgte, mit den vielen Opfern, die der Krieg zwischen den Kontinenten forderte. Und der vereinigte Planetenrat, der sich schließlich aus dem Chaos erhob, um das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Als man sich entschied, gemeinsam nach einer neuen Heimat im All zu suchen. Die Entwicklung und der Bau der großen Expeditionsschiffe.
Als er geboren wurde, begann man gerade mit der Search III. Insgesamt waren zwölf Schiffe geplant. Doch auch seine Geburt war ein Großer Fortschritt gewesen. Das erste vollständig künstlich befruchtete und gewachsene Kind. Die Schwangerschaft im Mutterleib war aufgrund der sich immer weiter verschlechternden Umwelteinflüsse mittlerweile fast eine Garantie für den Tod innerhalb von 2 Wochen nach der Geburt. Wirklich lebensfähig waren inzwischen nur noch die künstlich herangezogenen Kinder aus den Geburtshäusern der Muttereinrichtung. Der Vereinte Planetenrat hoffte aber, dass auf einem neuen Planeten auch natürliche Schwangerschaften wieder möglich würden. Doch bis dahin musste man sich anders helfen, um die Zivilisation am Leben zu erhalten.
Bereits sehr früh in seiner Entwicklung begann seine Ausbildung für den Dienst im All. Sein Körper wurde an den künstlichen Tiefschlaf gewöhnt und auch die Ernährung wurde auf die Gegebenheiten auf den Search-Schiffen eingestellt. Als er die Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde gerade Search IV fertiggestellt. Er wurde mir drei anderen Absolventen der Ausbildung diesem Schiff als Mannschaft zugeteilt und kurze Zeit später erfolgte der Start.
Der Alltag auf dem Schiff war sehr eintönig. Jeweils drei Mitglieder der Crew waren in den künstlichen Tiefschlaf versetzt, während der Vierte eine Woche als Wache eingeteilt war. Sie hatten die Zeiteinteilung der Heimatwelt beibehalten, obwohl hier im All keinerlei Orientierung an den Himmelkörpern zur Zeitbestimmung möglich war. Dem Wachhabenden stand eine Ruhezelle direkt hinter der Kommandobrücke zur Verfügung, in der er die Ruhephasen während der Wachwoche verbrachte.
Am Anfang hatten sie noch die Wachablösungen gezählt und Wetten abgeschlossen, in wessen Wache sie den Planet erreichen würden, auf dem sie ein neues Zuhause finden würden. Doch mit der Zeit und den ständigen Wachwechseln waren diese Dinge in Vergessenheit geraten. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viele Wachwechsel seit dem Start vergangen waren.
In den Frachträumen des Schiffes lagerten die sogenannten Startcontainer. In diesen war alles enthalten, wovon der vereinte Planetenrat ausging, dass es für die Besiedlung eines Planeten notwendig war. Samen und Sporen von Pflanzen der Heimatwelt, künstlich tiefgefrorene Embryonen verschiedener Tierarten und technische Geräte verschiedenster Art.
Die Search-Schiffe waren mit Langstreckensensoren ausgestattet, welche alle Himmelskörper der Umgebung nach Anzeichen von Leben bzw. nach dem Vorhandensein der Grundvoraussetzungen für Leben abtasteten. Wenn sie fündig wurden, sprang der Alarm an. Für ihn war es bereits der dritte Alarm während einer seiner Wachen. zweimal waren es jedoch nur Asteroiden, auf denen spuren von Eis und Kohlenstoffverbindungen zu finden waren. Und einmal war es ein Planet, der zwar groß genug gewesen wäre, aber er war zu weit von einer wärmenden Sonne entfernt, als dass Leben wirklich möglich gewesen wäre. Dort wäre alles zu Eis erstarrt. Auch bei den Wachen der anderen gab es ähnliche Funde. Meist waren die Objekte zu klein und bei den Übrigen stimmten die Umweltbedingungen ebenfalls nicht.
Doch diesmal schien alles besser zu sein. Die Sensoren zeigten einen hohen Wasseranteil an. Auch Kohlenstoff in verschiedenen Verbindungen wurde festgestellt. Die Automatik hatte bereits ein Bremsmanöver eingeleitet und in weniger als einer Stunde würden sie den Planeten erreicht haben. Das Bild des Planeten war bereits auf dem Monitor zu sehen und füllte diesen nach und nach aus. Irgendwie sah das Bild jedoch verschwommen aus und er versuchte die Schärfe etwas nachzuregulieren, was aber misslang. Es musste also andere Ursachen habe, das kein klares Bild vorhanden war.
Inzwischen war die Aufwachphase der andern drei Crewmitglieder abgeschlossen und sie kamen nach und nach auf die Brücke, um sich ein Bild vom Grund der Unterbrechung und willkommenen Abwechslung zu machen und ihre Plätze einzunehmen. Er blickte sich nach ihnen um. In den glänzenden Raumanzügen wirkten sie noch gleichförmiger, als sie ohnehin schon waren. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sie jemals Namen gehabt hätten. Bei der Zuteilung zu diesem Schiff wurden ihnen Nummern zugeteilt. Da dies die Search IV war, hießen sie also IV-1, IV-2, IV-3 und IV-4 und trugen diese Nummern auch deutlich sichtbar auf ihren Anzügen. Er selbst war IV-4, wobei sie sich untereinander nur mit der Nachnummer anredeten, denn die Vornummer war ja bei allen identisch. Nr. 2 war sozusagen sein Bruder, er stammte aus dem gleichen Geburtszyklus wie er. Nr. 1 und Nr. 3 waren gebärfähige Mitglieder der Crew.
Er hatte etwas im Speicher des Schiffes gelesen, in dem fast alles Wissen seiner Zivilisation enthalten war und dabei erfahren, dass er als Mann bezeichnet wurde und die gebärfähigen Mitglieder als Frau. In der Vergangenheit bestand zwischen jeweils einem Mann und einer Frau eine enge emotionale Verbindung, welche jedoch zwischenzeitlich medikamentös unterdrückt wurde. Das Ergebnis einer solchen Beziehung sollten angeblich die natürlichen Schwangerschaften sein, doch konnte er sich dies nicht vorstellen. In seiner Ausbildung wurde darüber nicht gesprochen. Und hier auf dem Schiff betrachteten sich die Mitglieder der Crew geschlechtsneutral. Lt. dem Handbuch des Schiffes wurde die Medikamentendosis zur Emotionsunterdrückung über die Nahrung des Schiffes mit verabreicht. Wenn sie einen geeigneten Planeten gefunden hätten und nicht mehr auf die Ernährung durch die Lebenserhaltungssysteme des Schiffes angewiesen wären, würden auch die Emotionen wieder erwachen. Aber das war nur Zukunftsmusik, zunächst musste dieser passende Planet erst mal gefunden werden. Und der vor ihnen liegende Planet schien auf den ersten Blick sehr passend.
Als sie dem Planeten näher kamen, erkannten sie erste Einzelheiten. Das System bestand wie viele andere auch aus einer Sonne und mehreren Planeten, die um die Sonne kreisten. Interessant war der dritte Planet von innen. Mittlerweile konnte man sogar erkennen, warum das Bild so unscharf war. In der Atmosphäre des Planeten waren Unmengen von Wasser enthalten und bildeten einen dichten Schleier um die Planetenoberfläche.
Inzwischen hatten sie eine Umlaufbahn um den Planeten erreicht und Nr. 1 begann mit der Absetzung von fünf Sensorkapseln, die die Atmosphäre und die Planetenoberfläche analysieren sollten. Nach dem Start warteten sie gespannt auf das Eintreffen der ersten Messergebnisse. Nach einigen Minuten begannen die Anzeigen zu flimmern und die ersten Ergebnisse wurden abgezeigt. Die Atmosphäre bestand zu einem großen Teil aus Sauerstoff und Stickstoff sowie einigen Kohlenstoffverbindungen. Als die Kapseln durch die diffuse Wasserdampfschicht hindurchtauchten erschien plötzlich ein klares Bild auf den Monitoren. Ziemlich dunkel war es auf der Oberfläche des Planeten, aber das lag wahrscheinlich an der Wasserdampfschicht, die ihn umgab. Und es war sehr stürmisch unter dem Wasserdampf. Atmosphärische Entladungen in nicht gekannter Zahl und Heftigkeit zuckten über die Monitore. Plötzlich blitzte die Anzeige der Sensorkapsel 2 auf und danach erlosch die Anzeige komplett. Offenbar war die Kapsel von einem der Blitze getroffen worden. Die übrigen Kapseln setzten ihren Weg auf die Oberfläche des Planeten fort und landeten planmäßig.
Nachdem die Kapseln sich stabilisiert hatte, begannen die planetaren Sensoren mit ihrer Arbeit. Außerdem öffneten sich an der oberen Seite Klappen und jeweils eine Kamera wurde ausgefahren, die eine Rundumblick ermöglichte. Die vier Kameraden auf dem Schiff blickten gespannt und erschrocken auf die Bilder, welche die Kameras einfingen.
Die Szene, die die Kamera der Sonde 1 einfing, schien gespenstisch zu sein. Rundherum waren Reste von Gebäuden zu erkennen. Meist standen noch einige Mauern und die leeren Fenster schienen aufgerissenen Mündern gleich, die ihr Elend in die Welt schrieen. Etwas weiter weg war ein merkwürdiges Metallgerüst erkennbar. Es schien wie eine Pyramide nach oben spitz zuzulaufen. Unten stand es auf vier Beinen. Das Gerüst war seltsam verkrümmt, so als hätte es mit einem gigantischen Knüppel bearbeitet und neigte sich bedrohlich zur Seite. Riesige Staubwolken wurden von den stürmischen Winden zwischen den Ruinen und durch ein riesiges steinernes Tor ohne jede sichtbare Funktion umhergeweht. Doch nirgends erschien irgend ein Zeichen von Leben zu sein.
Das Bild bei der Kamera der Sonde 3 unterschied sich kaum von dem Vorhergehenden. Lediglich das undefinierbare Metallgerüst fehlte hier. Dafür hatte die Reste des Mauerwerks, welche sich um die Sonde erhoben alle eine rote Farbe und einige Ruinen schienen als Mahnmal noch ein Dach zu tragen. Besonders die Form der Dächer irritierte die Raumfahrer. Sie glichen einer Zwiebel. Den tieferen Sinn dieser Bauwerke verstand keiner der vier. Aber auch hier war nichts und niemand zu entdecken, der das Rätsel hätte lösen können.
Sonde 4 landete am Fuße eines gigantischen Abgrundes. Hier waren keine Bauwerke zu sehen, die auf früheres Leben an diesem Ort hingedeutet hätten. Stattdessen waren hier Unmengen von ausgeblichenen und zerborstenen Skeletten zu sehen. Der Form und Anordnung der Knochen nach zu urteilen, handelte es sich bei diesen um Wasserlebewesen. Doch weit und breit war kein Wasser zu entdecken. Das einzige Vorkommen von Wasser war die Wolkenschicht in der Atmosphäre.
Als Sonde 5 mit dem Rundumblick beginnen wollte, brach der Untergrund unter der Sonde zusammen und sie fiel in einen Hohlraum unter der Fläche, auf der sie stand und wurde von nachrutschenden Trümmern verschüttet. Das Bild und Anzeigen von dieser Sonde erloschen augenblicklich. Offenbar ebenfalls ein Totalverlust.
Die vier Crewmitglieder blickten sich fragend an. Was hatte das alles zu bedeuten? Was war hier passiert? Wo waren die Bewohner des braunen Planeten?
Erst jetzt beachteten sie die anderen Angaben und Messwerte der einzelnen Sonden. Die Temperatur lag ziemlich hoch. kein Wunder, dass es nur Wasserdampf aber kein flüssiges Wasser gab. Und noch ein Wert viel sofort auf, weil er absolut lebensfeindlich war. Die radioaktive Strahlung überstieg alle bisher bekannten Werte um ein Vielfaches. Ähnliche Werte waren bisher nur in Sonnennähe gemessen worden. Die Vier blickten sich an und überlegten, woher diese Strahlung wohl käme.
Plötzlich begann eine andere Anzeige zu blinken. Die Sensoren fingen Funksignale auf. Sofort versuchte Nr. 2 herauszufinden, woher die Signale stammten. Als Quelle wurde schließlich eine sondenähnliche Raumkapsel geortet. Die Funksignale schienen ein unverständliches Kauderwelsch zu sein.
Nr. 1 startete eine Fangsonde, welche sich an die fremde Raumkapsel andockte und näher untersuchte. An der Seite der fremden Kapsel war eine Art Datenterminal, in welches sich die Fangsonde einklinkte. Daraufhin strömte eine Unmenge von Daten in den Speicher der Fangsonde, die die Daten umgehend auf das Mutterschiff übertrug.
Nr. 3 startete das Encodier- und Übersetzungsprogramm und nach einigen Sekunden erschien eine Art Kurzreportage im Zeitraffer über diesen Planeten. Der Planet war tatsächlich bewohnt gewesen. Er war sogar sehr schön. Großflächige Meere und grüne Kontinente prägten das Bild des Planeten. Jedoch waren die Bewohner sehr kriegerisch und besonders erfinderisch in der Konstruktion immer neuer Waffen. Eine dieser Waffen, die sogenannte Atombombe, hatte letztendlich auch zur Eigenvernichtung dieser Spezies geführt. In diesem letzten Krieg müssen soviel Waffen zum Einsatz gekommen sein, das sämtliches Leben vernichtet wurde und die Temperaturen sind dermaßen angestiegen, dass alles Wasser auf der Oberfläche des Planeten verdampfte. Die fremde Kapsel stammte von einem Raumschiff, welches während dieses Krieges gestartet wurde, um einige Exemplare der Spezies in Sicherheit zu bringen. Leider wurde das Raumschiff ebenfalls zerstört und nur ein Wesen rettete sich in die Kapsel. Von dort aus musste er mit ansehen, wie aus dem ehemals blauen Planeten ein brauner Planet wurde.
Als Abschluss der übertragenen Nachricht erschien auf dem Monitor das Bild eines Lebewesens mit einem seltsamen Anzug. Das Wesen bewegte eine Öffnung am Kopf, offenbar das Kommunikationsorgan dieser und die Worte des Wesens klangen durch das Raumschiff:
„An alle lebenden Wesen des Universums. Hier spricht der letzte lebende Mensch der Erde. Wir waren nicht in der Lage, Frieden mit uns selbst zu halten. Daher waren wir nicht würdig, in diesem Universum zu existieren. Lasst euch unser Schicksal eine Warnung sein.“
Danach brach der Ton ab und die Nachricht endete.
Die vier Kosmonauten blickten sich mit ihren jeweils drei Augen an. Also wieder ein Fehlalarm. Dieser Planet würde für Jahrtausende unbewohnbar bleiben. Die Farbe ihrer Kommunikationstentakeln verfärbten sich von aufgeregtem Violett nach enttäuschtem Grün. Nr. 1 startete das Rückholprogramm für die Sonden. Danach schwebten Nr. 1 bis 3 wieder zu ihren Tiefschlafkapseln, um bis zur nächsten Wachablösung oder bis zum nächsten Planeten weiter zu schlafen.
Nr. 4 schalteten wieder auf Automatik um und lies das Raumschiff die Reise fortsetzen. Zumindest hatten Sie jetzt wieder neuen Lese und Betrachtungsstoff im Speicher über die Geschichte der Erde und die Entwicklung und das Vergehen der Menschen.
Die Suche nach einem bewohnbaren Planeten, der ihre neue Heimat werden konnte, ging weiter.
Irgendwann würden sie diesen Planeten finden.
Einen Planeten wie die Erde...
Nur ohne Menschen...
Irgendwann...
Irgendwo da draußen...
PS: Ich versichere, dass es sich hierbei NICHT um meine Erfahrungen handelt, sondern lediglich um meine Fantasie.
Sollte ihre Suche endlich ein Ende gefunden haben?
Er entschied sich, die anderen Mitglieder der Crew aus dem Tiefschlaf zu wecken und drückte wieder einige Knöpfe. An der seitlichen Anzeigetafel begannen jeweils drei Lämpchen zu blinken und eine Digitalanzeige begann anzusteigen. Wenn die Werte Normalniveau erreicht hatten, würden sich die Tiefschlafkapseln öffnen und die Kameraden nach wenigen Minuten hier auf der Brücke erscheinen. Er kannte diese Prozedur nun schon auswendig. Wie oft hatte er das bei der Wachablösung auf der Brücke selbst erlebt. Und auch die unzähligen im Nachhinein doch immer Fehlalarme während ihrer nun schon so langen Reise durch die Unendlichkeit des Alls.
Es würde einige Zeit dauern, bis die Kameraden völlig erwacht waren und deshalb machte er es sich in seinem Sessel bequem. Er dachte über die vergangene Zeit nach. Wie seine Zivilisation begann, die Technik zu nutzen. Wie man endlich in der Lage war, den Weltraum zu bereisen. Zunächst nur in nächster Nähe seines Heimatplaneten doch mit zunehmender Entwicklung stieß man immer weiter in das All vor. An die große Panik, als man errechnete, dass ihre bisherigen Energiereserven fast aufgebraucht waren. An das große Chaos, dass der Panik folgte, mit den vielen Opfern, die der Krieg zwischen den Kontinenten forderte. Und der vereinigte Planetenrat, der sich schließlich aus dem Chaos erhob, um das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Als man sich entschied, gemeinsam nach einer neuen Heimat im All zu suchen. Die Entwicklung und der Bau der großen Expeditionsschiffe.
Als er geboren wurde, begann man gerade mit der Search III. Insgesamt waren zwölf Schiffe geplant. Doch auch seine Geburt war ein Großer Fortschritt gewesen. Das erste vollständig künstlich befruchtete und gewachsene Kind. Die Schwangerschaft im Mutterleib war aufgrund der sich immer weiter verschlechternden Umwelteinflüsse mittlerweile fast eine Garantie für den Tod innerhalb von 2 Wochen nach der Geburt. Wirklich lebensfähig waren inzwischen nur noch die künstlich herangezogenen Kinder aus den Geburtshäusern der Muttereinrichtung. Der Vereinte Planetenrat hoffte aber, dass auf einem neuen Planeten auch natürliche Schwangerschaften wieder möglich würden. Doch bis dahin musste man sich anders helfen, um die Zivilisation am Leben zu erhalten.
Bereits sehr früh in seiner Entwicklung begann seine Ausbildung für den Dienst im All. Sein Körper wurde an den künstlichen Tiefschlaf gewöhnt und auch die Ernährung wurde auf die Gegebenheiten auf den Search-Schiffen eingestellt. Als er die Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde gerade Search IV fertiggestellt. Er wurde mir drei anderen Absolventen der Ausbildung diesem Schiff als Mannschaft zugeteilt und kurze Zeit später erfolgte der Start.
Der Alltag auf dem Schiff war sehr eintönig. Jeweils drei Mitglieder der Crew waren in den künstlichen Tiefschlaf versetzt, während der Vierte eine Woche als Wache eingeteilt war. Sie hatten die Zeiteinteilung der Heimatwelt beibehalten, obwohl hier im All keinerlei Orientierung an den Himmelkörpern zur Zeitbestimmung möglich war. Dem Wachhabenden stand eine Ruhezelle direkt hinter der Kommandobrücke zur Verfügung, in der er die Ruhephasen während der Wachwoche verbrachte.
Am Anfang hatten sie noch die Wachablösungen gezählt und Wetten abgeschlossen, in wessen Wache sie den Planet erreichen würden, auf dem sie ein neues Zuhause finden würden. Doch mit der Zeit und den ständigen Wachwechseln waren diese Dinge in Vergessenheit geraten. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viele Wachwechsel seit dem Start vergangen waren.
In den Frachträumen des Schiffes lagerten die sogenannten Startcontainer. In diesen war alles enthalten, wovon der vereinte Planetenrat ausging, dass es für die Besiedlung eines Planeten notwendig war. Samen und Sporen von Pflanzen der Heimatwelt, künstlich tiefgefrorene Embryonen verschiedener Tierarten und technische Geräte verschiedenster Art.
Die Search-Schiffe waren mit Langstreckensensoren ausgestattet, welche alle Himmelskörper der Umgebung nach Anzeichen von Leben bzw. nach dem Vorhandensein der Grundvoraussetzungen für Leben abtasteten. Wenn sie fündig wurden, sprang der Alarm an. Für ihn war es bereits der dritte Alarm während einer seiner Wachen. zweimal waren es jedoch nur Asteroiden, auf denen spuren von Eis und Kohlenstoffverbindungen zu finden waren. Und einmal war es ein Planet, der zwar groß genug gewesen wäre, aber er war zu weit von einer wärmenden Sonne entfernt, als dass Leben wirklich möglich gewesen wäre. Dort wäre alles zu Eis erstarrt. Auch bei den Wachen der anderen gab es ähnliche Funde. Meist waren die Objekte zu klein und bei den Übrigen stimmten die Umweltbedingungen ebenfalls nicht.
Doch diesmal schien alles besser zu sein. Die Sensoren zeigten einen hohen Wasseranteil an. Auch Kohlenstoff in verschiedenen Verbindungen wurde festgestellt. Die Automatik hatte bereits ein Bremsmanöver eingeleitet und in weniger als einer Stunde würden sie den Planeten erreicht haben. Das Bild des Planeten war bereits auf dem Monitor zu sehen und füllte diesen nach und nach aus. Irgendwie sah das Bild jedoch verschwommen aus und er versuchte die Schärfe etwas nachzuregulieren, was aber misslang. Es musste also andere Ursachen habe, das kein klares Bild vorhanden war.
Inzwischen war die Aufwachphase der andern drei Crewmitglieder abgeschlossen und sie kamen nach und nach auf die Brücke, um sich ein Bild vom Grund der Unterbrechung und willkommenen Abwechslung zu machen und ihre Plätze einzunehmen. Er blickte sich nach ihnen um. In den glänzenden Raumanzügen wirkten sie noch gleichförmiger, als sie ohnehin schon waren. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sie jemals Namen gehabt hätten. Bei der Zuteilung zu diesem Schiff wurden ihnen Nummern zugeteilt. Da dies die Search IV war, hießen sie also IV-1, IV-2, IV-3 und IV-4 und trugen diese Nummern auch deutlich sichtbar auf ihren Anzügen. Er selbst war IV-4, wobei sie sich untereinander nur mit der Nachnummer anredeten, denn die Vornummer war ja bei allen identisch. Nr. 2 war sozusagen sein Bruder, er stammte aus dem gleichen Geburtszyklus wie er. Nr. 1 und Nr. 3 waren gebärfähige Mitglieder der Crew.
Er hatte etwas im Speicher des Schiffes gelesen, in dem fast alles Wissen seiner Zivilisation enthalten war und dabei erfahren, dass er als Mann bezeichnet wurde und die gebärfähigen Mitglieder als Frau. In der Vergangenheit bestand zwischen jeweils einem Mann und einer Frau eine enge emotionale Verbindung, welche jedoch zwischenzeitlich medikamentös unterdrückt wurde. Das Ergebnis einer solchen Beziehung sollten angeblich die natürlichen Schwangerschaften sein, doch konnte er sich dies nicht vorstellen. In seiner Ausbildung wurde darüber nicht gesprochen. Und hier auf dem Schiff betrachteten sich die Mitglieder der Crew geschlechtsneutral. Lt. dem Handbuch des Schiffes wurde die Medikamentendosis zur Emotionsunterdrückung über die Nahrung des Schiffes mit verabreicht. Wenn sie einen geeigneten Planeten gefunden hätten und nicht mehr auf die Ernährung durch die Lebenserhaltungssysteme des Schiffes angewiesen wären, würden auch die Emotionen wieder erwachen. Aber das war nur Zukunftsmusik, zunächst musste dieser passende Planet erst mal gefunden werden. Und der vor ihnen liegende Planet schien auf den ersten Blick sehr passend.
Als sie dem Planeten näher kamen, erkannten sie erste Einzelheiten. Das System bestand wie viele andere auch aus einer Sonne und mehreren Planeten, die um die Sonne kreisten. Interessant war der dritte Planet von innen. Mittlerweile konnte man sogar erkennen, warum das Bild so unscharf war. In der Atmosphäre des Planeten waren Unmengen von Wasser enthalten und bildeten einen dichten Schleier um die Planetenoberfläche.
Inzwischen hatten sie eine Umlaufbahn um den Planeten erreicht und Nr. 1 begann mit der Absetzung von fünf Sensorkapseln, die die Atmosphäre und die Planetenoberfläche analysieren sollten. Nach dem Start warteten sie gespannt auf das Eintreffen der ersten Messergebnisse. Nach einigen Minuten begannen die Anzeigen zu flimmern und die ersten Ergebnisse wurden abgezeigt. Die Atmosphäre bestand zu einem großen Teil aus Sauerstoff und Stickstoff sowie einigen Kohlenstoffverbindungen. Als die Kapseln durch die diffuse Wasserdampfschicht hindurchtauchten erschien plötzlich ein klares Bild auf den Monitoren. Ziemlich dunkel war es auf der Oberfläche des Planeten, aber das lag wahrscheinlich an der Wasserdampfschicht, die ihn umgab. Und es war sehr stürmisch unter dem Wasserdampf. Atmosphärische Entladungen in nicht gekannter Zahl und Heftigkeit zuckten über die Monitore. Plötzlich blitzte die Anzeige der Sensorkapsel 2 auf und danach erlosch die Anzeige komplett. Offenbar war die Kapsel von einem der Blitze getroffen worden. Die übrigen Kapseln setzten ihren Weg auf die Oberfläche des Planeten fort und landeten planmäßig.
Nachdem die Kapseln sich stabilisiert hatte, begannen die planetaren Sensoren mit ihrer Arbeit. Außerdem öffneten sich an der oberen Seite Klappen und jeweils eine Kamera wurde ausgefahren, die eine Rundumblick ermöglichte. Die vier Kameraden auf dem Schiff blickten gespannt und erschrocken auf die Bilder, welche die Kameras einfingen.
Die Szene, die die Kamera der Sonde 1 einfing, schien gespenstisch zu sein. Rundherum waren Reste von Gebäuden zu erkennen. Meist standen noch einige Mauern und die leeren Fenster schienen aufgerissenen Mündern gleich, die ihr Elend in die Welt schrieen. Etwas weiter weg war ein merkwürdiges Metallgerüst erkennbar. Es schien wie eine Pyramide nach oben spitz zuzulaufen. Unten stand es auf vier Beinen. Das Gerüst war seltsam verkrümmt, so als hätte es mit einem gigantischen Knüppel bearbeitet und neigte sich bedrohlich zur Seite. Riesige Staubwolken wurden von den stürmischen Winden zwischen den Ruinen und durch ein riesiges steinernes Tor ohne jede sichtbare Funktion umhergeweht. Doch nirgends erschien irgend ein Zeichen von Leben zu sein.
Das Bild bei der Kamera der Sonde 3 unterschied sich kaum von dem Vorhergehenden. Lediglich das undefinierbare Metallgerüst fehlte hier. Dafür hatte die Reste des Mauerwerks, welche sich um die Sonde erhoben alle eine rote Farbe und einige Ruinen schienen als Mahnmal noch ein Dach zu tragen. Besonders die Form der Dächer irritierte die Raumfahrer. Sie glichen einer Zwiebel. Den tieferen Sinn dieser Bauwerke verstand keiner der vier. Aber auch hier war nichts und niemand zu entdecken, der das Rätsel hätte lösen können.
Sonde 4 landete am Fuße eines gigantischen Abgrundes. Hier waren keine Bauwerke zu sehen, die auf früheres Leben an diesem Ort hingedeutet hätten. Stattdessen waren hier Unmengen von ausgeblichenen und zerborstenen Skeletten zu sehen. Der Form und Anordnung der Knochen nach zu urteilen, handelte es sich bei diesen um Wasserlebewesen. Doch weit und breit war kein Wasser zu entdecken. Das einzige Vorkommen von Wasser war die Wolkenschicht in der Atmosphäre.
Als Sonde 5 mit dem Rundumblick beginnen wollte, brach der Untergrund unter der Sonde zusammen und sie fiel in einen Hohlraum unter der Fläche, auf der sie stand und wurde von nachrutschenden Trümmern verschüttet. Das Bild und Anzeigen von dieser Sonde erloschen augenblicklich. Offenbar ebenfalls ein Totalverlust.
Die vier Crewmitglieder blickten sich fragend an. Was hatte das alles zu bedeuten? Was war hier passiert? Wo waren die Bewohner des braunen Planeten?
Erst jetzt beachteten sie die anderen Angaben und Messwerte der einzelnen Sonden. Die Temperatur lag ziemlich hoch. kein Wunder, dass es nur Wasserdampf aber kein flüssiges Wasser gab. Und noch ein Wert viel sofort auf, weil er absolut lebensfeindlich war. Die radioaktive Strahlung überstieg alle bisher bekannten Werte um ein Vielfaches. Ähnliche Werte waren bisher nur in Sonnennähe gemessen worden. Die Vier blickten sich an und überlegten, woher diese Strahlung wohl käme.
Plötzlich begann eine andere Anzeige zu blinken. Die Sensoren fingen Funksignale auf. Sofort versuchte Nr. 2 herauszufinden, woher die Signale stammten. Als Quelle wurde schließlich eine sondenähnliche Raumkapsel geortet. Die Funksignale schienen ein unverständliches Kauderwelsch zu sein.
Nr. 1 startete eine Fangsonde, welche sich an die fremde Raumkapsel andockte und näher untersuchte. An der Seite der fremden Kapsel war eine Art Datenterminal, in welches sich die Fangsonde einklinkte. Daraufhin strömte eine Unmenge von Daten in den Speicher der Fangsonde, die die Daten umgehend auf das Mutterschiff übertrug.
Nr. 3 startete das Encodier- und Übersetzungsprogramm und nach einigen Sekunden erschien eine Art Kurzreportage im Zeitraffer über diesen Planeten. Der Planet war tatsächlich bewohnt gewesen. Er war sogar sehr schön. Großflächige Meere und grüne Kontinente prägten das Bild des Planeten. Jedoch waren die Bewohner sehr kriegerisch und besonders erfinderisch in der Konstruktion immer neuer Waffen. Eine dieser Waffen, die sogenannte Atombombe, hatte letztendlich auch zur Eigenvernichtung dieser Spezies geführt. In diesem letzten Krieg müssen soviel Waffen zum Einsatz gekommen sein, das sämtliches Leben vernichtet wurde und die Temperaturen sind dermaßen angestiegen, dass alles Wasser auf der Oberfläche des Planeten verdampfte. Die fremde Kapsel stammte von einem Raumschiff, welches während dieses Krieges gestartet wurde, um einige Exemplare der Spezies in Sicherheit zu bringen. Leider wurde das Raumschiff ebenfalls zerstört und nur ein Wesen rettete sich in die Kapsel. Von dort aus musste er mit ansehen, wie aus dem ehemals blauen Planeten ein brauner Planet wurde.
Als Abschluss der übertragenen Nachricht erschien auf dem Monitor das Bild eines Lebewesens mit einem seltsamen Anzug. Das Wesen bewegte eine Öffnung am Kopf, offenbar das Kommunikationsorgan dieser und die Worte des Wesens klangen durch das Raumschiff:
„An alle lebenden Wesen des Universums. Hier spricht der letzte lebende Mensch der Erde. Wir waren nicht in der Lage, Frieden mit uns selbst zu halten. Daher waren wir nicht würdig, in diesem Universum zu existieren. Lasst euch unser Schicksal eine Warnung sein.“
Danach brach der Ton ab und die Nachricht endete.
Die vier Kosmonauten blickten sich mit ihren jeweils drei Augen an. Also wieder ein Fehlalarm. Dieser Planet würde für Jahrtausende unbewohnbar bleiben. Die Farbe ihrer Kommunikationstentakeln verfärbten sich von aufgeregtem Violett nach enttäuschtem Grün. Nr. 1 startete das Rückholprogramm für die Sonden. Danach schwebten Nr. 1 bis 3 wieder zu ihren Tiefschlafkapseln, um bis zur nächsten Wachablösung oder bis zum nächsten Planeten weiter zu schlafen.
Nr. 4 schalteten wieder auf Automatik um und lies das Raumschiff die Reise fortsetzen. Zumindest hatten Sie jetzt wieder neuen Lese und Betrachtungsstoff im Speicher über die Geschichte der Erde und die Entwicklung und das Vergehen der Menschen.
Die Suche nach einem bewohnbaren Planeten, der ihre neue Heimat werden konnte, ging weiter.
Irgendwann würden sie diesen Planeten finden.
Einen Planeten wie die Erde...
Nur ohne Menschen...
Irgendwann...
Irgendwo da draußen...
PS: Ich versichere, dass es sich hierbei NICHT um meine Erfahrungen handelt, sondern lediglich um meine Fantasie.




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