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Erfahrungsbericht von dreamweb

Das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen - Miara und der Stress

Pro:

man hat Arbeit

Kontra:

Der Körper macht auf Dauer nicht immer so mit, wie man will, nicht gesund

Empfehlung:

Nein

Jetzt muss ich doch wieder etwas ausholen. Nach dem nicht so tollen Projektende des letzten Projektes habe ich mich direkt bei meinem Arbeitgeber zurückgemeldet für ein internes Projekt,in dem es um eine ECommerce Umfrage geht.

Online überprüfen da mehrere unserer Leute das Internetangebot inclusive der Formulare und der Sicherheitsaspekte sehr vieler Finanzdienstleister. Und ich war da auch mit eingeplant. Da aber das Kundenprojekt vorging, habe ich hier eine Zeit lang nichts gemacht.

Die Kollegen haben sich sehr gefreut, dass ich mit dabei bin und so habe ich ab Montag dann direkt losgelegt. Wie so oft, steht auch das alles unter Zeitdruck und so sollen wir möglichst mehr als vier Probanden am Tag schaffen. Das hört sich nicht viel an, aber für einen Probanden benötigt man mindestens zwei Stunden, wenn er nicht so viel anbietet, ansonsten sogar gut drei oder fast vier Stunden, wenn man wirklich alles abcheckt.

Mit meinem privaten Rechner bin ich dann den ganzen Tag im Internet und prüfe das Angebot der Probanden ab. Mit meinem Firmennotebook verbinde ich mich über das VPN ins Netzwerk der Firma. Ich habe zwar ISDN, aber selbst damit dauert das ziemlich lange. Eine halbe Stunde kann ich mir einplanen, bis das System endlich läuft. Über das Notebook gebe ich dann das, was ich geprüft habe, direkt in eine Datenbank ein. Leider ist das System nicht sehr stabil und so kommt es mindestens zweimal täglich zu Abstürzen. Manchmal dauert es dann über eine Stunde, bis alles wieder läuft. Da steigt dann der Zeitdruck noch mehr an.

Nun denn, ich habe somit versprochen und auch für mich selbst gesagt, dass ich fünf Probanden am Tag schaffe. Gestern und vorgestern habe ich wieder bis 21.00 Uhr bzw. 22.00 durchgepowert, damit ich das erreiche. Freizeit gibt es nur beim Nebenhersurfen im Internet. Und natürlich mein täglicher Spazierlauf, der aber auch nicht mehr so lange andauert, wie sonst. Denn ich bin mal wieder total kaputt.

Und genau das kann ich nicht gebrauchen, also überlege ich mal wieder, welche Aufputschmittel ich nehmen kann. Der Druck dauert wohl nicht mehr lange, denn bis Freitag müssen wir die Umfrage durchhaben. Das ist dann der Endzeitpunkt. Es ist zwar machbar, aber alle sollen möglichst viel und schnell und natürlich gründlich erledigen.

Gestern abend habe ich nach dem Spaziergang dann noch gebadet und habe seit langer Zeit auch mal wieder für eine halbe Stunde etwas gelesen. Heute morgen wurde ich nicht vom Wecker geweckt, meine Musik düdelte im Hintergrund und hat mich nicht geweckt, sondern vom Telefon. Der Kollege, der die Reisekosten bearbeitet, hatte gleich drei Punkte zu beanstanden. Ich fühlte mich total verkatert, dabei habe ich nichts alkohololisches getrunken und meine Stimme klang leicht erkältet, etwas heiser.

Nach dem \"erhebenden\" Gespräch das von mir wieder neue Bescheinigungen meines Unit Managers und einen Eigenbeleg erfordert, habe ich dann endlich Kaffee getrunken und in der Zeit schon meine Rechner hochgefahren, damit ich möglichst schnell anfangen kann. Denn wie gesagt, eine halbe Stunde Anlaufzeit gibt es ja.

Leichte Kopfschmerzen hatte ich heute auch, ich fühle mich momentan noch wie zerschlagen. Meine Muskeln sind total verspannt, da ich nicht optimal vor zwei Rechnern gleichzeitig viele Stunden am Tag sitze. Die Schmerzen sind mal wieder kaum auszuhalten. Trotzdem weiß ich, dass ich eben die zwei Tage noch durchhalten muss. Das Fitness-Center kann ich vergessen, da habe ich keine Zeit für, den Doc ebenfalls. Also versuche ich zwischendurch ein paar Schultermuskelübungen zu machen. Bis jetzt hats nichts gebracht. Gleich wird mal wieder die zweite Iboprofen fällig, denn die Schmerzen nerven mich.

Zudem kann ich das alles nicht gebrauchen, weil ich am Wochenende, sprich Freitag Nachmittag lieben Besuch bekomme, auf den ich mich riesig freue. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass wir wohl am Freitag auch noch viel schaffen müssen. Zudem weiß ich, dass eine von Schmerzen geplagte Miara nicht die liebste und freundlichste bzw. beste Gastgeberin ist. Normal müsste ich mich etwas ausruhen, denn ich merke, dass ich auch todmüde bin.

Geschockt und traurig bin ich außerdem. Denn ich habe eben die EMail meines Lieblingskollegen erhalten, der mir verkündet, dass seine Tage in der Firma wohl gezählt sind. Mit ihm habe ich auch privat immer etwas Kontakt gehabt, er hat mit mir angefangen. Ich könnte heulen, so fertig bin ich von allem. Aber was nutzt es, ich habe bis jetzt erst zwei Probanden geschafft, auf meiner Liste sind noch vier und wie viele insgesamt offen sind, weiß ich nicht. Die Kollegin, die alles verteilt sagt nur, es gäbe noch sehr viel zu tun. Und somit bleibt mir doch nur übrig, weiter zu schaffen.

Manchmal - wie heute - ärgere ich mich, dass ich eben nur ein Mensch mit körperlichen Bedürfnissen bin. Denn ansonsten könnte ich wohl locker die viele Arbeit und den Druck verkraften. Wenn ich ganz ehrlich bin, geht es mir heute so dreckig, dass ich mich hinlegen und ausruhen müsste. Warum nur hält mein Körper einfach nicht aus, was ich notfalls bereit bin auszuhalten? Vielleicht klingt das ja ironisch, aber es ist durchaus Ernst gemeint. Denn wahrscheinlich habe ich ja ab Montag wieder etwas mehr Ruhe. Ich kann das nicht gebrauchen, dass mein Körper nicht mitmachen will. Aber er ist ja ein Zeichen dafür, dass ich lebe und ihn überbeanspruche. Trotzdem, manchmal wäre es toll, wie so ein Roboter arbeiten zu können. Das sind so Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, ich hoffe, ihr seid nicht zu entsetzt.

Ich möchte noch so viel erledigen, die Wohnung sieht aus wie Chaos, Waschen muss ich wieder, zig Filme sind noch einzuscannen. Nur die Zeit fehlt mir. Und das macht mir natürlich sorgen und macht mich nicht gerade glücklich. Meine Anzeichen für den nächsten Nervenzusammenbruch stehen mal wieder auf Sturm - dabei nutzt es mir heute auch nichts, das niederzuschreiben.

Und somit drückt mir die Daumen, dass ich alles schaffe und es mir morgen besser geht, wenn ich meinen lieben Besuch erwarte. Denn dieser Besuch ist mir wirklich wichtig. Und falls ER das liest, soll er ja nicht sagen, er käme jetzt nicht. Das wäre das Schlimmste, was ich mir momentan vorstelle.


Miara/Petra

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