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Erfahrungsbericht von Ingwer

S wie Studentenparty

Pro:

???

Kontra:

Gelder zur Stopfung des Haushaltslochs, rigoroser Sparkurs auf Kosten der Bildung!!!

Empfehlung:

Nein

Ein kleines bisschen Popliteratur zum Thema Studentenparty. Ich hoffe, dass alle etwas damit anfangen können- und wenn es nur ein kleines Schmunzeln beim Erinnern an die gute alte Zeit ist.

Studentenparty angesagt heute. Genauer gesagt, Party in der einer Zweier-WG irgendwo in der Kölner Südstadt.
Eingeladen: Alle, die man so kennt und dabeihaben möchte.
Zu den Vorbereitungen gehört, Unmengen Toast und Käse zu kaufen (und zu hoffen, dass der Sandwichmaker, der an eine andere Party ausgeliehen wurde, im Laufe des Abends wieder eintrudelt), außerdem die Verkündung des üblichen Prozedere: Antialkoholika einschliéßlich Kaffe in geringem Umfang vorhanden- alles andere entzieht sich der Verantwortung der Gastgeber.
Anfangspunkt liegt um 20 Uhr, das heißt, man kann gegen 20.15 langsam anfangen, sich zu schminken. Anscheinend ist es unccol, als erstes zu einer Party zu kommen, und wenn man wirklich damit rechnen möchte, dass irgendjemand schon um acht kommt, sollte man den offiziellen Beginn auf 18 Uhr festlegen.
Naja, Zeit zum Schminken und zum 20mal Umziehen bleibt also noch, genau wie zum letzten schnellen Spurt zum Kiosk um die Ecke um den Zigarettenvorrat für den Abend zu sichern.

Und, siehe da, irgendwann kurz vor neun klingelt es sogar an der Tür. Bierkästen schieben sich hinein, gefolgt von Nasen, die unter zotteligen Haaren hervorgucken (um mal wieder alle Vorurteile gegenüber Studenten zu bestätigen). Der Schlachtruf Party hallt durch den Hausflur- womit es nun auch der letzte hausbewohnende Rentner mitgekriegt haben müsste.

Die Mitfeiernden, die am Anfang langam und tröpfchenweise eintrudeln, kommen später bevorzugt in Rudeln oder zumindest paarweise. Längst wurde das eine Zimmer zu voll, also teilweises Umwandern ins nächste.
Längst sind wir in der Stimmung, um über der Badewanne Irokesenschnitte zu verpassen. Das erste gebrochene Herz durch einen Kuss für den falschen Menschen.

Die Musik läuft mittlerweile aus zwei Anlagen- Flur und Küche sind nun auch bevölkert, was es ein wenig schwierig macht, an den begehrten Kühlschrank zu gelangen. Einen Kaffee zu machen kann da schonmal eine halbe Stunde dauern (man sollte eben doch eine vernünftige Ordnung in der Küche haben und nicht die Kaffeefilter am einen und das Kaffeepulver am anderen Ende aufbewahren).

Merkwürdig, was es für verschiedene Gespräche gibt auf Partys. Da ist es schonmal ganz gut, wenn man auf dem Küchenboden sitzenbleibt und erstmal eine Runde über Amerika hetzt.

Besonders beliebt auf Partys sind Verkupplungsversuche.
Dieser heute scheitert kläglich. Jurastudent und Landei reden nichteinmal miteinander. Was solls. Dafür lächeln alle mehr oder weniger neidisch dem frisch verliebt turtelnden schwulen Pärchen zu.

Irgendwann kommt bei jeder Party dieser Art der Punkt, wo selbst der Kühlschrank nichts mehr hergibt. Besonders Clevere ziehen immer noch mit verschmitztem Lächeln ein Kölsch aus dem Armeerucksack- den meisten anderen geht es aber ohnehin schon so gut, dass die erschöpften Alkoholvorräte ihnen (und vor allem den Gastgebern mit Hinblick auf eventuelle Putzaktionen) eher zugute kommen.

Selbst am Wochenende fahren irgendwann die letzten Bahnen oder Sammeltaxen oderwas auch immer- so dass irgendwann ein mehr oder weniger massenpanikartiger Aufbruch in Gang gesetzt wird- die meisten Leute sind spätestens gegen vier oder halb fünf weg, und der Rest bleibt meist bis nach dem Frühstück.
Wenn man Glück hat, ist nämlich sogar noch was zum Frühstücken übrig. Und wenn man ganz viel Glük hat, findet man irgendwo auch noch eine Zigarette und eine Kopfschmerztablette.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 21:57:35 mit dem Titel AKTUELL: Studiengebühren in NRW

Die Fakten

Am 8.Mai wurde es bekannt: Die Landesregierung NRW plant die Einführung von Studiengebühren.
Presemeldungen sollen ab dem kommenden Wintersemester (also ab Oktober diesen Jahres) Verwaltungsgebühren eingeführt werden: Ein Betrag von 50 Euro soll von allen Studierenden zusätzlich zum bisher ohnehin schon fälligen Semesterbetrag bezahlt werden. Für Studenten im Zweit- oder Seniorenstudium ( welches laut Landesregierung ab dem 50. Lebensjahr beginnt) sowie auch für Langzeitstudierende (die die Regelstudiendauer um eine bestimmte Semesterzahl überschritten haben) sollen Gebühren zwischen 500 und 650 Euro pro Semester fällig werden.

Zumindest in den ersten drei Jahren sollen die eingenommenen Gelder NICHT den Hochschulen direkt zugute kommen (z.B. für neue Anschaffungen, Modernisierung etc.), sondern in den Landeshaushalt fließen:
Kurz gesprochen heißt dies: Auf Kosten der Studierenden in NRW soll der marode Landeshaushalt in NRW saniert werden.

Zusätzlich geplant sind außerdem Einsparungen von insgeamt 1,4 Milliarden Euro geplant- 90 Millionen Euro sollen im Hochschulbereich gespart werden.
Dies bedeutet zum Beispiel, dass Studentenwerke auf staatliche Zuschüsse verzichten müssen (und somit weitere Mehrkosten auf die Studierenden zukommen, z.B. für Wohnraum, Mensaessen etc.), andererseits aber auch, dass Mitarbeiter- und Dozentenstellen wegrationalisiert werden. Dies führt zu einer schlechteren Lehre für die Studis und zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit im Allgemeinen.


Protest

Schlau überlegt, die Herren Politiker. Studenten als Stopfnadeln für die Haushaltslöcher.

Wohl verstanden- es geht mir nicht darum, rein um des Protestes Willen zu protestieren. Es geht auch nicht darum, dass den armen Studenten nun das Geld für Bier oder die nächste Handyrechnung fehlt und sie deshalb auf die Barrikaden gehen.
Man sollte sich nur einfach folgende Fragen stellen:


Ist es nicht ohnehin so, dass das deutsche Bildungsniveau sich auf einem erschreckend niedrigen Nieveau im Vergleich zu europäischen Nachbarländern befindet?

Ist es dann nicht ein Salto rückwärts satt ein Schritt vorwärts, wenn Bildung nun plötzlich zu einem Gut gemacht wird, dass sich elitäre Minderheiten LEISTEN müssen?

Was ist mit dem Recht auf Bildung, unabhängig von sozialer Schichtzugehörigkeit?

Kann man diese Methoden mit einer demokratisch gestalteten Hochschule vereinbaren?


Die Hochschulen summen vor Protest und rauchenden Köpfen. Vollversammlungen zwischen Rhein und Ruhr. Erste Streiks, z.B. in Bielefeld und Wuppertal.
Morgen, am Mittwoch, den 29.05.02 Warnstreik in Köln.

Es macht mir Angst, diese Entwicklungen in Deutschland.

16 Bewertungen, 3 Kommentare

  • blauersafir

    29.05.2002, 11:20 Uhr von blauersafir
    Bewertung: sehr hilfreich

    super bericht! gruss blauersafir

  • anonym

    29.05.2002, 11:00 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Kategorie wurde gestern innerhalb einer Stunde nach meinem Vorschlag angenommen :-) Ist ja auch ein wichtiges Thema und ich finde alle STudenten sollten aktiv werden, wir in Bielefeld waren eine der ersten und planen natürlich weiter. Gruss Svenja

  • airblade

    28.05.2002, 23:06 Uhr von airblade
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wer an Bildung spart wird ein nächstes Pisa erleben.