Erfahrungsbericht von scorpio54
Substitution ein anderer Weg aus der Drogensucht
Pro:
Loslösung aus der Drogensucht
Kontra:
leider von zu vielen oftmals Beikonsum
Empfehlung:
Nein
Hallo liebe Leserschaft,
nachdem mein Erstlingswerk bei Euch so positiven Anklang gefunden hat, kommt hier nun mein zweiter Bericht: Substitution - Ein anderer Weg aus der Sucht.
Nach meiner Therapie hatte meine Selbstüberschätzung recht schnell zu einem Rückfall geführt. Ich traf mich mit Leuten aus der Therapie und dachte, dass die auch alle meine Einstellung “Nie wieder Drogen” hätten. Doch da irrte ich.
Heute weiß ich von einigen Therapeuten, dass nur ich und noch ein Klient die “Kurve gekriegt” haben. Das entspricht aber auch der allgemeinen Erfolgsquote. Wir waren damals 19 Leute. Zwei haben schon vorzeitig abgebrochen. Damit lag der Erfolg also bei 2 von 17 Leuten. Im günstigsten Fall liegt die Erfolgsquote bei maximal 5 % - 8 % (leider).
Nach meinem Rückfall wäre es unsinnig gewesen, erneut eine Therapie zu beginnen. So wollte ich dann mit Methadon (kurz: Meta) entziehen. Zu dieser Zeit wurde hier gerade L-Polamidon (kurz: Pola) zugelassen. Dies ist ein linksdrehendes Methadonderivat, welches vom Körper mit weniger üblen Begleiterscheinungen aufgenommen wird und zudem in der Wirkung länger anhält. Ich wurde auf eine Dosis von 8 ml eingestellt. Das heißt, es wird im Körper ein Level von 8 ml aufgebaut, mit dem man dann bequem 24 Stunden ohne Entzugserscheinungen klarkommt. Hierin liegt ein weiterer Vorteil von Pola. Während bei Meta bereits nach 24 Stunden der Spiegel rasant abfällt und damit die Entzugssymptome einsetzen, hat Pola eine Halbwertzeit von immerhin 36 Stunden.
Ich fand damals 8 ml sehr hoch angesetzt und bat meinen Arzt, mich runter zu dosieren. Er begrüßte dies und setzte mich erst auf 6 ml, etwas später dann auf 4 ml herunter. Diese Menge sollte ich erst einmal eine Weile beibehalten. Das gefiel mir zwar überhaupt nicht, aber ich vertraute meinem Arzt - und das nicht ohne Grund.
Ich wollte eigentlich ganz ohne “Droge” mein Leben führen. Denn Meta und Pola sind synthetische Opiate. Nun bin ich ein Mensch, der für alles eine rationale Erklärung benötigt, um etwas zu akzeptieren. Dabei ist es egal, ob es einen positiven oder negativen Hintergrund hat. Mein Doc erklärte mir also, dass ich mir erst einmal ein drogenfreies soziales Umfeld schaffen solle, bevor ich daran denken könne, das Pola ganz abzusetzen.
Bei einer Substitution läuft parallel eine psychosoziale Betreuung (Teil des Substitutionsprogrogrammes und im Prinzip auch eine Art Therapie), die wahrgenommen werden muss (soll). Ich habe da so meine Probleme mit, mein Herz auszuschütten - und das dann bei gänzlich fremden Personen. Bei der psychosozialen Betreuung handelt es sich eigentlich mehr um therapeutische Einzelgespräche. Es werden aber auch Gruppenaktivitäten angeboten. Diese sind gut für Klienten, die sonst nur alleine “abhängen”.
Ich hatte wieder einmal Glück. Ich verstand mich auf Anhieb mit meinem Therapeuten. Es entwickelte sich ein sehr inniges Vertrauensverhältnis. Heute haben wir immer noch ein freundschaftliches Verhältnis und treffen uns auch häufiger mal (allerdings ohne therapeutische Notwendigkeit).
Als ich so meinen zukünftigen Weg für mich klargezogen hatte und auch die Grundsteine dafür gelegt hatte, wollte ich vom Pola weg. Das hatte mehrere Gründe. Es nervte mich, jeden Tag zur Apotheke zu laufen und dort meinen “Drink” zu nehmen. Auch Verreisen war kaum möglich, da Pola unter das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) fällt. Wenn ich also 3 - 4 Tage zu meiner Mutter nach Berlin fahren wollte, musste ich die tägliche Ratio in Fläschchen mitnehmen. Hinzu kam, dass ich auch noch andere Medikamente nehmen musste, was dann zu Problemen führte. Die anderen Medikamente verkürzten die Halbwertzeit des Pola’s so drastisch, dass nach einer Weile mit Ablauf von 22, maximal 23 Stunden schon die ersten Entzugserscheinungen auftragen.
So vereinbarte mein Doc mit mir, dann täglich 2 x 2 ml zu nehmen, um die Wirkung wieder zu spreizen, was auch ganz gut klappte. Das hieß aber, dass ich 2 x täglich zur Apotheke musste. Und zum Mitnehmen nach Berlin bekam ich dann die doppelte Anzahl Fläschchen. Richtig verreisen war auch nicht drin. Welcher Apotheker löst von heut’ auf morgen einer ihm gänzlich unbekannten Person ein BtmG-Rezept (für Pola muss ein spezielles registriertes Rezept mit 2 Durchschlägen ausgestellt werden) ein? So - und ins Ausland fahren....?
Klar, es gibt BtmG-Pässe, welche den Inhaber halt aus gesundheitlichen Gründen berechtigen, solche Substanzen bei sich zu führen. In so einem Pass muss genau die Art und Menge des Betäubungsmittels vermerkt werden. Doch dann wäre ja noch immer das Problem mit dem Einlösen des Rezeptes. Da verging mir der Gedanke an einen fröhlichen Urlaub.
Es gab nur noch eins für mich: Weg vom Pola. Zumal ich jetzt auch mein gefestigtes drogenfreies soziales Umfeld hatte und es leid war, immer wegen des Pola’s zurückzustecken. Auch mein Arzt war der Meinung, dass es keine zwingende Notwendigkeit mehr gäbe, das Pola zu nehmen. Der einzige positive Begleitumstand lag bei mir nur noch in der schmerzbetäubenden Wirkung. Ich hatte in der Zeit meines Rückfalls (es war Winter) über 8 Wochen eine Lungenentzündung verschleppt, wodurch ich mir ein Lungenemphysem eingehandelt habe. Das heißt vereinfacht: 1/3 meiner Lunge ist funktionslose Materie, die ich spazieren trage und die mir das Leben erschwert. Die betäubende Wirkung des Pola’s tat mir in dieser Richtung gut. Der Nachteil war allerdings, dass ich erneut eine Lungenentzündung bekam und sie durch die schmerzbetäubende Wirkung erst recht spät bemerkte. Also mal wieder ins Krankenhaus.
Als es mir ein wenig besser ging, dachte ich “Ach, wenn du jetzt schon mal hier bist, kannst du ja auch gleich das Pola entziehen. Die schlappen 4 ml müssten doch easy gehen. Hab ja schließlich früher mehrmals Heroin kalt entzogen (siehe mein 1. Bericht)”. Ich setzte mich also mit dem Stations-Doc in Verbindung. Der war aber weniger begeistert und meinte, ich solle doch erst einmal wieder zu Kräften kommen. Aber wenn ich es unbedingt wolle, würde er es unterstützten. Klasse, das war mir ein “inneres Motorradrennen”. Ich setzte mich an meinen Nachttisch und machte einen Entzugsplan (meine scheiß rationelle Art mal wieder.....grins), rechnete hin und her, zeichnete mir Verfallskurven für das Pola und ging ganz stolz zum Doc um ihm zu sagen, dass ich nicht übertreiben wolle und erst einmal 2 ml absetzen wolle. Der Doc bekam einen eigenartigen Gesichtsausdruck und fragte mich, ob ich das Ernst meine. “Na klar!” sagte ich im vollen Brustton der Überzeugung. “Na gut, dann versuch’s” sagte er; ”aber ich glaube, da übernimmst Du Dich”. Ich ignorierte dies und fing mit dem Entzug an. Nach 3 Tagen fiel mir nur noch ein: Helden sterben einsam. Also wieder hin zum Doc: “Ähm, 3 ml sind wohl für den Anfang doch besser”. Der Doc sagte nichts mehr und handelte dann so, wie es dachte. Das Ende vom Lied war, dass ich zum Schluss wieder meine 4 ml Pola hatte. Ich heilte lieber erst einmal intensiv meine Lungenentzündung aus.
Heute weiß ich, dass der Körper keinen Unterschied macht in den Entzugssymptomen, wenn man von 10 ml auf 5 ml oder von 2 ml auf 1 ml runterdosiert. Es sind jedes Mal 50 % weniger und dadurch sind die Symptome des Entzuges gleich stark. Nur die Dauer ist unterschiedlich. Auch ist es ein Unterschied, ob man mit Pola kurzfristig in einer Entgiftung vom Heroin entzieht oder wenn man auf einen bestimmten Polaspiegel eingestellt ist und davon runter will. Ich entzog dann zehntelweise, was auch zum Erfolg führte.
Der grobe Entzug von diesen synthetischen Opiaten ist hart. Dagen ist der “kalte” Entzug vom Heroin der reinste “Kindergeburtstag”. Jeder, der sich heute substituieren lassen will (Substitution ist gedacht für Leute, die mehrere Therapien erfolglos durchlaufen haben und als nicht mehr therapierbar gelten, schwanger sind bzw. HIV- oder AIDS-Patienten sind), dem empfehle ich das Medikament “Subutex”, das seit kurzem in Deutschland zugelassen ist. Subutex ist ein “Temgesic”-Präparat (starkes Schmerzmittel), welches bei korrekter Anwendung keine neue Abhängigkeit schafft (wie Meta oder Pola) und die Suchtrezeptoren im Gehirn auch besser belegt als Meta und Pola. Dadurch wird die Gefahr des Beikonsums anderer Drogen nochmals stark eingeschränkt. Selber habe ich Subutex nie ausprobiert; ich habe aber sehr gute Erfahrungsberichte aus der Schweiz gelesen, wo dieses Mittel schon seit 1999 im großen Stil zur Substitution eingesetzt wird.
Zum Abschluss möchte ich meinen Ärger über gewisse Ärzte zum Ausdruck bringen, die Pola in Größenordnungen von 16 - 18 ml (teilweise noch höher) verordnen (das sind 8 - 9 Schnapsgläser voll - Wahnsinn!!). Die gleichen Ärzte verschreiben dann parallel auch noch starke Schlafmittel und andere Barbiturate (Psychopharmaka). Wo bleibt da der geleistete Eid, “alles zum WOHLE des Patienten” zu tun?
Ich hoffe, dass Euch auch dieser Bericht gefällt und grüße Euch mit cleaner Lebensfreude
Euer scorpio54
PS: Die Bewertung ist nicht ganz einfach, da so manch einer die Substitutionsmedikamente vielleicht nicht verträgt. Die Substitution als solches ist für mich sehr gut gewesen, darum auch meine Bewertung mit sehr gut.
nachdem mein Erstlingswerk bei Euch so positiven Anklang gefunden hat, kommt hier nun mein zweiter Bericht: Substitution - Ein anderer Weg aus der Sucht.
Nach meiner Therapie hatte meine Selbstüberschätzung recht schnell zu einem Rückfall geführt. Ich traf mich mit Leuten aus der Therapie und dachte, dass die auch alle meine Einstellung “Nie wieder Drogen” hätten. Doch da irrte ich.
Heute weiß ich von einigen Therapeuten, dass nur ich und noch ein Klient die “Kurve gekriegt” haben. Das entspricht aber auch der allgemeinen Erfolgsquote. Wir waren damals 19 Leute. Zwei haben schon vorzeitig abgebrochen. Damit lag der Erfolg also bei 2 von 17 Leuten. Im günstigsten Fall liegt die Erfolgsquote bei maximal 5 % - 8 % (leider).
Nach meinem Rückfall wäre es unsinnig gewesen, erneut eine Therapie zu beginnen. So wollte ich dann mit Methadon (kurz: Meta) entziehen. Zu dieser Zeit wurde hier gerade L-Polamidon (kurz: Pola) zugelassen. Dies ist ein linksdrehendes Methadonderivat, welches vom Körper mit weniger üblen Begleiterscheinungen aufgenommen wird und zudem in der Wirkung länger anhält. Ich wurde auf eine Dosis von 8 ml eingestellt. Das heißt, es wird im Körper ein Level von 8 ml aufgebaut, mit dem man dann bequem 24 Stunden ohne Entzugserscheinungen klarkommt. Hierin liegt ein weiterer Vorteil von Pola. Während bei Meta bereits nach 24 Stunden der Spiegel rasant abfällt und damit die Entzugssymptome einsetzen, hat Pola eine Halbwertzeit von immerhin 36 Stunden.
Ich fand damals 8 ml sehr hoch angesetzt und bat meinen Arzt, mich runter zu dosieren. Er begrüßte dies und setzte mich erst auf 6 ml, etwas später dann auf 4 ml herunter. Diese Menge sollte ich erst einmal eine Weile beibehalten. Das gefiel mir zwar überhaupt nicht, aber ich vertraute meinem Arzt - und das nicht ohne Grund.
Ich wollte eigentlich ganz ohne “Droge” mein Leben führen. Denn Meta und Pola sind synthetische Opiate. Nun bin ich ein Mensch, der für alles eine rationale Erklärung benötigt, um etwas zu akzeptieren. Dabei ist es egal, ob es einen positiven oder negativen Hintergrund hat. Mein Doc erklärte mir also, dass ich mir erst einmal ein drogenfreies soziales Umfeld schaffen solle, bevor ich daran denken könne, das Pola ganz abzusetzen.
Bei einer Substitution läuft parallel eine psychosoziale Betreuung (Teil des Substitutionsprogrogrammes und im Prinzip auch eine Art Therapie), die wahrgenommen werden muss (soll). Ich habe da so meine Probleme mit, mein Herz auszuschütten - und das dann bei gänzlich fremden Personen. Bei der psychosozialen Betreuung handelt es sich eigentlich mehr um therapeutische Einzelgespräche. Es werden aber auch Gruppenaktivitäten angeboten. Diese sind gut für Klienten, die sonst nur alleine “abhängen”.
Ich hatte wieder einmal Glück. Ich verstand mich auf Anhieb mit meinem Therapeuten. Es entwickelte sich ein sehr inniges Vertrauensverhältnis. Heute haben wir immer noch ein freundschaftliches Verhältnis und treffen uns auch häufiger mal (allerdings ohne therapeutische Notwendigkeit).
Als ich so meinen zukünftigen Weg für mich klargezogen hatte und auch die Grundsteine dafür gelegt hatte, wollte ich vom Pola weg. Das hatte mehrere Gründe. Es nervte mich, jeden Tag zur Apotheke zu laufen und dort meinen “Drink” zu nehmen. Auch Verreisen war kaum möglich, da Pola unter das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) fällt. Wenn ich also 3 - 4 Tage zu meiner Mutter nach Berlin fahren wollte, musste ich die tägliche Ratio in Fläschchen mitnehmen. Hinzu kam, dass ich auch noch andere Medikamente nehmen musste, was dann zu Problemen führte. Die anderen Medikamente verkürzten die Halbwertzeit des Pola’s so drastisch, dass nach einer Weile mit Ablauf von 22, maximal 23 Stunden schon die ersten Entzugserscheinungen auftragen.
So vereinbarte mein Doc mit mir, dann täglich 2 x 2 ml zu nehmen, um die Wirkung wieder zu spreizen, was auch ganz gut klappte. Das hieß aber, dass ich 2 x täglich zur Apotheke musste. Und zum Mitnehmen nach Berlin bekam ich dann die doppelte Anzahl Fläschchen. Richtig verreisen war auch nicht drin. Welcher Apotheker löst von heut’ auf morgen einer ihm gänzlich unbekannten Person ein BtmG-Rezept (für Pola muss ein spezielles registriertes Rezept mit 2 Durchschlägen ausgestellt werden) ein? So - und ins Ausland fahren....?
Klar, es gibt BtmG-Pässe, welche den Inhaber halt aus gesundheitlichen Gründen berechtigen, solche Substanzen bei sich zu führen. In so einem Pass muss genau die Art und Menge des Betäubungsmittels vermerkt werden. Doch dann wäre ja noch immer das Problem mit dem Einlösen des Rezeptes. Da verging mir der Gedanke an einen fröhlichen Urlaub.
Es gab nur noch eins für mich: Weg vom Pola. Zumal ich jetzt auch mein gefestigtes drogenfreies soziales Umfeld hatte und es leid war, immer wegen des Pola’s zurückzustecken. Auch mein Arzt war der Meinung, dass es keine zwingende Notwendigkeit mehr gäbe, das Pola zu nehmen. Der einzige positive Begleitumstand lag bei mir nur noch in der schmerzbetäubenden Wirkung. Ich hatte in der Zeit meines Rückfalls (es war Winter) über 8 Wochen eine Lungenentzündung verschleppt, wodurch ich mir ein Lungenemphysem eingehandelt habe. Das heißt vereinfacht: 1/3 meiner Lunge ist funktionslose Materie, die ich spazieren trage und die mir das Leben erschwert. Die betäubende Wirkung des Pola’s tat mir in dieser Richtung gut. Der Nachteil war allerdings, dass ich erneut eine Lungenentzündung bekam und sie durch die schmerzbetäubende Wirkung erst recht spät bemerkte. Also mal wieder ins Krankenhaus.
Als es mir ein wenig besser ging, dachte ich “Ach, wenn du jetzt schon mal hier bist, kannst du ja auch gleich das Pola entziehen. Die schlappen 4 ml müssten doch easy gehen. Hab ja schließlich früher mehrmals Heroin kalt entzogen (siehe mein 1. Bericht)”. Ich setzte mich also mit dem Stations-Doc in Verbindung. Der war aber weniger begeistert und meinte, ich solle doch erst einmal wieder zu Kräften kommen. Aber wenn ich es unbedingt wolle, würde er es unterstützten. Klasse, das war mir ein “inneres Motorradrennen”. Ich setzte mich an meinen Nachttisch und machte einen Entzugsplan (meine scheiß rationelle Art mal wieder.....grins), rechnete hin und her, zeichnete mir Verfallskurven für das Pola und ging ganz stolz zum Doc um ihm zu sagen, dass ich nicht übertreiben wolle und erst einmal 2 ml absetzen wolle. Der Doc bekam einen eigenartigen Gesichtsausdruck und fragte mich, ob ich das Ernst meine. “Na klar!” sagte ich im vollen Brustton der Überzeugung. “Na gut, dann versuch’s” sagte er; ”aber ich glaube, da übernimmst Du Dich”. Ich ignorierte dies und fing mit dem Entzug an. Nach 3 Tagen fiel mir nur noch ein: Helden sterben einsam. Also wieder hin zum Doc: “Ähm, 3 ml sind wohl für den Anfang doch besser”. Der Doc sagte nichts mehr und handelte dann so, wie es dachte. Das Ende vom Lied war, dass ich zum Schluss wieder meine 4 ml Pola hatte. Ich heilte lieber erst einmal intensiv meine Lungenentzündung aus.
Heute weiß ich, dass der Körper keinen Unterschied macht in den Entzugssymptomen, wenn man von 10 ml auf 5 ml oder von 2 ml auf 1 ml runterdosiert. Es sind jedes Mal 50 % weniger und dadurch sind die Symptome des Entzuges gleich stark. Nur die Dauer ist unterschiedlich. Auch ist es ein Unterschied, ob man mit Pola kurzfristig in einer Entgiftung vom Heroin entzieht oder wenn man auf einen bestimmten Polaspiegel eingestellt ist und davon runter will. Ich entzog dann zehntelweise, was auch zum Erfolg führte.
Der grobe Entzug von diesen synthetischen Opiaten ist hart. Dagen ist der “kalte” Entzug vom Heroin der reinste “Kindergeburtstag”. Jeder, der sich heute substituieren lassen will (Substitution ist gedacht für Leute, die mehrere Therapien erfolglos durchlaufen haben und als nicht mehr therapierbar gelten, schwanger sind bzw. HIV- oder AIDS-Patienten sind), dem empfehle ich das Medikament “Subutex”, das seit kurzem in Deutschland zugelassen ist. Subutex ist ein “Temgesic”-Präparat (starkes Schmerzmittel), welches bei korrekter Anwendung keine neue Abhängigkeit schafft (wie Meta oder Pola) und die Suchtrezeptoren im Gehirn auch besser belegt als Meta und Pola. Dadurch wird die Gefahr des Beikonsums anderer Drogen nochmals stark eingeschränkt. Selber habe ich Subutex nie ausprobiert; ich habe aber sehr gute Erfahrungsberichte aus der Schweiz gelesen, wo dieses Mittel schon seit 1999 im großen Stil zur Substitution eingesetzt wird.
Zum Abschluss möchte ich meinen Ärger über gewisse Ärzte zum Ausdruck bringen, die Pola in Größenordnungen von 16 - 18 ml (teilweise noch höher) verordnen (das sind 8 - 9 Schnapsgläser voll - Wahnsinn!!). Die gleichen Ärzte verschreiben dann parallel auch noch starke Schlafmittel und andere Barbiturate (Psychopharmaka). Wo bleibt da der geleistete Eid, “alles zum WOHLE des Patienten” zu tun?
Ich hoffe, dass Euch auch dieser Bericht gefällt und grüße Euch mit cleaner Lebensfreude
Euer scorpio54
PS: Die Bewertung ist nicht ganz einfach, da so manch einer die Substitutionsmedikamente vielleicht nicht verträgt. Die Substitution als solches ist für mich sehr gut gewesen, darum auch meine Bewertung mit sehr gut.
17 Bewertungen, 4 Kommentare
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22.05.2002, 00:32 Uhr von LeaofRafiki
Bewertung: sehr hilfreichLiebeNgruß, Lea
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19.05.2002, 18:39 Uhr von RIPwolf
Bewertung: sehr hilfreichja genau so einen Bericht habe ich erwartet, beim Lesen konnte ich mich total gut in deine Lage reinversetzen, du schaffst das! Mit viel Wille bekommt man alles in seinem Leben
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15.05.2002, 10:55 Uhr von maus1972
Bewertung: sehr hilfreichDu schaffst das *Däumchendrück*
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25.04.2002, 02:01 Uhr von darkunit
Bewertung: sehr hilfreichDanke für obermanns Bericht, er hat völlig recht. Grüßle Peggy




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