Erfahrungsbericht von LoMei
Senioren-Fastnacht mit dem Thema Internet.
Pro:
Man siehz viele interessante Küsten.
Kontra:
Die Länder sieht man meist nur von ferne.
Empfehlung:
Nein
Wie vereinbaren sich die Begriffe Karneval, Internet und Senioren? In der Karnevals-Saison 2001 wussten wir nicht, wie aktuell wir eigentlich sind. Das merkte ich erst, als ich bei Ciao in der Rubrik "Aktive Senioren" den Bericht "Senioren @ns Netz" las.
In der Pfalz spricht man nicht viel vom Karneval und vom Fasching. Jeder kennt diese Worte, aber wenn er sie verwendet, denkt er an "Fasenacht". Ein Karnevalist oder ein Faschingsfan ist eben ein "Fasenachter".
Viele - auch kleine - Orte haben Karnevalsvereine, die Jahr für Jahr ihre fernsehreifen Prunksitzungen veranstalten. Das gilt auch für unser Dorf.
Ich singe Bass im Kirchenchor. Unser Durchschnittsalter liegt bei ungefähr 63 Jahren.
Deshalb ist der Chor eigentlich ein Senioren-Chor. Aber weil sich alle sehr jung fühlen, widersprechen wir einer solchen Bezeichnung sehr vehement.
Die Chorproben heißen Singstunden. In der Fasenachtszeit gibt es in jedem Jahr die sogenannte „Lustige Singstunde“. Das ist nichts anderes als eine echte Prunksitzung. Alle Chormitglieder tragen etwas vor, entweder als Mitglied einer Gruppe oder solo.
Die lustige Singstunde des vorigen Jahres war Mitte Februar 2001. Ich war damals gerade vier Wochen bei Ciao, und meine ersten Erfahrungen waren noch ganz frisch. Deshalb war ich der Meinung, ich müsste sie meinen Chorfreunden - wie üblich - in einem gereimten Vortrag mitteilen und ihnen dabei gleichzeitig die Welt des Internet nahe bringen.
Unser Chorleiter Achim ist promovierter Physiker und ein Spezialist für Sonder-Software. Dem konnte ich nichts beibringen. Aber für alle andern ist das Internet ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Also ging ich mit diesem Thema als "Möchtegern-Fasenachter" in die Bütt.
ZUM INHALT
1. Erfahrungen eines jungen Alten mit dem Internet (eine "Büttenrede").
2. Fazit.
1. EEFAHRUNGEN EINES JUNGEN ALTEN MIT DEM INTERNET
Im Internet da ist was los,
das muss ich euch doch gleich erzählen.
Ich surfe oft ein bisschen rum
und kann euch das auch sehr empfehlen.
Man kann dort grenzenlos flanieren,
kann ganz viel lesen oder schau'n.
Ich bin ein Neuling noch gewesen
und wollte mich erst gar nicht trau'n.
Da muss man eine Sprache lernen,
und das ganz ohne Wörterbuch.
Ich sah dort Zeichen, Hyroglyphen
und dacht: Mir reicht's, ich hab genug!
Dann dachte ich, wen könnt' ich fragen,
damit ich alles gut kapier.
Da surfen so viel junge Leute
mit viel Erfahrung neben mir.
Ich muss noch sagen, dass ich meistens
im Internet bei Ciao kehr ein.
Dort kann man seine Meinung sagen
zu allem, was wir kaufen ein.
Dort kann man sich gut informieren
über alles in der Welt
und kann auf jeder Seite lesen:
Geh sparsam um mit deinem Geld.
Man kann dort Reisen kommentieren,
und alles rund um den PC.
Man kann was über Handys schreiben,
über Autos, Freud und Weh.
Man kann auch Dialoge führen
mit Leuten, die man gar nicht kennt.
Das ganze geht halb anonym,
weil keiner seinen Namen nennt.
Man sucht sich einfach einen Namen
oder so ein Kürzel aus.
Ich heiß LoMei für diese Freunde
und kenne mich so langsam aus.
Ich hab bei Ciao bisher berichtet
von meinen Reisen in der Welt
und merkte, dass die Leut das lesen
und dass es ihnen auch gefällt.
Und manchmal gab es Kommentare zu dem,
was ich geschrieben hab.
Die hab ich größtenteils verstanden,
doch manches ging mir einfach ab.
Da machte ich schnell ein paar Verse
und schickte sie ins Internet,
bemühte mich um Höflichkeit
und dachte mir: Sag es ganz nett.
Ich musste nur noch überlegen,
an welchen Ort es wohl gehört.
Es gibt gar vielerlei Rubriken.
Das hat mich damals nicht gestört.
Ich hab das ganze abgeschickt
mit einen Klick, Ab, Horrido!
Und will Euch gern den Text verraten,
und dieser Text, der lautet so:
"Ich glaub, ich muss noch sehr viel lernen.
Womöglich muss ein Sprachkurs her.
Denn g, g, g gerahmt von Sternen (*ggg*)
Das kenn ich nicht. Wer weiß da mehr?
Chinesen haben ihre Zeichen
für die Schrift, Japaner auch.
Ägypter hatten auch dergleichen.
Es ist also kein neuer Brauch.
Wenn Semikolon oder Komma
mit einer Klammer sind verknüpft
ein Doppelpunkt zu allem Jammer
auch noch gekonnt dazwischen hüpft,
dann wird das sicher was bedeuten,
so atmosphärisch denk ich mir,
als stille Botschaft unter Leuten,
vertrauter Gruß von mir zu Dir.
Wo kann man diese Sprache lernen
mit ihrem Witz und ihrem Flair?
Steht gar die Lösung in den Sternen?
Wenn ihr es wisst, dann sagt es mir."
Das war der Text. Den schickt ich ab,
und ich erhofft' mir viel dabei
und setzte fröhlich unten drunter:
"Viele Grüße von LoMei."
In weniger als zwei Minuten
waren Kommentare da.
Ich war erstaunt und dann betroffen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah.
Ich sag es mal mit meinen Worten,
was auf dem Bildschirm vor mir stand.
"Du Depp, Du störst hier uns're Kreise.
Vielleicht fehlt es dir an Verstand."
Das war nicht wörtlich, doch ironisch
und gab mir einen kleinen Piek.
Doch dann erschien ein andrer User
mit einer Antwort, welch ein Glück.
Ich merkte nun mit leisem Ärger,
ich hatte mich total verirrt.
Der Text stand an der falschen Stelle.
Das hat die Leute sehr verwirrt.
Die Frage war grad dort erschienen,
wo jeder eine Antwort sucht
und wo ein User frustbeladen
sehr gerne meckert oder flucht.
Man ist dort gar nicht zimperlich
und redet frank und frei heraus.
Inzwischen weiß ich etwas mehr
und mach mir nicht so viel daraus.
Ein User ist im Internet ein jemand,
der dort surfen tut.
Ein Newbe ist ein echter Neuling,
Der sich auf's Glatteis traut mit Mut.
Ich hatte die Rubrik verwechselt.
Was soll's, ich bleib deshalb nicht fort.
Man muss natürlich auch noch sagen,
ich bin der Älteste an Bord.
Es kamen dann auch "reife" User,
die nahmen schnell für mich Partei
und schimpften auf die jungen Chatter,
Hallo, was denkt ihr euch dabei.
Sie hatten sich gleich angeseh'n,
was ich wohl für ein Jahrgang bin.
Und das steht auf der LoMei-Seite.
Mit einem Klick kommt man dahin.
Das Internet, ein Abenteuer
und nicht nur für die jungen Leut.
Nein auch für uns, die jungen Alten,
denn auch wir leben hier und heut.
Wer etwas sucht von Boris Becker
oder auch von Steffi Graf
und wer da fragt nach Schnee und Wetter
und auch nach BSE beim Schaf,
alles kann man dort erfahren,
schnell, präzis, spektakulär.
Man kann sogar dies Spiel mitspielen
mit Namen: Wer wird Millionär?
Man kann dort Bankgeschäfte machen
und per Bildschirm shopping gehn
und noch ganz viele andre Sachen,
sogar Verliebte flirten sehn.
Der Achim kennt die Welt der User,
denn er verdient damit sein Geld.
Kann man per Bildschirm Singstund machen.
Mal sehen, was er davon hält.
Wir würden vor dem Bildschirm sitzen,
daheim, und hätten ihn im Blick.
Und er, er könnte uns nicht sehen,
wenn wir verschwinden mit klick, klick.
Wir würden nur die Maus bedienen,
so, Zeigefinger, rechte Hand.
Er würde weiter dirigieren,
fast gegen eine leere Wand.
Nein, solche Sänger sind wir nicht,
und so was machen wir nicht mit.
Wir bleiben alle bei der Stange
und üben manchen neuen Hit.
Ihr dürft mich bitte nun nicht fragen,
wie ein Computer funktioniert,
Ich kann euch überhaupt nichts sagen.
Ich mach nur klick, und er pariert.
Er ist sehr schnell und furchtbar fleißig,
aber ausgesprochen dumm.
Man muss ihm alle Schritte sagen,
wenn man's nicht tut, nimmt er das krumm.
Man darf ihn niemals überfüttern,
sonst hängt er sich auch schon mal auf.
Und dann geht gar nichts, liebe Leute,
dann nimmt das Drama seinen Lauf.
Dann kommt ein Absturz in die Leere.
Da hilft dann nur noch: Schalter aus.
Und wieder ganz von vorne starten.
Er hält das Drama meistens aus.
Wenn man grad einen Brief geschrieben
an einen Freund, an seine Braut,
und dann ein Stromausfall würd kommen,
dann wär der ganze Brief geklaut.
Man muss bei jedem Satz bedenken,
dass er auch in den Speicher geht.
Das macht die Maus, doch nicht alleine,
weil sie's alleine nicht versteht.
Ich griff mir öfter in die Haare,
wenn mir dies Missgeschick geschah.
War dann der Saft zurück gekommen,
war leider gar kein Text mehr da.
Dann war die Arbeit vieler Stunden
mit einem Flackern einfach fort.
Und dann hilft nur: Noch einmal schreiben.
Ganz von vorne, Wort für Wort.
Ich hab im Internet gesehen,
dass man dort alles kaufen kann
und wollte uns're Frauen fragen,
wie man da profitieren kann.
Auf dem Basar in jedem Jahre,
ich denke mir, das wär doch toll,
bräucht man nur dem Computer sagen,
was alles er verkaufen soll.
Man könnte ordern die Artikel
vom Flohmarkt bis zur Tombola,
dazu den Kaffee und den Kuchen
und allerhand, was sonst noch da.
Ich glaub, sie hätten was dagegen,
und alle andern sicher auch.
Die Atmosphäre würde fehlen.
Wir bleiben halt bei unserm Brauch.
Auch Berg ist längst im Internet
und wird nun weltweit angeklickt
und jeder, auch in USA, kann seh'n,
ob's bei uns richtig tickt.
Ihr lieben Leute, stellt euch vor,
und das ist überhaupt kein Spaß,
die homepage für den Kirchenchor
im Internet, wie wär denn das?
Da stände dann in schwarzen Lettern,
wer der Vorstand ist und so,
dass Donnerstag die Singstund ist
und: "Seid mir bitte alle do!"
Da stände, dass man karteln darf,
sobald die Probe ist vorbei,
und dass man auch was trinken kann,
ganz egal, ob Bier, ob Wei.
Doch Fasenacht ist bei uns live.
Das seh'n wir an der Singstund heut.
Mit "Mama mia, Ma-ma-ma"
grüß ich euch. Helau, ihr Leut.
Ich freu mich, dass ihr lustig seid,
und euer Lachen froh und frei.
Der Kirchenchor, der feiert heut.
Ein frohes Fest wünscht euch LoMei.
2. FAZIT
Inzwischen ist nicht nur unser Dorf, sondern alle seine Vereine und natürlich auch der Kirchenchor auf einer homepage im Internet vertreten, und die Lustige Singstunde der diesjährigen Fasenacht ist mit einem ander aktuellen Thema über die Bühne gegangen. Aber die sieben Siegel sind geblieben, und das wird sich wohl für die überwiegende Mehrheit unserer Generation so schnell nicht ändern.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-12 15:35:11 mit dem Titel Seefahrt 1: Meine erste Reise
Ich hatte auf einer Hamburger Werft Maschinenschlosser gelernt und musterte kurz nach der Gesellenprüfung Ende November 1954 als 18-jähriger auf einem Motorschiff als Ingenieur-Assistent an. Das Schiff war 1952 in Lübeck gebaut worden befand sich jetzt wegen dringender Reparaturarbeiten dort bei den Flender-Werken.
Aus alten Briefen und einigen Tagebuchaufzeichnungen habe einiges zusammengetragen, was für alle, die vorhaben, sich aufs Wasser zu begeben nicht ganz uninteressant sein dürfte.
INHALT
1. Werft – Auslaufen
2. Durch den Nordostsee-Kanal
3. Seekrank auf der Nordsee
4. Fazit
1. WERFT – AUSLAUFEN
Am 15. Dezember 1954 wurde es ernst. Die Reparaturarbeiten waren abgeschlossen. Nach dem Mittagessen wurde die Maschine (5 Zylinder-Zweitaktdieselmotor) klar gemacht und zur Standprobe angelassen. Standprobe nennt man den Zustand, wenn die Maschine bei festvertäutem Schiff angefahren wird, das Schiff an den Leinen zerrt und die Schraube eine Menge Schaum aufwirbelt. Um 18:30 Uhr wurde die Maschine gestoppt. Die Werft-Monteure legten dünnere Leinings (Unterlegbleche) unter einige warm gewordene Kreuzkopf-Gleitbahnen. Gegen 22:00 Uhr gingen sie von Bord.
Die Leinen wurden gelöst, und wir legten ab zur ersten Reise. Der I. Ingenieur (Chief), der III. Ingenieur, die Assistenten Molle, Willem und ich gingen 6-12-Wache von 18:00 Uhr bis 24:00 Uhr und von 06:00 Uhr bis 12:00 Uhr.
Als wir einige Zeit Voll Voraus gefahren waren, ging ich auf die Schnelle einmal an Deck. Weit hinter uns winkten die Lichter der Strandpromenade von Travemünde. Über uns funkelten die Sterne. Von Steuerbord voraus warf der Mond seine Strahlen auf das Wasser, dass es aussah, als führe eine blinkende glitzernde Straße zu ihm empor. An Backbordseite leuchteten einige Leuchtfeuer.
2. DURCH DEN NORD-OSTSEE-KANAL
Um Mitternacht war unsere Wache zuende. Wir krochen in die Koje. Als wir am nächsten Morgen wieder auf Wache zogen, waren wir schon in der Kieler Bucht. Mit halber oder langsamer Fahrt näherten wir uns der Holtenauer Schleuse. Um 11:42 Uhr lag das Schiff in der Schleusenkammer fest. Als sie wieder hinter uns lag, begann die Freiwache. Ich stand einige Zeit an Deck und ließ Schleswig-Holstein an mir vorübergleiten. Kurz vor der Brunsbütteler Schleuse machten wir an der Bunkerstation Ostermoor fest, um unsere Brennstofftanks mit Dieselöl füllen. Danach würden wir fürs erste wohl nur Himmel und Wasser sehen.
3. SEEKRANKHEIT
Als wir Brunsbüttelkoog hinter uns gelassen hatten, schlief ich gerade. Am nächsten Morgen fuhren wir mitten auf der Nordsee. Sie war etwas bewegter als die Ostsee. Das Schiff fährt in Ballast, das heißt ohne Ladung. Die Ballasttanks im Doppelboden sind mit Seewasser geflutet. Dadurch wird ein Mindesttiefgang für die notwendige Stabilität sichergestellt.
Das Schiff hob und senkte sich stetig. Bis Mittag ging alles gut. Dann wurde mir schlecht, und gegen Abend musste ich mich übergeben. Jedes Mal, wenn sich der Boden unter mir senkte, war es so weit. Der nächste Tag sah uns im Englischen Kanal. Hier war die See genau so rauh. Die Übelkeit blieb, aber brechen brauchte ich nicht. Wieder einen Tage später, am Freitag, den 17. Dezember kamen wir in den berüchtigten Golf von Biscaya. Sie gab sich freundlich: Herrliches Wetter. Blaues Wasser, weiße Wolken und wenig Wind, aber es stand eine ganz andere Dünung als bisher. Unser Schiff tanzte, und mir wurde wieder immer schlechter. Jetzt war die Kotzerei aber eine ganz andere. Vom Chief wurde ich beauftragt, im Achterschiff einen Wasserhahn der Mannschaftstoilette zu reparieren. Das Achterschiff ging immer rauf und runter. Es dauerte nicht lange, da kam es auch schon. Glücklicherweise war gerade vor mir das Lokusbecken. Dort ging alles wunderbar hinein. Zuerst das Frühstück, dann das letzte Abendbrot und alles was sonst noch im Magen war. Ich hab mir in der Kombüse Schwarzbrot geholt und immer geknabbert. Zwar kam das alles sofort wieder raus, aber es war wenigstens etwas da zum Rauskommen. Das Dumme bei der Seekrankheit ist nämlich, dass man, wenn der Magen längst leer ist, immer noch kotzen muss und nicht kann. Dann überfällt einen ein unangenehmes Würgen. Es macht überhaupt keinen Spaß. Am nächsten Tag war die Dünung die gleiche, aber mein Magen ein anderer. Er bockte nicht mehr, und ich hatte wieder Appetit.
4. FAZIT
Es bestand damals und es besteht auch heute die Möglichkeit, auf einem Frachter eine Seereise zu buchen. Ich möchte alle Leser ermutigen, so etwas einmal zu überlegen.
Die Handelsschifffahrt sieht heute völlig anders aus, als vor 50 Jahren, aber vieles bleibt wie es ist. Also: Gute Reise!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-12 19:00:35 mit dem Titel Seefahrt 2: Auf See vor Westafrika
Nach einer ruhigen Fahrt durch den Englischen Kanal fuhren wir aus dem winterlichen Norden immer weiter der Wärme und der Sonne entgegen. Am 18. Dezember 1954 passierten wir am Nacmittag Kap Finisterre und befanden uns nun in der Biscaya. Hier stand eine lange und gleichmäßige Dünung und wiegte uns hin und her. Das Reiseziel hieß Gabun.
INHALT
1. Maschinenschaden (Kolben ziehen)
2. Durch die kanarischen Inseln
3. Weihnachtsvorbereitungen
4. Heiligabend in der Offiziersmesse
5. Allein an Deck
6. Besuch im Maschinenraum
7. Fliegende Fische
1. MASCHINENSCHADEN (KOLBEN ZIEHEN)
Am Sonntagnachmittag, es war der 4. Advent, saß ich nach der Wache gemütlich in der Kammer. Plötzlich gegen 14:00 Uhr wurde die Hauptmaschine immer langsamer. Dann stand sie. Was sollte das? Mit schlimmen Ahnungen stieg ich in den Maschinenraum hinab. Bei Zylinder 5 stiegen Qualmwolken auf. Der Kolben war rotwarm gelaufen und hatte gefressen. Das nennt man einen „Brandenburger“.
Und das bedeutete: Alle Mann fertig machen zum Kolben ziehen. Jetzt hieß es: Leitungen abbauen, Zylinderdeckel lösen und mit dem Flaschenzug abheben, Kolben vom Kreuzkopf lösen (in warmer Maschine), Kühlwasserleitungen demontieren und den Kolben mit dem Flaschenzug heraus ziehen. Als das getan war, sahen wir die Bescherung. Das Kolbenhemd war einige Male gerissen. Die Laufbuchse hatte deutliche Riefen. Die wurden mit einer Schleifmaschine geglättet. Der Ersatzkolben wurde mit dem Kettenzug von der Wand geholt, von seiner Rostschutzfarbe befreit und leicht eingeölt. Es wurden neue Ringe aufgezogen, und dann wurde er in die Buchse eingeführt und herunter gelassen bis er auf dem Kreuzkopf saß. Alles wurde wieder zusammengebaut und die Schraubverbindungen mit Splinten gesichert. Nach einer letzten Kontrolle des Maschinengehäuses auf vergessenes Werkzeug wurden die Verkleidungsbleche davor gebaut. Es war mittlerweile gegen 03:00 Uhr morgens. Wir hatten 13 Stunden gearbeitet. Langsam wurde die Maschine angefahren. Wir sahen aus wie Leute, die sich im Schlamm gebadet hatten.
Am nächsten Abend gegen 22:00 Uhr ging die Maschine plötzlich wieder auf „Langsam“ und dann auf „Ganz Langsam“. Dann wurde gestoppt, und wieder hieß es: Alle Mann Kolben ziehen. Dieses Mal waren die Kolbenringe nicht in Ordnung. Wir zogen neue Ringe auf und konnten nach 8 Stunden Stoppzeit weiterfahren. Das war also unsere Hauptmaschine. In fünf Tagen würde Weihnachten sein.
2. DURCH DIE KANARISCHEN INSELN
Am Mittwoch, dem 22. Dezember fuhren wir mit ständigen Südkurs nachmittags durch die Kanarischen Inseln. An Steuerbord lag Teneriffa mit dem über 3700 m hohen Vulkan Pico de Teyde und an Backbord Gran Canaria mit der schwach erkennbaren Hauptstadt Las Palmas. Mit dem Glase konnte man Teneriffa ganz gut erkennen. Der Gipfel des Berges verschwand in den Wolken. Die Küste fällt an den meisten Stellen steil zum Meer ab. Auf den Hügeln liegen die Häuser der Dörfer und Städtchen wie kleine weiße Würfel. Vor der Insel fuhr ein mittlerer Frachter nordwärts. Ich stand mit dem Glase vor der Nase am Bullauge und schaute nach Teneriffa hinüber, bis die Insel langsam achteraus liegen blieb.
3. WEIHNACHTVORBEREITUNGEN
Ab 23. Dezember ging ich Zwölf-Vier-Wache. Am 24. Dezember klarte ich nach der Nachmittagswache unsere Kammer auf. Dann setzte ich mich hin und machte das Weihnachtspaket von daheim auf. Da kamen wunderbare Sachen zum Vorschein. Tannezweige umrahmten all die Herrlichkeiten. Das Kalenderbüchlein würde ich als Tagebuch benutzen. Aus den Tannenzweigen machte ich einen runden tellerförmigen Strauß und hängte ihn über dem Sofa an die Wand. Aus Willems Weihnachtspaket wurden Schokoladenglocken und -eierchen daran gehängt. Das war unser Weihnachtsbaum.
Ich bemühte mich an Weihnachten und an den Sinn von Weihnachten zu denken, aber das war nicht so leicht. Überhaupt war mir gar nicht weihnachtlich zu Mute. Das Seewasser hatte bei der Wachablösung 26 °C, und draußen war es noch wärmer, fast 30°C. Es trug jeder nur Hemd und Hose. In der Kombüse war schon den ganzen Nachmittag Hochbetrieb. Dort wurden die Weihnachtsstollen fertiggemacht und auf die jeweiligen Geschenkteller gelegt.
4. HEILIGABEND IN DER OFFIZIERSMESSE
Gegen 20:00 Uhr wurde in der Messe der Baum angezündet. Auf dem Platz eines jeden stand das Geschenk der Reederei. Das waren ein Teller mit Nüssen, zwei Apfelsinen, eine Tüte Kekse, der Klöben mit Rosinen und einige Äpfel. Außerdem bekam jeder zwei Flaschen Bier und je nach Wunsch etwas Wein oder Kognak. Der Kapitän und der I. Offizier waren auch da. Es wurde viel geredet über Grundstückkauf und Häuserbau. Trotz des brennenden Baumes keine Spur von Weihnachten. Die Kerzen neigten sich langsam zur Seite. Ich trank mein Glas Rotwein aus, nahm meinen Teller und verabschiedete mich.
5. MEERESLEUCHTEN
Es war etwa 22:00 Uhr. Draußen war eine sternklare Tropennacht. Ich spazierte nach vorne und stieg auf die Back. Von diesem erhöhten Punkt aus hatte ich eine gute Aussicht über das Meer. Überall im Wasser leuchtete es. Ganz weit vorn, an den Seiten, hinten und überall war Meeresleuchten zu sehen. Das sah ganz eigenartig aus. Die Schwärme dieser winzigen Lebewesen tauchten immer auf und verschwanden. An immer anderen Stellen kamen sie wieder zum Vorschein, verschwanden und waren wieder da. Mir wollte scheinen, dass diese kleinsten Meerestierchen in der Heiligen Nacht zu Ehren des Kindes von Bethlehem ihre Weihnachtslichter im Wasser anzündeten.
6. BESUCH IM MASCHINENRAUM
In der dann folgenden Wache kam der III. Offizier in die Maschine herunter. Er war blau. Als wir eine Weile blöde geredet hatten, sagte er, er sei bisher nur Nord- und Ostsee gefahren und nun das erste Mal Weihnachten auf See und weil er nicht daran denken wolle, dass sein Junge daheim jetzt beschert würde, betränke er sich. Ich habe ihn wohl etwas komisch angesehen, denn er meinte, ich könne ihm mit der Meinung, die ich jetzt von ihm hätte, am Arsch lecken. Getrunken wurde in diesen Tagen oft und viel. So sieht also ein Weihnachten auf See aus.
7. FLIEGENDE FISCHE
Am zweiten Weihnachtstag spielte an Steuerbordseite gar nicht weit vom Schiff eine Herde Delphine. Es ist ein lustiges Völkchen. Sie jagten und haschten scheinbar einander. Manchmal machten sie einen eleganten Sprung durch die Luft und platschten wieder ins Wasser zurück. Kurze Zeit später sah ich meine ersten fliegenden Fische. In kleinen Schwärmen tauchten sie aus der Flut und verschwanden nach kurzem oder längerem Gleitflug wieder im Wasser. Überall schwirrten diese silbern glitzernden Dinger herum. Es war ein herrlicher Nachmittag mit tiefblauem leicht bewegtem Wasser. Unter einem ebenfalls blauem Himmel schwammen einige weiße Wolken.
Am folgenden Tag sollten wir Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone erreichen und dort schwarze Ladearbeiter an Bord nehmen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-09 16:31:55 mit dem Titel Seefahrt 19: Von Hamburg nach Alexandria
Unsere Ladung für Alexandria in Ägypten, Beirut im Libanon und Lattakia in Syrien bestand aus Stückgut.
Das waren große, mittlere und kleine fest vernagelte Kisten, in denen sich wahrscheinlich Maschinenteile oder ähnliches befanden. Im Zwischendeck standen einige VW-Lieferwagen und etliche VW-Personenwagen und andere zum Teil sperrige Dinge. Diese Sachen wurden in Hamburg, Bremen und Antwerpen so in den Luken verstaut, dass sie in den jeweiligen Löschhäfen gut erreichbar waren, ohne dass Kisten beiseite geräumt werden mussten. Deshalb wurden diese europäischen Häfen planmäßig nacheinander angelaufen. Es folgen Tagebuchauszüge.
INHALT
1. Auf der Elbe
2. Auf der Weser (Bremen)
3. Auf der Schelde (Antwerpen)
4. Auf See
5. Mit Ostkurs durch das Mittelmeer.
1. AUF DER ELBE
Am 18.4.1956 kurz vor 18:00 Uhr lösten wir in Hamburg die Leinen und fuhren die Elbe hinunter. Wir passierten Blankenese mit seinen zum Teil am Hang gelegenen Villen und Rissen. Am Willkommhöft von Schulau fuhren wir für die Dauer des Abschiedsgrußes ganz langsam. Es war alles ganz deutlich zu hören. Bisher habe ich dort nämlich nur immer einige abgerissene Fetzen des Deutschlandliedes gehört. Die Elbe wurde langsam breiter. Hinter den schützenden Deichen lag rechts die Haseldorfer Marsch, dann die Wilser Marsch und links das Alte Land. Das Bild blieb sich jetzt ziemlich gleich. Der von der Nordsee kommende frische Wind konnte ungehindert über die Wasserfläche streifen und leichte Wellen aufbauen. Bei Brunsbüttel ging der Elblotse von Bord, und der Seelotse kam auf die Brücke. Er verabschiedete sich bei Feuerschiff Elbe I. Kurz darauf kam der Weserlotse an Bord.
2. AUF DER WESER (BREMEN)
Am 19.4. morgens waren wir am frühen Vormittag in Bremen fest. Da der andere Assi nach Bremerhaven fuhr, wo er zu Hause ist, musste ich während der Hafenzeit ständig an Bord bleiben. Am 21.4 um 14:30 Uhr wurden die Leinen losgemacht, und zwei Schlepper zogen uns auf die Weser hinaus.
Die Weser ist nicht sehr breit. Stellenweise gibt es recht beachtliche Sandablagerungen. An beiden Seiten liegen hinter dem Deich Bauernhöfe und kleine Dörfer in einer weiten grünen Marschlandschaft. Kurz vor 18:30 kamen wir an der Kolumbuskaje von Bremerhaven vorbei, wo vor dem II. Weltkriege die „Bremen“ immer anlegte und heute die „United States of America“ festmachte. Diesmal lag dort aber nur ein kleiner Frachter. Abends um 21:30 Uhr ging draußen vor der Wesermündung der Seelotse von Bord und mit Westkurs dampften wir von dannen.
3. AUF DER SCHELDE (ANTWERPEN)
Am 22.4.1956 kam der holländische Seelotse an Bord, der uns die Schelde hinauf brachte.
An Backbordseite lagen jetzt die hohen Dünenzüge der vorgelagerten holländischen Insel Süd-Beveland.
Antwerpen hat einen Tidehafen. Große Schleusen verhindern, dass die Hafenbecken bei Ebbe leer laufen und die Schiffe auf Grund gesetzt werden. Um Mitternacht lagen wir in der Schleuse, und kurz vor 02:00 Uhr hatten wir an der Pier festgemacht.
Unser Messesteward war schon des öfteren in Antwerpen und zeigte mir am Abend des nächsten Tages ein wenig die Stadt. Der Eindruck den das abendliche Antwerpen machte, war außerordentlich gut. Breite Straßen lassen den Verkehr geringer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Das Flämische und das Holländische sind identisch und bei einiger Konzentration für uns „Plattdütsche“ teilweise verständlich. Nach einem Kinobesuch fuhren wir per Bus wieder zum Hafen zurück.
Am Dienstag, den 24.4. gingen wir ab Mittag Seewache. Abends um 22:00 Uhr legte das Schiff ab. Um Mitternacht lagen wir in der Schleuse und fuhren kurz danach mit „Voll Voraus“ die Schelde hinunter.
4. AUF SEE
Mittwoch Mittag (25.4.) dampften wir unter den Kreidefelsen von Dover dahin, und Donnerstag etwa um die gleiche Zeit lag der Leuchtturm von Quessant an Backbord querab. Im Laufe des Nachmittags wurde das Wetter schlechter. Die Biscaya meldete ihre Launen an. Das Schiff rollte. Freitag waren wir mitten drin und tanzten auch dementsprechend. Sonnabend in aller Frühe etwa gegen 01:30 Uhr blinkte das Feuer von Kap Finisterre im Norden von Portugal querab. Die See beruhigte sich langsam wieder.
Als ich am Sonnabend (28.4.) spät von Wache kam, hatten wir Kap Roca an Backbord auf gleicher Höhe. Hier fahren alle Schiffe herum, die nach Lissabon wollen.
5. AUF OSTKURS DURCH DAS MITTELMEER
Sonntag Vormittag (29.4.) gegen 11:00 Uhr gingen wir um Kap Vincente herum mit direktem Kurs auf Gibraltar. Die steil abfallende portugiesische Küste war auch am Nachmittag noch zu sehen. Draußen war ein herrliches Wetter. Montag früh um 02:00 Uhr lagen die Lichter von Tanger querab an Steuerbord. Dicht unter den Bergen der afrikanischen Küste fuhren wir durch die nächtliche Straße von Gibraltar. Ich blieb bis gegen 02:00 Uhr auf, um das nicht zu verpassen.
Das Mittelmeer ist gegenwärtig glatt wie die Alster. Das Schiff lag ganz ruhig. Jede Landratte hätte diese Fahrt ohne Bedenken mitmachen können.
Das Thermometer im Maschinenraum hatte bis jetzt die 40°C-Marke erreicht. Da das Seewasser aber nur 16°C hatte, wirkte es kühlend und verhinderte ein Höherklettern der Quecksilbersäule.
Am 2. Mai sahen wir an Steuerbord für einige Stunden die Küste von Tunesien. Soweit man von Schiff aus erkennen konnte, war dort nichts als nackter Fels und Sand und nochmals Sand. Es briste dann für zwei Tage kräftig auf, und wir schaukelten ganz nett. Dann war es wieder ruhig wie auf der Alster. Am Nachmittag des 6. Mai 1956 erreichten wir Alexandria.
In der Pfalz spricht man nicht viel vom Karneval und vom Fasching. Jeder kennt diese Worte, aber wenn er sie verwendet, denkt er an "Fasenacht". Ein Karnevalist oder ein Faschingsfan ist eben ein "Fasenachter".
Viele - auch kleine - Orte haben Karnevalsvereine, die Jahr für Jahr ihre fernsehreifen Prunksitzungen veranstalten. Das gilt auch für unser Dorf.
Ich singe Bass im Kirchenchor. Unser Durchschnittsalter liegt bei ungefähr 63 Jahren.
Deshalb ist der Chor eigentlich ein Senioren-Chor. Aber weil sich alle sehr jung fühlen, widersprechen wir einer solchen Bezeichnung sehr vehement.
Die Chorproben heißen Singstunden. In der Fasenachtszeit gibt es in jedem Jahr die sogenannte „Lustige Singstunde“. Das ist nichts anderes als eine echte Prunksitzung. Alle Chormitglieder tragen etwas vor, entweder als Mitglied einer Gruppe oder solo.
Die lustige Singstunde des vorigen Jahres war Mitte Februar 2001. Ich war damals gerade vier Wochen bei Ciao, und meine ersten Erfahrungen waren noch ganz frisch. Deshalb war ich der Meinung, ich müsste sie meinen Chorfreunden - wie üblich - in einem gereimten Vortrag mitteilen und ihnen dabei gleichzeitig die Welt des Internet nahe bringen.
Unser Chorleiter Achim ist promovierter Physiker und ein Spezialist für Sonder-Software. Dem konnte ich nichts beibringen. Aber für alle andern ist das Internet ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Also ging ich mit diesem Thema als "Möchtegern-Fasenachter" in die Bütt.
ZUM INHALT
1. Erfahrungen eines jungen Alten mit dem Internet (eine "Büttenrede").
2. Fazit.
1. EEFAHRUNGEN EINES JUNGEN ALTEN MIT DEM INTERNET
Im Internet da ist was los,
das muss ich euch doch gleich erzählen.
Ich surfe oft ein bisschen rum
und kann euch das auch sehr empfehlen.
Man kann dort grenzenlos flanieren,
kann ganz viel lesen oder schau'n.
Ich bin ein Neuling noch gewesen
und wollte mich erst gar nicht trau'n.
Da muss man eine Sprache lernen,
und das ganz ohne Wörterbuch.
Ich sah dort Zeichen, Hyroglyphen
und dacht: Mir reicht's, ich hab genug!
Dann dachte ich, wen könnt' ich fragen,
damit ich alles gut kapier.
Da surfen so viel junge Leute
mit viel Erfahrung neben mir.
Ich muss noch sagen, dass ich meistens
im Internet bei Ciao kehr ein.
Dort kann man seine Meinung sagen
zu allem, was wir kaufen ein.
Dort kann man sich gut informieren
über alles in der Welt
und kann auf jeder Seite lesen:
Geh sparsam um mit deinem Geld.
Man kann dort Reisen kommentieren,
und alles rund um den PC.
Man kann was über Handys schreiben,
über Autos, Freud und Weh.
Man kann auch Dialoge führen
mit Leuten, die man gar nicht kennt.
Das ganze geht halb anonym,
weil keiner seinen Namen nennt.
Man sucht sich einfach einen Namen
oder so ein Kürzel aus.
Ich heiß LoMei für diese Freunde
und kenne mich so langsam aus.
Ich hab bei Ciao bisher berichtet
von meinen Reisen in der Welt
und merkte, dass die Leut das lesen
und dass es ihnen auch gefällt.
Und manchmal gab es Kommentare zu dem,
was ich geschrieben hab.
Die hab ich größtenteils verstanden,
doch manches ging mir einfach ab.
Da machte ich schnell ein paar Verse
und schickte sie ins Internet,
bemühte mich um Höflichkeit
und dachte mir: Sag es ganz nett.
Ich musste nur noch überlegen,
an welchen Ort es wohl gehört.
Es gibt gar vielerlei Rubriken.
Das hat mich damals nicht gestört.
Ich hab das ganze abgeschickt
mit einen Klick, Ab, Horrido!
Und will Euch gern den Text verraten,
und dieser Text, der lautet so:
"Ich glaub, ich muss noch sehr viel lernen.
Womöglich muss ein Sprachkurs her.
Denn g, g, g gerahmt von Sternen (*ggg*)
Das kenn ich nicht. Wer weiß da mehr?
Chinesen haben ihre Zeichen
für die Schrift, Japaner auch.
Ägypter hatten auch dergleichen.
Es ist also kein neuer Brauch.
Wenn Semikolon oder Komma
mit einer Klammer sind verknüpft
ein Doppelpunkt zu allem Jammer
auch noch gekonnt dazwischen hüpft,
dann wird das sicher was bedeuten,
so atmosphärisch denk ich mir,
als stille Botschaft unter Leuten,
vertrauter Gruß von mir zu Dir.
Wo kann man diese Sprache lernen
mit ihrem Witz und ihrem Flair?
Steht gar die Lösung in den Sternen?
Wenn ihr es wisst, dann sagt es mir."
Das war der Text. Den schickt ich ab,
und ich erhofft' mir viel dabei
und setzte fröhlich unten drunter:
"Viele Grüße von LoMei."
In weniger als zwei Minuten
waren Kommentare da.
Ich war erstaunt und dann betroffen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah.
Ich sag es mal mit meinen Worten,
was auf dem Bildschirm vor mir stand.
"Du Depp, Du störst hier uns're Kreise.
Vielleicht fehlt es dir an Verstand."
Das war nicht wörtlich, doch ironisch
und gab mir einen kleinen Piek.
Doch dann erschien ein andrer User
mit einer Antwort, welch ein Glück.
Ich merkte nun mit leisem Ärger,
ich hatte mich total verirrt.
Der Text stand an der falschen Stelle.
Das hat die Leute sehr verwirrt.
Die Frage war grad dort erschienen,
wo jeder eine Antwort sucht
und wo ein User frustbeladen
sehr gerne meckert oder flucht.
Man ist dort gar nicht zimperlich
und redet frank und frei heraus.
Inzwischen weiß ich etwas mehr
und mach mir nicht so viel daraus.
Ein User ist im Internet ein jemand,
der dort surfen tut.
Ein Newbe ist ein echter Neuling,
Der sich auf's Glatteis traut mit Mut.
Ich hatte die Rubrik verwechselt.
Was soll's, ich bleib deshalb nicht fort.
Man muss natürlich auch noch sagen,
ich bin der Älteste an Bord.
Es kamen dann auch "reife" User,
die nahmen schnell für mich Partei
und schimpften auf die jungen Chatter,
Hallo, was denkt ihr euch dabei.
Sie hatten sich gleich angeseh'n,
was ich wohl für ein Jahrgang bin.
Und das steht auf der LoMei-Seite.
Mit einem Klick kommt man dahin.
Das Internet, ein Abenteuer
und nicht nur für die jungen Leut.
Nein auch für uns, die jungen Alten,
denn auch wir leben hier und heut.
Wer etwas sucht von Boris Becker
oder auch von Steffi Graf
und wer da fragt nach Schnee und Wetter
und auch nach BSE beim Schaf,
alles kann man dort erfahren,
schnell, präzis, spektakulär.
Man kann sogar dies Spiel mitspielen
mit Namen: Wer wird Millionär?
Man kann dort Bankgeschäfte machen
und per Bildschirm shopping gehn
und noch ganz viele andre Sachen,
sogar Verliebte flirten sehn.
Der Achim kennt die Welt der User,
denn er verdient damit sein Geld.
Kann man per Bildschirm Singstund machen.
Mal sehen, was er davon hält.
Wir würden vor dem Bildschirm sitzen,
daheim, und hätten ihn im Blick.
Und er, er könnte uns nicht sehen,
wenn wir verschwinden mit klick, klick.
Wir würden nur die Maus bedienen,
so, Zeigefinger, rechte Hand.
Er würde weiter dirigieren,
fast gegen eine leere Wand.
Nein, solche Sänger sind wir nicht,
und so was machen wir nicht mit.
Wir bleiben alle bei der Stange
und üben manchen neuen Hit.
Ihr dürft mich bitte nun nicht fragen,
wie ein Computer funktioniert,
Ich kann euch überhaupt nichts sagen.
Ich mach nur klick, und er pariert.
Er ist sehr schnell und furchtbar fleißig,
aber ausgesprochen dumm.
Man muss ihm alle Schritte sagen,
wenn man's nicht tut, nimmt er das krumm.
Man darf ihn niemals überfüttern,
sonst hängt er sich auch schon mal auf.
Und dann geht gar nichts, liebe Leute,
dann nimmt das Drama seinen Lauf.
Dann kommt ein Absturz in die Leere.
Da hilft dann nur noch: Schalter aus.
Und wieder ganz von vorne starten.
Er hält das Drama meistens aus.
Wenn man grad einen Brief geschrieben
an einen Freund, an seine Braut,
und dann ein Stromausfall würd kommen,
dann wär der ganze Brief geklaut.
Man muss bei jedem Satz bedenken,
dass er auch in den Speicher geht.
Das macht die Maus, doch nicht alleine,
weil sie's alleine nicht versteht.
Ich griff mir öfter in die Haare,
wenn mir dies Missgeschick geschah.
War dann der Saft zurück gekommen,
war leider gar kein Text mehr da.
Dann war die Arbeit vieler Stunden
mit einem Flackern einfach fort.
Und dann hilft nur: Noch einmal schreiben.
Ganz von vorne, Wort für Wort.
Ich hab im Internet gesehen,
dass man dort alles kaufen kann
und wollte uns're Frauen fragen,
wie man da profitieren kann.
Auf dem Basar in jedem Jahre,
ich denke mir, das wär doch toll,
bräucht man nur dem Computer sagen,
was alles er verkaufen soll.
Man könnte ordern die Artikel
vom Flohmarkt bis zur Tombola,
dazu den Kaffee und den Kuchen
und allerhand, was sonst noch da.
Ich glaub, sie hätten was dagegen,
und alle andern sicher auch.
Die Atmosphäre würde fehlen.
Wir bleiben halt bei unserm Brauch.
Auch Berg ist längst im Internet
und wird nun weltweit angeklickt
und jeder, auch in USA, kann seh'n,
ob's bei uns richtig tickt.
Ihr lieben Leute, stellt euch vor,
und das ist überhaupt kein Spaß,
die homepage für den Kirchenchor
im Internet, wie wär denn das?
Da stände dann in schwarzen Lettern,
wer der Vorstand ist und so,
dass Donnerstag die Singstund ist
und: "Seid mir bitte alle do!"
Da stände, dass man karteln darf,
sobald die Probe ist vorbei,
und dass man auch was trinken kann,
ganz egal, ob Bier, ob Wei.
Doch Fasenacht ist bei uns live.
Das seh'n wir an der Singstund heut.
Mit "Mama mia, Ma-ma-ma"
grüß ich euch. Helau, ihr Leut.
Ich freu mich, dass ihr lustig seid,
und euer Lachen froh und frei.
Der Kirchenchor, der feiert heut.
Ein frohes Fest wünscht euch LoMei.
2. FAZIT
Inzwischen ist nicht nur unser Dorf, sondern alle seine Vereine und natürlich auch der Kirchenchor auf einer homepage im Internet vertreten, und die Lustige Singstunde der diesjährigen Fasenacht ist mit einem ander aktuellen Thema über die Bühne gegangen. Aber die sieben Siegel sind geblieben, und das wird sich wohl für die überwiegende Mehrheit unserer Generation so schnell nicht ändern.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-12 15:35:11 mit dem Titel Seefahrt 1: Meine erste Reise
Ich hatte auf einer Hamburger Werft Maschinenschlosser gelernt und musterte kurz nach der Gesellenprüfung Ende November 1954 als 18-jähriger auf einem Motorschiff als Ingenieur-Assistent an. Das Schiff war 1952 in Lübeck gebaut worden befand sich jetzt wegen dringender Reparaturarbeiten dort bei den Flender-Werken.
Aus alten Briefen und einigen Tagebuchaufzeichnungen habe einiges zusammengetragen, was für alle, die vorhaben, sich aufs Wasser zu begeben nicht ganz uninteressant sein dürfte.
INHALT
1. Werft – Auslaufen
2. Durch den Nordostsee-Kanal
3. Seekrank auf der Nordsee
4. Fazit
1. WERFT – AUSLAUFEN
Am 15. Dezember 1954 wurde es ernst. Die Reparaturarbeiten waren abgeschlossen. Nach dem Mittagessen wurde die Maschine (5 Zylinder-Zweitaktdieselmotor) klar gemacht und zur Standprobe angelassen. Standprobe nennt man den Zustand, wenn die Maschine bei festvertäutem Schiff angefahren wird, das Schiff an den Leinen zerrt und die Schraube eine Menge Schaum aufwirbelt. Um 18:30 Uhr wurde die Maschine gestoppt. Die Werft-Monteure legten dünnere Leinings (Unterlegbleche) unter einige warm gewordene Kreuzkopf-Gleitbahnen. Gegen 22:00 Uhr gingen sie von Bord.
Die Leinen wurden gelöst, und wir legten ab zur ersten Reise. Der I. Ingenieur (Chief), der III. Ingenieur, die Assistenten Molle, Willem und ich gingen 6-12-Wache von 18:00 Uhr bis 24:00 Uhr und von 06:00 Uhr bis 12:00 Uhr.
Als wir einige Zeit Voll Voraus gefahren waren, ging ich auf die Schnelle einmal an Deck. Weit hinter uns winkten die Lichter der Strandpromenade von Travemünde. Über uns funkelten die Sterne. Von Steuerbord voraus warf der Mond seine Strahlen auf das Wasser, dass es aussah, als führe eine blinkende glitzernde Straße zu ihm empor. An Backbordseite leuchteten einige Leuchtfeuer.
2. DURCH DEN NORD-OSTSEE-KANAL
Um Mitternacht war unsere Wache zuende. Wir krochen in die Koje. Als wir am nächsten Morgen wieder auf Wache zogen, waren wir schon in der Kieler Bucht. Mit halber oder langsamer Fahrt näherten wir uns der Holtenauer Schleuse. Um 11:42 Uhr lag das Schiff in der Schleusenkammer fest. Als sie wieder hinter uns lag, begann die Freiwache. Ich stand einige Zeit an Deck und ließ Schleswig-Holstein an mir vorübergleiten. Kurz vor der Brunsbütteler Schleuse machten wir an der Bunkerstation Ostermoor fest, um unsere Brennstofftanks mit Dieselöl füllen. Danach würden wir fürs erste wohl nur Himmel und Wasser sehen.
3. SEEKRANKHEIT
Als wir Brunsbüttelkoog hinter uns gelassen hatten, schlief ich gerade. Am nächsten Morgen fuhren wir mitten auf der Nordsee. Sie war etwas bewegter als die Ostsee. Das Schiff fährt in Ballast, das heißt ohne Ladung. Die Ballasttanks im Doppelboden sind mit Seewasser geflutet. Dadurch wird ein Mindesttiefgang für die notwendige Stabilität sichergestellt.
Das Schiff hob und senkte sich stetig. Bis Mittag ging alles gut. Dann wurde mir schlecht, und gegen Abend musste ich mich übergeben. Jedes Mal, wenn sich der Boden unter mir senkte, war es so weit. Der nächste Tag sah uns im Englischen Kanal. Hier war die See genau so rauh. Die Übelkeit blieb, aber brechen brauchte ich nicht. Wieder einen Tage später, am Freitag, den 17. Dezember kamen wir in den berüchtigten Golf von Biscaya. Sie gab sich freundlich: Herrliches Wetter. Blaues Wasser, weiße Wolken und wenig Wind, aber es stand eine ganz andere Dünung als bisher. Unser Schiff tanzte, und mir wurde wieder immer schlechter. Jetzt war die Kotzerei aber eine ganz andere. Vom Chief wurde ich beauftragt, im Achterschiff einen Wasserhahn der Mannschaftstoilette zu reparieren. Das Achterschiff ging immer rauf und runter. Es dauerte nicht lange, da kam es auch schon. Glücklicherweise war gerade vor mir das Lokusbecken. Dort ging alles wunderbar hinein. Zuerst das Frühstück, dann das letzte Abendbrot und alles was sonst noch im Magen war. Ich hab mir in der Kombüse Schwarzbrot geholt und immer geknabbert. Zwar kam das alles sofort wieder raus, aber es war wenigstens etwas da zum Rauskommen. Das Dumme bei der Seekrankheit ist nämlich, dass man, wenn der Magen längst leer ist, immer noch kotzen muss und nicht kann. Dann überfällt einen ein unangenehmes Würgen. Es macht überhaupt keinen Spaß. Am nächsten Tag war die Dünung die gleiche, aber mein Magen ein anderer. Er bockte nicht mehr, und ich hatte wieder Appetit.
4. FAZIT
Es bestand damals und es besteht auch heute die Möglichkeit, auf einem Frachter eine Seereise zu buchen. Ich möchte alle Leser ermutigen, so etwas einmal zu überlegen.
Die Handelsschifffahrt sieht heute völlig anders aus, als vor 50 Jahren, aber vieles bleibt wie es ist. Also: Gute Reise!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-12 19:00:35 mit dem Titel Seefahrt 2: Auf See vor Westafrika
Nach einer ruhigen Fahrt durch den Englischen Kanal fuhren wir aus dem winterlichen Norden immer weiter der Wärme und der Sonne entgegen. Am 18. Dezember 1954 passierten wir am Nacmittag Kap Finisterre und befanden uns nun in der Biscaya. Hier stand eine lange und gleichmäßige Dünung und wiegte uns hin und her. Das Reiseziel hieß Gabun.
INHALT
1. Maschinenschaden (Kolben ziehen)
2. Durch die kanarischen Inseln
3. Weihnachtsvorbereitungen
4. Heiligabend in der Offiziersmesse
5. Allein an Deck
6. Besuch im Maschinenraum
7. Fliegende Fische
1. MASCHINENSCHADEN (KOLBEN ZIEHEN)
Am Sonntagnachmittag, es war der 4. Advent, saß ich nach der Wache gemütlich in der Kammer. Plötzlich gegen 14:00 Uhr wurde die Hauptmaschine immer langsamer. Dann stand sie. Was sollte das? Mit schlimmen Ahnungen stieg ich in den Maschinenraum hinab. Bei Zylinder 5 stiegen Qualmwolken auf. Der Kolben war rotwarm gelaufen und hatte gefressen. Das nennt man einen „Brandenburger“.
Und das bedeutete: Alle Mann fertig machen zum Kolben ziehen. Jetzt hieß es: Leitungen abbauen, Zylinderdeckel lösen und mit dem Flaschenzug abheben, Kolben vom Kreuzkopf lösen (in warmer Maschine), Kühlwasserleitungen demontieren und den Kolben mit dem Flaschenzug heraus ziehen. Als das getan war, sahen wir die Bescherung. Das Kolbenhemd war einige Male gerissen. Die Laufbuchse hatte deutliche Riefen. Die wurden mit einer Schleifmaschine geglättet. Der Ersatzkolben wurde mit dem Kettenzug von der Wand geholt, von seiner Rostschutzfarbe befreit und leicht eingeölt. Es wurden neue Ringe aufgezogen, und dann wurde er in die Buchse eingeführt und herunter gelassen bis er auf dem Kreuzkopf saß. Alles wurde wieder zusammengebaut und die Schraubverbindungen mit Splinten gesichert. Nach einer letzten Kontrolle des Maschinengehäuses auf vergessenes Werkzeug wurden die Verkleidungsbleche davor gebaut. Es war mittlerweile gegen 03:00 Uhr morgens. Wir hatten 13 Stunden gearbeitet. Langsam wurde die Maschine angefahren. Wir sahen aus wie Leute, die sich im Schlamm gebadet hatten.
Am nächsten Abend gegen 22:00 Uhr ging die Maschine plötzlich wieder auf „Langsam“ und dann auf „Ganz Langsam“. Dann wurde gestoppt, und wieder hieß es: Alle Mann Kolben ziehen. Dieses Mal waren die Kolbenringe nicht in Ordnung. Wir zogen neue Ringe auf und konnten nach 8 Stunden Stoppzeit weiterfahren. Das war also unsere Hauptmaschine. In fünf Tagen würde Weihnachten sein.
2. DURCH DIE KANARISCHEN INSELN
Am Mittwoch, dem 22. Dezember fuhren wir mit ständigen Südkurs nachmittags durch die Kanarischen Inseln. An Steuerbord lag Teneriffa mit dem über 3700 m hohen Vulkan Pico de Teyde und an Backbord Gran Canaria mit der schwach erkennbaren Hauptstadt Las Palmas. Mit dem Glase konnte man Teneriffa ganz gut erkennen. Der Gipfel des Berges verschwand in den Wolken. Die Küste fällt an den meisten Stellen steil zum Meer ab. Auf den Hügeln liegen die Häuser der Dörfer und Städtchen wie kleine weiße Würfel. Vor der Insel fuhr ein mittlerer Frachter nordwärts. Ich stand mit dem Glase vor der Nase am Bullauge und schaute nach Teneriffa hinüber, bis die Insel langsam achteraus liegen blieb.
3. WEIHNACHTVORBEREITUNGEN
Ab 23. Dezember ging ich Zwölf-Vier-Wache. Am 24. Dezember klarte ich nach der Nachmittagswache unsere Kammer auf. Dann setzte ich mich hin und machte das Weihnachtspaket von daheim auf. Da kamen wunderbare Sachen zum Vorschein. Tannezweige umrahmten all die Herrlichkeiten. Das Kalenderbüchlein würde ich als Tagebuch benutzen. Aus den Tannenzweigen machte ich einen runden tellerförmigen Strauß und hängte ihn über dem Sofa an die Wand. Aus Willems Weihnachtspaket wurden Schokoladenglocken und -eierchen daran gehängt. Das war unser Weihnachtsbaum.
Ich bemühte mich an Weihnachten und an den Sinn von Weihnachten zu denken, aber das war nicht so leicht. Überhaupt war mir gar nicht weihnachtlich zu Mute. Das Seewasser hatte bei der Wachablösung 26 °C, und draußen war es noch wärmer, fast 30°C. Es trug jeder nur Hemd und Hose. In der Kombüse war schon den ganzen Nachmittag Hochbetrieb. Dort wurden die Weihnachtsstollen fertiggemacht und auf die jeweiligen Geschenkteller gelegt.
4. HEILIGABEND IN DER OFFIZIERSMESSE
Gegen 20:00 Uhr wurde in der Messe der Baum angezündet. Auf dem Platz eines jeden stand das Geschenk der Reederei. Das waren ein Teller mit Nüssen, zwei Apfelsinen, eine Tüte Kekse, der Klöben mit Rosinen und einige Äpfel. Außerdem bekam jeder zwei Flaschen Bier und je nach Wunsch etwas Wein oder Kognak. Der Kapitän und der I. Offizier waren auch da. Es wurde viel geredet über Grundstückkauf und Häuserbau. Trotz des brennenden Baumes keine Spur von Weihnachten. Die Kerzen neigten sich langsam zur Seite. Ich trank mein Glas Rotwein aus, nahm meinen Teller und verabschiedete mich.
5. MEERESLEUCHTEN
Es war etwa 22:00 Uhr. Draußen war eine sternklare Tropennacht. Ich spazierte nach vorne und stieg auf die Back. Von diesem erhöhten Punkt aus hatte ich eine gute Aussicht über das Meer. Überall im Wasser leuchtete es. Ganz weit vorn, an den Seiten, hinten und überall war Meeresleuchten zu sehen. Das sah ganz eigenartig aus. Die Schwärme dieser winzigen Lebewesen tauchten immer auf und verschwanden. An immer anderen Stellen kamen sie wieder zum Vorschein, verschwanden und waren wieder da. Mir wollte scheinen, dass diese kleinsten Meerestierchen in der Heiligen Nacht zu Ehren des Kindes von Bethlehem ihre Weihnachtslichter im Wasser anzündeten.
6. BESUCH IM MASCHINENRAUM
In der dann folgenden Wache kam der III. Offizier in die Maschine herunter. Er war blau. Als wir eine Weile blöde geredet hatten, sagte er, er sei bisher nur Nord- und Ostsee gefahren und nun das erste Mal Weihnachten auf See und weil er nicht daran denken wolle, dass sein Junge daheim jetzt beschert würde, betränke er sich. Ich habe ihn wohl etwas komisch angesehen, denn er meinte, ich könne ihm mit der Meinung, die ich jetzt von ihm hätte, am Arsch lecken. Getrunken wurde in diesen Tagen oft und viel. So sieht also ein Weihnachten auf See aus.
7. FLIEGENDE FISCHE
Am zweiten Weihnachtstag spielte an Steuerbordseite gar nicht weit vom Schiff eine Herde Delphine. Es ist ein lustiges Völkchen. Sie jagten und haschten scheinbar einander. Manchmal machten sie einen eleganten Sprung durch die Luft und platschten wieder ins Wasser zurück. Kurze Zeit später sah ich meine ersten fliegenden Fische. In kleinen Schwärmen tauchten sie aus der Flut und verschwanden nach kurzem oder längerem Gleitflug wieder im Wasser. Überall schwirrten diese silbern glitzernden Dinger herum. Es war ein herrlicher Nachmittag mit tiefblauem leicht bewegtem Wasser. Unter einem ebenfalls blauem Himmel schwammen einige weiße Wolken.
Am folgenden Tag sollten wir Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone erreichen und dort schwarze Ladearbeiter an Bord nehmen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-09 16:31:55 mit dem Titel Seefahrt 19: Von Hamburg nach Alexandria
Unsere Ladung für Alexandria in Ägypten, Beirut im Libanon und Lattakia in Syrien bestand aus Stückgut.
Das waren große, mittlere und kleine fest vernagelte Kisten, in denen sich wahrscheinlich Maschinenteile oder ähnliches befanden. Im Zwischendeck standen einige VW-Lieferwagen und etliche VW-Personenwagen und andere zum Teil sperrige Dinge. Diese Sachen wurden in Hamburg, Bremen und Antwerpen so in den Luken verstaut, dass sie in den jeweiligen Löschhäfen gut erreichbar waren, ohne dass Kisten beiseite geräumt werden mussten. Deshalb wurden diese europäischen Häfen planmäßig nacheinander angelaufen. Es folgen Tagebuchauszüge.
INHALT
1. Auf der Elbe
2. Auf der Weser (Bremen)
3. Auf der Schelde (Antwerpen)
4. Auf See
5. Mit Ostkurs durch das Mittelmeer.
1. AUF DER ELBE
Am 18.4.1956 kurz vor 18:00 Uhr lösten wir in Hamburg die Leinen und fuhren die Elbe hinunter. Wir passierten Blankenese mit seinen zum Teil am Hang gelegenen Villen und Rissen. Am Willkommhöft von Schulau fuhren wir für die Dauer des Abschiedsgrußes ganz langsam. Es war alles ganz deutlich zu hören. Bisher habe ich dort nämlich nur immer einige abgerissene Fetzen des Deutschlandliedes gehört. Die Elbe wurde langsam breiter. Hinter den schützenden Deichen lag rechts die Haseldorfer Marsch, dann die Wilser Marsch und links das Alte Land. Das Bild blieb sich jetzt ziemlich gleich. Der von der Nordsee kommende frische Wind konnte ungehindert über die Wasserfläche streifen und leichte Wellen aufbauen. Bei Brunsbüttel ging der Elblotse von Bord, und der Seelotse kam auf die Brücke. Er verabschiedete sich bei Feuerschiff Elbe I. Kurz darauf kam der Weserlotse an Bord.
2. AUF DER WESER (BREMEN)
Am 19.4. morgens waren wir am frühen Vormittag in Bremen fest. Da der andere Assi nach Bremerhaven fuhr, wo er zu Hause ist, musste ich während der Hafenzeit ständig an Bord bleiben. Am 21.4 um 14:30 Uhr wurden die Leinen losgemacht, und zwei Schlepper zogen uns auf die Weser hinaus.
Die Weser ist nicht sehr breit. Stellenweise gibt es recht beachtliche Sandablagerungen. An beiden Seiten liegen hinter dem Deich Bauernhöfe und kleine Dörfer in einer weiten grünen Marschlandschaft. Kurz vor 18:30 kamen wir an der Kolumbuskaje von Bremerhaven vorbei, wo vor dem II. Weltkriege die „Bremen“ immer anlegte und heute die „United States of America“ festmachte. Diesmal lag dort aber nur ein kleiner Frachter. Abends um 21:30 Uhr ging draußen vor der Wesermündung der Seelotse von Bord und mit Westkurs dampften wir von dannen.
3. AUF DER SCHELDE (ANTWERPEN)
Am 22.4.1956 kam der holländische Seelotse an Bord, der uns die Schelde hinauf brachte.
An Backbordseite lagen jetzt die hohen Dünenzüge der vorgelagerten holländischen Insel Süd-Beveland.
Antwerpen hat einen Tidehafen. Große Schleusen verhindern, dass die Hafenbecken bei Ebbe leer laufen und die Schiffe auf Grund gesetzt werden. Um Mitternacht lagen wir in der Schleuse, und kurz vor 02:00 Uhr hatten wir an der Pier festgemacht.
Unser Messesteward war schon des öfteren in Antwerpen und zeigte mir am Abend des nächsten Tages ein wenig die Stadt. Der Eindruck den das abendliche Antwerpen machte, war außerordentlich gut. Breite Straßen lassen den Verkehr geringer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Das Flämische und das Holländische sind identisch und bei einiger Konzentration für uns „Plattdütsche“ teilweise verständlich. Nach einem Kinobesuch fuhren wir per Bus wieder zum Hafen zurück.
Am Dienstag, den 24.4. gingen wir ab Mittag Seewache. Abends um 22:00 Uhr legte das Schiff ab. Um Mitternacht lagen wir in der Schleuse und fuhren kurz danach mit „Voll Voraus“ die Schelde hinunter.
4. AUF SEE
Mittwoch Mittag (25.4.) dampften wir unter den Kreidefelsen von Dover dahin, und Donnerstag etwa um die gleiche Zeit lag der Leuchtturm von Quessant an Backbord querab. Im Laufe des Nachmittags wurde das Wetter schlechter. Die Biscaya meldete ihre Launen an. Das Schiff rollte. Freitag waren wir mitten drin und tanzten auch dementsprechend. Sonnabend in aller Frühe etwa gegen 01:30 Uhr blinkte das Feuer von Kap Finisterre im Norden von Portugal querab. Die See beruhigte sich langsam wieder.
Als ich am Sonnabend (28.4.) spät von Wache kam, hatten wir Kap Roca an Backbord auf gleicher Höhe. Hier fahren alle Schiffe herum, die nach Lissabon wollen.
5. AUF OSTKURS DURCH DAS MITTELMEER
Sonntag Vormittag (29.4.) gegen 11:00 Uhr gingen wir um Kap Vincente herum mit direktem Kurs auf Gibraltar. Die steil abfallende portugiesische Küste war auch am Nachmittag noch zu sehen. Draußen war ein herrliches Wetter. Montag früh um 02:00 Uhr lagen die Lichter von Tanger querab an Steuerbord. Dicht unter den Bergen der afrikanischen Küste fuhren wir durch die nächtliche Straße von Gibraltar. Ich blieb bis gegen 02:00 Uhr auf, um das nicht zu verpassen.
Das Mittelmeer ist gegenwärtig glatt wie die Alster. Das Schiff lag ganz ruhig. Jede Landratte hätte diese Fahrt ohne Bedenken mitmachen können.
Das Thermometer im Maschinenraum hatte bis jetzt die 40°C-Marke erreicht. Da das Seewasser aber nur 16°C hatte, wirkte es kühlend und verhinderte ein Höherklettern der Quecksilbersäule.
Am 2. Mai sahen wir an Steuerbord für einige Stunden die Küste von Tunesien. Soweit man von Schiff aus erkennen konnte, war dort nichts als nackter Fels und Sand und nochmals Sand. Es briste dann für zwei Tage kräftig auf, und wir schaukelten ganz nett. Dann war es wieder ruhig wie auf der Alster. Am Nachmittag des 6. Mai 1956 erreichten wir Alexandria.




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