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Erfahrungsbericht von Calistra

Kleine Studie: Die Supermami

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich bin mal wieder meiner liebsten Freizeitbeschäftigung nachgegangen: Menschen in Kategorien einzuordnen trotz des besseren Wissens, daß das fast unmöglich ist, weil so ein Mensch nunmal nicht in eine Schublade reinpasst ;-)

Trotzdem bin ich fündig geworden und habe eine neue Spezies Mensch entdeckt, von der ich heute mal berichten werde: Die Supermami

Bevor hier ersten Buh-Rufe laut werden: Ich finde berufstätige Mütter toll, werde, wenn ich einmal Mami werde, wahrscheinlich auch noch ein paar Brötchen verdienen gehen, klar.

Aber: Eine Supermami ist nicht nur einfach eine Frau, die Kinder hat und den Entschluß getroffen hat, trotzdem weiter zu arbeiten. Nein, eine Supermami arbeitet nicht, sondern sie ist tätig, und zwar nicht, um oben genannte Brötchen zu verdienen, sondern, um sich selbst zu verwirklichen.

Diese Selbstverwirklichung äußert sich aber nicht in exzessiver Arbeitswut, auch nicht in besonderem Engagement. Die Selbstverwirklichung besteht darin, in eindrucksvoller Weise zu zeigen, daß ein Mensch durchaus an mehreren Orten gleichzeitig sein kann. Eine Supermami ist körperlich im Büro, geistig in den Armen eines schönen Fremden (alle mir bekannten Supermamis sind Emanzen, die niemals zugeben würden, daß sie mit ihrer Partnerschaft zufrieden sind), mit dem linken Ohr ist eine Supermami am Telefon bei ihrer jüngsten, die sie regelmäßig anruft, ob sie auch schon "Aa" gemacht habe und mit dem rechten Ohr, mit dem ist sie verständnisvoll bei ihrer Kollegin, die ihre Figurprobleme schildert.

Das nämlich ist auch äußerst bemerkenswert: Supermamis haben Figurprobleme, aber nicht welche der Art, die hinreichend (auch mir) bekannt ist: Der Hintern zu breit, der Busen nicht fest genug oder der Bauch zu schwabbelig, nein, so leicht wie wir Normalos hat es eine Supermami nicht.

Supermamis sind nämlich unglaublich fett!!!

Dieses Problem erkennt auch jeder, der dieses Fleisch gewordene Stück Pseudo-Aufopferung genauer betrachtet: Bei mindestens 170 cm Größe wiegt so eine Supermami schätzungsweise 55 Kilogramm, was sie auch jedem, der es hören will - und auch denen, die es nicht hören wollen - hemmungslos mitteilt:

"Ich bin ja soooo fett geworden! Ich habe anderthalb Kilo zugenommen; aber das ist ja auch kein Wunder, so, wie ich vorige Woche geschlemmt habe".

(Damit ist ungefähr ein Stück Kuchen - natürlich ohne Sahne - gemeint).

Die emanzipierte Mutter der Superlative ißt nämlich äußerst selten; und sollte man sie doch einmal essenderweise antreffen, ist es allenfalls ein geschmacks- ähm, fettreduzierter Joghurt oder ein Salat. Wenn man das Pech hat, mit einer solchen Frau die Pause zu verbringen, kann man sicher sein, daß deren - natürlich Lancome-geschminkten - Augen zuerst lechzend auf das Käse-Sandwich mit Remoulade und danach triumphierend auf die Figur dessen, der es wagt, so etwas seinem Körper anzutun, schielen.

Auch sollte man nie den Fehler machen, in Gegenwart einer SuMu, oder besser auf Latein: Mamma Perfectia, einen Schokoriegel oder dergleichen zu verspeisen. Denn sie wird darauf starren wie ein hypnotisiertes Kaninchen und dann, in endloser Askese, starr wegschauen. Nach ca. einer Viertelstunde kann sie dann nicht mehr dem Druck standhalten und gönnt sich doch ein Stück der ihr angebotenen Schokolade. Was man dann zu sehen bekommt, ist ein Naturschauspiel sondergleichen:

Die erste Frau, die beim Genuß eines Stückchens Schokolade fast einen Orgasmus bekommt, um danach, beschämt wie ein Mönch nach einem feuchten Traum, auszurechnen, wie sie die frevelhaften Kalorien loswird. Das ganze wird dann natürlich sofort der Umwelt mitgeteilt, was in etwa so klingt:

"Mmmmh... ist das göttlich.... leeeeccckkker.... eigentlich darf ich ja nicht, aber.... hast Du noch ein Stück?.... welche Sorte ist das eigentlich?.....Einfach köstlich...Hmmmmmmmm......

Eigentlich wollte ich ja nichts Süßes essen, Du weißt ja, die Kalorien, aber wenn ich heute Abend etwas länger jogge und nichts zu Mittag esse, kann ich das ja wieder ausbügeln.."

Das Selbstbewußtsein einer solchen Frau scheint wirklich extrem niedrig zu liegen, was mit möglichst teuren Klamotten und Marken-MakeUp kompensiert wird. So hüllt sie ihren ganzen Körper in Esprit, besorgt sich ein Dolce&Gabbana Shirt und schildert ständig, daß es ja kein Problem sei, diese Sachen zu kaufen, was einige Lästereien hervorruft, denn es ist allgemein bekannt, daß sie solche Sachen nur kaufen kann, weil ihr Ehemann arbeitet wie ein Tier.

Noch ein Punkt: Das Familienleben. An diesem läßt die perfekte Mama alle ihre Zeitgenossen teilhaben. Wenn der Marc-Kevin eine Theateraufführung hat, wird das ganze Büro zur Schulaula, da werden Kostüme zusammengeschnorrt, Ideen gesammelt und per Telefon bekommt jeder eine Demonstration, wie gut der Marc-Kevin seinen Text schon kann.

Wenn die jüngste krank ist, verwandelt sie sich urplötzlich in eine Krankenschwester und das Büro in eine Kinderklinik. Auf die Frage, warum sie nicht zuhause bei ihrer Tochter geblieben ist, hebt sie ergeben die Schultern und verkündet: Hier ist doch soooo viel zu tun! Das kann ich doch nicht machen!!!!

Natürlich ist eine Super-Mami, die was auf sich hält, auch sozial engagiert: Sie ist Mitglied eines Vereins und sammelt - telefonisch vom Büro aus - Spenden für ihren Verein. Sie schreibt während der Arbeitszeit Einladungen für interne Veranstaltungen und sorgt dafür, daß auch jeder den Weg findet.

Marc-Kevin und die Jüngste werden dann natürlich bei ihrer Mami abgegeben, die übrigens auch kocht, bei der Wäsche hilft und einkaufen geht.

Darauf angesprochen hört man von einer Supermami ein geseufztes - wie könnte es auch anders sein - "Allein kann man das alles unmöglich schaffen".

Davon ist denn auch der Chef überzeugt, dem sie immer wieder eindrucksvoll beweist, WIE super sie doch ist. Er, über dessen Witze sie viel zu lange und zu laut lacht, er, den sie auf jeder Betriebsveranstaltung umschleicht wie eine hungrige Katze den Goldfisch, genießt diese Zuwendung sichtlich und wirf ihr hin und wieder ein paar Bröckchen hin...

So lebt sie also in einer einzigen Illusion: Sie glaubt, sie hätte Chancen beim Chef, sie glaubt, sie erziehe ihre Kinder meisterlich; übersieht dabei aber, daß diese eher von den Großeltern erzogen werden und das Lächeln des Chefs angesichts ihrer Penetranz immer gequälter wird.

Mamma Perfectia wiegt sich in der Illusion, eine unersetzbare Arbeitskraft, eine beliebte Kollegin und wunderbare Ehefrau zu sein, doch, wenn man der Sache auf den Grund geht, sieht man, daß sie total überfordert ist; daß sie, um sich zu beweisen, sich soviel aufgehalst hat, daß sie viele Dinge meistert, aber keines richtig.

Daher habe ich trotz aller Ironie und trotz allen Spotts Mitleid mit solchen Frauen und möchte jeder Frau sagen: Tut wenig, aber macht es richtig! Erzieht eure Kinder mit aller Liebe, deren ihr fähig seid, seid liebevolle Ehefrauen und verlässliche Freundinnen, aber verwandelt euch unter dieser Belastung nicht in seelenlose, funktionierende Hüllen......

Eure,

von der Ironie nun nachdenklich gewordenene,

Calistra

14 Bewertungen, 1 Kommentar

  • LoMei

    04.04.2002, 19:29 Uhr von LoMei
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine meisterhafte Beschreibung von Personen, wie ich sie auch kenne. Gruß, LoMei.