Erfahrungsbericht von mg1970
Meine früheren Tagesausflüge in die Therme (Münster)
Pro:
willkommener Ausgleich zum Arbeitsalltag, Erinnerungen an die 90er
Kontra:
die Therme gibt es heute nicht mehr, damalige Eintrittspreise, zum Schluss sinkende Hygiene und Temperaturen
Empfehlung:
Nein
Dieser Bericht soll KEIN Produktbericht sein, obwohl es immer noch eine bezahlte Kategorie für die Therme in Münster gibt. Aber ich verzichte freiwillig auf die Vergütung, denn wenn ich dort heute noch einen neuen Bericht posten würde, bekäme ich viele „nicht hilfreich“ (und wahrscheinlich auch keine Vergütung). Grund: die Therme gibt es schon lange nicht mehr!
Deshalb verfasste ich nun eine Art „Reisebericht“ in der offenen Kategorie über die Zeit damals in der Therme. Schließlich waren es Kurzausflüge, die ich regelmäßig wiederholte.
Und da ich sehr gern an die Ausflüge von damals zurückdenke, ist dieses Ausflugsziel dennoch einen (unvergüteten) Bericht wert!
Viele junge Leute, die in Münster wohnen und/oder studieren, kennen heute die Diskothek „EXBAD“ an der Grevener Straße. Dort werde ich wohl nie hinkommen, weil ich a) weder in Münster wohne noch dort studiere, und b) weil ich wahrscheinlich wesentlich älter als das Durchschnittspublikum bin.
Aber das Gebäude ist mir alles andere als unbekannt. Wie der Name „EXBAD“ schon sagt, war vorher in diesem Gebäude ein Schwimmbad. Und zwar ein ganz besonderes: das Erlebnis- und Thermalbad „Germania-Therme“, später in „Die Therme“ umbenannt. Es war mal eins der beliebtesten Freizeitbäder in NRW, aber trotzdem existiert es heute nicht mehr. Der eigentliche Grund ist nicht bekannt.
Ich mache heute noch gern Kurz- bzw. Tagesausflüge nach Münster, konzentriere mich aber heute auf die Innenstadt. In früheren Jahren fuhr ich häufig nur wegen eines Badbesuchs nach Münster.
Aufmerksam auf die Therme wurde ich in den 90er Jahren. Ein großer Schwimmbad-Fan war ich zu der Zeit schon, und außerdem war ich beruflich öfter in Münster zu der Zeit.
Der Zeitraum, in dem meine Thermen-Besuche stattfanden, bezieht sich auf 1995 bis 1997. Zwei Jahre später war ich noch ein einziges Mal dort.
Generell fuhr ich nur samstags oder sonntags zur Therme. Schließlich war ich ja auch die meiste Zeit berufstätig.
Ich wohne etwa 90 km von Münster entfernt, so dass eine längere Fahrt erforderlich ist (2 x 90 Minuten). Diese Fahrt, damals noch mit dem eigenen PKW (wenn ich heute Münster City besuche, ziehe ich wegen der begrenzten Parkplätze die öffentlichen Verkehrsmittel vor), gehörte für mich schon zum Tagesausflug dazu. Schließlich wählte ich auch nicht die Autobahn, sondern fuhr Landstraße, teils durch schöne Gegenden. Am besten war’s natürlich bei schönem Wetter und „Gute-Laune-Musik“, damals noch von zwei für die Fahrt mitgenommenen 90er-Kassetten (CD-Autoradios und Brenner waren noch nicht verbreitet, ist halt schon ein paar Jährchen her) mit gemischten Interpreten.
Parken konnte man direkt vor dem Schwimmbad, es waren meistens ausreichend Parkplätze vorhanden. Lediglich wenn das Bad mal überfüllt war, konnte es mal knapp werden. Außerdem war der Parkplatz, vor allem der hintere Teil, bei Dunkelheit nur sehr mangelhaft beleuchtet (ich fuhr auch im Winter schon mal hin).
Das Gebäude der Therme bzw. des heutigen „EXBAD“ ist die ehemalige Germania-Brauerei. Dementsprechend alt ist das Gebäude auch. Es handelte sich um ein mehrstöckiges Brauereigebäude, und diese Stockwerke wurden damals sehr originell zum Erlebnisbad-Bereich umgebaut. Ich schätze, das Bad stammte aus den frühen 90ern und war ca. 10 Jahre lang in Betrieb.
Vorne war – wie wohl in jedem Bad – der Eingangsbereich. Man bekam einen Chip, den man am Armband trug. Bezahlen brauchte man noch nicht, denn abgerechnet wurde erst beim Verlassen des Bades, was ich sehr gut fand. So brauchte man bei etwas früherem Verlassen des Bades nicht den nächsthöheren Tarif zu bezahlen (z.B. wenn man 4 Stunden bucht, aber nur 2 Stunden bleibt). Außerdem wurde eventueller Verzehr im Restaurant auch über den Chip abgerechnet.
Dann ging man durch einen Flur und kam zu den Umkleidekabinen. Dieser Bereich war ziemlich eng und nicht sehr hell, aber einen sauberen Eindruck machten die Kabinen schon. Auffallend war allerdings, dass viele der Kabinenwände schon mal geflickt wurden. Da gab es wohl immer wieder irgendwelche Typen, die Löcher in die Wände bohrten, um heimlich die Leute in der Nachbarkabine beim Umkleiden zu beobachten. Auch wenn man danach zu den Spinden gelangte, war es recht eng. Leere Spinde waren meistens in ausreichender Zahl vorhanden. Auch die daneben liegenden Duschen und Toiletten machten einen modernen und gepflegten Eindruck. Die alte Bausubstanz des Gebäudes ließ sich aber schon ab hier erkennen.
Nach dem Duschen gelangte man ins Erdgeschoss, in dem sich das Hauptschwimmbecken befand. Wobei „Schwimmbecken“ eher der falsche Begriff ist. Denn das Becken war nicht tief, man konnte darin stehen. Überhaupt gab es kein einziges tiefes Becken in der Therme, so dass die Möglichkeiten des aktiven Schwimmens sehr eingeschränkt waren. Dieses Hauptbecken umfasste einen (relativ kleinen) Wildwasserkanal (aber wenn eingeschaltet, ging es dort ab wie ein Zäpfchen), Unterwasserliegen und diverse Massagesprudler. Dieses Hauptbecken mündete in ein kleineres Außenschwimmbecken.
Besonders auffallend war, dass sowohl drinnen als draußen das Wasser relativ kalt war. Und je später ich in dieses Bad kam (jetzt auf den Zeitraum meiner Besuche von 1995-99 bezogen), desto kälter wurde nicht nur das Wasser, sondern auch die Raumtemperatur. Man hat durchaus frieren können nach längerem Aufenthalt.
Aber man konnte ja in einen „Nebenraum“ gehen, da befand sich ein Warmwasserbecken mit Solewasser. Dieses war von mittlerer Größe und mit niedriger Raumhöhe.
Außerdem gab es im unteren Stockwerk noch ein Restaurant, welches ich allerdings nicht besucht habe.
Zwischen den beiden Bereichen (Hauptbecken, Warmwasserbecken) befand sich ein durchsichtiger Aufzug. In diesem hatten etwa 5 bis 8 Personen Platz (manchmal war man auch mit mehreren dicht aneinander gedrängt), und man konnte sich das Bad aus verschiedenen Perspektiven ansehen. Außerdem gelangte man in die verschiedenen ebenfalls fürs Bad genutzten Stockwerke. Parallel dazu konnte man diese auch über das Treppenhaus zu Fuß erreichen (ging manchmal sogar schneller). Vor allem bei Kindern und Jugendlichen (aber nicht nur) war der Aufzug sehr beliebt.
Auf der zweiten bzw. dritten Ebene (diese gingen mehr oder weniger ineinander über) befanden sich zahlreiche Whirlpools. Drei davon waren benachbart. Das fing an mit einem ganz kleinen Whirlpool (Platz für ca. 3-4 Personen), der mittlere fasste vielleicht ca. 8-10 Personen (und war auch wohl der wärmste), und der dritte Pool war riesig im Vergleich zu den anderen beiden (ca. 15-20 Personen). Zu meinen Anfangszeiten konnte es schon mal eng werden in den Whirlpools, aber ich war nachher auch schon mal einziger Benutzer (die Besucherzahlen der Therme nahmen immer mehr ab). Das Wasser in den Whirlpools war übrigens generell warm (im Vergleich zu einigen anderen Becken).
Wenn man ein paar Stufen nach oben ging, kam man zu einem etwas abseits liegenden Whirlpool, welcher auch ziemlich warm war. Direkt daneben befand sich ein Kneipp-Becken.
Verließ man diesen Bereich, so kam man zur Ruhezone, in der sich viele Liegen befanden. Einige Ruheplätze waren mit Kopfhörern ausgestattet, über die man Musik hören konnte (es standen oft mehrere Musikprogramme zur Verfügung). Außerdem gab es irgendwo einen Fernseher, der meistens VIVA-Programm zeigte.
In unmittelbarer Nähe befand sich ein kleines Bistro. Ich habe es immer nur schwach besucht in Erinnerung.
Die beiden oberen Ebenen möchte ich nur kurz ansprechen, da ich mich dort nicht so oft aufhielt. Unter anderem gab es dort eine große Wasserrutsche und eine kleinere. Hier befand sich auch der Kinderbereich, den ich natürlich aufgrund meines Alters (und selbst habe ich keine Kinder) mir nur mal ganz kurz angesehen habe. Aber gut besucht (von Kindern) war er auf jeden Fall!
Dort gab es auch ein kleines Kino, in dem ab und an (nicht ständig) Kinderfilme gezeigt wurden.
Noch weiter oben befanden sich der Saunabereich sowie noch weitere Gastronomie. Da ich kein Sauna-Fan bin, bin ich dort nicht gewesen. Ich kann deswegen auch nicht sagen, ob die Sauna extra kostete, aber das ist jetzt auch egal, da die Therme ja nicht mehr existiert und es sich hier um „Reiseerzählungen aus der Vergangenheit“ handelt.
So viel zur Beschreibung der Therme. Nun noch einiges zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Im ersten Jahr (1995/96) war die Therme an den Wochenenden ziemlich gut besucht, und zwar von verschiedensten Altersgruppen. Der Hauptanteil lag sicherlich bei den Familien mit Kindern. Badenixen im Bikini gab es aber auch zur genüge (man bedenke, es ist eine Studentenstadt), und auch Senioren besuchten dieses Bad.
Allerdings nahmen die Besucherzahlen immer mehr ab. Schon 1997 hatte ich oft mehr als genügend Platz in allen Becken (und das Wasser im Hauptbecken wurde immer kälter, die Raumtemperatur auch), und als ich im Sommer 1999 das letzte Mal in der Therme war, war ich in den meisten Becken ganz allein. Das kam mir auch sehr merkwürdig vor, fast ganz allein in so einem großen Freizeitbad zu sein.
Es mag daran liegen, dass die Eintrittspreise sehr hoch waren. Zuletzt zahlte ich als Einzelperson für zwei Stunden um die 18 DM (9 Euro umgerechnet), was für die damalige Zeit (noch vor Euro-Umstellung) im oberen Bereich lag.
Außerdem fiel mir auf, dass in der späteren Zeit die Bausubstanz auch nicht mehr so einladend war. Gerade im Whirlpool-Bereich entdeckte ich nachher schon mal Schimmelpilze an Decken und Wänden. Irgendwann habe ich mal gehört, dass die Reparaturkosten nicht mehr rentabel gewesen wären. So kam sicher eins zum anderen, was die Schließung verursachte.
Ich habe auch mal gelesen, dass dort früher schon mal Studentenpartys stattgefunden haben sollen, besonders für Erstsemester. Dort bin ich nie gewesen, aber ich stelle es mir durchaus „interessant“ vor, so mit sehr vielen Bikini-Badenixen auf einmal (ich bin männlich), und kann mir somit vorstellen, dass solche Partys sehr beliebt gewesen sein könnten. Meines Wissens kamen auch nur Studenten rein, mit Kartenvorverkauf. Selbst mitbekommen habe ich zu meiner „aktiven“ Zeit nichts von diesen Studentenpartys, ich habe lediglich mal im Internet darüber gelesen, das war schon nach der Schließung.
Wie ich schon schrieb, war ich im Sommer 1999 das letzte Mal in der Therme. Kurz darauf wurde sie auch geschlossen, ich schätze das war vor drei bis vier Jahren.
Anfangs war ich sehr gerne in der Therme. Um 1995/96 machte sie noch einen lebhaften und gut besuchten Eindruck, und die Wasser- und Raumtemperaturen waren auch noch im grünen Bereich. So einen Ausflug (inkl. Fahrt) machte ich damals immer wieder sehr gern, später nutzte ich diese Gelegenheit dann auch, um von meinem Beruf abzuschalten. Wie einige es vielleicht durch ältere Café-Berichte wissen, trat ich zu der Zeit eine Arbeitsstelle an, auf der ich mich nicht wohl fühlte – und so arbeitete ich mich von Wochenende zu Wochenende. So war der Thermenbesuch ein willkommener Ausgleich zu meinem beruflichen Stress.
Später dann, so ab 1997, ließ mein Interesse am Besuch dieser Therme nach, aufgrund der zunehmenden Verschlechterungen (Temperatur, Zustand der Räumlichkeiten, allein im großen Bad kommt man sich auch etwas „verloren“ vor). Deshalb fuhr ich nicht mehr so oft hin, zumal es auch noch einige alternative Freizeitbäder in meiner Gegend gibt, die preiswerter und/oder schneller zu erreichen sind. Und wegen meiner beruflichen Einspannung besuchte ich um 1998 auch allgemein seltener solche Schwimmbäder.
1999 endete dieses Arbeitsverhältnis, und da ich somit wieder Zeit hatte, gab ich der Therme noch mal eine Chance – und wie ich schon schrieb, war ich nur noch enttäuscht. Und absehbare Zeit später war’s sowieso endgültig vorbei…
Vor allem auf die ersten Monate bezogen war es ein sehr schönes Ausflugsziel, an das ich mich gerne erinnere. Da die „Qualität“ nachließ und es auch heute die Therme nicht mehr gibt, vergebe ich eine mittlere Bewertung als Durchschnitt. Und natürlich kann ich heute auch keine Empfehlung mehr aussprechen, da es die Therme nicht mehr gibt.
Erstveröffentlichung von mir unter gleichem Benutzernamen auch bei ciao.de in 09/2004
Deshalb verfasste ich nun eine Art „Reisebericht“ in der offenen Kategorie über die Zeit damals in der Therme. Schließlich waren es Kurzausflüge, die ich regelmäßig wiederholte.
Und da ich sehr gern an die Ausflüge von damals zurückdenke, ist dieses Ausflugsziel dennoch einen (unvergüteten) Bericht wert!
Viele junge Leute, die in Münster wohnen und/oder studieren, kennen heute die Diskothek „EXBAD“ an der Grevener Straße. Dort werde ich wohl nie hinkommen, weil ich a) weder in Münster wohne noch dort studiere, und b) weil ich wahrscheinlich wesentlich älter als das Durchschnittspublikum bin.
Aber das Gebäude ist mir alles andere als unbekannt. Wie der Name „EXBAD“ schon sagt, war vorher in diesem Gebäude ein Schwimmbad. Und zwar ein ganz besonderes: das Erlebnis- und Thermalbad „Germania-Therme“, später in „Die Therme“ umbenannt. Es war mal eins der beliebtesten Freizeitbäder in NRW, aber trotzdem existiert es heute nicht mehr. Der eigentliche Grund ist nicht bekannt.
Ich mache heute noch gern Kurz- bzw. Tagesausflüge nach Münster, konzentriere mich aber heute auf die Innenstadt. In früheren Jahren fuhr ich häufig nur wegen eines Badbesuchs nach Münster.
Aufmerksam auf die Therme wurde ich in den 90er Jahren. Ein großer Schwimmbad-Fan war ich zu der Zeit schon, und außerdem war ich beruflich öfter in Münster zu der Zeit.
Der Zeitraum, in dem meine Thermen-Besuche stattfanden, bezieht sich auf 1995 bis 1997. Zwei Jahre später war ich noch ein einziges Mal dort.
Generell fuhr ich nur samstags oder sonntags zur Therme. Schließlich war ich ja auch die meiste Zeit berufstätig.
Ich wohne etwa 90 km von Münster entfernt, so dass eine längere Fahrt erforderlich ist (2 x 90 Minuten). Diese Fahrt, damals noch mit dem eigenen PKW (wenn ich heute Münster City besuche, ziehe ich wegen der begrenzten Parkplätze die öffentlichen Verkehrsmittel vor), gehörte für mich schon zum Tagesausflug dazu. Schließlich wählte ich auch nicht die Autobahn, sondern fuhr Landstraße, teils durch schöne Gegenden. Am besten war’s natürlich bei schönem Wetter und „Gute-Laune-Musik“, damals noch von zwei für die Fahrt mitgenommenen 90er-Kassetten (CD-Autoradios und Brenner waren noch nicht verbreitet, ist halt schon ein paar Jährchen her) mit gemischten Interpreten.
Parken konnte man direkt vor dem Schwimmbad, es waren meistens ausreichend Parkplätze vorhanden. Lediglich wenn das Bad mal überfüllt war, konnte es mal knapp werden. Außerdem war der Parkplatz, vor allem der hintere Teil, bei Dunkelheit nur sehr mangelhaft beleuchtet (ich fuhr auch im Winter schon mal hin).
Das Gebäude der Therme bzw. des heutigen „EXBAD“ ist die ehemalige Germania-Brauerei. Dementsprechend alt ist das Gebäude auch. Es handelte sich um ein mehrstöckiges Brauereigebäude, und diese Stockwerke wurden damals sehr originell zum Erlebnisbad-Bereich umgebaut. Ich schätze, das Bad stammte aus den frühen 90ern und war ca. 10 Jahre lang in Betrieb.
Vorne war – wie wohl in jedem Bad – der Eingangsbereich. Man bekam einen Chip, den man am Armband trug. Bezahlen brauchte man noch nicht, denn abgerechnet wurde erst beim Verlassen des Bades, was ich sehr gut fand. So brauchte man bei etwas früherem Verlassen des Bades nicht den nächsthöheren Tarif zu bezahlen (z.B. wenn man 4 Stunden bucht, aber nur 2 Stunden bleibt). Außerdem wurde eventueller Verzehr im Restaurant auch über den Chip abgerechnet.
Dann ging man durch einen Flur und kam zu den Umkleidekabinen. Dieser Bereich war ziemlich eng und nicht sehr hell, aber einen sauberen Eindruck machten die Kabinen schon. Auffallend war allerdings, dass viele der Kabinenwände schon mal geflickt wurden. Da gab es wohl immer wieder irgendwelche Typen, die Löcher in die Wände bohrten, um heimlich die Leute in der Nachbarkabine beim Umkleiden zu beobachten. Auch wenn man danach zu den Spinden gelangte, war es recht eng. Leere Spinde waren meistens in ausreichender Zahl vorhanden. Auch die daneben liegenden Duschen und Toiletten machten einen modernen und gepflegten Eindruck. Die alte Bausubstanz des Gebäudes ließ sich aber schon ab hier erkennen.
Nach dem Duschen gelangte man ins Erdgeschoss, in dem sich das Hauptschwimmbecken befand. Wobei „Schwimmbecken“ eher der falsche Begriff ist. Denn das Becken war nicht tief, man konnte darin stehen. Überhaupt gab es kein einziges tiefes Becken in der Therme, so dass die Möglichkeiten des aktiven Schwimmens sehr eingeschränkt waren. Dieses Hauptbecken umfasste einen (relativ kleinen) Wildwasserkanal (aber wenn eingeschaltet, ging es dort ab wie ein Zäpfchen), Unterwasserliegen und diverse Massagesprudler. Dieses Hauptbecken mündete in ein kleineres Außenschwimmbecken.
Besonders auffallend war, dass sowohl drinnen als draußen das Wasser relativ kalt war. Und je später ich in dieses Bad kam (jetzt auf den Zeitraum meiner Besuche von 1995-99 bezogen), desto kälter wurde nicht nur das Wasser, sondern auch die Raumtemperatur. Man hat durchaus frieren können nach längerem Aufenthalt.
Aber man konnte ja in einen „Nebenraum“ gehen, da befand sich ein Warmwasserbecken mit Solewasser. Dieses war von mittlerer Größe und mit niedriger Raumhöhe.
Außerdem gab es im unteren Stockwerk noch ein Restaurant, welches ich allerdings nicht besucht habe.
Zwischen den beiden Bereichen (Hauptbecken, Warmwasserbecken) befand sich ein durchsichtiger Aufzug. In diesem hatten etwa 5 bis 8 Personen Platz (manchmal war man auch mit mehreren dicht aneinander gedrängt), und man konnte sich das Bad aus verschiedenen Perspektiven ansehen. Außerdem gelangte man in die verschiedenen ebenfalls fürs Bad genutzten Stockwerke. Parallel dazu konnte man diese auch über das Treppenhaus zu Fuß erreichen (ging manchmal sogar schneller). Vor allem bei Kindern und Jugendlichen (aber nicht nur) war der Aufzug sehr beliebt.
Auf der zweiten bzw. dritten Ebene (diese gingen mehr oder weniger ineinander über) befanden sich zahlreiche Whirlpools. Drei davon waren benachbart. Das fing an mit einem ganz kleinen Whirlpool (Platz für ca. 3-4 Personen), der mittlere fasste vielleicht ca. 8-10 Personen (und war auch wohl der wärmste), und der dritte Pool war riesig im Vergleich zu den anderen beiden (ca. 15-20 Personen). Zu meinen Anfangszeiten konnte es schon mal eng werden in den Whirlpools, aber ich war nachher auch schon mal einziger Benutzer (die Besucherzahlen der Therme nahmen immer mehr ab). Das Wasser in den Whirlpools war übrigens generell warm (im Vergleich zu einigen anderen Becken).
Wenn man ein paar Stufen nach oben ging, kam man zu einem etwas abseits liegenden Whirlpool, welcher auch ziemlich warm war. Direkt daneben befand sich ein Kneipp-Becken.
Verließ man diesen Bereich, so kam man zur Ruhezone, in der sich viele Liegen befanden. Einige Ruheplätze waren mit Kopfhörern ausgestattet, über die man Musik hören konnte (es standen oft mehrere Musikprogramme zur Verfügung). Außerdem gab es irgendwo einen Fernseher, der meistens VIVA-Programm zeigte.
In unmittelbarer Nähe befand sich ein kleines Bistro. Ich habe es immer nur schwach besucht in Erinnerung.
Die beiden oberen Ebenen möchte ich nur kurz ansprechen, da ich mich dort nicht so oft aufhielt. Unter anderem gab es dort eine große Wasserrutsche und eine kleinere. Hier befand sich auch der Kinderbereich, den ich natürlich aufgrund meines Alters (und selbst habe ich keine Kinder) mir nur mal ganz kurz angesehen habe. Aber gut besucht (von Kindern) war er auf jeden Fall!
Dort gab es auch ein kleines Kino, in dem ab und an (nicht ständig) Kinderfilme gezeigt wurden.
Noch weiter oben befanden sich der Saunabereich sowie noch weitere Gastronomie. Da ich kein Sauna-Fan bin, bin ich dort nicht gewesen. Ich kann deswegen auch nicht sagen, ob die Sauna extra kostete, aber das ist jetzt auch egal, da die Therme ja nicht mehr existiert und es sich hier um „Reiseerzählungen aus der Vergangenheit“ handelt.
So viel zur Beschreibung der Therme. Nun noch einiges zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Im ersten Jahr (1995/96) war die Therme an den Wochenenden ziemlich gut besucht, und zwar von verschiedensten Altersgruppen. Der Hauptanteil lag sicherlich bei den Familien mit Kindern. Badenixen im Bikini gab es aber auch zur genüge (man bedenke, es ist eine Studentenstadt), und auch Senioren besuchten dieses Bad.
Allerdings nahmen die Besucherzahlen immer mehr ab. Schon 1997 hatte ich oft mehr als genügend Platz in allen Becken (und das Wasser im Hauptbecken wurde immer kälter, die Raumtemperatur auch), und als ich im Sommer 1999 das letzte Mal in der Therme war, war ich in den meisten Becken ganz allein. Das kam mir auch sehr merkwürdig vor, fast ganz allein in so einem großen Freizeitbad zu sein.
Es mag daran liegen, dass die Eintrittspreise sehr hoch waren. Zuletzt zahlte ich als Einzelperson für zwei Stunden um die 18 DM (9 Euro umgerechnet), was für die damalige Zeit (noch vor Euro-Umstellung) im oberen Bereich lag.
Außerdem fiel mir auf, dass in der späteren Zeit die Bausubstanz auch nicht mehr so einladend war. Gerade im Whirlpool-Bereich entdeckte ich nachher schon mal Schimmelpilze an Decken und Wänden. Irgendwann habe ich mal gehört, dass die Reparaturkosten nicht mehr rentabel gewesen wären. So kam sicher eins zum anderen, was die Schließung verursachte.
Ich habe auch mal gelesen, dass dort früher schon mal Studentenpartys stattgefunden haben sollen, besonders für Erstsemester. Dort bin ich nie gewesen, aber ich stelle es mir durchaus „interessant“ vor, so mit sehr vielen Bikini-Badenixen auf einmal (ich bin männlich), und kann mir somit vorstellen, dass solche Partys sehr beliebt gewesen sein könnten. Meines Wissens kamen auch nur Studenten rein, mit Kartenvorverkauf. Selbst mitbekommen habe ich zu meiner „aktiven“ Zeit nichts von diesen Studentenpartys, ich habe lediglich mal im Internet darüber gelesen, das war schon nach der Schließung.
Wie ich schon schrieb, war ich im Sommer 1999 das letzte Mal in der Therme. Kurz darauf wurde sie auch geschlossen, ich schätze das war vor drei bis vier Jahren.
Anfangs war ich sehr gerne in der Therme. Um 1995/96 machte sie noch einen lebhaften und gut besuchten Eindruck, und die Wasser- und Raumtemperaturen waren auch noch im grünen Bereich. So einen Ausflug (inkl. Fahrt) machte ich damals immer wieder sehr gern, später nutzte ich diese Gelegenheit dann auch, um von meinem Beruf abzuschalten. Wie einige es vielleicht durch ältere Café-Berichte wissen, trat ich zu der Zeit eine Arbeitsstelle an, auf der ich mich nicht wohl fühlte – und so arbeitete ich mich von Wochenende zu Wochenende. So war der Thermenbesuch ein willkommener Ausgleich zu meinem beruflichen Stress.
Später dann, so ab 1997, ließ mein Interesse am Besuch dieser Therme nach, aufgrund der zunehmenden Verschlechterungen (Temperatur, Zustand der Räumlichkeiten, allein im großen Bad kommt man sich auch etwas „verloren“ vor). Deshalb fuhr ich nicht mehr so oft hin, zumal es auch noch einige alternative Freizeitbäder in meiner Gegend gibt, die preiswerter und/oder schneller zu erreichen sind. Und wegen meiner beruflichen Einspannung besuchte ich um 1998 auch allgemein seltener solche Schwimmbäder.
1999 endete dieses Arbeitsverhältnis, und da ich somit wieder Zeit hatte, gab ich der Therme noch mal eine Chance – und wie ich schon schrieb, war ich nur noch enttäuscht. Und absehbare Zeit später war’s sowieso endgültig vorbei…
Vor allem auf die ersten Monate bezogen war es ein sehr schönes Ausflugsziel, an das ich mich gerne erinnere. Da die „Qualität“ nachließ und es auch heute die Therme nicht mehr gibt, vergebe ich eine mittlere Bewertung als Durchschnitt. Und natürlich kann ich heute auch keine Empfehlung mehr aussprechen, da es die Therme nicht mehr gibt.
Erstveröffentlichung von mir unter gleichem Benutzernamen auch bei ciao.de in 09/2004



Bewerten / Kommentar schreiben