Über Themen mit T Testbericht

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Erfahrungsbericht von heartshh

Ich bin doch nicht verrückt! - Telefonseelsorge

Pro:

anonyme Beratung, kompetente Gesprächspartner

Kontra:

man muss sich überwinden

Empfehlung:

Nein

Der folgende Bericht ist in zwei Abschnitte gegliedert:
Im ersten Teil werde ich die Seite www. telefonseelsorge.de kurz vorstellen, wobei ich der Meinung bin, dass es in diesem Bericht auch um eine Darstellung des Angebots der Telefonseelsorge gehen soll, da es hier nach meiner Erfahrung viele Mißverständnisse, bzw. Fehl-Informationen vorliegen.

PART I

Als ich diese Seite im Internet entdeckt habe, war ich von der Idee der Vermittlung und des Angebots des E-Mail – Kontakts begeistert.
Schließlich ist es ein großes Problem, die Dienste dieser seelsorgerlichen Angebote den Menschen schmackhaft zu machen. Leider ist ein Anruf bei einer Seelsorge mit vielen negativen Gedanken behaftet, da es viele Leute in eine Schubladen mit einem Besuch beim Psychiater stecken.

Der Aufbau der Seite ist recht einfach strukturiert.
Allgemein findet man nur sehr wenige und zum Teil unvollständliche und oberflächliche Informationen.
Auf der Startseite befinden sich zwei Kategorien: Telefonseelsorge und Seelsorge im Netz.
Bei ersterem kann man zahlreiche Kontaktadressen erfahren.
Weiterhin gibt es einen Teil mit Daten und Fakten. Hier erfährt man etwas über Statistiken, die Strukturen der Anrufer, der Mitarbeiter, sowie einer Rubrik mit häufig gestellten Fragen und Literaturhinweisen. Gerade bei dieser Kategorie ist mir aufgefallen, dass man mit diesen Daten und Statistiken nur sehr an der Oberfläche kratzen kann. Und ich kenne Statistiken, die wesentlich umfangreicher und aufschlußreicher sind und trotzdem nicht die Anonymität und Schweigepflicht verletzen.
Der nächste Unterpunkt ist mit \"Wir über uns\" überschrieben, gefüllt mit wenigen Informationen zur Selbstdefinition, zu Grundsätzen und der Geschichte.
Auch die Zusammenarbeit mit der Telekom und dem Internationalen Verband IFOTES finden Erwähnung.
Doch auch die Selbstbeweihräucherung kommt in Form von Pressemeldungen nicht zu kurz.
Abschließend kann man sagen, dass es sich hier um den Versuch handelt, ein zentrales Forum aller TS-Stellen zu schaffen, was allerdings an der auffälligen Oberflächlichkeit scheitert.
Dennoch ist es eine der wenigen Anlaufstellen im Internet für jene, die sich für das Ehrenamt und auch für einen Anruf bei einer TS entscheiden.

Die zweite Kategorie widmet sich der Beratung im Internet. Unter dem Menüpunkt \"E-mail-Beratung\" findet man einen Link zu einer solchen Beratung. Hierbei muss man sich anmelden (soll unkompliziert sein) und bekommt dann innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung. Allerdings fand ich die idee, einen solchen ernsthaften Service für diesen Bericht zu testen nicht sehr toll und habe daher darauf verzichtet, weshalb ich mir kein Urteil über einen E-Mail-Kontakt machen kann.
Dennoch wird hier die Aktualität der Seite am deutlichsten. Das letzte Update stammt aus dem Jahre 2000 und seitdem hat sich die Landschaft der Internet-Beratung enorm verändert. Viele Seelsorgestellen haben ihr Angebot um diese modernere Form erweitert (z.B. [email protected])
Des weiteren kann man sich auch über Datensicherung und Chat-Beratung informieren.

Meine Meinung zu dieser Seite ist sehr gespalten. Zum einen musste man sicher auf eine aufwendige estaltung verzichten, um die Seriösität nicht leiden zu lassen, aber dadurch verliert die Seite an Reiz. Sie ist schlichtweg langweilig und dient nur zu einem Einstieg in die Materie. Viele Fragen bleiben leider unbeantwortet.
Die Idee, ein solches Forum zu schaffen ist allerdings lobenswert, da es wichtig ist, auch im Internet unter dieser aussagekräftigen Adresse präsent zu sein.
Leider scheint die Bemühung im diese Präsenz 2000 auch schon wieder eingeschlafen zu sein, denn es fehlt an aktuellen Informationen.


PART II


Im folgenden soll es nicht mehr um die Seite „Telefonseelsorge.de“ gehen, sondern vielmehr um den Service, der dadurch vermittelt wird.
Als Basis des folgenden dient meine eigene Tätigkeit in diesem Bereich, wobei ich versuchen will, die Fragen und Probleme, die meiner Meinung nach am meisten auftauchen und am meisten für Verunsicherung sorgt.
Der Respekt vor den Themen der Anrufer und deren Wunsch nach einem vertraulichen Gespräch verbietet es mir, näher ins Detail zu gehen.
Ich hoffe, mit diesem Bericht etwas an dem Image der TS als Anlaufstelle für Verrückte ändern zu können, mit einigen Mißverständnissen aufräumen zu können und eventuelle Unsicherheiten zu beruhigen.Ich denke dass dies nötig ist, um die Seite besser zu begreifen und soll vielleicht auch einen Anreiz darstellen, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen.
Obwohl einige Informationen auch auf der Seite zu finden sind, habe ich mich inhaltlich und auch vom Aufbau nicht an die Struktur von \"Telefonseelsorge.de\" gehalten, sondern den Versuch gewagt, mir als relevant erscheinende Fragen aus meiner Sicht und mit Hilfe meiner Erfahrungen zu erläutern:

>>Was ist „Telefonseelsorge“?
Die meisten Stellen sind kirchlich getragen (sowohl evangelisch als auch katholisch), was allerdings nicht bedeuten soll, dass man unbedingt einer dieser Kirchen angehören soll, um anrufen „zu dürfen“. Man muss auch keine Angst haben, dass der Gesprächsinhalt unbedingt aus Bibelzitaten bestehen wird.
Der Begriff der Seelsorge entstammt zwar einem kirchlichen Kontext und die beiden großen deutschen Kirchen beherbergen die Telefonseelsorgen des Landes zu einem hohen Prozentsatz. Die Mitarbeiter sind allerdings fast ausschließlich Ehrenamtliche, aus vielen sozialen Bereichen, die in einer Ausbildung auf den Dienst am Telefon vorbereitet worden sind.
Ziel ist es, ein Gesprächsangebot in einer Krisensituation zu machen, um den Anrufenden etwas seiner emotionalen Last zu nehmen und gemeinsam nachzudenken. Wenn man auf eine Krise fixiert ist, ist oftmals auch der gedankliche Horizont eingeschränkt und ein Gespräch – also das bloße Aussprechen der belastenden Faktoren – kann diese Verengung erweitern. Es steht dem Seelsorger nicht zu, Lösungen zu finden oder gar aufzudrängen. Vielmehr bietet er dem Anrufer seine ungeteilte Aufmerksamkeit und die Möglichkeit der Selbstreflexion.
Wichtig hierbei ist die Anonymität der beiden Gesprächspartner, sowie die stillschweigende Vereinbarung der Wahrung des Gesprächsinhaltes, da dies wichtige Aspekte sind, um sich fallen zu lassen und offen zu reden.

>> Wie entstand die Seelsorge mittels Telefon?
Die Ursprünge gehen auf einen Londoner Bischof zurück, der Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts von den Selbstmorden entsetzt eine Anzeige schaltete: „ Before you commit suicide, please ring me up“ Nach kurzer Zeit konnte der Bischof mit seiner Frau die rasch wachsende Zahl der Anrufer nicht mehr bewältigen und gründete den Bund der „Samariter“, die von da an die erste Telefonseelsorge Europas begründeten.
In Deutschland entstand die Idee 1956 in Berlin, ebenfalls mit dem Ziel der Selbstmord-Verhinderung. Hierbei war die Idee, über den niedrigschwelligen Einstieg mittels Telefon zu einer persönlichen Betreuung zu kommen.
In den nächsten 15 Jahren entwickelte sich in ganz Deutschland sehr schnell ein nahezu flächendeckendes Netz an Seelsorgestellen.
Auch in den neuen Bundesländern wurden seit 1990 in allen ehemaligen DDR-Bezirken Seelsorge-Stellen eingerichtet.

>>Was kostet mich ein Anruf?
Mittlerweile haben die Verbände der kirchlichen Telefonseelsorgen mit der Telekom Vereinbarungen geschlossen, die es erlauben in jedem Ortsnetz Sonderrufnummern zu vergeben, die kostenlos sind: 0800/ 111 0 111 (evang.) und 0800/ 111 0 222 (kath.). Diese Nummern sind an jedem Tag 24 Stunden erreichbar.
Ferner existieren Seelsorgestellen (z.B. Studentische Seelsorge), die nur begrenzte Öffnungszeiten haben und daher zum Ortstarif anzurufen sind.

>>Wer kann anrufen?
Jeder! Es gibt zwar Angebote für spezielle Zielgruppen (für Mütter. Arbeitslose, oder HIV-Positive), aber die Seelsorge stehen jedem zur Verfügung. Man muss nicht katholisch sein, um bei einer Stelle katholischer Trägerschaft anrufen zu können, man muss kein Student sein, um bei einer studentischen TS anzurufen.

>>Mit wem telefoniere ich denn da überhaupt?
Die Mitarbeiter sind fast ausnahmslos ehrenamtlich, d.h. sie ziehen keinen finanziellen Profit aus ihrer Arbeit. Sie machen es tatsächlich aus edlen Motiven.
Das Alter liegt im wesentlichen zwischen 25-60, zu zwei Drittel sitzt eine Frau am Telefon und auch der Hintergrund der einzelnen ist enorm breit gefächert. Daher ist es kaum möglich den exemplarischen Seelsorger zu beschreiben.
Somit ist der soziale Hintergrund genauso groß variiert wie der der Anrufer.

>>Doch was macht diese Mitarbeiter kompetent?
Zum ersten natürlich die Bereitschaft, sich mit den Problemen anderer zu beschäftigen.
Aber natürlich ist eine Ausbildung unumgänglich. Das Minimum liegt bei 90 Zeitstunden (6 Monate bis 2 Jahre). Obwohl die Ausbildung von Stelle zu Stelle konzeptionell unterschiedlich ist, basiert sie auf einigen Grundsäulen:
Selbsterfahrung (schärft Eigen- und Fremdwahrnehmung), Gesprächsübungen und Theorie-Input (psychologische Gesprächstheorien, Wissen über Probleme wie Depressionen oder Suizid-Wünsche).
Diese Ausbildung ist aber nicht nur eine Ausbildung, sondern auch eine Selektion. Damit wird verhindert, dass jemand ans Telefon geht, der einer krisenhaften Situation selbst nicht gewachsen ist.
Man kann sich somit sicher sein, mit jemanden zu reden, der auch wirklich helfen kann.
Des weiteren sind die Mitarbeiter zu regelmäßiger Supervision und Fortbildungen verpflichtet.

>>Da rufen doch nur Verrückte an...
Bei weitem nicht. Das Spektrum der Themen ist enorm groß. Liebeskummer bis Ehekrach, Enttäuschungen im Beruf oder im Freundeskreis, Streit mit der Familie, Einsamkeit, Depressionen, Ängste, Psychosen, Missbrauch oder eben suizidale Problematiken.
Es rufen somit Menschen an, die einfach mal über eine aktuelle Krise reden wollen, aber es gibt auch Daueranrufer, für die die TS den fehlenden Freundeskreis ersetzt.

>>Werde ich da überhaupt ernstgenommen?
In der Ausbildung steht im Mittelpunkt, dass jeder Anrufer in seiner individuellen Problematik zu respektieren ist. Man bekommt den Raum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht nicht um den Seelsorger oder dessen Erfahrungen und Probleme, sondern einzig und allein um den Anrufer. Natürlich gibt es immer wieder Anrufer, die sich einen Spaß aus einem Telefonat machen wollen oder sich bei einem Gespräch mit einer Frau sexuell stimulieren wollen, aber diese sind zum Glück in der Minderzahl und haben offensichtlich ebenfalls ein Problem, wenn sie diese Art der Anrufe brauchen. Allerdings kann diesen Menschen nicht per Telefon geholfen werden.

>>Fazit
Ich glaube, dass die TS ein sehr gutes und vor allem niedrigschwelliges Angebot ist, ein Gespräch zu finden. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache einem Fremden sein Inneres anzuvertrauen, aber bevor man sich in bestimmte Dinge hereinsteigert, sollte man dieses Angebot durchaus annehmen.
Leider ist es für viele Menschen unvorstellbar, bei so einer Institution anzurufen, aber ich kann es nur empfehlen. Erwarten kann man Verständnis und emotionale Unterstützung, nicht aber konkrete Lösungsvorschläge.
Wer sich nicht zutraut, ein Telefonat zu führen, kann sich ja erst mal bei telefonseelsorge.de informieren.

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