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Erfahrungsbericht von melina1

Tod eines Außenspiegels

Pro:

Bühne frei!!!

Kontra:

Stau...Stau....Stau

Empfehlung:

Nein

Manchmal haben Kleinigkeiten schon eine ganz große Wirkung. Ich denke nur an einen Grippevirus oder an ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Ach ja Verkehr, womit ich auch schon beim Thema wäre. Der ungezügelte Verkehr....Hier gibt es eine ganz Nerven aufreibende Spielart: nämlich der leichte Auffahrunfall. Im Lexikon könnte man auch unter dem Stichwort "Bagatelle" nachschlagen, um es als "unbedeutende" Kleinigkeit zu finden. UNBEDEUTEND?

Leider ist eine Bagatelle nicht immer sofort als solche zu erkennen. Im Verkehr versteckt sie sich zunächst hinter einer langen Reihe wartender Autos, entsteht meistens auf dem Weg zur Arbeit und ist für die Wartenden bis zum Eintreffen des Streifenwagens nur eine böse Ahnung.

So ist es neulich auf der Inneren Kanalstraße /Höhe Subbelrather Str. hier in Köln geschehen. Die linke Spur gesperrt, eine halbe Stunde Kupplung treten, kommen lassen und wieder treten, der Kühlung gut zureden und die hektisch blinkende Tankleuchte ignorieren. Und dann endlich, auf der Höhe des Unfallgeschehens, natürlich der Blick zur Seite. Vorne telefoniert einer wild gestikulierend mit seinem Handy, dahinter sitzen zwei auf dem Grünstreifen und rauchen eine Zigarette nach der anderen, ein anderer malt auf einem Kühler schon mal die Unfallskizze, und im Polizeiauto schwatzen gelangweilte Beamte in ein kleines Funkgerät: "Ja, klar, nur eine Bagatelle" Da können wir nix machen, klagen sie wahrscheinlich. Ich schaue mir den "Unfallwagen" an. Es ist tatsächlich nichts passiert. Noch nicht mal eine kleine Beule, vielleicht ein paar Lackkratzer. Die "Unfallopfer" aber gebärden sich, als seien Sie Opfer eines Kapitalverbrechens geworden. Natürlich muß jetzt auch noch der Polizeifotograf auftauchen, dann noch der, der immer mit der Kreide auf der Straße rummalt, Spurensicherung und so weiter, das kennt man doch. Mittlerweile staut sich der Verkehr bis zum Uni-Center, und ich mitten drin mit einer Mordswut.

Am nächsten Tag, an der Haltestelle der Linie 18, Sülzburgstraße. Ein dumpfer Knall auf der Luxemburger Straße. Augenblicke später Warnblinker, Handy raus, erste Skizzen, Polizei, viele Zigaretten. Wahrscheinlich hat es einen Blinker erwischt. Gleich kommt der Fotograf, Kreidezeichnungen, kenne ich schon alles. Der Verkehr staut sich bis zum Militärring.

Zwei Stunden später in einem kleinen Straßencafé am Neumarkt. RUMMS!! Blinker, Handy, Skizzen, Polizei, Nichtraucher. Passanten bestaunen den schrecklichen Tod eines Aussenspiegels. Der Verkehr kommt nun vollends zum Erliegen, vom Fotograf fehlt jede Spur.

Also, solche Bagatellen als UNBEDEUTEND zu benennen, ist wohl ein fataler Irrtum! Der Bagatellismus ist imstande, logisches Denken ausser Kraft zu setzen. Niemals würde solch ein Bagatellant auf die Idee kommen, seine Karre an die Seite zu fahren. Unbedeutende Kleinigkeiten brauchen eben manchmal eine große Bühne.

10 Bewertungen, 2 Kommentare

  • bienchensumm

    24.05.2002, 17:58 Uhr von bienchensumm
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön geschrieben!

  • anonym

    24.05.2002, 12:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das ist Wasser auf meinen Mühlen, genau da stehe ich auch öfter im Stau... Beim nächsten Mal kann ich dann wenigstens an Deinen Bericht denken und lächeln, dann verraucht mein Ärger schneller. Gruß, Angelika