Erfahrungsbericht von *Weserhexe*
Der Kampf um die Therapien für meine Kinder!
Pro:
ich werde versuchen alles zu tun, um meinen Kindern eine gute Kindheit zu ermöglichen
Kontra:
der ewige Behördenkampf
Empfehlung:
Nein
Wieso wird einem kranken Kind eigentlich immer öfter eine Therapiemöglichkeit verwehrt???
Ich bin Mutter von 3 Kindern. Eigentlich könnte ich glücklich sein, denn äußerlich sind meine Kinder gesund. Auch denke ich, das meine Kinder glücklich sind. Doch was sind Äußerlichkeiten, wenn einem Kind eine seelische, bzw. geistige Behinderung droht, weil ihm eine ausführliche Diagnoseuntersuchung verweigert wird, die notwendig ist, für weiterführende Therapien, um dem Kind ein vernünftiges Leben zu ermöglichen? Ich bin sauer, und auch enttäuscht, weil ich mich einem Kampf mit Behörden gegenübersehe, der meine Kräfte eventuell übersteigen könnte.
Mein zweites Kind ist ein Sohn, der eine nachgewiesene ADS Störung hat. Darüber habe ich auch schon mehrere Beiträge verfasst, doch mein jüngster Sohn ist nun auch nicht ganz gesund, und ich bin nervlich ziemlich am Ende. Aber ich versuche es hier mal einigermaßen verständlich rüber zu bringen.
Bisher war ich immer der Meinung, das unser Jüngster so wild und unberechenbar ist, weil er es sich bei seinem größeren Bruder so abgeschaut hat. Immerhin ist es ja so, das kleinere Kinder meistens ältere Geschwister als Vorbilder sehen, und ihnen gerne alles nachmachen wollen. Und weil unser Großer ja oftmals wild und hyperaktiv ist, dachten wir halt, das sich der Kleine das angenommen hat.
Bis zur Kindervorsorgeuntersuchung U7 war immer alles in Ordnung, laut unserem damaligen Kinderarzt. Er hat immer gesagt, unser Jüngster würde sich normal entwickeln, und keinerlei Störungen aufweisen in seiner Entwicklung. Doch bei der U8, die mit 4 Jahren gemacht wird, stellte unser neuer Kinderarzt bei unserem Jüngsten fest, das ein eine graphomotorische Schwäche hat, und auch Konzentrationsmängel aufweist. Ich sprach daraufhin mit der Erzieherin im Kindergarten darüber, und der Kleine wurde mehr graphomotorisch gefördert.
Nun hatten wir vor einigen Monaten mal ein Gespräch, im Kindergarten, weil unser Sohn Verhaltensauffälligkeiten zeigte. Dort wurde mir gesagt, dass der Kleine oft stoisch bockig ist, manchmal nicht zuzuhören scheint, zwischendurch wild durch die Gegend läuft, und sich manchmal wie ein Kleinkind benimmt. Auch konnte er manchmal keine Gefahren erkennen, er kletterte überall hoch, ohne darauf zu hören, das er es nicht solle, weil es gefährlich ist. Er sprang von Gegenständen herunter, und tat sich öfter dabei weh, aber merkte sich dies nicht, und machte es kurz darauf nochmal.
Ich achtete mehr darauf, wie er sich sonst verhält, beobachtete ihn heimlich. Belauschte meine Söhne beim Spielen, wollte einfach mal selber sehen, was die beiden Jungen so im Kinderzimmer für Blödsinn anstellten. Doch mir persönlich fiel kaum etwas schlimmes auf, weil ich einfach schon sehr viel gewöhnt war von dem Großen.
Vor ca. 4 Wochen hatten wir im Kindergarten ein weiteres Gespräch mit den Erzieherinnen. Seine eine Erzieherin empfahl mir, beim Kinderarzt mal nachzufragen, ob er uns ein Patientenbericht schreiben könnte, damit unser Sohn eine heilpädagogische Behandlung bekommt (wenn wir selber damit einverstanden wären). Ich sagte daraufhin, das wir bald die bevorstehende U9 hätten (mit 5 Jahren), und ich den Arzt darauf ansprechen würde.
Ja und letzte Woche war es dann soweit, die U9 stand an. Ich kam gar nicht dazu, den Kinderarzt zu fragen, denn nach der U9 hatten wir ein ausführliches Gespräch, indem mir der Arzt eröffnete, das unser Sohn dringend eine heilpädagogische Behandlung bräuchte. Er erklärte mir die Untersuchungsergebnisse, die recht niederschmetternd waren. Denn unser Sohn hat SI, eine sensomotorische Integrationsschwäche. Er erklärte mir, das unser Sohn aus diesem Grund oftmals solche sogenannten Ausraster hat, weil er etwas machen möchte, es wegen seiner graphomotorischen Schwäche aber nicht so hinbekommt, wie er es sich vorstellt, und dann eben unruhig und wütend wird. Das ist also der Grund, warum er manchmal so wild und unberechenbar ist, und manchmal auch so weinerlich, wenn etwas nicht so klappt, wie er es will, denn er will eigentlich immer alles perfekt machen, und bekommt es nicht hin und rastet aus.
Unser Sohn hat eine Wahrnehmungsintegrationsstörung, eine Entwicklungsstörung mit leitsymptomatischer Störung der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung. Er bekam sofort ein Rezept für die Ergotherapie. Dort soll eine sensomotorisch- perzeptive Behandlung vorgenommen werden.
Eine motorische Unruhe hat der Kleine auch, sowie eine kurze Konzentrationsspanne. Das heißt, er kann sich schlecht konzentrieren. Bei einigen Dingen kann er sich gut konzentrieren, doch meistens lässt seine Konzentration ganz schnell nach.
Auch eine multiple Dyslalie ist festgestellt worden, kurz gesagt, eine Sprachentwicklungsverzögerung. Ob das nun genau damit zusammenhängt, weiß der Arzt noch nicht, dafür haben wir eine Überweisung zum HNO bekommen, denn der Lütte spricht stark durch die Nase, was ein Hinweis darauf sein könnte, das seine Polypen zu groß sind. Auch hatte der Hörtest keine guten Ergebnisse auf der rechten Seite, was den Arzt veranlasst, zu vermuten, es könnte sich Flüssigkeit hinter dem rechten Trommelfell befinden. Gut das kenne ich alles schon vom Großen, das haben wir mit ihm auch durch. Da wurde operiert, und danach war alles in Ordnung. Nun scheint es so, als wenn uns das bei dem Lütten auch vorbesteht. Erst wenn das geklärt ist, kann eine Sprachtherapie beim Kleinen beginnen.
Unser Kinderarzt gab uns dann eine Überweisung zum Früherkennungszentrum Minden mit, mit dem Hinweis, einen schnellen Termin zu bekommen, damit wir weitere Heilbehandlungen für unseren Sohn machen könnten, denn diese Untersuchungen dort brauchen wir um eine heilpädagogische Behandlung zu bekommen. Nun gut, ich rief dann gleich dort an, und nun kommt der Hammer. Eine wirklich unfreundliche Frauenstimme erklärte mir ganz lapidar, das wir für dieses Jahr keinen Termin mehr bekommen könnten, und sie uns nur für nächstes Jahr im Frühjahr/Sommer auf eine Warteliste stellen könnte, denn auch hierfür könnte sie keinen Termin mehr vergeben. Mir standen die Tränen in den Augen, warum muss man solange warten, dann ist es vielleicht schon zu spät. Der Junge braucht doch schnell seine Therapien und Behandlungen, nicht erst irgendwann im nächsten Jahr. Ich legte auf, und heulte nur noch.
Dann rief ich in einer Institutsambulanz für Kinder & Jugendpsychiatrie in Wunstorf an. Dort wurde mir zwar wenige Tage zuvor schon mal gesagt, das wir nicht zum Einzugsgebiet zählten, als ich dort wegen meines älteren Sohnes anrief, doch ich versuchte es nochmal, mit der Diagnose, die ich für den Lütten nun in der Hand hatte. Es war ein kleiner Strohalm, an dem ich mich klammerte in der Hoffnung, vielleicht doch dort einen Behandlungstermin zu bekommen, wenn ich erkläre, wie dringend es ist, und was mir in Minden mitgeteilt wurde. Die Frau dort am Telefon war sehr nett, und bedauerte es sehr, das sie mir keinen Termin geben konnte, weil wir nicht zu deren Einzugsgebiet zählen. Ich verabschiedete mich, und fiel weinend im Schlafzimmer aufs Bett. Irgendwie brach eine Welt in mir zusammen. Ich konnte nicht mehr klar denken, weinte nur noch, weil ich keine Möglichkeit sah, für meinen Sohn einen Behandlungstermin zu bekommen, und ihm somit nicht die Möglichkeit bieten konnte, das er seine Therapien bekam.
Nach 2 Stunden rief ich dann eine sehr gute Bekannte in Dortmund an. Sie hörte mir geduldig zu, als ich ihr heulend berichtete, was los sei. Sie sprach mit ruhiger Stimme beruhigend auf mich ein. Es tat so gut, das ganze raus zu lassen und mit jemandem zu reden, der mich versteht, und einen klaren Kopf hatte. Sie gab mir ein paar Tipps, wie ich eventuell noch einen Behandlungstermin bekommen könnte, und an welche Ärzte ich mich noch wenden könnte, um dieses blöde Früherkennungszentrum zu umgehen. Sie baute mich soweit wieder auf, das ich nach dem Gespräch wenigstens nicht mehr dauernd weinen musste.
Anschließend rief ich noch eine weitere Bekannte an, die ein Kind mit SI hat. Auch sie hatte noch ein paar hilfreiche Tipps für mich und tröstende Worte. So langsam kam ich aus meiner Starre wieder heraus. Doch mir ging es den ganzen Tag noch total schlecht. Die Nacht konnte ich kaum schlafen, weil ich immer wieder an das Ganze denken musste.
Ich telte dann am späten Abend noch mit einer ganz lieben Person über AIM, sie gab mir wirklich sehr hilfreiche und gute Tipps, wie ich weiter verfahren sollte. Zu späterer Stunde gab ich ihr noch meine Telefonnummer und wir sprachen noch am Telefon miteinander. Es tat sehr gut, und hat mir sehr geholfen, weil sie so ein lieber Mensch ist und es auch schaffte, mich einige Male zu Lachen zu bringen.
Nun habe ich einige Adressen von Ärzten und Kliniken aus der Umgebung, die solche spezifischen Untersuchungen noch durchführen und werde zusehen, dass ich schnell einen Termin bekomme.
Mit dem Kindergarten hatte ich am nächsten Nachmittag sofort ein Gespräch. Die Erzieherinnen von Bastian, und auch die Kindergartenleiterin stehen hinter uns, und helfen uns, eine Heilpädagogik für ihn durchzubekommen. Auch empfahlen sie und, einen Antrag für Bastian zu stellen, das er im nächsten Jahr nicht zur Schule muss, sondern noch ein Jahr im Kindergarten verbleiben kann. Die im Kindergarten arbeitende Heilpädagogin hätte dann genügend Zeit, Bastis Defizite abzubauen, und ihm einen guten Schulstart ein Jahr später zu ermöglichen. Es wird zwar nicht leicht werden, das alles ohne Probleme durchzubekommen, doch der Hilfe des Kindergartens kann ich mir Gewiss sein, und sowas tut unendlich gut.
Ich weiß zwar noch nicht genau, was nun noch alles auf uns zukommt, doch ich hoffe, das wir alles schaffen werden, und das vor allem meine Kraft ausreicht, das alles durchzukriegen.
Hier noch ein wichtiger Hinweis an alle Eltern, die das Gefühl haben, das mit ihrem Kind was nicht stimmt. Fragt bei eurem Kinderarzt genau nach, lasst euch Adressen für Früherkennungszentren oder Ärzte geben, und holt euch bald einen Termin, denn es ist schwer kurzfristig einen zu bekommen. Für alle, die einen Termin im Früherkennungszentrum Minden brauchen, ruft sofort dort an, damit euer Kind in 1,5 Jahren vielleicht dort mal gründlich untersucht werden kann. Es ist ein Hohn, in vielen Kliniken wird man abgewiesen (zurecht), weil man nicht zum Einzugsgebiet zählt, doch Minden hat sogar Patienten, die sogar aus Hamburg und weiter weg anreisen, Minden nimmt jeden auf, nur nicht die Kinder aus der eigenen Region. Warum auch, in 1,5 Jahren brauchen sie Kinder, wie meinen Sohn vielleicht nicht mehr behandeln, weil sie dann ohne Frühförderung ja nicht in die normale Regelschule kommen können, und dann wird das ganze gleich auf heilpädagogische Schulen abgeschoben. Das ein Kind aber selten eine Chance hat, eine normale Schule zu besuchen, wenn es so viele Defizite hat, ist ja egal, dafür gibt es ja eben spezielle Schulen, die sich dann drum kümmern. Dankeschön, mein Sohn hat zwar Defizite, doch er ist kein Kind, welches einfach so abgeschoben werden kann aus der feinen Gesellschaft. Ich werde für ihm kämpfen, auch wenn es mich meine letzte Kraft kosten wird. Ich werde nicht zulassen, das mein Kind ohne Behandlung in die seelische und geistige Biéhinderung abrutscht.
Zwar leidet meine persönliche Gesundheit darunter, weil ich meine Untersuchungen wegen meine Unterleibsgeschichte nun erst mal weit wegschieben muss, doch Hauptsache ich erreiche für mein Kind alles nur mögliche, ich stecke eben zurück, bis eine OP nicht mehr abzuwenden ist.
Dieser Bericht ist aus meinen Emotionen heraus entstanden. Ich schleppe es seit einigen Tagen mit mir rum, und es musste raus. Ich bitte um Entschuldigung, wenn er etwas wirr sein sollte, doch zwischenzeitlich haben mich die Tränen immer wieder übermannt.
Ich werde mein Kind nicht einfach aufgeben, ich werde kämpfen. Danke fürs Lesen eure
Weserhexe
Porta Westfalica, den 21.05.2002 08:39 Uhr
25 Bewertungen, 4 Kommentare
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25.06.2002, 16:07 Uhr von Indigo
Bewertung: sehr hilfreichADS ist zu modern, womöglich hat die Pharmaindustrie ADS als marktfähiges Syndrom initiert. Eltern haben natürlich so auch die Gelegenheit, die Erkrankung anzunehmen und nun alle Instanzen in Anspruch zu nehmen, die helfen "können&
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04.06.2002, 23:47 Uhr von Universum
Bewertung: sehr hilfreichGut geschrieben meint Maedbjda, alias Universum
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23.05.2002, 16:38 Uhr von Mesalina
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche dir noch ganz viel Ausdauer im Kampf gegen die Behörden - und dass deinem Kleinen bald geholfen wird!!!
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21.05.2002, 10:50 Uhr von UNGELE
Bewertung: sehr hilfreichIch glaube du braucht auch mal eine Kur .. Du ich fahre schon Jahre als Betreuer in so eine freie Kur für Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren es sind Liebe aber auch sehr böse Kinder dabei aber die bösen Kinder können nichts dazu das li



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