Vergewaltigung Testbericht

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Erfahrungsbericht von wuestenrose

Vergewaltigt - und dann?

Pro:

nichts

Kontra:

Angst, Demütigung, Scham,...

Empfehlung:

Nein

Hallo,
heute möchte ich über ein heikles Thema schreiben, über das ich jahrelang nicht sprechen konnte da ich selbst davon betroffen bin. Vergewaltigung. Ich möchte in diesem Bericht weniger wissenschaftliche Fakten und Adressen aufzählen, als das Erlebte einfach beschreiben. Wie es dazu kam, wie es mir danach ging und wie ich darüber einigermaßen hinweggekommen bin. Vielleicht findet sich die eine oder andere Betroffene wieder und kann daraus neuen Mut schöpfen...
Wer also nur knallharte Fakten über Vergewaltigung lesen möchte, der ist in meinem Bericht falsch.

WIE ES DAZU KAM:

Ich war damals 16, er 34. Wir waren seit über einem halben Jahr sehr gut miteinandner befreundet, aber wirklich nur befreundet. Wir spielten zusammen in einer Band und kamen so bestimmt 2 mal die Woche zusammen. Ich hatte das Gefühl, dass er mehr für mich empfindet, als ich für ihn, aber es war nur ein Verdacht. Bis zu dem Tag, als er mir gestand, er liebte mich. Ich stellte klar, dass ich nur Freundschaft für ihn empfinde und für mich sowieso eine Beziehung zu ihm undenkbar sei, da er verheiratet war und das 2 Kind mit seiner Frau erwartete. Nach dieser Aussprache ging es weiter wie früher. Wir unternahmen einige Sachen miteinander und machten Musik. Als ich dann einen Jungen kennenlernten, den ich sehr gern mochte und mein Bekannter das merkte kam er dann zur Vergewaltigung. Wahrscheinlich konnte er es nicht ertragen, dass ich für einen anderen Mann etwas empfand und für ihn nicht, oder er wollte einfach die \"Besitzverhältnisse\" wie sie in seinen Augen waren, klarstellen.
Nach einer Bandprobe wollte er mir noch in seinem Büro eine Aufnahme hören lassen, was nicht selten der Fall war. Weshalb ich natürlich auch ohne mir etwas zu denken mitging.
Doch als er die Tür hinter mir zusperrte wusste ich, dass etwas nich stimmte. Und dann vergewaltigte er mich. Natürlich habe ich mich gewehrt, aber es half nichts.
Danach rief er öfter noch bei mir an, aber ich ging nicht mehr ans Telefon. Seit dem Vorfall habe ich - verständlicherweise - keinen Kontakt mehr zu ihm.

WAS DANACH GESCHAH:

Ja. Danach. Es war die schwerste Zeit meines bisherigen Lebens. Ich macht mir Vorwürfe, wie ich so blöd sein konnte. Heulte mich jeden Abend in den Schlaf und das schlimmste war: Ich konnte mit niemandem darüber reden. Gerne hätte ich es meinen Eltern erzählt, doch ich traute mich nicht. Ich schämte mich so, hatte das Gefühl sie wären dann MIR böse (was sich im Nachhinein als völliger Schwachsinn herausstellte. Sie reagierten sehr liebevoll und verständnisvoll).
Als ich es ihnen nach 2 Jahren endlich erzählte, beschlossen wir, dass ich zu einem Psychotherapeuten gehen sollte. Das machte ich dann auch. Doch geholfen hat es mir nicht viel. Es hat so weh getan ihm das ganze nocheinmal zu erählen. Ihm einen wildfremden Mann für den ich doch bloß ein Patient bin...und als ich es dann endlich geschafft habe, bekam ich von ihm zu hören, dass ich überhaupt nicht klagen müsste gegen meinen Vergewaltiger, ich hätte ja keine Beweise. Auch sonst bekam ich nur gute Ratschläge, die ich mir von jeder Marktfrau auch holen hätte können. Ich hätte den Typ in den Unterleib treten müssen. Ich hätte einfach nicht bestimmt genug gesagt: \"Lass mich in Ruhe\", so dass er mein \"Getue\" noch als anturnend und als Spiel gesehen hätte usw.
Ihr könnt euch vorstellen, wie es mir danach ging. Man überwindet sich und bekommt dann auch noch Vorwürfe gemacht und es wird so hingestellt, als wäre man selbst schuld. Genau das falsche. Ich habe die Therapie bald abgebrochen und auch nie mehr den Mut fassen können eine neue anzufangen. Ich weiß, dass man immer mehr Therapeuten ausprobieren muss, um den richtigen zu finden, aber ich hatte einfach keine Kraft mehr.

WAS HAT MIR GEHOLFEN?

Im Endeffekt hat mir sehr geholfen mit Leuten darüber zu sprechen, die ich kenne und denen ich vertraue. Meine Eltern und eineige Freunde haben mir sehr geholfen. Heute kann ich wieder Vertrauen zu Leuten fassen und, wie ihr seht, über das Thema schreiben und reden. Trotzdem gibt es immer noch Tag, an denen ich mich nicht hinaustraue oder heulend im Bett liege. Aber es wird immer weniger. Ganz werde ich es aber mein ganzes Leben nicht mehr wegbekommen.

So. Vielleicht hilft dieser bericht ja der einen oder anderen weiter. Allen die ähnliches erlebt haben wünsche ich viel Durchhaltevermögen und Kraft.
Wenn ihr wollt kann ich in einem Update noch Adressen von Selbsthilfegruppen etc. angeben, aber eigentlich habe ich bewusst darauf verzichtet, wil ich damit keine Refahrung gemacht habe.
Julia

74 Bewertungen, 1 Kommentar

  • morla

    22.03.2006, 13:42 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich