Wellensittich Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Futterkosten:  sehr gering
  • Pflegeaufwand:  gering
  • Spielbereitschaft:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von bolmsoe

Kleine Clowns mit bunten Federn

4
  • Futterkosten:  sehr gering
  • Pflegeaufwand:  durchschnittlich
  • Spielbereitschaft:  sehr gering

Pro:

drollig, können sehr zahm werden

Kontra:

Lautstärke, pflegeintensiver als sich manche vorstellen

Empfehlung:

Ja

Seit meinem fünften Lebensjahr lebe ich mit Wellensittichen zusammen. Daher dachte ich mir als Thema für heute, dass meine zwei gefiederten Freunde endlich einen Bericht über sich und ihre Artgenossen verdient haben!

Der Wellensittich (lat: Melopsittacus Undulatus = gewellter Singpapagei) kommt ursprünglich aus Australien, wo er in heißem und trockenem Klima in Schwärmen von bis zu 1000 Vögeln lebt. Kleine Höhlen in Eukalyptusbäumen nutzt er als Brutstätten. Oft muss er stundenlang umherfliegen, um sich Wasser und Nahrung zu beschaffen. Die ursprüngliche Farbe des Wellensittichs ist grün mit gelbem Kopf und schwarzen Rückenwellen. Diese Farbe soll einen potentiellen Angreifer verwirren, der in solch einem großen Schwarm nur schwerlich einen einzelnen Vogel ausmachen kann.

In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Wellensittiche nach Europa. Welch anstrengende Reise dies für die kleinen Papageien gewesen sein muss, mag man sich gar nicht vorstellen. Daher ist es nur zu begrüßen, dass man recht bald mit deren Züchtung auf europäischem Boden begann, um die Ausfuhr aus Australien zu stoppen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Farbkombinationen; neben grün sind blaue Wellensittiche mit weißem Kopf häufig.

Zwei dieser Exemplare (nämlich ein fast ganz gelbes Weibchen und ein hellblauer Bub) wohnen nun in unserem Haushalt, und ich kann mir die zwitschernden kleinen Energiebündel nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.

***Vorüberlegungen***

Bevor man sich Wellensittiche anschafft, sollte man sich ganz ehrlich folgende Fragen stellen:

+ Bin ich bereit, zwei oder mehrere Vögel aufzunehmen? Alles andere wäre Tierquälerei, denn ein Wellensittich braucht seine Artgenossen. In Australien leben oft 500 bis 1000 Tiere in einem Schwarm und man kann sich vorstellen, wie Einsamkeit dann auf einen Wellensittich wirken muss.

+ Habe ich genug Möglichkeiten, den Vögeln Freiflug zu gewähren?

+ Störe ich mich an eventuell herumliegenden Federchen und Scheißhäufchen? Wie kann ich diese schnell und unkompliziert beseitigen?

+ Auch Käfigpflege macht Arbeit, bin ich bereit dazu?

+ Stören mich die schnatternden Geräusche und das Gezwitscher der Tiere?

Wer nicht alle Punkte mit „ja“ beantworten kann, sollte seinen Entschluss nochmals überdenken.

***Die Anschaffung***

Am besten ist es, die Vögel beim Züchter Eures Vertrauens zu kaufen. Dort hat man eine größere Sicherheit, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und gesund sind. Wählt man ein Zoogeschäft, sollte man darauf achten, dass die Käfige, die Futter- und Wasserspender sauber und aufgefüllt sind. Man sollte seine Wunschvögel ruhig eine Weile beobachten um eventuelle Störungen festzustellen (z.B. übermäßiges Kratzen deutet auf Milben usw.). Hat man sich entschieden, kommen die Wellensittiche in kleine Pappschachteln und werden nach Hause transportiert. Es versteht sich von selbst, dass man den kürzesten Weg nach Hause wählen sollte („Ach, ich gehe noch schnell einkaufen!“ ist somit ausgeschlossen), um den Tierchen so wenig Stress wie möglich zu bereiten.

***Der Käfig***

Das Vogelheim sollte selbstverständlich an einem Ort stehen, wo er von direkter Sonneneinstrahlung oder Zugluft geschützt ist. Eine normale Zimmertemperatur reicht für die Wellis aus. Wie auch bei Menschen trocknet Heizungsluft die Schleimhäute der Vögel aus, so dass man den Raum genügend befeuchten sollte. Der Käfig sollte selbstverständlich groß genug sein, um den Vögeln wenigstens ein bisschen Bewegungsfreiheit zu gönnen, wenn sie nicht ständig draußen sein können (z.B. bei Berufstätigen). Unsere beiden wohnen in einem Viererkäfig, der groß genug ist, um sie ausgiebig hüpfen, klettern und sogar ein wenig fliegen zu lassen. Neben herkömmlichen Sitzstangen baue ich immer ein wenig unbehandelte Naturhölzer ein, damit die Vögel was zum knabbern haben. Außerdem trainieren unterschiedliche Durchmesser der Stangen die Muskeln der Vogelfüße.

***Die Eingewöhnungsphase***

Es ist völlig natürlich, dass die Vögel anfangs sehr scheu sind. Manche verweigern über Tage das Futter, andere rennen nervös auf dem Käfigboden hin- und her oder fallen vor Schreck von der Stange. Man sollte den Tierchen die Eingewöhnungsphase so angenehm wie möglich gestalten, wozu natürlich auch gehört, sie so wenig wie möglich mit hektischen Bewegungen und ungewohnten Lauten zu erschrecken. Wenn man sich dann noch viel Zeit nimmt, um mit ihnen zu sprechen und damit erste Kontakte herzustellen, kann man sicher sein, dass sich die Vögel bald beruhigen werden und ihre Scheu verlieren. Wenn man bereits einen Wellensittich hat und nur einen nachkauft (z.B. als Ersatz für einen gestorbenen Kumpel) hat man den Vorteil, dass der ältere Vogel als Bindeglied zwischen Mensch und dem Neuling fungiert, da er in der Regel schon zahm ist und weniger oder gar keine Angst mehr hat.

***Die Zähmung***

Wenn der Neuling nicht mehr so leicht vor dem Menschen zurückschreckt, kann man mit den ersten Zähmungsversuchen beginnen. Es wirkt immer Wunder, sich einen Hirsekolben auf die Hand zu legen und den Vogel damit zu locken. Dies ist keine leichte Aufgabe und erfordert viel Geduld, doch es ist ein schönes Gefühl, wenn der Vogel von seinem geschützten Plätzchen hervorkriecht und neugierig die Hand beschaut. Irgendwann wird die Neugier siegen und der Vogel wird die Hand betreten, um an seine geliebte Hirse zu kommen. Wenn das erste Eis gebrochen ist, kann man darauf aufbauend weitere Übungen durchführen (z.B. man legt sich die Hirse auf die Schulter etc.). Wenn der Vogel spürt, dass er Euch vertrauen kann, wird er sich auch mehr zutrauen.

***Die Nahrung***

Als Grundnahrungsmittel eignet sich eine Standardpackung von Trill oder Vitakraft. In Zoohandlungen kann man sich seine Saatmischung auch persönlich zusammenstellen. Natürlich sollte diese Basisnahrung durch vitaminreiche Kost ergänzt werden. Meine beiden stehen besonders auf Erdbeeren, Mango, Äpfel, Kopfsalat, gekochte Kartoffeln (bitte keine rohen!). Vitakraft bietet auf Vogelgras zum Kauf an. Dies ist als Samen in einer kleinen Tüte abgefüllt und kann in einem dafür vorgesehenen Spender gezüchtet werden und ist innerhalb von sechs Tagen verzehrfertig.

Natürlich darf es auch hier und da mal ein Leckerli sein. Ein Renner unter den Wellis ist nach wie vor die Kolbenhirse. Da diese allerdings sehr fetthaltig ist, setze ich sie hauptsächlich als Belohnung für tolle Taten ein oder einfach mal für zwischendurch, wenn die Wellis schon lange nicht mehr davon naschen durften. Die Zooabteilung jedes Supermarktes biete eine große Auswahl an Leckerlis, und man sollte einfach mal ausprobieren, was die Vögel mögen. Aber nicht überfüttern!

***Der Freiflug***

Ein Vogel braucht viel Freiflug, daher ist das erste, was wir nach der Arbeit tun, das Öffnen der Käfigtür. Die Wellis haben sich unserem Rhythmus angepasst und sind bis spät abends aktiv. Am Wochenende ist die Tür, wenn wir zu Hause sind, ganztätig offen. Allerdings haben wir den Wellis angewöhnt, das Wohnzimmer nicht zu verlassen, so dass wir sie besser im Griff haben. Im Laufe der Zeit suchen sich die Vögel ihre Lieblingsplätze aus. Bei uns ist dies der Wohnzimmerschrank und die Vorhangstange. Den Schrank habe ich mit Papier belegt, was man von unten nicht sieht. So werden eventuelle Häufchen leichter aufgesammelt. Auf der Gardinenstange liegt ein Stoffüberzug, auf dem sie landen können. Das sieht zum einen dekorativ aus (passt farblich zum Sofa), zum anderen schützt es die Vorhangstange vor Welli-Kacke und vorm Angeknabbert-Werden. Gerne fliegen die Wellis auch zu uns und verbringen ihre Abende auf der Schulter, dem Knie oder einfach in unserer Nähe.

***Hygiene***

Es versteht sich von selbst, dass das Vogelheim immer sauber sein muss. Einmal täglich wechsele ich das Wasser aus, entferne altes Obst und sauge die Hülsen vom Futter. Wenn die Vögel mausern, sauge ich mehrmals täglich die Federn aus dem Käfig und dessen Umgebung auf. Dazu habe ich einen kleinen Akustaubsauger, so dass ich nicht jedes Mal den großen Staubsauger hervorholen muss. Dadurch lassen sich die Federn schnell entfernen. Alle zwei Tage entferne ich die Häufchen mit einem kleinen Löffel (der natürlich nur dafür verwendet wird – man kann getrost zu mir zum Essen kommen... ), und einmal pro Woche wechsele ich den Sand ganz neu aus und schrubbe Käfig, Futter- und Wasserschälchen, Spielzeug und Sitzstangen mit heißem Wasser. Die große Runde hält mich schon eine Halbe- bis Dreiviertelstunde beschäftigt, die kleineren Säuberungen unter der Woche lassen sich schnell bewältigen.

***Gefahren für die Wellis***

Folgende Dinge können für die Wellensittiche Gefahren und teilweise sogar Lebensgefahr darstellen:

+ offenes Fenster
+ brennende Kerzen
+ brennende Herdplatten / heiße Töpfe /
+ giftige Pflanzen
+ Türen, in die die Wellis eingeklemmt werden können, wenn sie darauf sitzen
+ Zugluft

Meine beiden haben noch die Unart an sich, ab und zu auf dem Boden zu landen, was ich ihnen leider nicht austreiben konnte. So müssen wir ständig darauf achten, dass solch ein kleiner Kerl nicht plötzlich mal unter die Füße gerät...

***Negativa***

Natürlich haben die Piepmätze, so klein sie auch sind, auch ihre Negativseiten. Das Thema Federn und Kot habe ich ja bereits unter „Hygiene“ behandelt. Auf alle Fälle darf man den Pflegeaufwand nicht unterschätzen; zwar sind Wellensittiche nicht so zeitaufwendig wie z.B. Hunde, mit denen man regelmäßig raus muss, aber Arbeit macht eben jedes Tier. Daran sollte man denken.

Wenn man Pech hat, hat man ein Exemplar dabei, das gerne mal das ein oder andere Stück Holz anknabbert, sei es eine Tür, Gardinenstange o.ä. Dies tun bevorzugt Weibchen, da sie von Natur aus gewöhnt sind, mit dem Schnabel Nisthöhlen auszunagen, in denen die Jungen ausgebrütet werden.

Des weiteren können sie natürlich einen erheblichen Geräuschpegel darstellen. Wellensittiche lieben Hintergrundgeräusche wie Fernseher, Radio oder angeregte Unterhaltungen und beteiligen sich gerne daran. Besonders, wenn man mal einen spannenden Film gucken will und die Wellis im Wohnzimmer stehen hat, kann einem dies ab und zu auf den Geist gehen. Damit muss man leben. Vielleicht hat man ja auch noch einen Raum (z.B. Gästezimmer), wo man sie in solchen Situationen mal einen Abend lang hinbringen kann. Andererseits ist dies ein Zeichen, dass es ihnen gut geht; richtige Sorgen mache ich mir erst, wenn sie nicht mehr piepsen...

Wer kleine Kinder hat, sollte bedenken, dass Wellensittiche – oder Vögel allgemein – keine Kuscheltiere sind. Sie lassen sich nicht gerne anfassen und fliegen weg, wenn es ihnen zu bunt wird. Daher sind sie für ein kleineres Kind wohl eher langweilig.

***Schlusswort***

Dies war eine kurze Darstellung zum „Produkt“ Wellensittich. Die Vögel machen uns viel Freude und wir haben deren Anschaffung nie bereut. Besonders dadurch, dass sie beide sehr zahm sind, ließ sich eine gute Beziehung zu ihnen aufbauen. Es macht Spaß, sie zu beobachten und durch ihre drolligen Verhaltensweisen (Spieltrieb, Schnäbeln,...) haben wir viel zu lachen. Da wir beide Vögel von ihren Vorbesitzern übernommen haben, kann ich keine genauen Preisangaben machen. Von alten DM-Preisen abgeleitet dürfte ein Wellensittich schätzungsweise im Zoogeschäft um die 15,- bis 20,- Euro kosten, beim Züchter etwas weniger. Wellensittiche können bis zu 15 Jahre alt werden (alle, die ich bisher hatte, haben recht lange gelebt), so dass man, wenn sie nicht vorher krank werden, lange Freude an ihnen hat.

33 Bewertungen, 1 Kommentar

  • lotti87

    09.02.2010, 08:12 Uhr von lotti87
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht, liest sich sehr gut und enthält viele brauchbare Infos rund um die kleinen Racker :)