8 Frauen (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von SVoigt3000

8 Frauen, 1 Toter und 1 Mörderin

Pro:

Sehr gute Schauspielerinnen, Spagat zwischen Komödie, Krimi und Musical gelungen, tolle Dialoge, skurile Charaktere

Kontra:

---

Empfehlung:

Ja

Wie aufmerksame Leser meiner Berichte wissen, bin ich ein Fan des französischen Regisseurs Francois Ozon geworden. Nun wurde es zeit, dass ich eine Bildungslücke schließe und so habe ich mir zum ersten Mal „8 Frauen“ angesehen. Meine Freundin hatte den Film empfohlen und so haben wir uns einen gemütlichen Abend vor dem Fernsehgerät gemacht...

-----STORY:-----
In einer Villa geschieht ein Mord. Der Hausherr wird von einem Hausmädchen mit einem Messer im Rücken aufgefunden. Nun stellt sich die Frage, wer der Mörder oder die Mörderin ist. Die Hunde haben Nachts nicht gebellt, was bedeutet, dass nachts niemand ins Haus gekommen sein konnte. Außerdem ist das Haus total eingeschneit und eine Flucht ist dadurch auch nicht mehr möglich. Also bleibt nur eine Möglichkeit: Der Mörder muss einer der Hausbewohner sein. Also gibt es acht Verdächtige – 8 Frauen.

War es nun die Ehefrau des Toten (Catherine Deneuve)? Es könnte aber auch die Schwester (Fanny Ardant) gewesen sein, die sich wohl unbemerkt öfter in der Villa aufhält. Oder war es die Großmutter (Danielle Darrieux)? Oder war es das Hausmädchen (Emmanuelle Béart), dass den Toten gefunden hat? Sie hatte schon öfter Affären mit ihren Arbeitgebern... Es könnte aber auch die zickige, immer gereizte und doch von allen falsch verstandene Schwägerin des Toten (Isabelle Huppert) gewesen sein. Oder war es die Haushälterin (Firmine Richard), die schon so lange bei der Familie arbeitet, dass sie wirklich jedes Familiengeheimnis kennt. Oder war es die ältere Tochter (Virginie Ledoyen), die auf ein englisches College geht? Oder hat die jüngere Tochter (Ludivine Sagner) so viele Kriminalromane gelesen, dass sie nun selbst zur Mörderin wurde?

Diese 8 Frauen versuchen nun die Mörderin zu enttarnen und decken mit und mit immer weitere Lügen der Familienmitglieder auf, bis es dann zur überraschenden Auflösung kommt...


-----KOMMENTAR:-----
Nachdem ich durch den Film „Swimming Pool“ Fan des Regisseurs Francois Ozon wurde, habe ich dann „Unter dem Sand“ und nun „8 Frauen“ gesehen. Keiner der Filme hat mich enttäuscht, aber alle Filme sind total anders. Nach dem interessanten, aber sehr offenen und damit für den Zuschauer anspruchsvollen „Swimming Pool“ und dem melancholisch-gefühlvollen „Unter dem Sand“ bekam ich nun mit „8 Frauen“ eine locker-lustige Krimikomödie mit Musical-Einlagen zu sehen. Das nenne ich Wandlungsfähig!

Bei „8 Frauen“ muss ich sagen, ist der Spagat zwischen Komödie, Musical und Krimi sehr gut gelungen. Von allen Genres findet man etwas und alle Teile wissen zu überzeugen. Lustig sind vor allem die Dialoge, bei denen man verdammt aufpassen muss um den Witz zwischen den Zeilen zu verstehen. Außerdem lebt der Film an vielen Stellen durch seine Situationskomik. Sehr lustig ist auch Isabelle Huppert, die die schrullige mit Selbsthass und Hass auf alle anderen erfüllte alte Jungfer sehr überzeugend und noch viel lustiger spielt. Dabei ist der Humor nicht so, dass ein Gang dem anderen Folgt und man die Witze quasi auf dem Silbertablett serviert bekommt. Man muss, wie gesagt, schon auf die Dialoge und Situationen achten, um den hintersinnigen Humor zu verstehen.

Eine sehr schöne Abwechslung – nicht zuletzt zu anderen Komödien oder Krimis – ist die Tatsache, dass alle Frauen einen Gesangspart bekommen haben. Sie singen von ihren Leiden, ihrem Leben und davon, wie sie die anderen Mitglieder der Familie sehen. Das wirkt keines Wegs Fehl am Platze – im Gegenteil. Es gibt dem Film das gewisse Etwas. Schön ist auch, dass die Lieder in französischer Sprache belassen wurden und dann eben mit Untertiteln übersetzt wurden.

Die Krimi-Komponente ist eigentlich die unwichtigste im Film – obwohl es im Prinzip ja um den Mord geht. Aber mich hat es bis zum (überraschenden) Ende herzlich wenig interessiert, wer der Mörder ist. Viel interessanter ist eigentlich, welche Geheimnisse die einzelnen Charaktere verbergen, was sie über die anderen denken und die Tatsache, dass alle irgendwelche komischen Macken haben.

Ein weiteres Plus des Films sind die vielen sehr guten Schauspieler. Zu Catherine Deneuve muss man eigentlich nichts mehr sagen – sie gehört zu den ganz Großen und stellt dies auch in „8 Frauen“ unter Beweis. Ludivine Sagner kenne ich bereits aus „Swimming Pool“, wobei sie in „8 Frauen“ ein 15-, 16-jähriges freches Mädchen spielt. In „Swimming Pool“ spielt sie eine junge Frau von Anfang, Mitte 20, die sich mit ihrem sexy Körper am Swimming Pool räkelt und einen Jungen nach dem anderen abschleppt. Ich habe mich hier wirklich gewundert, wie sehr man Frauen allgemein und Ludivine Sagner im Speziellen verändern kann. Isabelle Huppert habe ich schon gelobt, kann es hier aber nochmals wiederholen. Sie gehört definitiv zu den besten Schauspielerinnen in diesem Film und es macht wirklich Spaß ihr zuzuschauen. Aber auch die anderen Damen machen ihre Sache sehr gut und sind eigentlich in jedem Fall optimal besetzt.


-----FAZIT:-----
Absolut sehenswerter Film von einem Regisseur, der mich auch nach dem 3. Film nicht enttäuscht hat. Nun suche ich mal nach einem Ozon-Film, den ich mir als Vierten ansehen kann. Ich will mehr von diesem Mann!!!

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