Black Hawk Down (VHS) Testbericht

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ab 17,87
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Erfahrungsbericht von pausensau

Geteilte Meinung

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Schwierig, über einen solch hochgelobten Film zu schreiben, wenn er einem selber nicht gefallen hat. Es mag daran liegen, dass ich keine Kriegsfilme mag und ich habe mir Black Hawk Down auch nicht wirklich freiwillig angesehen, sondern wurde in einer Sneak Preview damit überrascht. Vielleicht schadet es aber auch gar nicht, wenn hier auch eine Filmkritik von jemandem erscheint, der Kriegsfilme oder auch Anti-Kriegsfilme NICHT gerne sieht ...

Zuerst mal die Story, die im Grunde schnell erzählt ist. Es handelt sich bei Black Hawk Down um einen Anti-Kriegsfilm, der auf einer wahren Begebenheit basiert.

1993 entsendet die UNO Friedenstruppen nach Somalia. Dort herrscht Bürgerkrieg und die Miliz eines gewisser Mohamed Farrah Aidid verhindert die Verteilung von Lebensmitteln an die hungernde Bevölkerung. Diesem Zustand soll innerhalb weniger Wochen ein Ende gemacht werden, indem das US-Militär Aidid und weiter wichtige Männer gefangen nimmt und in die USA ausliefert. Man hofft, den Bürgerkrieg in Somalia beenden zu können, wenn erst mal die wichtigsten Figuren in diesem Spiel unter Kontrolle sind.
Als das Gerücht herumgeht, dass Aidid und seine Männer sich treffen wollen, will man zugreifen. Die ganze Aktion scheint zuerst so etwas wie Routine zu sein, eine halbe Stunde wird dafür angesetzt und als sich die Soldaten für den Einsatz rüsten, wird sogar noch diskutiert, dass Trinkwasser oder ein Nachtsichtgerät nur unnötigen Ballast darstellen würden. Man ist sich seiner Sache sicher.

Die Aktion geht dennoch schief, die Miliz des Aidid erfährt zu früh von dem geplanten Einsatz, ein Soldat, der sich von einem Helikopter aus abseilen will, stürzt in die Tiefe usw. Letztendlich stürzen zwei Helikopter der Marke Black Hawk ab und müssen gegen die Massen der kriegerischen Somali verteidigt werden, denn: „Es wird keiner zurückgelassen“.
Die US-Soldaten sind der ganzen Sache nicht sonderlich gewachsen, weil es einfach zu wenige sind im Vergleich zu der Miliz des Aidid. Es gibt Tote und Verletzte und die Situation scheint aussichtslos. Die Soldaten sind in der Stadt mehr oder weniger eingekesselt und kommen erst ungefähr 16 Stunden frei.

Eins vornweg, bevor ich schreibe, was mir an dem Film nicht gefallen hat: Die Oscars gingen zu Recht auch an Black Hawk Down. Eine tolle Kameraführung, überzeugende Effekte, gute schauspielerische Leistungen sind diesem Film nicht abzusprechen. Rein handwerklich ein mehr als gelungener Film, keine Frage!

Dennoch hat mir einiges sehr daran missfallen.

Was mich sehr an Black Hawk Down gestört hat, ist der übliche Patriotismus und die Einseitigkeit in der Darstellung. Black Hawk Down ist zwar nicht so auffällig patriotisch wie beispielsweise Pearl Harbour, wo der Zuschauer die Botschaft von den guten Amerikaner und den bösen Japanern so ungefähr mit der Bratpfanne vermittelt bekommt, sondern wesentlich subtiler, aber dennoch oder gerade deshalb sollte man auch diesen Film kritisch betrachten.

Fast schon gefährlich fand ich beispielsweise den Soundtrack dieses Films. Musik beeinflusst unser Denken manchmal mehr als wir wahrhaben wollen. So wurden beispielsweise die Szenen in der Aidid-Hochburg mit verhaltener aber fröhlicher, orientalisch anmutender Musik unterlegt, ganz so, als sei es ein wahres Vergnügen, sich auf dem Markt mit Maschinengewehren einzudecken. Szenen, in denen die US-Soldaten zu sehen waren, wurden wahlweise patriotisch mit einem ganzen (Synthesizer)Orchester oder cooler, lässiger Musik unterlegt.

Übel fand ich auch, dass man zwar so ungefähr jede einzelne Verletzung jedes einzelnen Soldaten zu sehen bekam, auf die Opfer der generische Seite jedoch nicht eingegangen wurde. Stattdessen wurden nur unschuldige Opfer gezeigt, die jedoch nie auf das Konto der US-Soldaten, sondern selbstredend auf das der Rebellen gingen. Wohl um den Einsatz der USA noch einmal zu rechtfertigen wählte man diese Art der Darstellung. Auch sonst verhalten sich die amerikanischen Soldaten absolut korrekt und schießen wirklich nur dann, wenn sie selbst angegriffen wurden und erbitten oft sogar noch die Genehmigung zurück zu schießen. Entschuldigt bitte, aber das glaube ich einfach nicht! Und gegen Ende des Films sieht man noch Schwärme von Menschen, die den Soldaten zujubeln und damit zeigen, dass sie froh sind, dass sich jemand für sie einsetzt. Sehr pathetisch, das Ganze.

Ansonsten verwundert mich auch bei diesem Film wieder, wie viele Schüsse man mit einem Gewehr abgeben kann ohne nachladen zu müssen und wie zielsicher die amerikanischen Jungs doch sind. Ich bin da kein Experte, aber das schien mir schon etwas übertrieben.

Anders als bei Pearl Harbour hat dieser Film nur einen Handlungsstrang, es geht ausschließlich um den Krieg und nicht um irgendwelche persönlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Darstellern. Sicher wird der eine oder andere Bezug zur Heimat hergestellt, so ruft beispielsweise ein Soldat kurz vor dem Einsatz seine Freundin an, erreicht sie aber nicht. Ein anderer Soldat, der im Sterben liegt, bittet seinen Kameraden, seinen Eltern auszurichten, er habe gut und tapfer gekämpft.
Dennoch kennt man den Background der einzelnen Soldaten nicht und kann sich daher auch mit keinem identifizieren. Und hier sehe ich neben der patriotischen und einseitigen Darstellung das Hauptproblem dieses Films. Sicherlich wird der Krieg hier sehr realistisch dargestellt, zumindest sehr eindrücklich, denn ob die Darstellung wirklich realistisch ist, kann ich – dem Himmel sei dank! – nicht wirklich einschätzen. Dennoch habe ich mich irgendwann schlicht und einfach gelangweilt und war erstaunt über mich selbst. Normalerweise kann ich solche Filme nicht sehen, ohne ständig zusammenzuzucken, die Hände vors Gesicht zu schlagen und ohne dass das halbe Kino am Schluss in einem Tränenmeer untergeht, weil ich wieder einmal gesehen habe, wie furchtbar Krieg ist. Aber da ich die einzelnen Darsteller nicht einmal unterscheiden konnte, sie waren eben alle in Uniform, schmutzig und blutverschmiert, und auch sonst nichts über das Leben dieser Männer wusste, hat mich das Ganze irgendwann fast kaltgelassen. Im Endeffekt wurde geschossen, es flogen Steine, Männer haben geblutet und geschrieen und manche lagen leblos herum, mehr nicht. Der Schmerz und die Verzweiflung, die Konsequenzen solcher Greultaten hatten in diesem Film keinen Platz. Ich geniere mich fast, dies zu schreiben, vielleicht werde ich ja jetzt als abgestumpft oder menschenverachtend bezeichnet und aus Protest nicht mehr gelesen, aber ab einem gewissen Punkt hat mich das Ganze nicht mehr belastet, weil der ganze Film einfach aus nichts anderem bestand. Ich habe mich gewissermaßen dran gewöhnt. Und das ist doch krank und nicht der Sinn eines Anti-Kriegsfilms?

Letztendlich und nach längerem Nachdenken ist der Film dann doch schockierend, denn er zeigt, wie wenig ein Menschenleben doch wert ist in solchen Situationen, auch wenn „keiner zurückgelassen wird“. Denn ich weiß noch immer nicht, wer jetzt gestorben ist und wer nicht, einfach, weil dieser Film das, was Menschen doch ausmacht, ihre Geschichte, ihre Gedanken und Gefühle, ihre guten und schlechten Seiten, kaum bis gar nicht beleuchtet. Bei der Figur, die Josh Hartnett verkörpert, wurde es ein bisschen versucht und wir erfahren, dass er sehr idealistisch in diesen Krieg gezogen ist und nicht, weil er ein Held sein, sondern weil er etwas erreichen wollte. Da sind einfach irgendwelche Soldaten, die in den Krieg ziehen und verwundet werden oder eben auch nicht. Du bist ein Nichts, wenn Du im Krieg bist.
Aber das ist meine persönliche Interpretation dieses Film, ich weiß nicht, ob auf den Background der einzelnen Figuren verzichtet wurde, um diese Menschenverachtung zu veranschaulichen. Ich wage es zu bezweifeln.

Es ist zwar löblich, mittels eines Kinofilms auch Geschehnisse in den Mittelpunkt zu rücken, die sonst kaum Beachtung finden oder erinnert sich jemand von Euch noch an die genauen Geschehnisse in Somalia oder weiß sogar, wie die Lage dort momentan ist? Also ich offen gestanden nicht.
Wirkliche Aufklärung kann dieser Film jedoch nicht gewollt haben, sonst hätte er im Vorfeld erzählt, warum es überhaupt zum Bürgerkrieg kam, was die Folgen waren usw. Ein Dokumentarfilm zu diesem Thema wäre für Geschichtsinteressierte vielleicht interessant, Black Hawk Down jedoch nicht. Wer diesen Film aus geschichtlichem Interesse ansehen möchte, kann sich das Geld also glatt sparen.
Und dass sich die USA mit diesem Film nur mal wieder selbst beweihräuchert, passt mir ganz und gar nicht. Und daher ist der Film zwar nicht schlecht, weil er fast Vergessenes wieder ins Rampenlicht rückt, aber er ist auch mit Vorsicht zu genießen. Man sollte nicht alles immer für bare Münze nehmen, was uns US-Filme zeigen und uns beibringen wollen.


Die Fakten:

Kinostart in Deutschland: ursprünglich der 11. April, aufgrund der Ereignises in Afghanisatn jedoch auf einen noch unbekannten Termin verschoben.
Spieldauer: 144 lange Minuten
Regie: Ridley Scott
Schauspieler: Eric Bana, EwanMcGregor, Josh Hartnett, Jeremy Piven, Tom Sizemore

Zur Bewertung: 4 Sterne aber keine Empfehlung muten wohl seltsam an. Der Film ist für sein Genre sehr gut geworden, tolle Effekte und so weiter. Da sich die abschreckende Wirkung bei mir wider Erwarten (und ich bin wirklich ein zartbesaitetes Persönchen) nicht großartig eingestellt hat, hat der Film für mich seine Wirkung verfehlt und ist auch aufgrund der einseitigen, pro-amerikanischen Darstellung für mich nicht empfehlenswert.

8 Bewertungen