Catch Me If You Can (VHS) Testbericht

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ab 11,90
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Erfahrungsbericht von talibdjan

Cleverer Sunnyboy

Pro:

gute Unterhaltung mit klasse Soundtrack und gut aufgelegten Darstellern

Kontra:

kurzweilig und unkritisch

Empfehlung:

Ja

Frank Abagnale haut mit 16 wg. Scheidung seiner Eltern von zu Hause ab, um als Scheckbetrüger Ende der 60er quer durch die USA sein heiteres Unwesen zu treiben, gejagt von Tom Hanks, der nicht weiß, ob er für ihn Vollstrecker oder Vater sein soll, am Ende eigentlich beides ist.
Die finanziellen Schwierigkeiten des Vaters machen dem jungen Abagnale, der vom Vater für einen Image-Bluff zwecks Kredite eingespannt wird, früh den Ernst des Lebens deutlich, ebenso wie Schein und Sein und die Wichtigkeit von Image und Erfolg, seich verkaufen und Ausstrahlung. Nachdem er abhaut sucht er nach Wegen an Geld zu kommen und beginnt mit Scheckfälschung zu experimentieren, bedient sich dabei den BlankoSchecks aus dem Scheckbuch zum Konto, das ihm sein Vater kurz zuvor schenkte bei der Bank, die Kredit-Anfrage des Vaters ablehnte.
Wer überzeugt auftritt, erreicht viel und nutzt die extreme Leichtgläubigkeit und Statusverliebtheit der Amerikaner in den 60ern.
Zunächst gibt er sich als Pilot aus, fragt sich geschickt durch, besorgt sich eine Uniform und fälscht Gehaltsschecks. Nachdem es der Fluggesellschaft langsam doch auffält, sucht er das weite. Er fälscht Examen und alle undenkbaren Qualifikationen und übernimmt eine freie Stelle als Arzt in einer Klinik, wo er auch seine fast-Frau (bei der Verlobung platzt Hanks herein, der inzwischen immer besessener und auch besorgter DiCaprio jagt). Kurz zuvor hatte seine Zulassungsprüfung als Anwalt bewältigt, um eine Stelle in der Kanzlei des zukünftigen Schiwegervaters anzunehmen. Von allen Seiten umzingelt setzt er zum ultimativen Clou an und verschwindet ein letztes Mal als Pilot nach Europa...doch der Bogen ist längst überspannt...

Wahre Begebenheit vom Meister Spielberg verfilmt.


Hanks und DiCaprio...wer hätte gedacht, daß die beiden so wunderbar harmonieren...
Hanks ist zwar nicht grad so, wie man ihn noch niiiieee gesehen hat, aber in guter Spiellaune ist er auf jeden Fall und stellt den Wechsel zwischen kriminalistischer Herausforderung, Besessenheit und väterliche Sorge um den aus der Bahn geworfenen Jungspund sehr feinfühlig dar.
Später \"rettet\" er Abagnale aus der unmenschlichen französischen Haft und holt ihn, nachdem er sich bei Gefängnisbesuchen von ihm ab und zu Tips zu Fälschungen holt, als Spezialist für Scheckfälschung zum FBI.
Caprio hat nunmal ein Babyface, kann aber auch sehr charmant und smart wirken, findet Spass an der Abagnale-Darstellung und liefert eine wirklich feine Darbietung.
Er begreift irgendwann , auf was für einen schmalen Grat er sich gewagt hat, von dem er nur allzugerne wieder dezent Abschied nehmen würde, wofür es aber ohne die Konsequenzen zu tragen deutlich zu spät ist.
Wie dem Jugendlichen alles über den Kopf wächst, wie es aus den Händen gleitet und er eigentlich überdreht und keine Nerven mehr hat und kurz vor dem ausrasten ist, seine letzte Phase in Frankreich im Geburtsort seiner Mutter, ist auf das Highlight der Caprio-Rolle. Das andere oder eigenltich besondere sind die zwei Drastellungen in Gestus etc. des ganz unbedarften Schuljungen und des gereiften FBI-Spezielisten.

Wunderbarer Soundtrack vom alten Meister Johnny Williams, der seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt und einen großen Teil zu dem leichtfüßigem Charakter des Films beiträgt. Heiterkeit versprüht der Film alle mal...ob einem DiCaprio und seine Aktionen überzeugend vorkommen oder übertrieben, charmant spielt er auf jeden Fall. Und da alles vom echten Abagnale celebriert wurde, sollte man seinen Zweifel abschalten und die unfassbaren Aktionen geniessen. Hollywood schmückt natürlich zweifelslos ein aus, aber mehr oder weniger ist es ja so passiert.

Wie nicht anders zu erwarten eine gelungene Regie. Anhaltendes Tempo und keine endlose Charakterstudie, ohne daß die Charaktere (zu) oberflächlich dargestellt werden, wenn auch nicht unwichtige Nebenrollen wie M. Sheen (Fast-Schwiegervater und Boss während des dritten Karriereabschnitts als Anwalt) und besonders C. Walken (Vater) ein wenig zu kurz kommen.
Die Beziehung der beiden Abagnales hätte vielleicht etwas tiefer gezeigt werden können.
Schnitte, Vor-/Rückblenden, Ort-/Szenenwechsel sind die Basis für Tempo und Spannung und knüpfen an die Spontanität und Frivolität des ständig umherziehenden Abagnales an, ohne das das Ganze wie ein Videoclip wirkt, sondern Substanz bewahrt.

Abagnale hat durch eine Art unbeschwerten naiven Leichtsinn, absoluter Cleverness und den Mut der Verzweiflung stehts gute Ideen und das richtige Timing für Orts- oder Branchenwechsel...manchmal ist er vielleicht etwas zu smart.

Eigentlich einziges Manko...ein wenig kritischer hätte man Abagnale vielleicht doch manchmal durchleuchten sollen, schließlich war er kein Robin Hood, sondern hat auch Menschen geschadet - sollte er also durchweg Sympathieträger sein?

Auf jeden Fall sehenswert und sehr gute Unterhaltung - Gehirn kann sich entspannen, braucht aber wirklich nicht abgeschaltet zu werden ;)

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