Das Experiment (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Joebln
Psychoterror für den Zuschauer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Das Experiment sieht eine authentische Gefängnissituation vor, bei der die Gefangenen in leichter Überzahl sind. Wer warum als Wärter oder Gefangener ausgewählt wurde, erfährt man auch als Kinogänger leider nicht. Das Gefängnis hat aber strenge Regeln, deren Nichteinhaltung auch bestraft werden darf, allerdings nicht mir Gewalt.
Durch Tareks ständige Provokationen bloß gestellt und aufs höchste Maß erregt, sinnen die "Wärter" auf adäquate Strafen. Sehr schnell kommen sie auf das Mittel der Erniedrigung. Und durch ihre Erfolge angestachelt, wachsen sie plötzlich über sich hinaus. Während dessen ziehen sich die Gefangenen immer mehr zurück und wollen offensichtlich die paar Tage nur noch überstehen.
Nach nur 3 Tagen haben sich die einzelnen Menschen teilweise extrem in ihrer Persönlichkeit geändert. Aus einem unsicheren zurückhaltenden Flugbegleiter brechen plötzlich alle unterdrückten Aggressionen heraus und er entwickelt sich zu einem sehr einfallsreichen Sadisten, der kaum noch Kontrolle über sich und die Situation hat.
Als der leitenden Professor dann für zwei Tage zu einem Geldgebertreffen verreist, läuft die Situation endgültig aus dem Ruder. Alle Dämme brechen und es geht für Gefangene, Wärter und Angestellte nur noch ums nackte Überleben. Und das ist nur 7 Tage nach Beginn des Experiments ...
Oh mein Gott, was ist der Mensch nur für eine Bestie?
Dieser Film hat mich wie kaum ein anderer bisher berührt (mal abgesehen von "Philadelphia") und wie überhaupt noch keiner nervlich zerrüttet. Nach dem Verlassen des Kinos war ich erst einmal Stunden lang nicht mehr ansprechbar. Mir saß echt noch das Entsetzen in den Knochen und ich konnte das Gesehene eigentlich gar nicht verarbeiten, geschweige denn verstehen.
Trotzdem möchte ich versuchen, es hier in Worte zu fassen.
Der Fokus des Films ist sehr eng und zielt nur auf die Gefängnissituation. Die Vorgeschichte wird sehr sehr kurz gehalten und teilweise in Rückblenden erzählt. Das geht logischerweise – wie ich es auch oben schon erwähnt habe – auf Kosten der Figuren. Teilweise ist nicht ganz klar, mit welcher Motivation sie gekommen sind und welche Vorgeschichte sie haben. Das ist insbesondere bei Tarek – der handelnden Hauptfigur der Gefangenen - und noch deutlicher bei dem "Flugbegleiter" der Fall.
Teilweise wird durch Rückblenden allerdings auch versucht, hier deutlicher zu werden.
Damit kommen wir gleich mal zu den Stilmitteln. Regisseur Oliver Hirschbiegel erzählt hier eine Geschichte über Menschen, die sich gravierend verändern. Da wäre schon die schauspielerische Leistung an sich ausreichend. Aber er verstärkt die Abwechslung und den Eindruck des Kinogängers noch durch technische Möglichkeiten: so werden zum Beispiel immer wieder Nahaufnahmen von Gesichtern (teilweise nur Ausschnitten) gezeigt. Tareks Träume und Erinnerungen werden in den ruhigen Phasen eingeblendet. Und um den Zuschauern die Personen näher zu bringen, werden grobkörnige Videoaufnahmen des Professors von den Versuchspersonen dazwischen geschnitten.
Insgesamt erscheint mir der Film dadurch noch eindringlicher und dichter. Die 120min Laufzeit sind mir also überhaupt nicht aufgefallen.
Der Film lässt dem Zuschauer kaum Zeit, Luft zu holen oder zwischendurch mal zur Ruhe zu kommen. Man kommt ebenso schnell in den Sog der Situation wie die Versuchspersonen. Und es lässt einen nicht mehr los. Natürlich sieht man vieles kommen oder erwartet ein gewisses Handeln. Aber Autor Giordano lässt seine Figuren immer noch eine Winzigkeit weiter gehen. Wenn man als Zuschauer denkt, so was kann ein Mensch einem anderen doch nicht antun (innerlich weiß man natürlich, dass das Gesehene und noch viel mehr absolut real ist), passiert genau das und noch ein Quäntchen mehr, bei dem man dann unwillkürlich aufstöhnt.
An der Stelle ist es natürlich auch Zeit auf die grandiosen schauspielerischen Leistungen hinzuweisen. Neben einigen Hauptpersonen bleiben viele der Gefangenen natürlich eher undeutlich gezeichnete Figuren, tragen aber dennoch sehr eindrucksvoll zu dieser einzigartigen Dichte und Realität des Films bei. Hervor zu heben sind natürlich Moritz Bleibtreu, der neben dem einfach nur geil Anzusehen hier sein wirkliches Können einmal mehr verdeutlicht und manifestiert, und Oliver Stokowski, dessen Talent mich schon immer beeindruckt hat. Auf der Wärter Seite ist das absolute "Highlight" natürlich der "Flugbegleiter" (den Namen habe ich mir leider nicht gemerkt).
Eine der überaus positiven Seiten des deutschen Films ist, dass keine Happy End auf Teufel komm raus produziert wird, wie in Hollywood üblich. Auch "Das Experiment" endet für etliche Teilnehmer nicht glücklich. Und die letzte kommentarlose Kamerafahrt lässt dem Zuschauer Raum, endlich Luft zu holen und sich das Gesehene zu verinnerlichen. Dabei wird nach all der Gewalt eine Hilflosigkeit und Ratlosigkeit über das menschliche Wesen deutlich, die mich nur noch mehr verwirrt hat.
Zu allem Überfluss taucht natürlich die Frage auch, wie hätte ich mich wohl verhalten. Und wahrscheinlich will ich das lieber nicht wissen.
FSK 16 ist in meinen Augen sehr niedrig angesetzt. Ich weiß, dass die Kids heute härter im Nehmen sind und auch nicht so schnell (wie es mir ja ging) den Unterschied zwischen Film und Realität aus den Augen verlieren. Aber insgesamt ist der Film psychisch so brutal, dass sicher viele ein Problem damit bekommen können.
Aus anderer Sicht halte ich den Film für Pflichtprogramm in jeder Schule, wenn man sich dort vielleicht mal einen ganzen Tag mit dem Thema Gewalt auseinander setzen würde. Schon aus dem Film heraus sollte jeder einigermaßen kompetente Lehrer genug Stoff sammeln können, um damit FRUCHTBARE Diskussionen mit seinen Schülern führen zu können.
Fazit: wirklich ein beeindruckender und nahezu einzigartiger Pflichtfilm, der allerdings viele Zuschauer an ihre Grenzen bringen kann.
Internet: www.dasexperiment.de (leider schon abgeschaltet)
32 Bewertungen, 8 Kommentare
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04.08.2003, 11:17 Uhr von diewicca
Bewertung: sehr hilfreichDer Film ist wirklich brutal. Aber da sieht man es wieder. Gib den Menschen ein kleines Stück Macht und sie werden zu Tyrannen....
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13.05.2002, 18:57 Uhr von DrDuke
Bewertung: sehr hilfreichIch glaub es wird so langsam Zeit das ich mir den Film auch mal anschau
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26.02.2002, 10:35 Uhr von schnecke1811
Bewertung: sehr hilfreichHab den Film auch gesehen. Ich fande ihn sehr interessant, vor alllem wie sich die Charaktere verändert haben. Super Bericht. Cu
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26.02.2002, 10:32 Uhr von Maeuschen21
Bewertung: sehr hilfreichToller Film fand ihn echt super gut!!
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26.02.2002, 10:27 Uhr von Ilenia
Bewertung: sehr hilfreichIch fand es interesant wie Menschen unter solchen bedingungen reagieren und ihr wahres ich zeigen. Wirklich ein sehr gut gemachter Film ohne übertrieben zu wirken. Gruß Tanja
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26.02.2002, 10:26 Uhr von Sor2cerer
Bewertung: sehr hilfreichIch habe den Film jetzt schon 8 mal oder so gesehen und bin immer wieder begeistert!! ;)
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26.02.2002, 10:22 Uhr von owesen
Bewertung: sehr hilfreichEin schockierender und zugleich sehr guter Film !!! Gruß, Sönke ( owi13 )
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26.02.2002, 10:21 Uhr von larshermanns
Bewertung: sehr hilfreichWas denn.....Du auch hier!?
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