Einer flog über das Kuckucksnest (DVD) Testbericht

ab 8,39
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2010

5 Sterne
(6)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

REBELLION!!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Michael Douglas ist nicht nur ein genialer Schauspieler, er ist noch vielmehr ein genialer Produzent. Oft achtet man gar nicht drauf, wenn im Abspann irgendwo der Name Michael Douglas steht, oder bringt ihn nicht mit dem bekannten Schauspieler Michael Douglas in Verbindung, doch er ist es immer wieder. So entdeckt er auch Anfang der 70er Jahre, einen interessanten Roman, der schon im Theater aufgeführt wurde und dachte sich wohl: Daraus mache ich einen Film. 2 Drehbuchschreiber waren schnell angeheuert, dazu ein Regisseur und ein Hauptdarsteller. Als Regisseur wurde Milos Forman geholt, der damals schon einen grossen Namen hatte, aber noch keinen großen Hollywood-Erfolg feiern konnte und als Hauptdarsteller Jack Nicholson, damals der Schauspieler schlechthin, 4 mal in den 6 Jahren davor für einen Oscar nominiert, nur der Gewinn desselbigen fehlte ihm.

Der Film wurde ein Riesen Erfolg und vor allem für diejenigen, welche ihn noch nicht kennen, möchte ich diesen Film jetzt besprechen, damit vielleicht einer noch auf die Idee kommt ihn sich anzuschauen.

Der Inhalt
°°°°°°°°°
Randel Patrick McMurphy (Jack Nicholson) ist ein bekannter in amerikanischen Strafanstalten. Immer wieder aufgefallen durch kleine Schlägereien, durch Trunkenheit oder durch Fälle von Notzucht. So kommt er eines Tages wieder einmal ins Gefängnis, doch um dem dortigen Arbeitsdienst zu entgehen, schafft er es mit einem Trick in die psychiatrische Anstalt überwiesen zu werden. Er soll dort beobachtet werden und sein Geisteszustand soll ermittelt werden.
Er kommt dort in die Abteilung der despotischen Oberschwester Mildred Ratched (Louise Fletcher), die über ihre nun 18 Patienten ein eisernes Regiment führt. Feste Regeln, ein starres System, ohne jeden Zug von Individualität bestimmten das Leben der 9 schweren Fälle und der 9 leichten Fälle auf dieser Station. McMurphy, der das ganze sowieso nur als Kurzurlaub sieht, fängt schnell an gegen dieses System zu rebellieren. Er verlangt Freiheiten und Änderungen im Tagesplan und er wiegelt die anderen Patienten auf.
Doch eines Tages muss er selbst etwas schreckliches erkennen. Er wird nicht, wie gedacht, nach Ablauf seiner Haftstrafe entlassen, sondern in der Anstalt behalten. Er wird erst entlassen, wenn die Ärzte es so wollen. Aus dem Spaß-Aufenthalt wird nun bitterer Ernst und seine einzige Möglichkeit zur Flucht ist der \"taubstumme\" Hüne Häuptling Bromden (Will Sampson)

Meine Meinung
°°°°°°°°°
Was ist dieser Film? Eine Komödie? Ja, wenn man auf die zahlreichen Lacher abstellt, die den Zuschauer beim Schauen dieses Films aufgrund der stellenweise grandiosen Komik (allerdings auf sehr hohem Niveau) ereilen. Aber eine Komödie ist dieser Film sicher nicht, gerade wenn man das schockierende Ende betrachtet. Dann doch wohl eher eine Tragikkomödie über einen Mann, der zum \"Spaß\" in die Irrenanstalt geht, und dort sterben wird. Nein auch dies wird dem Film nicht gerecht. \"One Flew Over The Cuckoo\'s Nest\" ist Gesellschaftskritik pur. Und damit nicht nur Kritik an den Irrenanstalten, wo Patienten mit Medikament, Elektroschocks und noch viel brutaleren, schauerlichen Methoden ruhig gestellt werden, ihnen jede Möglichkeit zur Entfaltung genommen wird, sie sogar \"dumm gemacht\" werden, der Film ist aber mehr. Er ist eine Kritik an der Gesellschaft im ganzen, einer Gesellschaft, welche auch heute noch Außenseiter wie Randall Patrick McMurphy ausstößt und mundtot machen will Der Film ist dadurch heute noch genauso aktuell wie vor über 25 Jahren. Auch heute noch wird in großen Teilen der Gesellschaft jedes Anzeichen von Individualität im Keim erstickt, oft mag man denken, dass diese unsere Gesellschaft nur angepaßte Ja-Sager will, und der Film ruft dagegen zur Rebellion auf.

Dies geschieht zwar mit extrem überspitzten Mitteln, aber trotzdem verfehlt es dabei nicht das Ziel. Die Irrenanstalt ist ein Symbol für jedwede ünterdrückende Einrichtung, sei des der Staat, die Schule, das Elternhaus und McMurphy ist das Gegenstück, das Symbol für den Revolutionär, den Schüler, der sich aus starren Lernmethoden befreien will, den Sohn/die Tochter, welche(r) nicht den von den Eltern vorgezeichneten, sondern seinen eigenen Weg gehen will. Nur im Film scheitert McMurphy mit diesem Versuch seinen eigenen Weg zu gehen, doch er verbessert das Leben der anderen dadurch. Zum ersten Mal konnten seine Mitgefangenen lachen, zum ersten Mal trafen sie eigene Entscheidungen, zum ersten Mal waren sie freiwillig benebelt vom Alkohol und nicht gezwungenermaßen durch irgendwelche Drogen.
Der Film hat also meiner Ansicht nach die klare Botschaft zu rebellieren, seine eigene Meinung zu vertreten, auch wenn dies vielleicht Nachteile mit sich bringt.

Diese Botschaft macht natürlich noch keinen großartigen Film aus, aber das, wie diese Botschaft übermittelt wird. Und übermittelt wird diese Story vor allem durch Jack Nicholson, der fast die ganze Breite des Films für sich beansprucht. Er spielt den von der Gesellschaft mißverstandenen Außenseiter McMurphy einfach phänomenal und wurde auch zu Recht mit einem Oscar bedacht. Er schafft es vor allem seine Figur dem Zuschauer näher zu bringen, man schüttelt zusammen mit ihm den Kopf über die starren Regeln des Systems, man möchte zusammen mit ihm rebellieren gegen diese, man leidet zusammen mit ihm, wenn er mit Elektroschocks und Drogen ruhig gestellt wird und man möchte zusammen mit ihm wieder aufstehen und weiter kämpfen.

Aber auch auf der anderen Seite das Pendant zu McMurphy die Oberschwester Ratched wird äußerst überzeugend von Louise Fletcher verkörpert. Gerade der Gegensatz der beiden bereichert den Film ungemein. Ratched ist die Verkörperung jeglicher Machtinstitution. Sie hat die alleinige Macht über die Station, und die Diskussion von McMurphy mit ihr über geringe Freiheiten (Baseball im TV schauen), sieht sie als Angriffe auf ihre Macht und auf diese reagiert sie, doch mit ihrer Reaktion kann sie McMurphy erst nicht brechen, also schaukeln sich ihre Reaktionen hoch und es kommt zum Krieg zwischen den beiden. Dieses „Duell“ der beiden Protagonisten kann man einfach auf die normale Weltgeschichte übertragen: Einer ist aufmüpfig, der andere kann ihn mit einfachen Mitteln nicht kontrollieren, es kommt zum Krieg. Unverständlicherweise, denn der eine wollte nicht viel. Er wollte nur kleine Freiheiten, doch wer in unserer Gesellschaft Macht hat, will diese nicht verlieren, nicht einmal ein Funken seiner Macht, und zum Machterhalt ist uns fast jedes Mittel recht.

So ist dieser Film auch ein Plädoyer für eine bessere Welt, eine Welt in der nicht jeder sich an seine Macht klammert, sondern anderen auch Freiheiten zugesteht und diese bessere Welt erreichen wir nur durch Rebellionen im Alltag.

Ich habe leider immer noch nicht das Buch zu diesem Film erstanden, obwohl ich das schon lange wollte, aber ich denken, dass das Gesagte wohl auch auf das Buch zutrifft, sogar eher auf das Buch, da dieses ja die Vorlage zum Film ist, so dass dieses Sehnen nach einer besseren Welt wohl eher aus der Feder von Ken Kesey, dem Autor des Buches stammt, als von den Machern des Films. Wie sehr aber auch diese der selben Meinung sind, zeigt die filmische Erzählung des Ganzen und vor allem die Bilder, mit denen das ganze verkörpert wird.

Ich kann jedem nur empfehlen sich den Film anzusehen. Es ist nämlich nicht nur ein grandioser Film, welcher durch großartige Darsteller (auch in den Nebenrollen), viel Komik und auch viel Tragik, sowie viel Emotionalität zu gefallen weiß, es ist auch ein Film mit einer überzeugenden Botschaft.

Einer flog über das Kuckucksnest bekommt von mir ganz klar 10 Punkte auf meiner 10er Skala!

Titel Deutschland: Einer flog über das Kuckucksnest
Originaltitel: One Flew Over The Cuckoo\'s Nest
Genre: Tragikomödie/Gesellschaftssatire
USA, 1975, FSK 12, Laufzeit: 134 Minuten

Darsteller: Jack Nicholson (Randle Patrick McMurphy), Louise Fletcher (Schwester Mildred Ratched), Danny De Vito(Martini), Brad Dourif (Billy Bibbit), Wiliam Redfield (Harding), Will Sampson (Häuptling Bromden), Michael Berryman (Ellis)

Regie: Milos Forman
Produzenten: Saul Zaents, Michael Douglas für Fantasy
Drehbuch: Lawrence Hauben, Bo Goldman nach dem Roman von Ken Kesey und dem Bühnenstück von Dale Wasserman
Musik: Jack Nitzsche
Kamera: Haskell Wexler, Bill Butler
Schnitt: Richard Chew, Lynzee Klingman, Sheldon Kahn


Oscars:
Oscar 1975 für \"Einer flog über das Kuckucksnest\" (Bester Film)
Oscar 1975 für Lawrence Hauben, Bo Goldman (Drehbuch-Bearbeitung)
Oscar 1975 für Jack Nicholson (Hauptdarsteller)
Oscar 1975 für Louise Fletcher (Hauptdarstellerin)
Oscar 1975 für Milos Forman (Regie)
Oscar-Nominierung 1975 für Haskell Wexler, Bill Butler (Kamera)
Oscar-Nominierung 1975 für Jack Nitzsche (Musik)
Oscar-Nominierung 1975 für Brad Dourif (Nebendarsteller)
Oscar-Nominierung 1975 für Richard Chew, Lynzee Klingman, Sheldon Kahn (Schnitt)


© Björn Becher 2002, 2003

22 Bewertungen