Gegen die Wand (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von july

... und da war plötzlich ne Wand?!

Pro:

schauspieler, die handlung, das ende, DER FILM!

Kontra:

aber auch wirklich gar nichts

Empfehlung:

Ja

Kennt ihr diese Filme, die so plötzlich und unerwartet aufhören, mit einer solch sanften Gewalt enden, dass es einen umhaut; und man starrt wie gebannt auf den Abspann, als warte man noch auf eine Vortsetzung, auf Aufklärung; und dann geht man aus dem Kino raus, und ist den Abend lang gefangen in dem Bann dieser unglaublichen Wucht dieses Films?
Nein?! Ja dann nichts wie rein in dieses Schmuckstück von Film.
Ich sprach gerade von Aufklärung, aber genau das scheint ( unter vielem anderen) die Faszination diese Meisterwerks auszumachen: das Kino im Kopf, auf wundersame Art verbunden mit den Bildern, diesen tollen Nahaufnahmen der wirklich fantastischen Schauspieler, dieser Gewalt dieses Films. Fragen bleiben offen, aber es sind rethorische Fragen, es sind genau die richtigen Fragen, um den Zuschauer noch nach Verlassen des Kinos zu fesseln.


Ein Film von...
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... Faith Akin, einem Hamburger Jung. Wer von euch \"Im Juli\" mit Moritz Bleibtreu, \"Kurz und Schmerzlos\" (Akins Erstling) oder Solino (ebenfalls mit Moritz) kennt, der weiß: der Junge hats einfach drauf, faszinierende Filme zu machen, wer die Filme noch nicht kennt: Anschaun! Jetzt! Sofort! Der Mann versteht sein Handwerk.
Erwähnenswert zu Anfang wäre: teilweise ist der Film mit deutschen Untertitel, da im Film viel türkisch gesprochen wird, und dann gibt es noch nette musikalische Einspielungen: ein Traum! Achtet auf diese coolen Teppiche... Und natürlich noch ein nicht unwesentlicher Punkt: dieser Film hat den Hauptpreis der diesjährigen Berlinale, den \"Goldenen Bären\", gewonnen.


Die Geschichte
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Eigentlich eine recht plumpe Handlung, aus der auf zauberhafte Weise ein direktes, teilweise schockierendes, aber auch sehr berührendes Drama gestrickt wird.
Die junge Türkin (allerdings eine in Deutschland geborene) Sibel (Sibel Kekilli) will endlich frei sein. Unterdrückt durch die starren Traditionen und die dadurch erdrückende Enge des Elternhauses (als sie mit einem Mann Händchen hielt, brach ihr Bruder ihr die Nase), sucht sie den letzten Ausweg und schneidet sich die Pulsadern auf, allerdings quer. In der Reah lernt sie ihn dann kennen: ihren vermeintlichen Traummann; der ihr dann auch sogleich Tipps gibt, wie man sich richtig umbringt: man muss längs schneiden, nicht quer! Für sie scheint Cahit (Birol Ünel) der perfekte Mann für eine Scheinehe. Denn nur wenn sie einen türkischen Ehemann hat, liesse sie ihre Familie in Ruhe, so denkt sie, was im Endeffekt auch so ist.
Zu ihm muss gesagt werden, dass er sich natürlich nicht grundlos in der Reah befindet. der ältere Mann (so um die 40) scheint sein Leben nicht in den Griff zu bekommen, der Alkohol ist sein ständiger Begleiter, er hat einen Job als Gläser-Aufsammler nach wilden Parties und auch er ist auf seine Art unfrei, sein Leben hat keinen Sinn mehr. Also fährt er \"gegen die Wand\".
Der ruppige, vernarbte Cahit mit einem weichen Herzen; das man ihm vielleicht nicht ansieht, wenn er mal wieder seine Ehefrau Sibel mit den Worten:\"F*#k dich\" aus der Wohung schmeisst...Sie allerdings scheint es zu sehen. Allerdings ist sie nach der Hochzeit ersteinmal auf ihrem \"Freiheits-Trip\" und lässt ihren bis dato eingepfrechten Trieben zügellos ihren Lauf. Vorhersehbar, dass ihr das einmal zum Verhängnis wird...
Die Scheinehe läuft gut, die Eltern und der Bruder akzeptieren ihn, seine Wohnung ist sauber, er hat jemanden, der für ihn lecker Sachen kocht, und sie hat die Freiheit mit dem zu schlafen, mit dem sie will. Dieses Mädchen will Spass haben, das ist sicher. Allerdings natürlich nicht mit ihrem \"Mann\"... Und dieser, auch vohersehbar, taut auf, der Sex mit seiner \"Ab-und-zu-mal\" Affäre wird besser und auch sonst scheint das Leben ganz gut zu sein im Moment.
Und von einem Moment zum anderen ändert sich alles schlagartig. Auf dem Gipfel ihrer eingentlich gar nicht sein könnenden/dürfenden/geplanten Liebe, gerade als alles perfekt sein wollte, weil die Liebe so gewachsen, es aber keiner dem anderen richtig gezeigt hat, gerade dann passiert ein Fehler, ein Unglück, ein provoziertes Missgeschickt... und beide werden schlagartig ins Elend katapultiert.
\"Ich werde auf dich warten\", verrät der deutsche Untertitel dem Zuschauer ihre letzten Worte zu Cahit.
Verfolgt von Presse und Familie kann sie nicht mehr in Deutschland bleiben, flieht sozusagen nach Istanbul, zu der Cousine. Ihre Haare sind kurz. Ihr Leben verläuft eintönig, ihre Cousine verschafft ihr einen Job als Zimmermädchen in dem Hotel bei dem sie fast Managerin ist, und so irrt sie einsam und in einer Art Delirium durch diese große verrückte Stadt. Sucht nach Drogen, findet einen Dealer, schlimme Szenen in einer Bar, ihr Leben läuft aus dem Ruder. Und der einzige Ausweg ist: natürlich der Tod, aber wie? Sie ist zu schwach, von den Drogen, dem Suff. Wieder dramatische Szenen, die einen fesseln. Man spürt beinahe diese Schmerzen und diese Verzweiflung, es ist wirklich unglaublich direkt, und fast agressiv, aber in einer solch melancholischen Grundstimmung eingebettet, dass es einen wie durch Watte erreicht, und die Gefühle der Darstellerin noch intensiver mitgefühlt werden können. SCHNITT.
Nach Jahren? wieder in Hamburg, ein nicht wieder zu erkennender Cahit kommt, auch mit kurzem Haar, aus dem Gefängnis. Nur ein Ziel, ein Wunsch hat ihn am Leben erhalten, die ganze Zeit über, und so macht er sich auf nach Istanbul. Er trinkt nur noch Wasser (es sind diese winzigen Details, die den Charme und das Geheimnisvolle dieses Films ausmachen, alles ist in einander verstrickt, hat eine Bedeutung). Er findet die Cousine: der Zuschauer erfährt mit Cahit zusammen: Sibel hat Mann und Kind. Doch er glaubt, glaubt an diese Liebe, an sie. Sie treffen sich erneut, und machen Pläne (sie hat immer noch kurze Haare, eine süsse Tocher und auch eine Brille; was die Verwandlungsfähigkeit dieser Schauspielerin noch mehr hervorhebt)...
Der Schluss macht Eindruck.... mehr möchte ich zu den letzten Szenen nicht sagen, schaut selbst!

Die Schauspieler
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... sind grossartig!

Birol Ünel -- sein Spiel ist einfach wunderbar. Er vermag es diesen großen bösen Wolf mit großem gebrochen Herzen perfekt zu spielen. Sehr charmant, sogar als Alkoholiker. Und die vielen Nahaufnahmen seines Gesichtes tragen nur zu der wirklich guten Leistung dieses Schaupielers bei.

Sibel Kekilli -- Man wird schon vielleicht etwas über sie gehört haben: ja sie war eine Pornodarstellerin, hat nette Fotos gemacht, wer sich dafür interessiert kann die Bild lesen. Obwohl man vielleicht meinen könnte, dass ihr das schon ein wenig Übung für die paar Sexszenen in \"Gegen die Wand\" gabracht hat, muss man wirklich ihr unglaubliches schauspielerisches Talent loben. Sie hat eine kontroverse, in logische Widersprüche verwickelte, mit ein paar wirklich dramatischen Szenen gespickte Rolle gespielt, und alle Gefühle (Hoffnung, Verzweiflung, Wut, Trauer und diese tiefe Kraftlosigkeit) des Mädchens dem Zuschauer absolut super rübergebracht.
Außerdem muss noch erwähnt werden, dass sie ein unglaublich hüpsches Mädchen ist! Sogar dieser Kurzhaarschnitt vermag es nicht sie zu entstellen :)

Weitere Schauspieler wären:

- Catrin Striebeck
- Meltem Cumbul
- Güven Kiraç
- Cem Akin
- Aysel Iscan
- Demir Gökgöl
- Hermann Lause
- Mehmet Kurtulus
- Adam Bousdoukos
- Ralph Misske



Das Fazit
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...schließt sich dem ersten Textabschnitt an und möchte noch hinzufügen: geiler Film...

über...

...eine Liebe, die keine sein soll, und die sich trotzdem am Ende durchsetzt; und doch wartet man vergeblich auf ein \"Happy End\".

Also: ein wirklich lohnenswerter Film!

thx und auf wiedersehn

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