Ghost Dog - Der Weg des Samurai (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Filmfreund

"Der Weg ist das Ziel"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vorwort:
********
Diese und andere Weisheiten erhält man auch in dem Film. Aber das war es nicht, warum ich den Film (jetzt auch auf DVD - endlich) bei mir zu Hause habe. Es war ein kalter nasser verregneter Tag in meiner Heimatstadt. Die Sonne war nicht durch die Wolken nicht zu finden und Filmfreund begab sich in seiner Stammvideothek wieder auf die Suche nach neuen „Blockbustern“ *fg*

Diesmal hatte er Pech gehabt. Auf den Weg nach Hause – den Regen trotzend – noch einen schnellen Blick aufs elterliche Zuhause geworfen. Und was sah ich da ? Das Auto von einem seiner Brüder. Und was hatte er dabei – allerdings für den anderen Bruder ? Ghost Dog als Pressekopie und Video ... Zack, genommen und ab nach Hause und die Kiste angeworfen....



Inhalt:
*****
Den Inhalt kann man in wenigen Sätzen – wie auch sowieso von mir gewohnt – niederschreiben. Ghost Dog (Forrest Whitaker) ist Profikiller. Aber einer der besonderen Art. Er lebt und handelt strikt nach den Regeln - sein Leitfaden ist ein alter Verhaltenscodex - der Samurai. Seine Begleiter sind Brieftauben, die mit ihm zusammen in einer Hütte auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes wohnen.

Seine Aufträge erhält er durch die Tauben. Seine Auftraggeber: Eine verstörte Mafiasippe, die eines Tages seine Maxime missachtet und dadurch dem falschen Weg gefolgt sind.



Meinung:
********
Das war er also. Dieser Film. Im Vorfeld habe ich den Namen des Regisseurs „Jim Jarmusch“ noch nie gehört. Aber ich muss zugeben, da ist ein „Großer“ am Werk gewesen. Zumindest ein besonderer Mensch, der die Kunst des Films im neuen Licht erscheinen lässt.
Nach einigen Recherchen konnte ich auch in Erfahrung bringen, das Jim Jarmusch schon seit langen (20 Jahren) im Geschäft ist und seiner Eigenart nie untreu geworden ist.
Komisch, das ich bis dahin nie etwas von ihm gehört habe. :-)

Mit „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ hat er zumindest mich überzeugt. Einem Film, der jeglichen Genrekonventionen untreu wird und verstärkt auf Charaktere und philosophischer Sozialbetrachtung eingeht.
Nie zuvor habe ich mir eine solch bizarre Welt angeschaut. Hier finden sich japanische Samuraiphilosophie, Killerportraitierung und Gangstarap in einem Film wieder (falls jemand einen ähnlichen – nicht von Jarmusch – Film kennt, so teile er mir dies bitte als Kommentar mit). Gekonnt verschmelzen diese 3 subtilen Formen zu einem ganzen und bleiben dennoch autark. Zuerst kam es mir als eine Art „Stilexperiment“ vor, das Jarmusch hier seinen Zuschauern bieten will. Aber es ist kein Experiment, dafür ist dieser Film von vorne bis hinten zu sehr durchdacht.
Schon allein die Bilder der Großstadt wirken künstlich, wenn nicht sogar aus den Blickwinkel des Hauptdarstellers (Forrest Whitaker) dargestellt. Eine Art Reflexion von Ghost Dogs Wahrnehmung auf die Großstadt. Als er das erste Mal auf dem Bildschirm erscheint, glaubt man kaum, das ein melancholisch-bedröppelt-schlurfenden-etwas korpulenter-wirkende 'Gangsta-Samurai' durch Forrest Whitaker verkörpert wird. Ich habe mir so einen etwas anders vorgestellt. Aber das Konzept geht auf, wenn man sich die Philosophie der Samurai zu Gemüte führt und sich ein wenig damit beschäftigt.

Anders als in vielen Martial-Art-Filmen – die nur der Kampfszenen wegen gedreht werden – ist hier nicht die Gewalt das zentrale Thema des Filmes. Die Gewalt wird durch Milieu dargestellt – mit all seinen Charakteren. Und das ist auch gut so. Anders würde der Film wohl auch nicht aufgehen. Vielleicht hat der Film auch keinerlei Aussage, sondern soll nur die Interaktionen zwischen den Charakteren aufzeigen. *Analyse kann manchmal grausam sein*

Der Film ist voll von kleinen Geschichten, verblüffenden Einfällen und wundersamen Charakteren mit sehr merkwürdigen Hobbys: (z.Bsp.: Ghost Dog kommuniziert mit seinem Boss ausschließlich via Brieftauben; sein „bester Freund” ist ein Französisch sprechender Eisverkäufer, den er nicht versteht; Die Mafiosi stehen auf Rap-Musik und sie tanzen schwingend mit einer Zahnbürste zu einem Song von Public Enemy) Eine wirklich gute Parodie auf jegliche Klischees.

Bei der Musik verhält es sich ähnlich wie der Film als Solchen. Dem Zuschauer wummern die ganze Zeit harte Ghetto-Raps entgegen. Die Musik liefert kein anderer als „The RZA“, der ein Mitbegründer der neunköpfigen New Yorker Hip-Hop Crew Wu-Tang Clan´s ist. Er ist wohl ein Multitalent - Komponist, Produzent, Rapper, Performer und Filmemacher in einer Person. Die Musik für „Ghost Dog“ war sein erster kompletter Score für einen Spielfilm. Und sie passt zur Atmosphäre des Filmes. Mal ruhig melancholisch, mal härter oder auch ganz weich mit wenig Synthi-Elementen. Eine intelligente und sehr kalkulierte Verbindung von Musik und Bildern, die Rap und Hip-Hop auch für den zum Genuss macht, der sonst bei solchen Tönen schnell die Geduld verliert, wenn nicht sogar aus dem Fenster springen würde.






Besonderheiten:
*************
· RZA erster kompletter Score für einen Film
· Die Gebote der Hagakure – sehr zu empfehlen
· Kleine Geschichten mit antiklischeehaften Verhalten (watt für ein Wort *fg*)
· Zu wenig Bonusmaterial auf der DVD (was auch zu einem kleinen Punktabzug führt)



Filminformationen
***************
Land: USA / BRD / F
Jahr: 1999
Originaltitel: Ghost Dog: The Way of the Samurai
Laufzeit: 116min
Darsteller: Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Isaach de Bankdolé u.a.
Regie: Jim Jarmusch
Produzenten: Richard Guay
Drehbuch: Jim Jarmusch
Vorlage: Jim Jarmusch
Musik: The RZA
Kamera: Robby Mueller
Schnitt: Jay Rabinowitz
Kostüme: John Dunn
Ton: Chic Ciccolini III
DVD-Specials: Deleted Scenes (5 min.); Musikvideo von "Kool G Rap (featuring RZA) - CAKES"; Trailer (D/E)



Offizielle Seite: http://www.ghostdog.de




Fazit:
*****
„Ghost Dog“ ist ein sehr spiritueller, literarischer, schriftgläubiger Film, der für mich seinesgleichen sucht. Wer auf ein Happy End aus ist, der kann lange warten :-)



So long Euer Filmfreund

15 Bewertungen, 2 Kommentare

  • suppengirl

    19.04.2002, 15:37 Uhr von suppengirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin auch ein Filmfreund *g* Grüßle, Suppi

  • Maeuschen21

    17.04.2002, 15:44 Uhr von Maeuschen21
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mal ein Bussi rüber geb *smile*