Good Bye, Lenin! (VHS) Testbericht

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ab 15,46
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5 Sterne
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Erfahrungsbericht von Birgit-Judith

tragische Komik-komische Tragik?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Einzig und allein warum wir diese Film sahen, war die gute Ressonanz hier bei Yopi. Die Schauspieler sagten mir nicht viel und so ganz konnte ich mich mit der Thematik des Films auch nicht anfreunden. Was ich dann sah war aber mehr als genial.

Alexander Kerner, kurz Alex genannt lebt zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester auf knapp 80 qm2 Wohnfläche in der damaligen DDR. Sein Vater sei angeblich nach einer Dienstreise in den Westen nicht mehr zurück gekommen. Christiane, die Mutter von Alex und Ariane ist das, was man eine \"Staatstreue\" nennt. Sie mag den Sozialismus, bzw. meint ihre Erfüllung darin zu finden. Beginnende Demonstrationen im Vorfeld des Mauerfalls, nesbt die Verhaftung ihres Sohnes nimmt sie so sehr mit, dass sie auf offener Strasse mit einem Herzinfarkt zusammenbricht und aufgrund nicht sofortiger Hilfe fällt sie ins Koma. Ihr Wiedererwachen grenzt an ein medizinisches Wunder und von nun an kann jede kleinste Aufregung den Tod bedeuten. Christiane bekam von der Wende überhaupt nichts mit und Alex holt sie, entgegen des Rates des Arztes nach Hause. Nun beherrscht nur noch ein Lebensmotto in der Wohnung. Wie verbirgt man dieses Weltereignis vor der Patientin?

Die Umsetzung dieser Story ist einfach nur grandios und wirkt weder unrealistisch, noch krampfhaft zusammengestellt. Jedes einzelne Geschehen ist nachvollziehbar und stellenweise wusste ich nicht, soll ich nun schallend lachen oder eher heulen. Noch nie sah ich einen Film, in dem Tragik und Komik so genial miteinander harmonieren. Der Geburtstag von Christine, z. Bsp. als jene bereits wieder zuhause weilte war eine dieser großartigen Szenen. Herr Klapprath, ein angesehener Professor zu DDR-Zeiten, wurde arbeitslos und ersäuft diese Tatsache im Alkohol. Dringlichst von Alex gebeten, doch bitte zum Gratulieren zu kommen, tut er dies auch, hochalkoholisiert. Der sonst so redegewandte Professor ist nicht in der Lage ein kurze Rede zu halten und als Zuschauer spürt man direkt die angespannte Sitation, in denen sich die Beteiligten befinden. Wusste doch Jeder außer Christiane bescheid und diese Art der Notlügen fielen ihnen schwer. Lara, Alex\'Freundin beschwört ihn immer und immer wieder, der Mutter reinen Wein einzuschenken. Doch dieser unterläßt das und am Ende des Films erscheint diese Entscheidung auch als richtig.

Daniel Brühl in der Rolle des Alex vollbringt eine sehr gute schauspielerische Leistung. Die Mimik und Gestik, besonders wenn er laut denkt, was sich immer wieder durch den ganzen Film zieht, ist eindrucksvoll. Von Hoffnung, Trauer, Angst, Genervtsein, bis hin zur blanken Verzweiflung spiegelt er den jeweiligen Gemütszustand sehr realistisch.

Katrin Saß als schwerkranke Mutter brachte mich des öfteren zum schmunzeln. Leicht naiv, gutgläubig und eben hochmotiviert und engagiert im \"System\" kommt ebenfalls glaubhaft rüber.

Maria Simon als Ariane ist das deutsche Otto-Normal-Mädel, alleinerziehende Mutter einer Tochter und in einer neuen Partnerschaft glücklich und schwanger mit einem Westdeutschen.

Good bye,Lenin läßt so ziemlich alle Empfindungen hochkommen, die ein Film wohl bieten kann. Aber gerade dieses Gleichzeitige macht die Story zu etwas besonderen. Als Lenin\'s Staute an einem Hubschrauber hängend an Christiane vorbeischwebt und ich diesen mehr als baffen Gesichtsausdruck sah musste ich schmunzeln, trotz der Tatsache, dass hier eine totkranke Frau wacklig auf ihren Beinen auf der Strasse stand und in dem Moment die Welt nicht begriff. An diesem Punkt möchte ich auch auf die Kameraführung hinweisen, die auch mehr als gelungen war. So erschien es dem Zuschauer genauso wie Christiane, dass der dahinschwebende Lenin die ausgestreckte Hand einem entgegenhielt, so als wollte er sagen, haltet mich fest, ich will bei euch bleiben.

Gespickt mit Originalaufnahmen, den lauten Gedankengängen von Alex aus dem Hintergrund zeigt dieser Film, dass man auch ohne gigantische Kulissen, Kostüme oder Millionengagen Kinounterhaltung der besonderen Art bieten kann. Und das auch deutsche Regiesseure, in dem Fall Wolfgang Becker, es schaffen, dass Publikum zu begeistern. Ob trübe Anfangsstimmung, aufkommendes Mitleid, Komik, Liebesglück, oder Trauer, jede einzelne Emotion erlebt der Zuschauer hautnah mit und nicht eine einzige Minute kommt Langeweile auf. Ebensowenig kann man anhand der Szenen in keinster Weise vorhersehen, wie sich der Film weiterentwickelt, bzw. was als nächstes passieren wird. Auch der Schluss war für mich etwas überraschend, aber der ganzen Thematik angepasst. Die passende Hintergrundmusik setzt diesem Filmwerk noch die Krone auf. Auch ohne Bilder wäre man hier in der Lage, die jeweilige Gefühlslage sofort zu interpretieren.

Mir lief auf jeden Fall ab und an ein kalter Schauer über den Rücken, der sich Minuten später durch ein herzhaftes Lachen in Nichts auflöste um sofort wieder, durch eine dieser Originalaufnahmen, oder bedingt durch einen Gedankengang von Alex rapide zu verstummen. Mich hat ein Film in all seinen möglichen Genres, sieht man einmal von der Action ab, selten so fasziniert wie Good bye, Lenin. 119 Min. die jeden Euro wert waren.

Absolut empfehlenswert und ich hoffe auf weitere solch genialer Werke aus deutscher Hand.

40 Bewertungen