Lola rennt (VHS) Testbericht

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ab 9,79
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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Lola fährt Schwalbe - alteSchwedin auch

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Und das, wo ich doch selber leidenschaftlich gern Moped dieses Typs fahre. (Für alle, die es nicht wissen: Schwalbe ist die gängige Bezeichnung für die Simson KR. Immer noch keine Ahnung?? Dann kann ich euch auch nicht helfen!) Aber nicht nur das macht mir den Film sympathisch. Doch lest selbst!

„Das Leben ist ein Wettlauf. Halte mit oder zahl den Preis!“
Mit diesen Worten, die in Art einer LCD-Anzeige und rot den Bildschirm füllen, beginnt der Film „Lola rennt“. Vor einigen Jahren hatte ich den Film schon einmal gesehen. Doch damals geschah das nur flüchtig. Also nahm ich ihn aus meiner Bibliothek mit, um ihn mir noch einmal intensiv anzusehen.

Schon der Vorspann ist, wie der gesamte Film, anders, neu, innovativ. Die Kamera wühlt sich in schnellen Bildern durch verschwommene Menschenmassen. Manchmal tauchen die Nebendarsteller in scharfen Konturen auf. Dann zeigt die Kamera diese Menschen von oben. Aus dem anfänglichen Chaos eines Ameisenhaufens formt sich der Titel „Lola rennt“. (Wie in dieser etwas älteren Werbung für Aktion Sorgenkind. Ach nein, das heißt ja jetzt Aktion Mensch...) Nun folgen die Producerinfos, im Bild immer eine rennende Lola als Comicfigur. Anschließend sind die Darsteller wie auf diesen Gefängnisfotos zu sehen, mit Profil- und Frontaufnahmen.

Aber nun etwas zur Story:
Berlin. Manni und Lola sind ein Paar.
Manni ist halbkrimineller Geldkurier für einen Autoschieber. Heute hat er seinen ersten wirklich großen Auftrag. Doch genau diesen vermasselt er gründlich: Er lässt auf der Flucht vor Fahrscheinkontrolleuren 100 000 DM in der U-Bahn liegen. Ein Penner findet sie und nimmt sie mit.
Manni ruft verzweifelt bei Lola an und beichtet ihr sein Unglück. In 20 Minuten soll er das Geld bei seinem Chef Ronnie abliefern. Es ist genau zwanzig vor Zwölf. Lola rennt um Mannis Leben. Sie versucht, ihren Vater zu überreden, ihr das Geld zu geben. Doch der lehnt schroff ab. Also rennt Lola weiter, sie will zu Manni. Doch als sie am Treffpunkt ankommt, sieht sie, dass er schon mitten in einem Überfall ist. Lola kommt zu spät.
Aber gemeinsam mit Lola gelingt es Manni, den Überfall durchzuziehen. Sie rennen weg, werden jedoch bald darauf von der Polizei gestellt. Manni wirft die Tüte mit dem Geld, ein Schuss löst sich aus der Pistole eines Polizisten, trifft Lola in die Brust. Sie geht in Zeitlupe zu Boden und stirbt. Doch das letzte Aufbäumen des Lebens in ihr lässt sie „Nein“ sagen. Und die Geschichte beginnt von vorn... Manni hat gerade angerufen und Lola rennt um sein Leben...


In „Lola rennt“ fügen sich drei verschiedene Varianten ein und derselben Geschichte zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Der Anfang, der Ausgangspunkt ist immer gleich. Doch schon, wenn Lola auf der Treppe einem zähnefletschenden Hund begegnet, zeigen sich unterschiedliche Reaktionen.
Auch trifft Lola in jeder Episode größtenteils auf die selben Menschen. Deren weitere Lebenswege offenbaren sich dem Zuschauer durch eingeblendete, schnell wechselndes Fotoserien. Das wirkt, als ob man allein schon durch den flüchtigen Anblick eines Menschen, sein weiteres Leben erkennen könnte. Und auch diese Zukunftsvisionen sind in jeder Episode verschieden.
Bis zu einem bestimmten Punkt sind auch Lolas Handlungen in jeder Episode gleich. Auch einen Teil der Denkansätze und Motive kann man in den letzten Episoden wiedererkennen. Doch entweder treten diese dann bei anderen Darstellern auf oder die Menschen entscheiden sich einfach anders.

Das ständige Rennen und die Kamerafahrten machen „Lola rennt“ zu einem sehr schnell bebilderten Film. Dabei wirkt es allerdings keineswegs überhastet. Vorwiegend schnelle Passagen, die das Tempo bestimmen, wechseln sich harmonisch mit ruhigen Stellen ab. Wenn Lola einen ihrer Schreie ausstößt, der Glas zerspringen lässt, läuft die Handlung sogar in Zeitlupe. Kleine Comicsequenzen, die noch eingefügt wurden, sind natürlich nicht zu vergessen.

Die Rolle der Lola wurde für Franka Potente zum wahren Karrieresprungbrett. Zwar war sie schon vorher durch „Nach fünf im Urwald“ (z.B.) aufgefallen, doch mit „Lola rennt“ schaffte sie den nationalen und internationalen Durchbruch. Als Lola ist sie wirklich grandios. Lolas feuerrote Haare, die im Wind fliegen, wenn sie rennt, sind zu einem Markenzeichen für den Film geworden. Ob sie nun ihren Vater unter Tränen um Geld anfleht, ob sie einen Banküberfall begeht oder ob sie einfach nur in höchster Verzweiflung bis zur Erschöpfung rennt und dann nach Manni ruft. Jeden Part ihrer Rolle füllt sie einfach perfekt aus. Darüber hinaus hat ja Franka Potente im Duett mit Thomas D mit dem Song „I wish“, der auch ein Charterfolg wurde, zum Soundtrack beigetragen.
Moritz Bleibtreu hat in seiner Rolle als Manni nicht so hart zu arbeiten, wie Lola. Doch damit will ich Moritz Bleibtreu bei weitem nicht seine Leistung absprechen. Als nicht gerade professioneller Kleinkrimineller ist er in seiner Verzweiflung richtig gut. Aber das Hauptaugenmerk des Filmes liegt, wie der Titel schon sagt, auf Lola.

Buch und Regie (plus Teil des Soundtracks) – Tom Tykwer
Kamera – Frank Griebe
Schnitt – Mathilde Bonnefoy
Darsteller:
Lola – Franka Potente
Manni – Moritz Bleibtreu
Papa – Herbert Knaup (Bankdirektor)
Jutta – Nina Petri (Papas Geliebte)
Norbert von Au – Joachim Król (Penner)
Schuster – Armin Rohde (Sicherheitsbeamter in Papas Bank)
Ronnie – Heino Ferch (Mannis Chef, Autoschieber)
Jäger A. – Suzanne von Borsody (Angestellte in der Bank)
Kruse – Lars Rudolph (Angestellter in der Bank)
Meyer – Ludger Pistor (Papas Freund)
Mike – Sebastian Schipper (Fahrradfahrer)
Blinde – Monica Bleibtreu (leiht Manni ihre Telefonkarte)
Hanna – Ute Lubosch (Lolas Mitbewohnerin)
Doris – Julia Lindig (unfreundliche Mutter mit Kinderwagen)


Abschließend möchte ich noch sagen, dass mir „Lola rennt“ sehr gut gefallen hat. Der 77 Minuten lange, ab 12 freigegebene Film hatte schon am 20.08.1998 seinen Kinostart, ist also nicht mehr allzu neu. Und doch hat er etwas ganz besonderes. „Lola rennt“ ist INNOVATIV.
Heutzutage möchte man oft glauben, dass die meisten Filmemacher dieses Wort i-n-n-o-v-a-t-i-v gar nicht kennen. Der Film zeigt, dass jede Entscheidung, und sei sie noch so klein, dein Leben verändern kann. Er hat etwas von einer Zeitreise. Möchtet ihr manchmal nicht auch einfach etwas nochmal durchleben, um etwas anders, besser zu machen?? Ich schon.
Und nicht zuletzt fährt Lola Schwalbe...

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