One Hour Photo (DVD) Testbericht

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One-hour-photo-dvd-thriller
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Erfahrungsbericht von starfax

Echter Runterzieher

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Jetzt hat mich eine liebe Freundin schon seit Tagen gelöchert, ob wir ins Kino gehen - in \"Open Hearts\" - und weil ich auch Bock auf ne Abwechslung hatte, hab ich ja gesagt - nur um dann zweierlei festzustellen: Erstens hab ich den die ganze Zeit mit \"One Hour Photo\" verwechselt und zweitens lief der um die Uhrzeit, zu der wir Zeit gehabt hätten, schon gar nicht mehr (ab 22Uhr).
Also gingen wir in „One Hour Photo“ und – ja, das ist ein seltsamer Film!

DER INHALT:

Seymour Parrish (oder „Sy der Fotohai“ wie er sich auch gerne nennen lässt) ist Angestellter bei Savmarts (so was wie WalMart) Blitzfotoentwicklungsabteilung. Und eigentlich ist er das nicht nur hauptberuflich, er ist auch gar nichts anderes – denn Sy hat kein Privatleben. Er ist besessen von Fotos. Er strebt nach der höchsten Perfektion in der Fotoentwicklung und will für seine Kunden nur das Beste- vor allem für Familie Yorkin.
Denn Sy hat keine Familie - auch keine Freunde, aber das scheint ihm egal – Sy sieht in Familie Yorkin die absolute Traumfamilie, denn er entwickelt höchstpersönlich sämtliche ihrer Fotos und sieht das tolle Haus, die schöne Frau, den jungen Mann, den süßen kleinen Sohn, er sieht Feiern, lachende Gesichter, kurz, bei dieser Familie muß alles ganz toll und ganz glücklich sein – und so beginnt er, sich selbst als den netten Onkel Sy in diese Familie hineinzuträumen. Heimlich macht er sich von jeder Bestellung der Yorkins eigene Abzüge und klebt sich zu Hause eine ganze Zimmerwand damit voll. Er sucht Kontakt zu Nina (der jungen hübschen Mutter), dem kleinen Sohn, und schließlich auch zum Vater (Will). Er tut alles, um sich den Yorkins nahe zu fühlen, fährt sogar vor deren Haus und träumt sich auch da wieder in deren Leben.
Nur eines hat Sy nicht bedacht: Fotos zeigen meistens nur die positiven Seiten des Lebens – und diese Familie hat längst starke Risse. Als Sy das herausfindet und kurz darauf von seinem Boß gefeuert wird, weil Sys heimliche Abzüge (nämlich hunderte) herausgekommen sind, dreht er durch – und er will die bestrafen, die daran schuld sind, dass „seine“ heile Familie Risse bekommen hat…

DER FILM:

Nach „Insomnia“ nunmehr der zweite Film, in dem Robin Williams nicht den lustigen Clown mimt, sondern eine hintergründigere Figur. In Interviews zeigt er sich darauf auch sehr stolz und beteuert, dass er sich das schon lange gewünscht habe.
Nun, Robin Williams darf auch stolz sein, denn sein Sy IST hervorragend gespielt. Anders als sein Bösewicht in „Insomnia“ (der meiner Meinung nach zu harmlos und uninteressant war ) ist Sy eine zutiefst beängstigende Figur. Komischerweise aber nicht, weil er so fies und gemein ist, sondern einfach, weil man spürt, wie es unter der sanften, ruhigen Oberfläche brodelt. Und sein Bedürfnis ist dabei so menschlich und so nachvollziehbar, dass man bei allem, was er tut, mitfühlt und mitleidet und ihm zurufen möchte, „Tus nicht“. Das Spannungsmoment des Films entsteht daher nicht aus den äußeren Geschehnissen, im Gegenteil. Letztlich kommt hier keiner um, ich glaube, selbst ernsthaft in Gefahr gerät niemand. Die Spannung, in die der Zuschauer gerät, entsteht dadurch, dass man hier förmlich dem langsamen Austicken eines Menschen zuschaut, das so ungeheuer schleichend und dabei so unabwendbar scheint.
Es ist Sy, der einen in Atem hält, der einen bei der Stange hält. Das kann letztlich die simple und fast platt erzählte Story des Films, die so vorhersehbar und konstruiert ist, nicht und das können auch die übrigen Darsteller des Films (allesamt unbekannte Gesichter), die sich immerhin redlich bemühen und durchaus solide Arbeit abliefern, nicht leisten.
Beeindruckend dennoch die Künstlichkeit der Bilder (vor allem die seltsam keimfreie Welt des Supermarktes und geradezu krankmachend Sys Fotoshop in seiner kalten, menschenfeindlichen Bläue). Von hier ist es auch nur ein kurzer Weg zu dem einfachen, persönlichkeitslosen, grauen Erscheinungsbild Sys mit seiner grauenvollen hellblauen Umhängetasche, der in einer anonymen Mietskasernenwohnung ein einsames Leben führt – vom Aussehen her DER Prototyp des Kinderschänders oder Triebtäters oder sonstigen Perversen, nur dass seine einzige Perversion darin besteht, sich verzweifelt nach menschlicher Wärme zu sehnen.
Dagegen in hellen und bunten Farben die scheinbar heile Welt der Yorkins, Ninas modische Frisur und Klamotten und Wills Männlichkeit, in die schon vor Sy der Zerfall einbricht.
Toll auch die Musik, die eigentlich nur aus langen, mit Synthesizern unterlegten Streicherklängen besteht.
Die Dialoge sind schlicht und wirken sehr papieren, nerven manchmal auch in ihrer Reißbrettartigkeit.
Überflüssig, wie angepappt und nur, um irgendeine Erklärung anzubieten das Ende, in dem sich Sy als Kindesmissbrauchsopfer bezeichnet. Das aber wirkt vor allem deshalb so störend, weil es so beliebig ist und sich nirgends in der ganzen Geschichte vorher andeutet oder erklärt. Hier stimmt die Psychologie des Films nicht, ist einfach an den Haaren herbeigezogen.

FAZIT:

Formal ein künstlicher Film, der mit einem hervorragenden, anrührenden Hauptdarsteller, kühlen Bildern und diese toll ergänzender Musik aufwartet.
Leider mittelmäßige Regie und einfallsloses Drehbuch, dazu ein schockierender Traum, der unnötig wie ein Kropf ist und wohl ein Zugeständnis des Regisseurs an das auf billige Schocks wartende Publikum sein dürfte.
Letztlich doch spannend und bewegend, aber auch ein echter Runterzieher.

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