Pulp Fiction (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von riemzeff
Gewalt-Komödie, Genre-Persiflage, Gossen-Porträt
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ein Pärchen hat genug von gefährlichen Überfällen auf Tankstellen und Schnapsläden. In Restaurants geht\'s einfacher. Gesagt, getan: \"Alle sitzenbleiben! Dies ist ein Überfall!\" Zwei Männer in schwarzen Anzügen auf dem Weg zur Arbeit: Sie reden über Fast food. Fußmassagen und Fernsehserien. Einer zitiert den Propheten Hesekiel, dann müssen drei Drogendealer sterben. Ein Boxer auf der Flucht. Sein Verfolger - ein Gangsterboß. Beide geraten in die Hände perverser Hinterwäldler. Auch diese Episode kann nur blutig enden.
Willkommen in der Welt von Quentin Tarantino. Wo \"cool\" kein Modewort ist, sondern Lebensart. Wo banales Geschwätz in hohe Philosophie umschlagen kann. Wo eben noch Absurdes plötzlich todernst und gewalttätig wird. Tarantinos Filme sind keine Schokoplätzchen zum Kaffeekränzchen und bestimmt nichts für schwache Nerven. Aber sie sind ungemein unterhaltsam - erstaunlicherweise für Fans harter Krimiaction genauso wie für intellektuelle Genre-Gourmets. Vor allem aber sind Tarantinos Epen, der Erstling \"Reservoir Dogs\" genauso wie \"Pulp Fiction\", Kunst- und Kultfilme. Sie erschaffen Welten, die es so ganz sicher nicht gibt, die aber durch und durch real erscheinen.
Kein Wunder. Denn dies künstliche Universum kleiner und großer Gangster, gescheiterter Existenzen und zufällig in ihr Verderben Stolpernder bezieht sich auf ein Genre, das seinen Ursprung in den 20er und 30er Jahren in den USA hatte - als \"Pulp Fiction\", zu deutsch: Groschenromane. 10 Cents billige, kurze Geschichten, die so hart und illusionslos waren wie das Leben ihrer Leser. Geschrieben von Autoren, die die Sprache der Straße beherrschten. Hollywood griff die Stories willig auf, machte daraus die \"schwarze Serie\". Die Regie-Asse wie Howard Hawks schufen Klassiker à la \"Tote schlafen fest\" (1945). Humphrey Bogart wurde als Privatdetektiv Phillip Marlowe ein Weltstar. Quentin Tarantino greift die Tradition der Schundromane und billigen Filme auf. \"Pulp Fiction\" strotzt vor Energie. Ihre Quelle ist nicht die Gewalt selbst, sondern die allgegenwärtige Drohung damit. Einer seiner \"Helden\", der Mietkiller Jules (samuel L. Jackson), quasselt in Gegenwart seiner
Opfer über Gott und die Welt - ehe er seinen blutigen Job verrichtet. So amoralisch und zugleich auf eigentümliche Art konservativ ist auch der Boxer Butch (gnadenlos gut: Bruce Willis, liebenswerter \"Stirb-langsam\"-Typ, aber mit fiesem Charakterzug). Erst geht er auf das geldgepolsterte Angebot von Marsellus Wallace (Ving Rhames) ein, seinen nächsten Kampf zu verlieren. Dann zieht er selbst den Gangsterboß über den Tisch. Und Vincent Vega (John Travolta), ebenfalls ein bezahlter Mörder, heroinspritzend und deshalb wohl so leicht nicht aus der Fassung zu bringen, läßt sich auf ein Techtelmechtel mit Mia (Uma Thurman) ein, der kokssüchtigen Frau vom Boß. Als sie eine Überdosis schnupft, wird der Killer zum rettenden Engel.
Szenen, übertrieben, absurd und voller Humor. Dialoge, deren Wortwitz auf der Zunge wie klarer böser Alkohol explodiert. Eine suggestive Kamera, die extreme Nahaufnahmen mit Comic-Perspektiven verbindet. Und phantastische Darsteller zuhauf: Wie Samuel L. Jackson, einmal Todesengel, dann gnädiger Herr. Wie Harvey
Keitel (\"Smoke\"), der als \"The Wolf\", Spezialist für Reinigungsaufgaben, eine brillante Knallchargen-Nummer abliefert: \"Was haben wir denn hier: einen Körper in einem Auto, minus einem Kopf, in einer Garage. Zeigt\'s mir.\" Und natürlich John Travolta. Mit diesem Film wiederaufgestiegen aus dem Verließ
für abgeschriebene Hollywood-Stars. Ein Antiheld, den man doch irgendwie knuddeln möchte. Aber das ist nun wirklich eine Groschenheft-Phantasie.
Willkommen in der Welt von Quentin Tarantino. Wo \"cool\" kein Modewort ist, sondern Lebensart. Wo banales Geschwätz in hohe Philosophie umschlagen kann. Wo eben noch Absurdes plötzlich todernst und gewalttätig wird. Tarantinos Filme sind keine Schokoplätzchen zum Kaffeekränzchen und bestimmt nichts für schwache Nerven. Aber sie sind ungemein unterhaltsam - erstaunlicherweise für Fans harter Krimiaction genauso wie für intellektuelle Genre-Gourmets. Vor allem aber sind Tarantinos Epen, der Erstling \"Reservoir Dogs\" genauso wie \"Pulp Fiction\", Kunst- und Kultfilme. Sie erschaffen Welten, die es so ganz sicher nicht gibt, die aber durch und durch real erscheinen.
Kein Wunder. Denn dies künstliche Universum kleiner und großer Gangster, gescheiterter Existenzen und zufällig in ihr Verderben Stolpernder bezieht sich auf ein Genre, das seinen Ursprung in den 20er und 30er Jahren in den USA hatte - als \"Pulp Fiction\", zu deutsch: Groschenromane. 10 Cents billige, kurze Geschichten, die so hart und illusionslos waren wie das Leben ihrer Leser. Geschrieben von Autoren, die die Sprache der Straße beherrschten. Hollywood griff die Stories willig auf, machte daraus die \"schwarze Serie\". Die Regie-Asse wie Howard Hawks schufen Klassiker à la \"Tote schlafen fest\" (1945). Humphrey Bogart wurde als Privatdetektiv Phillip Marlowe ein Weltstar. Quentin Tarantino greift die Tradition der Schundromane und billigen Filme auf. \"Pulp Fiction\" strotzt vor Energie. Ihre Quelle ist nicht die Gewalt selbst, sondern die allgegenwärtige Drohung damit. Einer seiner \"Helden\", der Mietkiller Jules (samuel L. Jackson), quasselt in Gegenwart seiner
Opfer über Gott und die Welt - ehe er seinen blutigen Job verrichtet. So amoralisch und zugleich auf eigentümliche Art konservativ ist auch der Boxer Butch (gnadenlos gut: Bruce Willis, liebenswerter \"Stirb-langsam\"-Typ, aber mit fiesem Charakterzug). Erst geht er auf das geldgepolsterte Angebot von Marsellus Wallace (Ving Rhames) ein, seinen nächsten Kampf zu verlieren. Dann zieht er selbst den Gangsterboß über den Tisch. Und Vincent Vega (John Travolta), ebenfalls ein bezahlter Mörder, heroinspritzend und deshalb wohl so leicht nicht aus der Fassung zu bringen, läßt sich auf ein Techtelmechtel mit Mia (Uma Thurman) ein, der kokssüchtigen Frau vom Boß. Als sie eine Überdosis schnupft, wird der Killer zum rettenden Engel.
Szenen, übertrieben, absurd und voller Humor. Dialoge, deren Wortwitz auf der Zunge wie klarer böser Alkohol explodiert. Eine suggestive Kamera, die extreme Nahaufnahmen mit Comic-Perspektiven verbindet. Und phantastische Darsteller zuhauf: Wie Samuel L. Jackson, einmal Todesengel, dann gnädiger Herr. Wie Harvey
Keitel (\"Smoke\"), der als \"The Wolf\", Spezialist für Reinigungsaufgaben, eine brillante Knallchargen-Nummer abliefert: \"Was haben wir denn hier: einen Körper in einem Auto, minus einem Kopf, in einer Garage. Zeigt\'s mir.\" Und natürlich John Travolta. Mit diesem Film wiederaufgestiegen aus dem Verließ
für abgeschriebene Hollywood-Stars. Ein Antiheld, den man doch irgendwie knuddeln möchte. Aber das ist nun wirklich eine Groschenheft-Phantasie.
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