Roter Drache (VHS) Testbericht

Roter-drache-vhs-thriller
ab 16,66
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
(15)
4 Sterne
(15)
3 Sterne
(7)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von R.D.L.A.

Hannibal zu Beginn und doch zum Dritten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So musste es kommen. Auch der erste Teil der Hannibal-Trilogie musste (Neu-)verfilmt werden. Und natürlich sollte wieder Anthony Hopkins die Rolle des Hannibal übernehmen. „Roter Drache“ wurde bereits 1986 als „Manhunter“ verfilmt und hielt sich nicht so an Harris Vorlage wie dies bei „Roter Drache“ der Fall seine sollte. Doch ob der Film wirklich neu verfilmt werden musste und ob er wirklich mit dem bis dato besten Film der Reihe „Das Schweigen der Lämmer“ mithalten kann, wagte ich von Beginn an zu bezweifeln. Trotz sehr guter Schauspieler, die mit zu den besten Hollywoods gehören, wie Edward Norton, Anthony Hopkins und Ralph Fiennes, wollte ich dem Braten nicht so richtig trauen. Und leider behielt ich durchaus recht, obwohl es schlimmer hätte sein können.

Will Graham, Ermittler beim FBI, sucht einen Mörder, der den Opfern Körperteile scheinbar als Trophäen, entwendet. Er hat sich für ein psychologisches Profil an den Psychologen Hannibal Lecter gewandt, der ihm bereitwillig hilft. Doch Graham kommt dahinter, dass Lecter selber hinter den Morden steckt. In einem Gespräch sticht Lecter den Ermittler nieder, der jedoch Lecter ebenfalls niederschiessen kann, so dass er gefasst wird.
Einige Jahre später, Graham hat beim FBI gekündigt, wendet sich sein alter Chef Jack Crawford an ihn. Graham soll einen Serienkiller analysieren, der bei Vollmond Familien mordet. Dabei geht er nach einem bestimmten Ritual vor.
Graham kann sich einigermaßen in den Täter hineinversetzten, doch fehlt ihm der entscheidende Hinweis. Durch Crawfords Überredungskünste wendet sich Graham an seinen Erzfeind Hannibal Lecter, der durchaus bereit ist ihm zu helfen. So kommt Graham immer näher an den Mörder heran. Doch dieser ist ein Fan von Lecter und steht bereits mit ihm in Kontakt, trotz Lecters Haftbedingungen. So gelangt der Mörder an Grahams Privatadresse und dieser samt seiner Familie wird zum nächsten Gejagten.

Dies ist nur ein kurzer Abriss, der sich so nicht schlecht anhört und an sich auch nicht schlecht ist. Die Story ist durchaus gut durchdacht und in sich logisch.

Zu schwächeln beginnt der Film jedoch schon bei den Schauspielern. Nicht, dass sie etwa schlecht spielen, aber sie wirken fast alle nur routiniert und es gelingt ihnen kaum ihren Figuren Leben einzuhauchen. Hopkins hat dies eigentlich auch nicht mehr nötig, da Hannibal nach zwei Filmen schon fast sein Alter Ego sein könnte. Vielleicht ist dies aber auch das Problem, da er sowieso akzeptiert wird und nicht mit letzter Entschlossenheit zu Werke geht, wie es noch bei „Das Schweigen der Lämmer“ der Fall war.
Ähnliches gilt für Edward Norton. Zwar spielt er eine für ihn neue Rolle, doch kann er bei weitem nicht so brillieren wie in „American History X“ oder „Fight Club“. Norton spielt schon gut, nur eben einfach nur viel zu routiniert. Von ihm hat man schon viel bessere Leistungen gesehen.
Und dies ist das Problem vor allem in den Dialogen zwischen Graham und Lecter. Es entsteht einfach kein Feuer zwischen Hopkins und Norton wie es z.B. in „Das Schweigen der Lämmer“ zwischen Jodie Foster und Hopkins der Fall war. Und gerade diese Dialoge sollten den Höhepunkt des Films darstellen, was jedoch nicht erreicht wird.
Auch Harvey Keitel kommt nicht an sein gewohntes Level heran. Dies mag allerdings auch daran liegen, dass seine Rolle ziemlich klein ist.
Einziger wirklicher schauspielerischer Lichtblick ist Ralph Fiennes, der den Mörder Francis Dolarhyde spielt. Ihm nimmt man am ehesten seine Rolle ab und er stellt den Zwiespalt in seinem Charakter äußerst glaubhaft dar. Dolarhyde glaubt einerseits der Rote Drache zu sein, doch hat auch er Gefühle wie Liebe in sich, die ihn zerfressen. Diese Darstellung gelingt Fiennes sehr gut und er kann als einziger vollkommen überzeugen.

Die Inszenierung erinnert sehr stark an „Das Schweigen der Lämmer“, vor allem die Bilder. Überhaupt fällt nur das recht bräunliche Bild besonders auf, das eben an den ersten Hannibal Film mit Anthony Hopkins erinnert. Jedoch lässt „Roter Drache“ gerade die detailtreue seines Vorbilds vermissen, die ihn so einzigartig machen. Gleiches gilt für die Musik, die zwar durchaus spannend gehalten ist, aber auch nicht so den Effekt besitzt wie es eben in „Das Schweigen der Lämmer“ der Fall war.
Richtig spannend wird der Film leider nur die letzten paar Minuten, als alle Gefahr gebannt zu sein scheint. Hier entpuppt sich der Mörder erst als richtige Gefahr und in diesen letzten Minuten weiß auch „Roter Drache“ zu überzeugen. Hier stimmt dann auch wirklich alles und der Zuschauer bekommt den erhofften Nervenkitzel. Doch ist dies leider viel zu spät! War „Das Schweigen der Lämmer“ durchgehend spannend, war „Roter Drache doch an vielen Stellen fast schon langweilig.

Ein Punkt der jedoch in beiden Filmen eine große Bedeutung hat, ist die Symbolik. Und hier steht „Roter Drache“ dem Vorbild in nichts nach. Hier ist es halt der Drache und auch vor allem Spiegel, die von Bedeutung sind. Der Drache steht für die unzivilisiert, gefährliche Kraft, die jedoch nach der Vollkommenheit sucht. Und diese Vollkommenheit sucht auch Francis Dolarhyde, der eine Hasenschachte hatte und sich für unvollkommen hält. Er will sich in den Drachen verwandeln. Dies ist ein Thema, welches auch schon in „Das Schweigen der Lämmer“ verarbeitet wurde, die Verwandlung eines Menschen.
Spiegel sind wichtig, da der Mörder seinen Opfern Spiegelteile in die Augen legt. Spiegel dienen zur Reflektion und stellen ein Ebenbild dessen dar, der in ihn hineinguckt. Derjenige der zu oft in einen Spiegel guckt wird im allgemeinen als Eitel dargestellt. Und dies trifft in etwa auch auf den Mörder zu, der sich für unvollkommen hält und so nur ungern unter andere Menschen geht. Nicht von ungefähr ist seine einzige Bekannte blind.
Seine Opfer stellt er immer als Publikum für sein letztes Opfer auf. Doch damit diese ihn nicht ansehen, setzt er ihnen Spiegelteile ein.

Insgesamt gesehen ist „Roter Drache“ deutlich schwächer als „Das Schweigen der Lämmer“, jedoch auch deutlich besser als „Hannibal“. Letzterer setzte viel zu sehr auf Schock- und Eckeleffekte, während „Roter Drache“ wieder auf die Psychoschiene zurückfährt. Dies ist jedoch nicht immer gelungen. Ein routinierter Psycho Thriller, der mit routinierten Schauspielern routiniert in Szene gesetzt wurde. Etwas Besonderes ist er aber noch lange nicht und deshalb gibt es 6 von 10 Punkten.

P.S.:Andere Interpretationen würden mich brennend interessieren.

18 Bewertungen