Roter Drache (VHS) Testbericht

Roter-drache-vhs-thriller
ab 16,66
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Erfahrungsbericht von SVoigt3000

Hannibal Lecters Fütterungszeit

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich die Bücher „Hannibal“ und nun auch fast „Roter Drache“ durchgelesen habe, musste ich mir natürlich auch den Film, der auf Thomas Harris\' „Roter Drache“ basiert ansehen. Ein weiterer Grund, neben der Neugierde auf die filmische Umsetzung des nicht ganz einfachen Stoffs, war natürlich auch Anthony Hopkins ein Grund, den Kinobesuch zu wagen. Denn er spielt – wieder mal – den Kannibalen Dr. Hannibal Lecter.

-------STORY:-------
Will Graham (Edward Norton) ist im Ruhestand. Nachdem er vor einigen Jahren Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) gefangen hat und dabei lebensgefährlich verletzt wurde, lebt er mit seiner Frau und seinem Stiefsohn zusammen. Doch eines Tages besucht FBI Chef-Ermittler Jack Crawford (Harvey Keitel) Graham, weil im letzten Monat, jeweils bei Vollmond, zwei komplette Familien von einem Mörder brutal getötet wurden. Will Graham besitzt die Gabe sich in andere Menschen sehr gut hineinversetzen zu können und wird daher um Rat gebeten.

Widerstrebend nimmt Graham den Job an, weil er vielleicht mit seiner Arbeit Leben retten kann. Der Polizei und dem FBI bleiben 3 Wochen bis zum nächsten Vollmond. Leider kommt Graham nicht recht weiter und ist daher gezwungen, Hannibal Lecter um Rat zu fragen, was ihm sehr schwer fällt. Hannibal Lecter findet als Psychologe Interesse an dem Serienkiller und gibt Graham einige Hinweise – leider nicht nur Graham. Denn Lecter informiert auch den Mörder über eine kodierte Kleinanzeige in der Zeitung über Grahams Privatadresse. Nun ist nicht nur Graham, sondern auch seine Familie in höchster Gefahr...


-------KOMMENTAR:-------
Bei „Roter Drache“ ist Regisseur Brett Ratner (u.a. „Rush Hour“) etwas gelungen, was selten ist – eine sehr genaue Umsetzung der Buchvorlage. Beim Lesen habe ich mir schon vorgestellt, welche Aspekte und Szenen der Handlung wohl im Film unter den Tisch fallen würden. Ich wurde meistens enttäuscht, denn im Film sind recht oft komplette Dialoge des Buches eins zu eins übernommen worden. Eine Sache fehlt mir leider doch! Die Fragen, warum der Mörder bei Vollmond tötet, die genauen Beweggründe zu den Morden und das Verhältnis zu Dolarhydes Großmutter werden nicht genügend beleuchtet. Das ist im Buch ausführlicher. Klar, man kann einen so umfangreichen Roman (über 400 Seiten) nicht komplett filmisch umsetzen, aber diese Fragen, die offen bleiben, sind doch recht wichtig um die Psyche des Killers zu verstehen.

Dafür ist die Idee, wie die Teile aus Dolarhydes Vergangenheit dem Zuschauer gezeigt werden, sehr gut. Während einer Kamerafahrt durch Dolarhydes Haus sind Dialoge zwischen ihm und seiner Großmutter zu hören, die sehr schnell auf ein schlechtes Verhältnis schließen lassen. Sehr gut gelöst, allerdings kommen zu wenig Informationen über diese Vergangenheit rüber...

Um nun noch kurz einen lustigen Unterschied zwischen Buch und Film zu zeigen: Im Buch wird der Serienkiller von der Polizei und der Presse bald “Zahnschwuchtel” genannt – Im Film wird da “Zahnfee” draus. Hatte da jemand Skrupel, neben ekelig-pervers hingerichteten Leichen, die gezeigt werden, auch noch das Wort “Schwuchtel” im Film unterzubringen?

Nun möchte ich aber nicht weiter meckern, denn der Film hat es nicht verdient. Loben muss ich, mal wieder, Anthony Hopkins. Der Mann könnte wohl auch Ronald McDonald spielen und würde sogar dem McDonalds-Clown eine wahnsinnige Tiefe und ein wahnsinns Charisma geben. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie perfekt Hopkins seine Rollen, nicht nur Hannibal Lecter, spielt. Er verleiht diesem Monster Charme, Witz, Charisma und macht sie sogar ein Stück sympatisch. Aber auch Edward Norton als Will Graham und Ralph Fiennes als „Roter Drache“ spielen ihre Rollen sehr gut und überzeugend. Das ist mir gerade bei Fiennes aufgefallen, der die Zerissenheit zwischen seinem Wahn, durch brutale Morde zum „Roten Drachen“ zu werden und seinem Wunsch, seine Freundin Reba nicht töten zu müssen perfekt spielt.

„Roter Drache“ kommt fast komplett ohne Special Effects aus. Dafür hatten Maskenbildner am Set umso mehr Arbeit. Denn neben Francis Dolarhydes entstelltem Gesicht mussten noch einige Leichen „hergestellt“ werden, die ziemlich pervers hingerichtet wurden (Details erspare ich den jüngeren Lesern). Aber auch die Maskenbildner haben ganze Arbeit geleistet und können stolz auf sich sein.

Bleibt noch zu sagen, dass der Film fast von der ersten bis zur letzten Minute spannend ist – zumindest wenn man das Buch nicht kennt, denn, da der Film sehr nah am Buch gedreht wurde, kennen die Leseratten unter den Zuschauern die Handlung schon. Regisseur Brett Ratner hat es aber geschafft, immer eine gewisse Grundspannung im Film aufrecht zu erhalten, sei es durch dunkle, unwirkliche Orte, an denen die Handlung spielt (Lecters Zellentrakt ist ja zum Beispiel nicht wirklich einladend) oder nur durch Lecters eiskalten, durchdringenden Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.


-------FAZIT:-------
Dank einer sehr guten Story und mindestens ebenso guten Schauspielern ein absolut sehenswerter Film. Leider erfährt man nicht genug über Dolarhydes Vergangenheit, in der seine Motivation zu den Taten begründet liegt.

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