The Mighty - Gemeinsam sind sie stark (VHS) Testbericht

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ab 9,56
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Erfahrungsbericht von catmother

Ich brauche Beine und du ein Gehirn!

Pro:

wunderbar erzählt, zwei tolle Darsteller, traurig-schön

Kontra:

keins

Empfehlung:

Ja

Es gibt auch in der heutigen Zeit der vorwiegend kommerziellen und action-angehauchten Reißer bewegende Filme mit einer Botschaft, die zu Herzen geht. Diesen hier habe ich mir nun angesehen, weil ich ihn für meine Schwester sowieso aufnehmen sollte.


** Inhalt **
Max Kane (Elden Henson) ist in der 7. Klasse und sieht aus wie Godzilla - riesig im Wuchs, strohdumm und ein richtiger Klops. Der Fleischklops ist zudem zweimal sitzen geblieben. Klar, solch ein Kerl wird ständig angestarrt, daß er sich vorkommt „wie nach einer Suchmeldung im Fernsehen“. Zusätzlich ist er natürlich permanent Hänseleien ausgesetzt, vorzugsweise von einer berüchtigten Gang der Schule, aber er wehrt sich nicht gegen die fiesen Attacken, weil es ja immer noch schlimmer kommen könnte.

Da sein Vater wegen Mordes an Max’ Mutter im Knast sitzt, also lebt er bei seinen Großeltern, die er Grim (Harry Dean Stanton) und Gram (Gena Rowlands) nennt. Doch stets hat er das Gefühl, daß die mit ihm schon sehr belastet sind.

Er sagt von sich: „Irgendwie fehlte mir ein Gehirn, bis Freak mir seines für eine Weile borgte.“

Eines Tages ziehen nebenan neue Leute ein, Gwen Dillon (Sharon Stone) und ihr Sohn. Kevin Dillon (Kieran Culkin), der neue Nachbarsjunge hat eine schwere körperliche Behinderung, ist aber dafür ein hellwacher Geist.
Ausgerechnet Kevin ist nun sein Nachhilfelehrer in Lesen (Max hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche), und mit Konsequenz und Sticheleien schafft er es, schließlich doch an ein Buch heranzuführen, nämlich die König Artus-Sage. Und Mut, Ehre, Ritterlichkeit und gute Taten spielen von nun an eine große Rolle in Max’ Leben.

Doch nicht nur die Nachhilfe bringt die Jungen zusammen. Für 5 Mäuse soll Cane den Jungen auf den Rummel begleiten, weil er so gern Feuerwerk ansieht und seine Mutter das nicht mag. Dort tauchen die Bandenmitglieder auf und wollen die beiden fertigmachen. Doch Max’ Größe rettet den beiden das Lebens.
Zum ersten Mal sind auch seine Großeltern stolz auf ihn, obwohl sie sonst immer seine Ähnlichkeiten mit seinem straffälligen Vater assoziieren.

Aus dem ungleichen Paar werden dicke Freunde, Sie sind schon ein komischer Anblick, wenn Kevin sich auf den Schultern von Max durch die Straßen bewegt. Mit den Motiven der Artus-Sage und der mentalen Hilfe von Kevin bekommt Max auch zum erstem Mal Mut, Ungerechtigkeiten anzugehen. Und Max ermöglicht es wiederum Freak, wie er sich selbst nennt, endlich einmal Dinge zu tun, die er sonst noch nie getan hat - Basketball-Spielen, große Touren unternehmen, und er hat einen Beschützer.

Doch zwei Dinge bedrohen dieses streitbare Arrangement: bei Freak wird eine schwere Krankheit diagnostiziert: sein Knochenwachstum hat aufgehört, seine Organe wachsen aber weiter, und er hat nur noch ein Jahr zu leben.
Und der Vater von Max, Kenny Kane, (James Gandolfini) wird aus der Haft entlassen.


** Darsteller **
Im Vordergrund stehen natürlich die beiden Jungdarsteller. Die haben mich wirklich aus den Socken gehauen.
Mit Eldon Henson hat man einen sehr sensiblen, sehr bewegend spielenden Newcomer gefunden, der einem die Figur des gequälten Außenseiters, der durch einen Leidensgenossen endlich wieder am Leben teilnimmt und Selbstvertrauen gewinnt, richtig nahe bringt.

Auch Kieran Culkin (Music of the heart, Igby), unverkennbar der kleine Bruder des armen Dauer-Kevin Macauley Culkin, tritt überzeugend in die Fußstapfen des Älteren. Wie ich finde, ist es eine absolute Leistung, ein Kind mit einer solchen Behinderung zu spielen.

Zu erwähnen sind dann natürlich noch Sharon Stone (Basic Instinct) als die verzweifelte und sehr liebevolle Mutter des todkranken Kevin und vor allem die Kurzauftritte von Meat Loaf als Kenny Kanes Kumpel Iggy und Gillian Anderson (Akte X) als abgewrackte Schlampe Loretta Lee. Vor allem letztere ist nach ihrer langen Dauerrolle als Agent Scully eine gelungene Überraschung.


** Filmkritik **
Wer kennt das nicht, sich allein und isoliert zu fühlen, weil man irgendwie anders ist als andere, als die Mitschüler oder Kollegen, die sehr in sind. Und man selbst gehört nicht dazu, wird im besten Fall geschnitten, im schlimmsten angefeindet, verhöhnt, mißhandelt. Erschreckend, wenn man bedenkt, daß das auch heute noch, auch bei uns an Schulen an der Tagesordnung ist. Da zählen Klamotten als Statussymbol, die die Zugehörigkeit in der richtigen Clique regelt, oder die besonders große Klappe. Insofern ist der Film nur ein sehr realistisches Bild von Gewalt und Mißhandlung unter Kindern.

Und es zeigt aber auch einen Ausweg: Da finden sich zwei Außenseiter, die sich hervorragend ergänzen. Der eine bekommt Mut, der andere die physische Hilfe, sich ihren Peinigern zu widersetzen. Sicher ist das kein Allheilmittel, und sicher muß man einige Niederlagen einstecken, aber der Film macht doch irgendwie Mut für couragiertes Auftreten.

Der Film wird von Max wie in einer Art Tagebuch erzählt, wodurch der Text manchmal sehr poetisch, manchmal sehr persönlich und anrührend wird. Aber auch die Phantasie des Jungen wird umgesetzt - seine eigenen Bilder, seine Phantasie im Zusammenhang mit der Artus-Geschichte werden an den Zuschauer weitergegeben, um seine Gedankenwelt widerzuspiegeln.

Aber auch der Humor kommt bei diesem Drama nicht zu kurz. Immer wieder muß man schmunzeln, wenn sich die Kinder der Poesie und Sprache ihrer Helden, also der Ritter des Mittelalters bedienen oder Kevin genial coole Sprüche mit feinsinnigem Humor vom Stapel läßt. Das lockert das Ganze auf, so daß zu Herzen gehende Szenen nicht allzu stark auf die Tränendrüse drücken. An sollte aber dennoch vorausschicken, daß der Film kein Happy End hat.

Zu erwähnen sei noch die sehr stimmige irische Filmmusik und die Titelmusik „The Mighty„ gesungen von Sting.

Der Film entstand übrigens nach dem viel gelobten Kinderbuch „Freak the Mighty“ von Rodman Philbricks.


** Daten **
USA 1998
Genre: Tragikkomödie, Drama
Originaltitel: Freak - The Mighty
Regie: Peter Chelsom
Musik: Trevor Jones
FSK 12

26 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    02.11.2005, 08:18 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und LG

  • Love_Angel

    02.11.2005, 08:18 Uhr von Love_Angel
    Bewertung: sehr hilfreich

    - ein spannendes sh -

  • topfmops

    01.11.2005, 17:20 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    ist da der pädagogische impetus nicht ein wenig dick draufgeklatscht? man spürt die absicht und ist verstimmt.