Vanilla Sky (VHS) Testbericht

Vanilla-sky-vhs-thriller
ab 21,60
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

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Erfahrungsbericht von benjaminroth

LiebeHassTräumeLebenJobSpielFreundschaftSex

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

LiebeHassTräumeLebenJobSpielFreundschaftSex

Eigentlich sollte diese meine Überschrift "Ä, O, alles nur geklaut" von den Prinzen nennen, doch ich habe mich dann doch für den Untertitel des Filmes entschiedenen, den es in entsprechender Form auch im englischen Original gibt. Und damit herzlich willkommen zu meiner nächsten Filmkritik diesmal zu "Vanilla Sky". Und wieder einmal ein Remake, das es versucht (und hoffentlich auch schafft) erfolgreicher als das wenig anerkannte Original zu werden. Ich denke nur an Neustarts wie "Ocean's 11", der ja auch ?nichts weiter? als eine Neuverfilmung war.
In dem Fall "Vanilla Sky" aber hat nicht Hollywood die Vorlage für diesen Film geliefert und auch keine gefeierten Weltstars wie Frank Sinatra haben in der ursprünglichen Version mitgespielt, sondern eine Anzahl unbekannter spanischer Darsteller, denn das Original "Abre Los Ojos", was soviel heißt wie "Öffne die Augen", aus dem Jahre 1997 kam aus Spanien. Übrigens, und das fand ich recht interessant: Auch in diesem Original hat Penelope Cruz schon mitgespielt; für sie also gar keine neue Rolle mehr?
Nun ja, was mich zu diesem Film bewegte war einfach meine Neugier, die sich nach dem Anschauen eines vielversprechenden Trailers ergeben hat. Nebenbei habe ich auch aus Funk und Fernsehen, in erster Linie aber aus Klatschblättern (ja, ich gehe gerne zum Frisör ;) gehört, dass das Liebespaar Penelope Cruz und Tom Cruise bei den Dreharbeiten zueinander gefunden hatten und mittlerweile glaube ich sogar schon verheiratet sind, oder zu mindestens selbiges bald tun wollen. Schnell kam mir ein ähnlicher Hintergrund ebenfalls mit Tom Cruise ins Gedächtnis, nämlich "Eyes Wide Shut" an der Seite von Nicole Kidman, die während heißer Liebesszenen im Film im wahren Leben vor ihrer Trennung standen. All dies hat mich dazu angetrieben, mir diesen Film anzuschauen, und mit was für einem Gefühl ich aus dem Kino gekommen bin, werde ich nun versuchen zu beschreiben.
Die Story:
David Aames (Tom Cruise) ist ein Karrieremensch wie er im Buche steht: ganz Manhattan liegt ihm und seiner von seinem Vater geerbten Firma zu Füßen, für lange Nächte hat er seinen "fuckbuddy" (mag zwar witzig klingen, aber im Film hat dieser Begriff eine ganz eigene Bedeutung, wenigstens in der amerikanischen Version) Julie (Cameron Diaz). Und alles läuft gut, bis er eines Nachts die hübsche Sofia (Penelope Cruz) kennen lernt, in die er sich innigst verliebt. Doch als Julie von der Benziehung erfährt, rastet sie total aus und steuert den Wagen von einer Brücke.
Von da an ist nichts mehr so, wie es scheint: als David aufwacht, ist sein Gesicht entstellt und er wird des Mordes angeklagt. Und so stark sich David auch besinnt, es fällt ihm immer schwerer Traum und Wirklichkeit noch auseinander zuhalten.
Mehr sei an dieser Stelle auch noch nicht verraten, denn "Vanilla Sky" ist voller Wendungen, Abwege, Storyveränderungen, etc.
Meine Kritik:
Hatte ich gerade vor wenigen Wochen noch eine Kritik zu dem Independent-Film "Memento" geschrieben, in dem der Zuschauer auf eine harte Zerreißprobe gestellt wurde und vor allem durch geniale Effekte und eine krasse Story zu einwandfreiem Mitdenken aufgefordert wurde, so ging ich mit einem äußerst ähnlichen Gefühl auch aus "Vanilla Sky"; doch möchte ich der Verständlichkeit halber vorne anfangen:
Ein bisschen erinnerte mich Tom Cuise's Leben als Businessmensch an Keanue Reeves in "Sweet November", einem Liebesfilm, wie er im Buche steht. Doch bevor ich mir überhaupt ein Bild von dem Film machen konnte, den ich mir die nächsten 120 Minuten anschauen werde, wurde ich mit einer gigantischen Eingangssequenz regelrecht aus meinem Kinosessel gerissen: Tom Cruise rennt am frühen Vormittag auf dem Weg zur Arbeit durch Manhattan, quer über den Times Square, etc., was ja eigentlich nichts ungewöhnliches ist, wäre nicht alles total menschenleer. Natürlich kannte ich diese Szene schon aus einer kurzen Filmrezession, in der versichert wurde, dass alles genau an diesem Locations gefilmt wurde. Ein gigantischer Aufwand, denn die Filmemacher bekamen nur eine 30 Stunde Vollsperrung. Ich kannte diese Szene also, doch dass sie ohne jede Vorgeschichte gleich zu anfangs gezeigt wurde, verwunderte mich dann doch etwas.
Aber nun zurück zu Keanue Reeves in "Sweet November": da mir dieser etwas ältere Film noch im Gedächtnis war, erwartete ich nun eine seichte Story eines Business-Mannes hin- und hergerissen zwischen seiner "Liebes" Partnerin und seiner wahren Liebe. Dass das alles in einem tragischen Autounfall enden würde, wusste ich auch schon, also schön gemütlich zurücklehnen und den Film auf mich wirken lassen.
Dachte ich mir so schön und wurde schnell eines Besseren belehrt: durch die parallel abgehandelte Schiene, in der Cruise mit entblößtem Gesicht seine Story einem Psychiater (Kurt Russel) erzählt, wird einem schon rasch klar, dass die Liebesstory und der tragische Unfall, bei dem Julie starb, nur die Oberfläche eines umfangreichen Filmes ist; Gefühle eines Justiz-Thrillers kamen auf, die Frage, wer an was Schuld ist. Doch schnell fragte ich mich: "An was soll David denn Schuld sein?". Da musste es also noch was geben, was die nächste Dreiviertelstunde bringen würde. Und ich kann nur sagen, es kam!
Im verlaufe des Filmes werden immer wieder Szenen gezeigt, die zweimal hintereinander gezeigt wurden: einmal in einer ganz normalen Form, dann wurde aufgeklärt, dass die erste Form simple gesagt ein Traum war. Doch wer denkt, dass man schon vor der ersten Version hätte erkennen können, dass dies gar nicht wirklich so ist, sondern nur fiktiv ist, der hat geträumt, denn dem Zuschauer wird während des ganzen Filmes kein einziges Mal deutlich der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit dargestellt. Es bleibt einem also gar nichts anderes übrig, als logisch zu denken, ob das denn so sein kann, und welche Form mehr realitätsnah ist (nicht immer so eindeutig, wie der menschenleere Times Square ;) Eigentlich nicht immer so schwer, bis zu dem Zeitpunkt, wo selbst Tom Cruise sich nicht mehr sicher ist, was war ist oder was nicht.
Von diesem Zeitpunkt an ist man nichts weiter als ein Spielball, der zwischen realer und irrealer Welt hin- und hergeworfen wird. Dass das am Anfang gerade mir als "Memento" Fan Spaß macht, ist unbestritten, doch was "Vanilla Sky" von dem Independent Meisterwerk unterscheidet, ist, dass nicht großartig mit viel Story geprotzt wird, sondern ein und dieselbe Story aus vielen Möglichen Augenwinkeln betrachtet wird. Das ist es, was einem in diesem Film sinnbildlich das Blut in den Adern gefrieren lässt, die Tatsache, dass man selber nicht unterscheiden kann, was wirklich ist und was nicht. Und noch ein Unterschied zu "Memento" ist, dass man es eigentlich gar nicht schaffen kann, rein durch logisches Denken den Film zu verstehen, bevor man über das Ende informiert worden ist. "Schade", aber einen zweiten "Memento" hatte ich auch eigentlich gar nicht erwartet. "Schade" auch nur in soweit, dass ich wie angedeutet wie meine "Leidensgenossen" zu einem Spielball eines genialen Filmes umfunktioniert wurde. Keinesfalls schlimm, nur etwas gewöhnungsbedürftig.
Und hier ist es auch wo sich die Streu vom Weizen absondert, Filmkenner und -liebhaber vom ganz normalen Film-Publikum. Denn für den entspannten Zuschauer, der den Film nur auf sich einwirken lassen will ohne viel nachzudenken, entwickelt sich der Film mehr und mehr zu einem Höllentrip. 018/15-Liebhabern ist dieser Film also bei weitem nicht zu empfehlen. Mehr für die experimentierfreudigen und die unkonventionellen wird der Film von Minute zu Minute interessanter und fesselnder. Fast möchte ich als Extrembeispiel für das Beschriebene "Magnolia" nennen (ebenfalls mit Tom Cruise), in dem drei Stunden verzwickter Handlung in einem wahren "Froschregen" enden. Nicht jedermanns Sache, aber Hollywood vom Feinsten.
So, nachdem ich nun ausführlich über das Ende berichtet und hoffentlich auch auf selbiges neugierig gemacht habe, meine Meinung zum Ende -und ich werde mich bemühen, schlicht bei Meinung zu bleiben, und nicht in die erzählende Perspektive zu verfallen, denn verraten werde ich es bestimmt nicht.
Wie mit einer Schleuder werden nun sämtlich vorenthaltene Informationen über die Wahrheit und den Traum und die jeweiligen Verhältnisse in den Kinosaal geschmissen, und diese Ausdrucksweise ist keineswegs übertrieben, denn was nun innerhalb weniger als 20 Minuten auf einen niederprasselt, ist keineswegs leicht verdauliche Kost, sondern grenzt zu dem psychologisch anspruchvollsten seit langer, langer Zeit. Die Frage, ob man denn mit einer solchen Portion Story und tiefen Einblicken in die menschliche Psyche den Kinobesucher schocken oder doch zum Nachdenken anregen wollte, will ich denn dann doch lieber unbeantwortet lassen, denn meiner Meinung nach hat das Ende (bitte nicht falsch verstehen: ich meine nicht die letzten Minuten des Filmes, sondern die letzte Phase des Filmes) von beidem etwas. Doch eins ist gewiss: am Ende weiß man ein bisschen mehr über die Wahrheit des Lebens.
Im kurzen deutschen Kinojahr gibt es mit dem beschriebenen Film auch schon den zweiten Streifen mit absolutem Staraufgebot, dass von vor bis hinter die Kamera reicht: vor selbiger stehen Größen wie Tom Cruise, Penelope Cruz, Cameron Diaz, Kurt Russel und auch einen Gastauftritt von Stephen Spielberg gibt es meiner Meinung nach. Dabei bin ich mir sichtlich unschlüssig, doch denke ich ihn auf der Party wo David und Sofia sich kennen gelernt haben, gesehen zu haben. Ich bitte ganz stark um Aufklärung! Und auch hinter der Kamera geht es in Sachen Hollywoodgrößen heiß her: allen voran natürlich mit dem Regisseur Cameron Crowe, der bereits in "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" mit Tom Cruise arbeitet und auch bei "Almost Famous - Fast berühmt" Regie führte.
Ich weiß nicht, ob es meine Voreingenommenheit der Beziehung zwischen Penelope und Tom ist, aber auf mich machen die beiden einen so natürlichen und ungehemmten Eindruck, wie selten ein Liebespaar in einem Hollywood-Streifen zuvor. Voller Ehrlichkeit und voller Emotionen schaffte es dieses Schauspielerpaar, die Atmosphäre des Filmes auf mich rüberspringen zu lassen, und auch Cameron Diaz als femme fatale und Lustobjekt macht ihren Job über die Maßen gut.
Und auch der Meister hinter der Kamera hat es wieder einmal in sich: mit "Almost Famous" hatte der musikverrückte Crowe seine Paraderolle, doch auch in "Vanilla Sky" gelingt es ihm scheinbar mit Leichtigkeit sein künstlerisches Können auf den Film und somit auch auf die Darsteller zu übertragen.
Ein Wort zur Altersfreigabe: In den USA wurde der Film "R-17" (restricted for children under the age of 17, must be accompanied by a parent) geratet, also für Kinder unter 17 Jahren nur mit Erziehungsberechtigtem, was meiner Meinung auch sehr zutreffend ist, denn eine Szene milder und eine starker Erotik ist ebenso präsent wie eine Fülle schlechter Worte und Gewalt. In Deutschland hat die FSK die Altersfreigabe bei 16 Jahren angesetzt, was ich durchaus vertretbar finde.
Mein Fazit:
Ein Film, den man einfach gesehen haben muss, nicht nur wegen des erstklassigen Schauspieleraufgebotes, sondern auch wegen einer gnadenlosen, provokanten und schlichtweg erstklassigen Story, die einem nicht nur den Sinn des Lebens näher bringt, sondern gleichsam Herz wie Hirn unterhält. Auch wenn das Ende etwas an ?Artificial Intelligence - Künstliche Intelligenz? erinnert (ganz im Sinne von: ?muss diese geballte Ladung Story und Psychologie sein? Ja, sie muss!?), die das Publikum etwas einschränkt, kommt der Film auf Hollywood-Kenner als Leckerbissen der ganz besonderen Art herüber.
Das "Wow"- Feeling, mit dem ich diesem Film verlassen habe, trägt seinen Teil dazu bei, dass ich diesen Film so schnell bestimmt nicht vergessen werde.
12,00 kostet die Karte, 12,00 ist sie bei weitem auch wert. Nie war die Geldanlage besser.
Film-Daten:
Originaltitel: Vanilla Sky
Spieldauer: 135 Minuten
Erschienen bei: UIP
Produktionsfirma: Cruise-Wagner Productions/Vinyl Films
Darsteller: Tom Cruise (David Aames), Penelope Cruz (Sofia), Cameron Diaz (Julie)
Regisseur: Cameron Crowe
Drehbuch : Cameron Crowe
Produzentin: Paula Wagner
Genre: Romanze, Psychothriller, Drama
Altersfreigabe (USA/D): R-1716
VÖ (USA/D): 14.12.2001/24.01.2002
Wer noch weiteren Informationen über diesen Film bekommen möchte, kann dies auf einer sehr gut dargestellten und sehr informativen Homepage tun. Die offizielle Seite ist zu finden unter:
www.vanillasky.com .

13 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Kuschelwuschel

    13.02.2002, 16:54 Uhr von Kuschelwuschel
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi, bist ja auch wieder hier! ;)

  • Deadmailman

    13.02.2002, 16:53 Uhr von Deadmailman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht

  • apfeltee

    13.02.2002, 16:51 Uhr von apfeltee
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ist Geschmackssache. Ich war nicht so begeistert. Sicher, mal was anderes, was interessantes, aber irgendwie....naja, ist eben geschmackssache *g*