Der Todeskünstler (gebundene Ausgabe) / Cody McFadyen Testbericht

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ab 9,86
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  gering
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von BulmaZ

...auch zerbrochene Dinge spiegeln das Licht.

5
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  kein Humor
  • Stil:  sehr ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wirklich gute Thriller zu finden, die fesseln, spannend und atmosphärisch sind, wird mit dem nicht enden wollenden Wust der bestenfalls durchschnittlichen Lektüre dieses Genres ja zunehmend schwerer. Da erfreut es das Thrillerfanherz doch umso mehr, wenn es Autoren gibt, auf die man quasi blind zurückgreifen kann, stets wissend, garantiert keinen Fehlgriff zu landen. Einer davon ist der Autor des nachfolgend besprochenen Romans:

Der Todeskünstler – Cody McFadyen

+++ Bezugsquelle & Preis +++

Gekauft habe ich das Buch bei www.buecher.de.
Dort habe ich den üblichen Preis von 9,95 € bezahlt.

+++ Eckdaten +++

Titel: Der Todeskünstler
Originaltitel: The Face of Death
Autor: Cody McFadyen
Übersetzung: Axel Merz
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 556 Seiten

+++ Der Autor +++

Cody McFadyen (* 1968 in Texas) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller von Kriminalromanen.
Nachdem Cody McFadyen mit 16 Jahren seine Highschool-Ausbildung abbrach, begann er, freiwillige soziale Arbeit zu leisten. So setze er sich unter anderem für Selbsthilfegruppen und bei der Drogenberatung ein und trat mehrere Weltreisen an. Er arbeitete danach in unterschiedlichen Branchen, wie etwa als Webseiten-Designer, bevor er sich mit 35 Jahren ganz der Tätigkeit als Schriftsteller widmete. Sein erster Roman Die Blutlinie um die Protagonistin Smoky Barrett fand internationale Anerkennung. Ihm folgten zwei weitere Romane; laut der Webseite des Autors stehe ein vierter Teil kurz vor der Veröffentlichung, und ein fünfter Teil sei bereits in Arbeit.[1]
Cody McFadyen ist Vater einer Tochter und lebt in Südkalifornien.

Quelle: www.wikipedia.de

+++ Der Todeskünstler +++

Gerade am ersten Urlaubstag, an dem Smoky Barret endlich ihren Mut zusammen nimmt und endlich die restlichen Sachen ihrer ermordeten Familie aus dem Haus schaffen will, erhält sie einen merkwürdigen Anruf. Inmitten von drei grausam zugerichteten Leichen sitzt ein junges Mädchen, das nur mit Smoky reden will. Smoky macht sich natürlich direkt auf den Weg. Was sie vorfindet, schockt selbst die erfahrene FBI – Agentin: Ausgeweidete Leichen, eine Wanne voll Blut, Wände, die mit Blut bespritzt wurden und eine vollkommen apathische 16jährige, die behauptet, der Künstler habe sie wieder besucht und ihr zum wiederholten Male alles genommen, was ihr lieb war.

Im Alter von sechs hat der Künstler das Mädchen, Sarah, zum ersten Mal besucht und ihre Eltern dazu gezwungen, sich gegenseitig umzubringen. Danach kam er immer wieder und hat ihr alle liebgewonnenen Personen genommen, um Sarah so nach seinem Ebenbild zu formen. Smoky lässt sich nicht lange bitten und legt sich in die Spur. Dabei stößt sie direkt auf zwei weitere Leichen. Das Motiv des Täters ist schnell klar – Rache. Aber wofür? Smoky und ihrem Team läuft die Zeit davon…

+++ Eindrücke +++

Wer bereits den Vorgänger gelesen hat, der weiß vermutlich noch, dass McFadyen hinsichtlich seiner expliziten Gewaltdarstellung kein Blatt vor den Mund nimmt. „Die Blutlinie“ allerdings war bereits mehr als nur ein plumper Gewaltporno. Mit allerhand Mitteln, vor allem mit seinem grandiosen Schreibstil, hat der Autor es geschafft, eine sehr dichte und vor allem düstere Atmosphäre aufzubauen, in die er eine recht intelligent gestrickte Story eingebettet hat sowie vorstellbare Figuren. Fraglich ist nun wohl, ob McFadyen dies mit dem Nachfolger ebenfalls gelingt.

Dass dem so ist, wird direkt vom ersten Satz an klar.
Denn da ist sie wieder, die drückende Atmosphäre, das rumorende Gefühl in der Magengrube des Lesers. Man wird von Seite eins an in den Bann der Geschichte, der Figuren und des Stils gezogen und man möchte sich dem nicht mehr entziehen, ehe man nicht den letzten Satz gelesen hat. Wie eingangs erwähnt, gibt es leider viel zu wenige Thriller, die diesen Ansprüchen nur halbwegs gerecht werden. „Der Todeskünstler“ jedoch kann noch mehr und McFadyen übertrifft nicht nur viele andere Autoren auf diesem Gebiet, sondern auch sich selbst. Dabei bedarf es allerdings eines sehr robusten Magens, möchte man die Geschichte wirklich bis zum Ende durchstehen. Radikal geht es bereits mit der detaillierten Beschreibung der Leichen los. Brutalität ist man als Genrefan ja gewohnt, viel Blut eine Eingeweide ebenso. McFadyen ist hier allerdings kurz davor, eine unausgesprochene Grenze zu überschreiten. Im weiteren Verlauf wird dann deutlich, dass die Schilderungen zu Beginn des Romans noch lange nicht alles sind, was der Autor seinen Lesern zumuten wird. Gerade die Passagen, die das Tagebuch von Sarah wiedergeben, sind stellenweise schwer bis gar nicht zu verdauen, sodass man durchaus geneigt ist, das Buch einstweilen wegzulegen, eine zu rauchen, einen Tee zu trinken und erstmal wieder runter zu kommen. Will sagen, McFadyens Schilderungen sind ganz hart an der Grenze des Erträglichen.

Nichtsdestotrotz stehen jene Schilderungen nicht im Fokus des Romans. Denn McFadyen hat es nicht nötig, eine eventuell halbseidene Story mit viel Blut und viel Entsetzen seitens des Lesers zu kaschieren. Nein, McFadyen konstruiert eine ebenso spannende wie intelligente Geschichte wie bereits in seinem Erstling, „Die Blutlinie“. Der Plot ist zwar nicht derartig verschachtelt, dass man Gefahr liefe, den Faden zu verlieren, dennoch ist er so undurchsichtig, dass man sich gewiss keinen Reim auf die große Auflösung machen kann. Nicht einmal die winzigen Spuren, die nach und nach zutage gefördert werden, helfen weiter. Hinzu kommt, dass die Vorgehensweise des Killers in dieser Geschichte eine gänzlich andere ist, als man sie sonst von typischen Killerfiguren des Genres kennt. Zwar erinnert jene Vorgehensweise hier leicht an „Saw“ [und zwar nicht an die unsäglichen, unzähligen Fortsetzungen], wirkt aber dennoch nicht wie ein billiger Abklatsch. Man hat als Leser eher den Eindruck, McFadyen habe sich von Jigsaw & Co. inspirieren lassen, seine eigene Vorstellung und Note hinzu gefügt und am Ende eine grandios spannende Geschichte draus gemacht, die den Leser nicht mehr loslässt.

Neben dem Plot kann bei „Der Todekünstler“ vor allem aber auch der hervorragende Schreibstil überzeugen. Wie schon der Vorgänger, ist auch dieser Roman aus Sicht von Protagonistin Smoky Barrett geschrieben. Dieser Fakt allein verleiht dem Ganzen schon einmal mehr Tiefe und vor allem mehr Nähe zum Geschehen. Im Gegensatz zum Vorgänger allerdings, besteht dieser Roman hier zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus den Tagebucheinträgen der jungen Sarah, die allerdings aus auktorialer Sicht geschrieben sind. Beide Stile überzeugen und befinden sich genau an den richtigen Stellen. Es eröffnet ganz neue Möglichkeiten zum Aufbau der Atmosphäre, dass ein Tagebuch eben nicht aus Ich – Perspektive geschrieben ist. Bemerkenswert ist auch, dass man neben der Perspektive auch am eigentlichen Stil durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Passagen erkennt. Alles in allem ist der Stil aber als sehr intensiv und bildgewaltig zu bezeichnen. McFadyen arbeitet viel mit Vergleichen, was den Leser ungleich näher an das Geschehen und vor allem die seelische Verfassung der Figuren kommen lässt. Hinzu kommt, dass man sich vor allem bei der detailliert beschriebenen Szene des Mord – Doppelmordes der Eltern von Sarah fühlt, als säße man daneben und wurde das unbeschreibliche Grauen, den unerträglichen Schmerz sehen und miterleben. Obwohl oder gerade weil jene Szene sehr lang gezogen wird, erscheint sie echt, erschreckend echt. Dabei liegt das Grauen gar nicht nur in der Tat an sich, sondern vielmehr daran, auf welche Weise McFadyen das Ganze auf den Leser transportiert. Er hätte das Ganze auch in zwei Sätzen verpacken können – es wäre immer noch schlimm, aber bei weitem nicht so aufwühlend wie es so ist, wie man es hier vorfindet. Es dürfte also sicher einige Leser geben, die spätestens hier abgebrochen haben. Denn diese Szene ist nicht nur als solche schwer zu verdauen, sondern vor allem auch aufgrund ihrer intensiven Schilderung. So beeindruckend McFadyens Fähigkeiten auch sind, aber hier hat er den Bogen fast überspannt.

Wie bereits aus „Die Blutlinie“ gewohnt, sind die Figuren im Nachfolger wieder sehr gut vorstellbar, leicht klischeehaft und realistisch. Allen voran gilt dies wohl für Protagonistin Smoky Barrett. Smoky hat durch einen Serienkiller ihre Tochter und ihren Mann verloren, was sie nach wie vor nicht verwunden hat. Dennoch merkt man ihr deutlich an, dass sie langsam wieder Lebensmut fasst, nicht mehr die labile Persönlichkeit ist, die sie war, dennoch aber noch lange zu kämpfen haben wird. Die Art und Weise, wie Smokys Verfassung dargestellt wird, wirkt sehr authentisch und nachvollziehbar. Vor allem wirkt sie wie eine echte Entwicklung im Vergleich zum Vorgänger, dennoch aber nicht zu extrem oder schnell, was dem Ganzen eine glaubhafte Note verleiht. Etwas störend mag vielleicht die Tatsache erscheinen, dass sich Smoky für eine der Besten der Besten auf ihrem Gebiet hält, sich in die kranken Vorstellungen eines Killers hinein denken zu können. Aber das kann man locker verschmerzen. Ähnlich gut gelungen, wenn auch ein wenig klischeehafter sind auch alle mehr oder minder am Rand agierenden Figuren – Smokys Kollegen wie beispielsweise Callie, mit ihrem vorwitzigen Benehmen oder James, der von allen für ein Arschloch gehalten wird, auf den zu verzichten aber aufgrund seiner Fähigkeiten unmöglich ist. Einzig Sarah bleibt ein wenig farblos, obwohl der Leser sie aufgrund ihrer langen Tagebuchpassagen doch besser kennenlernen sollte. Sie ist die typische [noch mehr als nachvollziehbare] kaputte Seele, die kurz davor steht, sich die Kugel zu verpassen – ein Opfer. Hier hätte ein wenig mehr Persönlichkeit nicht geschadet.

Unterm Strich ist „Der Todeskünstler“ wohl einer der herausragenden Thriller der letzten Jahre. Hier stimmt wirklich alles: Spannung, Stil, Story und vor allem, was noch wichtiger ist, die Atmosphäre. Dennoch hätte McFadyen sich in seinen Schilderungen vielleicht einen Tick zurückhalten können. Das hier zu lesende ist sehr schwere Kost und damit schwer zu verdauen. Streckenweise ist es sogar ganz hart an der Grenze dessen, was man noch ertragen kann. Wer Ketchums „Evil“ für das Maß aller Dinge in Sachen Grausamkeit gehalten hat, der dürfte seine Meinung nach dieser Lektüre ändern. Dementsprechend fällt auch die Bewertung schwer – einen Stern wegen expliziter Schilderungen abziehen? Eigentlich nein – denn mich persönlich hat der Roman so sehr gefesselt, wie schon sehr, sehr lange keiner mehr. Daher gibt es auch ungeachtet der schwer zu verdauenden Schilderungen fünf Sterne.

40 Bewertungen, 9 Kommentare

  • fantagirlie

    26.04.2010, 20:02 Uhr von fantagirlie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße, einen angenehmen Montag und eine nicht so stressige Woche. Danke im übrigen für deine zuverlässigen Gegenlesungen... M

  • bigmama

    26.04.2010, 09:26 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • willma1984

    23.04.2010, 15:50 Uhr von willma1984
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG Nadine

  • spidermorph@yahoo.de

    23.04.2010, 12:52 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Besten Gruss aus FFM, Tony

  • Shirty1980

    23.04.2010, 11:43 Uhr von Shirty1980
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht. Über eine Gegenlesung würde ich mich freuen. Lg Shirty1980

  • Iris1979

    23.04.2010, 11:41 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • sigrid9979

    23.04.2010, 11:34 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschrieben...Lg Sigrid

  • warismoney

    23.04.2010, 11:14 Uhr von warismoney
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. Leider nicht mein Lese-Gebiet. lG, Domi

  • Cessie47

    23.04.2010, 11:02 Uhr von Cessie47
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschrieben, liebe Grüße