Alle sieben Wellen (Taschenbuch) / Daniel Glattauer Testbericht

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ab 4,62
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  durchschnittlich
  • Spannung:  hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von Riesenkeks

Die Alles-Illusion*

Pro:

nicht schlechter als der Vorgänger; das Buch hat seine Momente

Kontra:

nicht besser als der Vorgänger; es zieht sich teilweise

Empfehlung:

Nein

*Eine der schönsten Ideen von Leo.
Vor ganz knapp über einem Jahr habe ich Gut gegen Nordwind gelesen und fand das Buch mäßig unterhaltsam, da es doch immer wieder kleine Längen gab und ich das auch an sich nicht wirklich mit meinem Moralverständnis vereinbaren konnte. Nun, seitdem hat sich einiges geändert und aus aktuellem Anlass kaufte ich mehr oder weniger spontan den Nachfolger Alle sieben Wellen , den es seit Neuestem als Taschenbuch gibt.

Story
Nachdem Leo nach einer einjährigen E-Mail-„Beziehung“ mit Emmi und einem Treffen, das nicht stattgefunden hat, nach Boston geflüchtet ist, kann die verheiratete Emmi es trotzdem nicht lassen, an ihn zu denken und probiert immer wieder aus, ob er schon aus Boston zurückgekehrt ist. Eines Tages kommt dann tatsächlich nicht mehr die automatisch generierte Abwesenheits-Mail zurück, sondern Leo antwortet. Er ist wieder da. Und hat eine Freundin. Trotzdem schreiben sich die beiden wieder, treffen sich und es kommt sogar zu einer sexuellen Begegnung…

Meinung
Immer wieder reizvoll an Romanen dieser Art ist, dass man nur das zu lesen bekommt, was die Mails hergeben und man sich somit darauf verlassen muss, dass Herr Glattauer seine beiden Protagonisten schon alles Wichtige erzählen lässt. Leider wirkt das Geschriebene teilweise ein wenig überzogen und Zeitangaben wie „zehn Sekunden später“ (bei nicht automatisch generierten Mails) lassen einen das eine oder andere Mal ein wenig skeptisch gucken. Des Weiteren ist es immer wieder ärgerlich, dass man sogar auf das „RE“ oder das „AW“ achten muss, um feststellen zu können, wer da jetzt eigentlich schreibt, wenn es sich nur um Mails mit höchstens einem Satz Inhalt handelt – normalerweise kann man allerdings sehr gut erkennen, wer wem schreibt, da der Stil schon ein wenig anders ist. Ein Kursivdrucken oder eine andere Schriftart für die andere Person hätte aber sicherlich den einen oder anderen Blick zur Betreffzeile ersparen können.
Leider wirkt Leo noch zurückhaltender als schon im ersten Buch, was wohl vor allem auf seine Beziehung zurückzuführen ist. Des Weiteren ist er in diesem Buch erstaunlich wenig oft betrunken, weswegen die reizvollen Mails, die er Emmi betrunken schreibt, kaum vorhanden sind – und sie haben leider auch den Zauber aus Gut gegen Nordwind verloren. Und doch gibt es immer wieder Stellen, die an früher erinnern: Leos Schwärmerei vom „Berührungspunkt“ , Emmis ständiges Nachfragen, das schon fast an Aufdringlichkeit erinnert, Diskussionen über Beziehungen, kleinere und größere Reibereien…
Der Schreibstil ist klar, meist sehr einfach gehalten und so, dass man das Buch auch bei Ablenkung durch Umgebungsgeräusche oder Müdigkeit innerhalb kürzester Zeit aus hat, wenn man es darauf anlegt. Man muss nicht jedes Wort einzeln lesen, sondern kann auch Schnelllesen praktizieren, allerdings sollte man dabei bedenken, dass bei den beiden agierenden Personen meist jedes Wort seine Daseinsberechtigung hat.
Die erzählte Geschichte ist durchaus nicht unrealistisch, was allerdings ein wenig verwunderlich sein könnte, ist, dass das Treffen von Emmi und Leo nun so zügig stattfindet, wohingegen drei Viertel des ersten Buches davon gehandelt haben, dass das Treffen immer wieder hinausgezögert wird. Ansonsten gibt es hier allerdings nicht viel zu beanstanden. Die Geschichte ist weder zu romantisch oder gar kitschig, noch hat man das Gefühl absoluter Nüchternheit. Dennoch gibt es auch hier wieder massig Seiten an Text, die nur bedingt unterhaltsam sind und wie Füllmaterial wirken.
Was allerdings mal gesagt werden muss: Hinter „Grüße“ oder ähnlichen Grußformeln wird in der Regel kein Komma gesetzt. Leo sollte das als jemand, der an Germanistikinstituten sein Unwesen treibt, eventuell wissen…

Fazit
Nach einigen nahezu beunruhigenden Berichten über dieses Buch war ich zunächst unsicher, ob ich es tatsächlich lesen möchte, da ich ja schon den ersten Teil nur bedingt gut fand. Allerdings bin ich sehr positiv überrascht worden und würde sogar fast behaupten, dass ich dieses Buch eventuell sogar ein kleines bisschen besser finde als seinen Vorgänger. Ob das daran liegt, dass ich selber mich verändert habe und mit einer anderen Haltung dadran gehe oder ob mir die erzählte Geschichte besser gefällt, kann ich nicht beurteilen. Die Unterschiede in der Qualität sind auch nicht so gravierend, als dass ich nun vier Sterne geben würde, denn das Buch ist und bleibt, was es ist: eine nette kleine Unterhaltung für zwischendurch – nicht mehr, und nicht weniger.
Vor allem Frauen dürften das Buch mögen, denn Romantik ist ja so eine Sache....

Leseprobenlink:
http://files.hanser.de/zsolnay/docs/20090122_2912215754-93_978-3-552-06093-7.pdf

43 Bewertungen, 12 Kommentare

  • yeppton

    15.04.2011, 21:21 Uhr von yeppton
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse berichtet, schau doch mal vorbei, Lg Markus

  • leseflippi

    20.03.2011, 23:54 Uhr von leseflippi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse geschrieben! Sonnige Grüße aus Gran Canaria - LeseFlippi

  • catmum68

    20.03.2011, 13:10 Uhr von catmum68
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher Bericht, LG

  • anonym

    19.03.2011, 20:15 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • monikakuhnert

    19.03.2011, 14:30 Uhr von monikakuhnert
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilreicher Bericht! LG Moni ;-)

  • morla

    18.03.2011, 23:37 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • Miraculix1967

    18.03.2011, 21:29 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • Clarinetta2

    18.03.2011, 20:45 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    wäre nicht mein buch-prima bericht

  • anonym

    18.03.2011, 18:29 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Prima beschrieben - Würde mich über Gegenlesug freuen. LG

  • sigrid9979

    18.03.2011, 18:25 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche einen schönen Abend

  • SCOTTMASTER

    18.03.2011, 18:22 Uhr von SCOTTMASTER
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön berichtet

  • uhlig_simone@t-online.de

    18.03.2011, 18:08 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    einen schönen start ins wochenende, simone