Zwei an einem Tag (gebundene Ausgabe) / David Nicholls Testbericht
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- Humor:
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Erfahrungsbericht von LilithIbi
Versuche der Nicht-Entfremdung und des Wiederfindens.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
_(Zitat, S. 21)
Der 541 Seiten umfassende Roman
==Zwei an einem Tag==
klingt zwar irgendwo nach Porno, ist aber keiner. Definitiv nicht. Vielmehr erzählte David Nichols eine wundersam-traurige und zugleich doch zutiefst traurige Geschichte rund um ein quasi platonisches Paar, Emma und Dexter, welches nie so recht zusammenkam. Über mehrere Jahre hinweg bewegen sich Emma und Dexter immer wieder aufeinander zu, treiben von einander weg; entwickeln selbständige Leben ohne den anderen ~ und bleiben doch stetig die besten Freunde, die darüber hinaus ein wenig „mehr“ für den anderen empfinden.
==Die Umsetzung==
könnte nun total langweilig, voraussehbar und verkitscht sein.
Ist sie aber nicht.
„Zwei an einem Tag“ berichtet mehr oder minder wechselseitig von beiden Leben, von dem, was in Emmas und Dexters Leben passiert, schief läuft... von ihren Gedanken, Träumen und Trugschlüssen, ihren Hoffnungen, ihrem Scheitern und kleinen Erfolgsmomenten.
Immer wieder kreuzen sich die Wege Emmas und Dexter's, vollkommen egal, ob sie zuvor im Streit auseinandergingen, jahrelang keinen Kontakt hatten oder lediglich feststellten, wie sehr sich der ein oder die andere verändert hat.
Am Anfang der Geschichte, 1988-1992, steht eine gemeinsame Liebesnacht zweier Studenten und den daraus bereits entdeckten starken Gefühlen zueinander. Dexter jedoch geht auf Reisen, die Wege trennen sich das erste mal:
„Deshalb waren sie jetzt Brieffreunde, Emma schrieb lange, leidenschaftliche Briefe voller Witze, unterstrichener Wörter, Geplänkel und kaum verhohlener Sehnsucht, aus 2.000 Wörtern bestehende Liebesbeweise auf Luftpostpapier. Wie selbst aufgenommene Kassetten sind Briefe ein Mittel, um unausgesprochene Gefühle auszudrücken, und sie verschwendete eindeutig zu viel Zeit und Energie darauf. Im Gegenzug schickte Dexter ihr unzureichend frankierte Postkarten: „Amsterdam IRRE“...“
_(Zitat; S. 34)
Jene Zeilen charakterisieren im Grunde die Art von „Beziehung“; die die beiden zum Großteil des Buches führen. Emma ist wahnsinnig sensibel, einfühlsam, intelligent und gewitzt...eine Kämpferin sondergleichen; bekommt aber im Leben lange Zeit nie so recht eine Chance. Dexter hingegen scheitert im Laufe des Romans mehr und mehr an seiner Selbstverliebtheit, seiner Arroganz und der Art, gewisse Dinge ganz einfach nicht sehen zu wollen.
„Zwei an einem Tag“ wurde in einer eindringlichen wie auch einfühlsamen Sprache verfasst, wobei sich die Sensibilität, Ernsthaftigkeit sowie wohl auch Verletzlichkeit hin und wieder zwischen ein paar locker-leichten Zeilen nahezu versteckt hält, die vorrangig dafür Sorge tragen, dem Leser ein Schmunzeln in das Gesicht zu zaubern:
„Ihr kam die ausgefallene Idee, Blinden aus Romanen vorzulesen, aber war das wirklich ein Beruf oder nur etwas, was sie im Kino gesehen hattte? Wenn sie irgendwann die Energie aufbrächte, würde sie es herausfinden. Im Augenblick würde sie nur am Tisch sitzen und ihr Mittagessen anstarren.
_(Zitat, S. 77)
wie vor allem auch
„...und einen Moment lang überlegte sie, wie befriedigend es wäre, das verdammte Ding in die Themse zu werfen und dabei zuzuschauen, wie es untergeht wie ein Sten. Aber sie müsste zuerst die SIM-Karte entfernen, was die Symbolkraft etwas schmälern würde, außerdem gibt es socleh dramatischen Gesten nur in Film und Fernsehen – und sie konnte sich kein neues Handy leisten.“
_(Zitat; S. 311)
Generell besticht „Zwei an einem Tag“ mit einem immens hohen Selbsterkennungsfaktor ~ kaum ein Kapitel verging, in dem ich mich nicht gefunden hätte; vorrangig in Emma, hin und wieder, mehr oder minder erschreckenderweise, in Dexter.
Der Autor David Nicholls versteht es wie fast kein anderer, sich intensiv in die Gedankenwelt einer jungen Frau hineinzufühlen; die versucht und versucht und versucht... sich selbst jedoch immer wieder eingestehen muss, das man gewisse Dinge nicht erzwingen kann, sie darüber hinaus Kämpfe führt, die sie im tiefsten Inneren nicht einmal wirklich gewinnen will.
„..und sie glaubt, mit ein bißchen Übung kann sie ihn auch lieben“ (vgl. S. 206) sowie
„Ich baue mir ein Leben mit einem Mann auf, den ich nicht liebe, und ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun soll“ auf S. 240
sind Zeilen, die mir persönlich sehr nahe ging, wenn auch „nur“ aus meinen eigenen Umständen heraus. Wenn Emma hingegen auf S. 475 eine Art Selbstreflektion betreibt, ihr Leben überdenkt... dann macht sich nichts anderes als Wehmut breit; zu sehr bewegen jene Gedanken.
~ Es mag nun niemanden überraschen, dass mir „Zwei an einem Tag“ sehr ans Herz gewachsen ist, wenngleich ich einräumen muss, dass ich bezüglich der letzten Kapitel ein wenig verstimmt wurde. Nichts gegen Zeitsprünge an sich; doch insgesamt betrachtet wird der Ausgang des Romanes leider so, als hätte der Autor sich für keine „definitiv letzte Seite“ entscheiden können und pappte somit immer mehr und mehr hintenan: wie in einem Brief, wo man nach dem Postscriptum noch ein weiteres „P.S.P.S“ einfügt.
Der ein oder andere Leser würde vermutlich moppern, wenn der Autor sich an meine „Idee“ gehalten hätte und auf den fünften Teil somit verzichtet hätte. Ich mag mich jetzt auch nicht auf bestimmte Seitenzahlen festlegen, bleibe jedoch dabei, dass man jenen fünften Teil zumindest hätte kürzen können. Sicherlich mag ein Rückblick auf den „Anfang zwischen Dexter und Emma“ nochmal interessant gewesen sein; doch dann erneut zurück in die Gegenwart zu hoppsen, um daraufhin wiederholt ins Vergangene zu gehen.... nunja. Immerhin bzw. absolut erfreulicherweise schaffte David Nicholls es dann doch, den Roman mit den „mir genehmen“ Passagen ausklingen zu lassen ~ Entschuldigung, ich bin halt anspruchsvoll ~ so dass ich abschließend mehr als angetan bin.
==Summa summarum==
kann ich mich vorrangig mal wieder bei meiner MissVega für die Leihgabe bedanken; insbesondere dahingehend, dass ich jene Lektüre sonstig sicherlich von meiner Lese-Liste gestrichen hätte. Es klingt doof, ist aber trotzdem so, dass ich in der letzten Zeit vorrangig eher auf „dünnere und somit schneller zu lesende“ Bücher zurückgreife, eben weil aus diversen „Gründen“ heraus 500 Seiten Wälzer eher abschreckend auf mich wirken. Ein wenig Scheu, mich endlich mit der Leihgabe zu befassen, war somit vorhanden ~ wandelte sich dann jedoch rasch in beinahe Selbst-Vorwürfe, dass ich dieses Juwel tagelang auf meinem Tisch vor sich hin stauben ließ.
Fakt ist: kaum einmal angefangen, legt man das Buch nur schwerlich wieder aus der Hand, zu intensiv starrt man auf die Zeilen; mal fassungslos, mal gespannt, mal gebannt... manchesmal mit gewissen Schmerzen auf der Seele.
Obschon man sich denken könnte, dass im Grunde ja nicht viel passiert, irrt hier ein jeder, der denke, „Zwei an einem Tag“ würde sich ziehen und vor allem voraussehbar sein.
Zwar wird das ein oder andere sicherlich bereits erahnt gewesen sein; doch die Intensität, mit der die einzelnen Jahre geschildert werden, die absolut unverhofften Wendungen, Einschnitte, Veränderungen wie das Gefühl der Wut und Entfremdung, welches sich zwischen den Charakteren mehr und mehr breit macht... all jenes beschrieb der Autor in einer Art und Weise, die den Leser hin und wieder zum lachen mit gleichzeitigem heulen zwingt.
Ergo des Ergos:
Definitiver Lesetipp nicht nur für jene, die mit „normalen Liebesschnulzen“ nichts anfangen können, sondern ewiglich auf der Suche nach Tiefsinn selbst vor Werken nicht Halt machen, die so lebensnah sind, dass es weh tut.
30 Bewertungen, 9 Kommentare
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13.04.2010, 19:10 Uhr von technofreak1988
Bewertung: sehr hilfreichs.h., würde mich über eine gegenlesung sehr freuen! lg andi
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07.04.2010, 22:49 Uhr von tina08
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße .... Tina
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05.04.2010, 04:45 Uhr von Polarlicht1960
Bewertung: sehr hilfreichLIEBE GRÜSSE UND EINEN SCHÖNEN OSTERMONTAG VON LARISSA
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05.04.2010, 01:12 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichwünsche dir schöne osterfeiertage lg. petra
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04.04.2010, 18:39 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Oster-Grüsse, Talulah
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04.04.2010, 14:43 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreich......... % :::::::::::: % .......% ::: Frohe ::: % ....% ::::: Ostern ::::: % ..% :::::::::::::::::::::::::::: %
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04.04.2010, 14:02 Uhr von easysusi
Bewertung: sehr hilfreichoooooo Frohe Ostern oooooo
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04.04.2010, 12:01 Uhr von frecherkeks7
Bewertung: sehr hilfreichsehr interessant berichtet. ich würde mich sehr über eine gegenlesung freuen.
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04.04.2010, 11:56 Uhr von KaTaRaGiRl
Bewertung: sehr hilfreichich würde mich sehr über Gegenlesungen freuen
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