Ausgelöscht (gebundene Ausgabe) / Cody McFadyen Testbericht


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Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
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Summe aller Bewertungen
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von BulmaZ
...ein Gedanke, der mit mir in der Dunkelheit stirbt.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Zwar hatte ich dem Thrillergenre in den letzten paar Monaten eher abgeschworen, dies bedeutet jedoch nicht, dass ich gänzlich abstinent war. Ich hatte wohl nur eher nicht so schrecklich viel Lust auf Mord und Totschlag. Hinzu kam, dass ich lange keinen wirklich guten Thriller mehr gelesen hatte. Irgendwie war alles nur noch Einheitsbrei, der mich nicht mehr so richtig vom Hocker schubsen konnte. Als jedoch die Wahl für ein neues Buch anstand, beschloss ich, mal wieder zu einem Autor zu greifen, mit dem ich in der Vergangenheit eigentlich stets gute Erfahrungen gemacht habe. Zwar hatte mir der letzte Roman von ihm nicht mehr so gut gefallen, wie die beiden davor, aber das kann man ja durchaus als zu verzeihenden kreativen Ausfall verbuchen, weswegen ich mit nicht geringen Erwartungen hierzu griff:
Ausgelöscht – Cody McFadyen
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich den gebundenen Roman seinerzeit bei www.buecher.de.
Dort habe ich ca. 16,00 € bezahlt.
+++ Eckdaten +++
Titel: Ausgelöscht
Originaltitel: Abandoned
Autor: Cody McFadyen
Übersetzung: Angela Koonen, Dietmar Schmidt
Verlag: Lübbe
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 458 Seiten
+++ Der Autor +++
Cody McFadyen (* 1968 in Texas, USA) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller von Kriminalromanen. Nachdem McFadyen mit 16 Jahren seine Highschool-Ausbildung abbrach, begann er, freiwillige soziale Arbeit zu leisten. So setzte er sich unter anderem für Selbsthilfegruppen und bei der Drogenberatung ein und trat mehrere Weltreisen an. Er arbeitete danach in unterschiedlichen Branchen, wie etwa als Webseiten-Designer, bevor er sich mit 35 Jahren ganz der Tätigkeit als Schriftsteller widmete. Sein erster Roman Die Blutlinie um die Protagonistin Smoky Barrett fand internationale Anerkennung. Ihm folgten drei weitere Romane mit der gleichen Protagonistin; laut McFadyens Webseite ist ein fünfter Teil bereits in Arbeit.[1]
McFadyen ist Vater einer Tochter und lebt in Südkalifornien. Er hat laut eigenen Angaben zwei Hunde namens Lucky und Sable, beides Labrador-Retriever.
Quelle: www.wikipedia.de
+++ Ausgelöscht +++
Es soll der schönste Tag im Leben der FBI – Agentin Callie werden, denn sie hat beschlossen zu heiraten. Auf ihrer Hochzeit jedoch kommt alles anders. Denn kurz nach der Trauung fährt ein Auto vor und eine junge Frau wird heraus geschleudert. Zunächst weiß niemand, wer sie ist noch was mit ihr geschehen ist.
FBI – Agentin Smoky Barrett und ihr Team erfahren, dass die Frau, Heather Hollister, acht Jahre lang in völliger Dunkelheit festgehalten wurde. Der Täter will mit ihrer Freilassung offensichtlich irgendetwas sagen. Schnell wird klar, dass der Ehemann der Frau hinter der ganzen Sache steckt und online Kontakt zu einem gewissen Dalí aufgenommen hat, der seine Frau hat verschwinden lassen sollen. Douglas Hollister war offenbar nicht mehr zufrieden mit seiner Ehe, wollte die Lebensversicherung seiner Frau und glücklich sein mit seiner neuen Lebensgefährtin Dana.
Bald wird dem Team rund um Smoky klar, dass es sich bei Dalí und seine Tat nicht um ein einzelnes Geschehnis handelt. Dalí sucht in einschlägigen Foren seit Jahren nach Männern, die von ihren Frauen enttäuscht wurden und sich nun deren Auslöschung wünschen. Niemand weiß, wie viele Frauen Dalí noch in seiner Gewalt hat und wie viel Zeit noch bleibt…
+++ Eindrücke +++
Gewohnt war man von Cody McFadyens Romanen bisher Düsternis, Bedrängung, ein mulmiges Gefühl im Magen während des Lesens. Hielt er doch mit erschütternden und expliziten Schilderungen nie hinterm Berg. Auch vor psychologischer Folter sowohl seiner Romanfiguren als auch seiner Leser hat er nie Halt gemacht. Dies alles in einer Form, wie sie wohl selten in konventionellen Thrillern zu finden ist. Genau dies hat Romane wie „Der Todeskünstler“ so besonders gut gemacht – nicht die dargestellte Gewalt, sondern die unheimlich dichte und bedrohliche Atmosphäre, die er erzeugen konnte. Entsprechend hoch sind natürlich auch die Erwartungen an all die Folgeromane seiner Reihe rund um Smoky Barrett und ihr Team. Dass er die nicht mehr unbedingt vollkommen erfüllen kann, zeigte der Autor aber leider schon mit dem vorangegangenen Roman „Das Böse in uns“. Denn dabei handelte es sich doch irgendwie nur noch um ein Standardwerk, das den eingefleischten Thrillerfan wenig beeindrucken konnte. Nichtsdestotrotz dürften jene Erwartungen hinsichtlich der Qualität nicht ganz abgeflaut sein. Lockt „Ausgelöscht“ doch mit einem ansprechenden Cover und einem Klappentext, der Hoffnung weckt.
Der Beginn des Romans verspricht auch zunächst, jene Erwartungen und Hoffnungen erfüllen zu können – eine Frau, die aus einem Auto geschleudert wird, wirr vor sich hin brabbelt und acht Jahre lang in völliger Dunkelheit festgehalten wurde. Was mag wohl dahinter stecken? Im Laufe der Ermittlungsarbeit wird schnell klar, welche Hintergründe den Täter dazu bringen, den armen Ehemännern unter die Arme zu greifen, wenn es darum geht, ihre gemeinen Frauen loszuwerden. Irgendwie will sich dem Leser schon hier ein müdes Gähnen aufdrängen. Als Thrillerfan, der aber schon viel Mieses gelesen hat, gibt man die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch eine gewisse Atmosphäre aufbaut – auch trotz der bis hierher eher mageren Story. Spätestens ab der Hälfte des Romans wird jedoch klar, dass nicht mehr viel kommt. Der Plot dümpelt vor sich hin, es gibt Wiederholungen hinsichtlich der Motive des Täters sowie seiner Klienten, dass es zu heulen wird. Immer und immer wieder wird der Leser penetriert mit antifeministischen Äußerungen und nie lässt McFadyen uns vergessen, warum die armen Ehemänner handeln wie sie es eben tun. Klar, McFadyen zeigt, dass es sicherlich derartige Extreme gibt. Aber muss er sich dabei stets wiederholen? Irgendwann möchte man es nicht mehr lesen. Man möchte Spannung und Atmosphäre – eben die Qualität, die man von seinen beiden ersten Romanen gewohnt war.
Ein wenig dieser Qualität stellt sich dann im letzten Drittel des Romans ein. Das Tempo nimmt zu und man ist tatsächlich ein wenig gebannt. Allerdings ist ein letztes gutes Drittel bei einem Roman einfach nicht genug, wenn man während der zwei Drittel davor fast nur gelangweilt die Seiten umblättert.
Als störend kann man auch besonders jener Leser, der die Vorgängerromane kennt, empfinden, dass der Autor nicht müde wird, die Vorgeschichte der Protagonistin Smoky Barrett zu wiederholen. Immer wieder wird erwähnt, was ihr passiert ist, wie sehr sie doch gelitten hat und dass das Ganze sie beinahe zerstört hätte. Ja, ganz schlimm – aber doch bitte nicht immer und immer wieder. Ein-, zweimal hätte auch gereicht. Aber wenn man sich den Plot von „Ausgelöscht“ einmal genau betrachtet, wird deutlich, was den Autor dazu bewogen haben könnte, sich immer wieder älterer Geschehnisse zu bedienen – der eigentliche Plot ist dünn und gibt nicht viel her. Nicht einmal die Ermittlungsarbeit erzeugt Spannung oder treibt die Geschichte voran. Man kann es also kurz machen: Der Roman besteht zum großen Teil aus Wiederholungen und der daraus resultierenden Langeweile.
Auch drängt sich einem der Verdacht auf, dass McFadyens Schreibstil im Zuge dieses vierten Romans der Reihe etwas gelitten hat. Zwar ist auch „Ausgelöscht“ wieder aus der Ich – Perspektive der Protagonistin Smoky Barrett geschrieben, aber es fehlt das gewisse Etwas. Man hat den Eindruck, Smoky palavert nur. Keine Spur mehr von psychologischer Raffinesse und der damit einhergehenden Atmosphäre. Fast wirkt es, als würde Smoky einfach nur die Geschichte runter rattern. Sie schweift zwar immer wieder mal ab und philosophiert vor sich hin, aber etwas fehlt. Es ist nicht mehr dasselbe. Rein technisch betrachtet ist der Stil sehr simpel, es gibt keine komplizierten Satzkonstruktionen. Auch fehlen die sonst so gelungenen Ausschmückungen fast gänzlich. Nur selten flammt das eigentlich große Talent des Autors dahingehend auf. Ansonsten wirkt der Roman vom Schreibstil her fast schon nüchtern. Das zusammen mit der nicht wirklich vorhandenen Atmosphäre lässt „Ausgelöscht“ zu einem Roman verkommen, der leider in der Masse des Genres untergeht. Die Originalität ist einfach nicht mehr vorhanden.
Am Figurenensemble hat sich jedoch nichts geändert.
Hauptfigur ist nach wie vor Smoky Barrett, die durch einen Serienkiller entstellt wurde – körperlich wie seelisch, der ihren Mann und ihre Tochter ermordet hat. Mittlerweile ist die Seele und Hauptermittlerin aber fast wie ganz. Sie hat einen neuen Freund, eine Adoptivtochter und ein fast normales Leben. Irgendwie mag das nicht so ganz zu der harten Smoky aus den ersten beiden Romanen der Reihe passen. Da fragt man sich doch, wieso Thrillerautoren früher oder später einen auf derartig ausgelutschte Harmonie machen müssen. Sicher – im zweiten Roman der Reihe hat das noch gepasst, denn es war bis dahin nur ein zartes Aufflammen, von dem man nicht wusste, ob es denn tatsächlich zu einem Feuer wird. Hier jedoch hat McFadyen es übertrieben. Er bemüht sich zwar nach wie vor, seiner Agentin einen harten Charakter zu geben, dies wirkt jedoch im Kontext nur noch aufgesetzt, unecht und in der Folge lächerlich.
All die anderen bis hierhin lieb gewonnenen Figuren –Alan, Callie, James- kommen in „Ausgelöscht“ einfach zu kurz. Sie sind fast keine Hauptfiguren mehr, wie gewohnt, sie wirken wie Statisten, füllendes Material, damit der Roman keine reine Lobeshymne auf Smoky Barrett wird. Schade, denn in den vorangegangenen Romanen waren besagte Figuren stets Charaktere mit Hintergrund, Farbe und Leben.
Unterm Strich bleibt an „Ausgelöscht“ nicht sonderlich Gutes zu lassen.
Der Roman ist keineswegs schlecht – er ist Durchschnitt, okay, maximal ein etwas besserer Thriller, als man es von wohl 90% aller anderen Genrevertreter behaupten kann. Aber reicht das wirklich aus? Besonders nach „Der Todeskünstler“ und „Die Blutlinie“ tut es das definitiv nicht. Hier gibt es keinerlei Atmosphäre mehr, keine Tiefe, keine besonderen Figuren, mit denen man sich identifizieren kann und kein fesselnder Schreibstil mehr. Es ist alles nur noch Durchschnitt. Einzig das letzte Drittel des Romans lässt noch Spannung aufkommen und man hat den Eindruck, McFadyen würde zu alten Qualitäten zurückkehren. Leider ist das literarische Kind hier aber schon in den Brunnen gefallen, was dem Roman meinerseits nur zwei Sterne und keine Empfehlung einbringt. Wer sich nicht einfach nur seicht berieseln und immer wieder dasselbe lesen möchte, der sollte von diesem Roman die Finger lassen.
Ausgelöscht – Cody McFadyen
+++ Bezugsquelle & Preis +++
Gekauft habe ich den gebundenen Roman seinerzeit bei www.buecher.de.
Dort habe ich ca. 16,00 € bezahlt.
+++ Eckdaten +++
Titel: Ausgelöscht
Originaltitel: Abandoned
Autor: Cody McFadyen
Übersetzung: Angela Koonen, Dietmar Schmidt
Verlag: Lübbe
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 458 Seiten
+++ Der Autor +++
Cody McFadyen (* 1968 in Texas, USA) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller von Kriminalromanen. Nachdem McFadyen mit 16 Jahren seine Highschool-Ausbildung abbrach, begann er, freiwillige soziale Arbeit zu leisten. So setzte er sich unter anderem für Selbsthilfegruppen und bei der Drogenberatung ein und trat mehrere Weltreisen an. Er arbeitete danach in unterschiedlichen Branchen, wie etwa als Webseiten-Designer, bevor er sich mit 35 Jahren ganz der Tätigkeit als Schriftsteller widmete. Sein erster Roman Die Blutlinie um die Protagonistin Smoky Barrett fand internationale Anerkennung. Ihm folgten drei weitere Romane mit der gleichen Protagonistin; laut McFadyens Webseite ist ein fünfter Teil bereits in Arbeit.[1]
McFadyen ist Vater einer Tochter und lebt in Südkalifornien. Er hat laut eigenen Angaben zwei Hunde namens Lucky und Sable, beides Labrador-Retriever.
Quelle: www.wikipedia.de
+++ Ausgelöscht +++
Es soll der schönste Tag im Leben der FBI – Agentin Callie werden, denn sie hat beschlossen zu heiraten. Auf ihrer Hochzeit jedoch kommt alles anders. Denn kurz nach der Trauung fährt ein Auto vor und eine junge Frau wird heraus geschleudert. Zunächst weiß niemand, wer sie ist noch was mit ihr geschehen ist.
FBI – Agentin Smoky Barrett und ihr Team erfahren, dass die Frau, Heather Hollister, acht Jahre lang in völliger Dunkelheit festgehalten wurde. Der Täter will mit ihrer Freilassung offensichtlich irgendetwas sagen. Schnell wird klar, dass der Ehemann der Frau hinter der ganzen Sache steckt und online Kontakt zu einem gewissen Dalí aufgenommen hat, der seine Frau hat verschwinden lassen sollen. Douglas Hollister war offenbar nicht mehr zufrieden mit seiner Ehe, wollte die Lebensversicherung seiner Frau und glücklich sein mit seiner neuen Lebensgefährtin Dana.
Bald wird dem Team rund um Smoky klar, dass es sich bei Dalí und seine Tat nicht um ein einzelnes Geschehnis handelt. Dalí sucht in einschlägigen Foren seit Jahren nach Männern, die von ihren Frauen enttäuscht wurden und sich nun deren Auslöschung wünschen. Niemand weiß, wie viele Frauen Dalí noch in seiner Gewalt hat und wie viel Zeit noch bleibt…
+++ Eindrücke +++
Gewohnt war man von Cody McFadyens Romanen bisher Düsternis, Bedrängung, ein mulmiges Gefühl im Magen während des Lesens. Hielt er doch mit erschütternden und expliziten Schilderungen nie hinterm Berg. Auch vor psychologischer Folter sowohl seiner Romanfiguren als auch seiner Leser hat er nie Halt gemacht. Dies alles in einer Form, wie sie wohl selten in konventionellen Thrillern zu finden ist. Genau dies hat Romane wie „Der Todeskünstler“ so besonders gut gemacht – nicht die dargestellte Gewalt, sondern die unheimlich dichte und bedrohliche Atmosphäre, die er erzeugen konnte. Entsprechend hoch sind natürlich auch die Erwartungen an all die Folgeromane seiner Reihe rund um Smoky Barrett und ihr Team. Dass er die nicht mehr unbedingt vollkommen erfüllen kann, zeigte der Autor aber leider schon mit dem vorangegangenen Roman „Das Böse in uns“. Denn dabei handelte es sich doch irgendwie nur noch um ein Standardwerk, das den eingefleischten Thrillerfan wenig beeindrucken konnte. Nichtsdestotrotz dürften jene Erwartungen hinsichtlich der Qualität nicht ganz abgeflaut sein. Lockt „Ausgelöscht“ doch mit einem ansprechenden Cover und einem Klappentext, der Hoffnung weckt.
Der Beginn des Romans verspricht auch zunächst, jene Erwartungen und Hoffnungen erfüllen zu können – eine Frau, die aus einem Auto geschleudert wird, wirr vor sich hin brabbelt und acht Jahre lang in völliger Dunkelheit festgehalten wurde. Was mag wohl dahinter stecken? Im Laufe der Ermittlungsarbeit wird schnell klar, welche Hintergründe den Täter dazu bringen, den armen Ehemännern unter die Arme zu greifen, wenn es darum geht, ihre gemeinen Frauen loszuwerden. Irgendwie will sich dem Leser schon hier ein müdes Gähnen aufdrängen. Als Thrillerfan, der aber schon viel Mieses gelesen hat, gibt man die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch eine gewisse Atmosphäre aufbaut – auch trotz der bis hierher eher mageren Story. Spätestens ab der Hälfte des Romans wird jedoch klar, dass nicht mehr viel kommt. Der Plot dümpelt vor sich hin, es gibt Wiederholungen hinsichtlich der Motive des Täters sowie seiner Klienten, dass es zu heulen wird. Immer und immer wieder wird der Leser penetriert mit antifeministischen Äußerungen und nie lässt McFadyen uns vergessen, warum die armen Ehemänner handeln wie sie es eben tun. Klar, McFadyen zeigt, dass es sicherlich derartige Extreme gibt. Aber muss er sich dabei stets wiederholen? Irgendwann möchte man es nicht mehr lesen. Man möchte Spannung und Atmosphäre – eben die Qualität, die man von seinen beiden ersten Romanen gewohnt war.
Ein wenig dieser Qualität stellt sich dann im letzten Drittel des Romans ein. Das Tempo nimmt zu und man ist tatsächlich ein wenig gebannt. Allerdings ist ein letztes gutes Drittel bei einem Roman einfach nicht genug, wenn man während der zwei Drittel davor fast nur gelangweilt die Seiten umblättert.
Als störend kann man auch besonders jener Leser, der die Vorgängerromane kennt, empfinden, dass der Autor nicht müde wird, die Vorgeschichte der Protagonistin Smoky Barrett zu wiederholen. Immer wieder wird erwähnt, was ihr passiert ist, wie sehr sie doch gelitten hat und dass das Ganze sie beinahe zerstört hätte. Ja, ganz schlimm – aber doch bitte nicht immer und immer wieder. Ein-, zweimal hätte auch gereicht. Aber wenn man sich den Plot von „Ausgelöscht“ einmal genau betrachtet, wird deutlich, was den Autor dazu bewogen haben könnte, sich immer wieder älterer Geschehnisse zu bedienen – der eigentliche Plot ist dünn und gibt nicht viel her. Nicht einmal die Ermittlungsarbeit erzeugt Spannung oder treibt die Geschichte voran. Man kann es also kurz machen: Der Roman besteht zum großen Teil aus Wiederholungen und der daraus resultierenden Langeweile.
Auch drängt sich einem der Verdacht auf, dass McFadyens Schreibstil im Zuge dieses vierten Romans der Reihe etwas gelitten hat. Zwar ist auch „Ausgelöscht“ wieder aus der Ich – Perspektive der Protagonistin Smoky Barrett geschrieben, aber es fehlt das gewisse Etwas. Man hat den Eindruck, Smoky palavert nur. Keine Spur mehr von psychologischer Raffinesse und der damit einhergehenden Atmosphäre. Fast wirkt es, als würde Smoky einfach nur die Geschichte runter rattern. Sie schweift zwar immer wieder mal ab und philosophiert vor sich hin, aber etwas fehlt. Es ist nicht mehr dasselbe. Rein technisch betrachtet ist der Stil sehr simpel, es gibt keine komplizierten Satzkonstruktionen. Auch fehlen die sonst so gelungenen Ausschmückungen fast gänzlich. Nur selten flammt das eigentlich große Talent des Autors dahingehend auf. Ansonsten wirkt der Roman vom Schreibstil her fast schon nüchtern. Das zusammen mit der nicht wirklich vorhandenen Atmosphäre lässt „Ausgelöscht“ zu einem Roman verkommen, der leider in der Masse des Genres untergeht. Die Originalität ist einfach nicht mehr vorhanden.
Am Figurenensemble hat sich jedoch nichts geändert.
Hauptfigur ist nach wie vor Smoky Barrett, die durch einen Serienkiller entstellt wurde – körperlich wie seelisch, der ihren Mann und ihre Tochter ermordet hat. Mittlerweile ist die Seele und Hauptermittlerin aber fast wie ganz. Sie hat einen neuen Freund, eine Adoptivtochter und ein fast normales Leben. Irgendwie mag das nicht so ganz zu der harten Smoky aus den ersten beiden Romanen der Reihe passen. Da fragt man sich doch, wieso Thrillerautoren früher oder später einen auf derartig ausgelutschte Harmonie machen müssen. Sicher – im zweiten Roman der Reihe hat das noch gepasst, denn es war bis dahin nur ein zartes Aufflammen, von dem man nicht wusste, ob es denn tatsächlich zu einem Feuer wird. Hier jedoch hat McFadyen es übertrieben. Er bemüht sich zwar nach wie vor, seiner Agentin einen harten Charakter zu geben, dies wirkt jedoch im Kontext nur noch aufgesetzt, unecht und in der Folge lächerlich.
All die anderen bis hierhin lieb gewonnenen Figuren –Alan, Callie, James- kommen in „Ausgelöscht“ einfach zu kurz. Sie sind fast keine Hauptfiguren mehr, wie gewohnt, sie wirken wie Statisten, füllendes Material, damit der Roman keine reine Lobeshymne auf Smoky Barrett wird. Schade, denn in den vorangegangenen Romanen waren besagte Figuren stets Charaktere mit Hintergrund, Farbe und Leben.
Unterm Strich bleibt an „Ausgelöscht“ nicht sonderlich Gutes zu lassen.
Der Roman ist keineswegs schlecht – er ist Durchschnitt, okay, maximal ein etwas besserer Thriller, als man es von wohl 90% aller anderen Genrevertreter behaupten kann. Aber reicht das wirklich aus? Besonders nach „Der Todeskünstler“ und „Die Blutlinie“ tut es das definitiv nicht. Hier gibt es keinerlei Atmosphäre mehr, keine Tiefe, keine besonderen Figuren, mit denen man sich identifizieren kann und kein fesselnder Schreibstil mehr. Es ist alles nur noch Durchschnitt. Einzig das letzte Drittel des Romans lässt noch Spannung aufkommen und man hat den Eindruck, McFadyen würde zu alten Qualitäten zurückkehren. Leider ist das literarische Kind hier aber schon in den Brunnen gefallen, was dem Roman meinerseits nur zwei Sterne und keine Empfehlung einbringt. Wer sich nicht einfach nur seicht berieseln und immer wieder dasselbe lesen möchte, der sollte von diesem Roman die Finger lassen.
41 Bewertungen, 7 Kommentare
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09.08.2011, 16:45 Uhr von Lenni26
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße, Lenni26
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06.08.2011, 17:40 Uhr von Clarinetta2
Bewertung: sehr hilfreichsehr gut geschrieben
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06.08.2011, 15:39 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichViele Gruesse, mima007
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05.08.2011, 12:45 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: besonders wertvollSehr hilfreich und liebe Grüsse
-
05.08.2011, 12:02 Uhr von cleo1
Bewertung: sehr hilfreichLG cleo1
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05.08.2011, 11:39 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichViele liebe Grüße. KATJA
-
05.08.2011, 11:29 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollAllerbesten Gruß *~*
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