Ostseefluch (Taschenbuch) / Eva Almstädt Testbericht


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- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von Hollgo
Krimi vom Baltischen Meer
Pro:
+ teils urige Charaktere + viele kleinere und größere Rätsel abseits der Story
Kontra:
- ohne Klischees kommt die Autorin hier teils nicht aus...
Empfehlung:
Ja
Meistens herrscht dieser Glaube solange vor, bis er von gegenteiligen Aspekten weitestgehend widerlegt wird.
Um einen Fluch jedenfalls geht es auch in Eva Almstädt Roman "Ostseefluch" - was wohl dahinter steckt ?
=== So kam ich zu diesem Buch ===
Für 6,99 € fand ich das Buch in der eBook-Version auf buecher.de im Angebot. So ein Krimi ist ja immer mal wieder eine willkommene Lesekost für mich, also lud ich mir den epub auf meinen Reader.
In der Taschenbuch-Version sind ansonsten 7,99 € fällig, in Österreich sind es 8,35 €.
== Zur Autorin ==
1965 wurde Eva Almstädt in Hamburg geboren,
Nach ihrem Abitur machten sie zunächst eine Ausbildung als Raumausstatterin, im Anschluß daran studierte sie Innenarchitektur an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover. Ihre erworbenen Kenntnisse in diesem Beruf übte sie fünf Jahre in einem Möbelhaus aus, wo sie sich im Bereich der Küchen- und Wohnraumplanung beschäftigte.
Nach ihrem Umzug nach Hammoor in Schleswig-Holstein entdeckte sie ihre "literarische" Ader - seit 2001 ist Eva Almstädt so als Autorin tätig.
Eva Almstädt sieht sich selbst ganz offen im Zuge ihrer Mitgliedschaft der "Sisters Of Crime"-Vereinigung als reine "Krimi-Schriftstellerin" - dieses Genre scheint ihr besonders zu liegen.
Seit 2004 hat sie so insgesamt 8 Romane veröffentlicht - grob folgt also jedes Jahr ein neuer "Almstädt"-Krimi. "Ostseefluch" ist ihr bislang neuestes Werk, welches Anfang 2012 erschienen ist.
== Zu "Ostseefluch" ==
=== Darum geht es ===
In der Nähe des kleinen Dorfes Weschendorf auf der Ostsee-Insel Fehmarn liegt ein einsames, im Verfall begriffenes (und dennoch bewohntes) Haus mitten in einer von Natur umgebenden Landschaft.
In der Idylle eines hochsommerlich heißen Tages trägt sich nun zur Mittagsstunde ein Mord an einer jungen Frau namens Melina Ingwers zu - sie wurde hinterrücks im Garten von einem stumpfen Gegenstand erschlagen.
Die sofort herbei gerufene Polizei nimmt unter der Leitung von Pia Korittki die Ermittlungen in diesem Fall auf. Der Mord löst besonders bei den Einheimischen ungläubiges Entsetzen aus - denn, wie es im unweit gelegenen Dorf Weschendorf heisst, ist das einsam und abgeschieden gelegene Haus mit einem Fluch belegt, Schon viele Unglücke und Schicksalsschläge hat das schon mehr als 100 Jahre alte Landhaus gesehen
.
Allerdings lässt sich Pia Korittki weder von dem Aberglauben der "Einheimischen" Fehmarns noch von ihr teils offen gezeigter Gegnerschaft bzw. dem Misstrauen einiger Hausbewohner von ihren Ermittlungen abschrecken. So findet sie schnell heraus, dass die Eltern des Opfers etwas zu verschweigen scheinen . Aber dann geraten die Ermittlungen in eine Sackgasse, und Pia Korittki erkennt etwas Unglaubliches: es scheint, als müsse sie sich - nolens, volens - doch mit der Geschichte um den mysteriösen Fluch im Zuge ihrer Ermittlungen beschäftigen.
=== Die Charaktere dieser Geschichte ===
In "Ostseefluch" bekommen wir so einige schräge Typen und Charaktere von der Autorin Eva Almstädt präsentiert - schon der knapp 10 Jahre ältere Freund der Ermordeten, ein Biologiestudent namens Patrick Grieger, der sich als Untermieter in das alte Haus eingemietet hat (welches, für ihn günstig, in der Nähe einer Vogelbrutkolonie liegt) gibt doch in seiner ganzen eher abweisenden Art gegenüber der Polizei Rätsel auf.
Besonders aber gibt sich aber Irma Seibel, die eigentliche "Hauptmieterin" des Hauses, der Kommissarin Korittki alles andere als hilfsbereit. Sie zog aus Kostengründen und , weil sie ihrer Tochter Zoe das "Landleben" , entfernt von der - ihrer Meinung nach- unmenschlichen Gesellschaft , bieten wollte in das alte, baufällige Haus. Hier formte sie quasi eine Art von "Kommune", indem sie das Haus an weitere Bewohner "untervermietete" - auch der Ermordeten Melina bot sie einen Unterschlupf, von der wir schnell erfahren, dass sie von ihren wohlhabenden Eltern nicht mehr unterstützt wurde, nachdem sie ihre Lehre im elterlichen Gartenbetrieb abbrach. Wie es scheint, bildete sich so aus den Bewohnern des recht abgeschiedenen, alten Hauses eine ganz besondere Art von "Lebensgemeinschaft", in der jeder dem Streben nachging, zu dem er/sie gerade Lust hatte.
Entsprechend ist Irma Seibel genervt von den Ermittlungen der Kriminalbeamten, die nun quasi von jetzt auf gleich in ihre von ihr geformte Idylle einbrechen und Unruhe stiften.
Aber Pia Korittki, die ermittelnde Kommissarin in dem Fall, ist hier unerbittlich und findet letztlich auch einen Draht zu der eher abweisenden Person. Letztlich ist sie in einer fast ähnlichen Situation als alleinerziehende Mutter. Im Beruf stehend, plagen sie ziemliche Gewissensbisse, dass sie ihre kleine Tochter in die Obhut einer Tagesmutter geben muss, während sie in einem Fall ermittelt.
Aber auch die Eltern der Ermordeten, das wohlhabende Unternehmerehepaar Ingwers, ist alles andere als "normal": Die Mutter der verstorbenen Melina ist eine ganz strenggläubige Frau, die in der Rangfolge "Kirche-Karriere-Kinder" denkt und es daher, wie ihr Ehemann übrigens auch, so gar nicht nachvollziehen kann, warum sich ihre Tochter entschloß, eine für sie vorgezeichnete Karriere als Nachfolgerin in der Chefrolle ihres Gärtnereibetriebes abzulehnen um sich zu einer Bande von Hinterwäldlern zu begeben.
=== Aufbau und Struktur ===
Der "Ostseefluch" wird von der Autorin schnell als solcher angedeutet - schon der Prolog erweist sich als nichts anderes als eine Art "Zeitungsartikel", in dem wir von einem Mord an einer Familie erfahren, dem 1985 nur der sich unter einer Treppe versteckt gehaltene, 5-jährigen Sohn entging. So bekomme ich als Leser schnell einen Eindruck davon, warum wohl der Glaube, dass das Haus "verflucht" sei, sich bei den Einheimischen über so viele Jahre gehalten habe.
Danach erfolgt die Handlung eigentlich zeitlich recht linear - nachdem wir zunächst über die "Schulter" von Melinas Freund Patrick Grieger schauen und erleben, wie er den Mord entdeckt, wechselt die Sichtweise als Beobachter fast ausschließlich auf die Schultern der eigentlichen Hauptfigur dieses Kriminalromans, der Kommissarin Pia Korrittki - und das ist - eingedenk der mysteriösen "Fluchgeschichte" schon konsequent, denn wie sonst sollte sich die Spannung, was es mit diesem "Fluch" nun eigentlich auf sich hat, über die gesamten 368 Seiten des Romans sich aufrecht erhalten, wenn ich als Leser nicht der Person folge, die - für mich quasi - dem Rätsel um die Morde und den angeblichen "Fluch" nachgeht ?
=== Leseerfahrung und Meinung ===
Der Aufbau und die Handlung des Romans wissen mich schon zu fesseln. Eva Almstädt ist eine wirklich gute Erzählerin, die es geschafft hat, viele skurile und auf den ersten Blick dazu recht interessante Charaktere zu entwerfen. Kaum sind hier an dem "mysteriösen" Ort der Tat Menschen dabei, die man gemeinhin als "stromlinienförmig" umschreiben würde. Nein, viele Charaktere wie Melinas Freund Patrick Grieger, vor allem aber die "Hauptmieterin" des Hauses, Irma Seibel, sind eher verschlossene Menschen und scheinen der Polizei beide nicht recht zu vertrauen. Genauso zugeknöpft, wenn auch auf andere Art und Weise, sind da Melinas Eltern, das wohlhabende Ehepaar Ingwers. Ihr perfekt gepflegter Garten kann dennoch kaum darüber hinweg täuschen, dass in dieser feinen Familie längst nicht alles zum Besten bestellt ist - auch hier schlummern Geheimnisse, denen die Kommissarin und ihr Assistent Gerlach erst noch auf die Spur kommen müssen. So gibt es ganz am Rande der eigentlichen Mordermittlungen im Fall der Melina Ingwers gleich mehrere kleinere und größere Rätsel, die im Zuge der Tätigkeit der tüchtigen Kommissarin Korrittki zu lösen sind.
Neben dem ganzen Rätselspaß, welches hier bei dem gemeinen Krimifan aufkommen sollte, darf allerdings der durch diese Art der Zusammenstellung der Charaktere und ihrer Wechselwirkungen bei mir aufgekommende Eindruck einer gewissen "Willkürlichkeit" bei der Zusammenstellung dieses Rätselmixes natürlich nicht verschwiegen werden - das liegt allerdings auch in der Natur der Sache.
Die Zutaten sind daher auch nur folgerichtig zu nennen: ein Fluch (Mysterium per se) plus misstrauische wie rätselhafte Bewohner des "verfluchten" Hauses plus reiche Personen mit einem Geheimnis im Hintergrund - das ist schon der klassische Mix für einen Roman, der sich mit diesem Thema beschäftigt und so oder so ähnlich eigentlich kein neues Schema. Dennoch: Eva Almstädt hat in der Art und Weise, wie sie die Charaktere, einzelne Details und Einzelheiten darstellt und schildert, ein wirklich gutes Händchen bewiesen - auch, wenn eine "Irma Seibel" in ihrer Art und Weise, wie sie sich gibt, eigentlich schon fast stereotypisch der Beschreibung der Autorin zufolge aussieht, wie man sich so eine Person so vorstellen mag (... Klischees werden halt auch bedient, auch, wenn sie sich in der Realität vielfach wirklich als "wahr" erweisen...)
=== Leseprobe ===
_ 2. Kapitel, Seite 14_
"Patrick, du musst jetzt nicht mit denen sprechen, wenn du nicht willst", sagte eine Frau, die im Hintergrund stand. Pias Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dunkelheit im Haus zu gewöhnen. Die Frau war mittelgroß und üppig gebaut. Schwere Brüste und ein runder Bauch zeichneten sich unter einem Kleid mit Batikmuster ab. Ihr hennarotes Haar war aufgesteckt, doch wie alle hier war sie verschwitzt, und ein paar Strähnen klebten ihr auf der Stirn und im Nacken. Die Füße der Frau steckten in flachen Ledersandalen, um ihren Hals baumelten zahllose Ketten.
Und wer sind Sie?«, fragte Gerlach.
»Irma Seibel. Ich wohne hier, wenn’s Ihnen nichts ausmacht.«
=== Auf einen Blick ===
* Titel: Ostseefluch
* Autor: Eva Almstädt
* Kategorie: Belletristik / Krimis, Thriller, Spionage
* Verlag: Bastei Lübbe
* Medium: Taschenbuch / Einband: flexibel (Paperback)
* Abmaße (H x B) 186 mm x 125 mm / Seitenzahl: 368
* Erscheinungsjahr: 2012
* ISBN: 3404166299
=== FAZIT ===
"Ostseefluch" ist ein ganz unterhaltsamer Krimiroman, den man gerne mal bei schönem Wetter draußen auf der Liege liest. Trotz des (stellt man ihn sich optisch der Beschreibung im Roman einmal vor) unschönen Mordes ist diese Geschichte recht interessant, ja spannend zu lesen. Viele, teils herbe und eigenwillige., Charaktere werden im Laufe der Geschichte vorgestellt und die Frage, ob und wenn, was genau hinter dem Fluch stecken möge, wird bis zum Schluß recht offen gelassen. Einzig teils bediente Klischees einiger der Figuren in dieser Geschichte lassen den Aufbau und die Zusammenstellung dieser Geschichte doch ein wenig willkürlich wirken. Dennoch hat mich das Buch doch ganz gut unterhalten. "Ostseefluch" ist ein einfacher, aber klassischer Krimi, der mir einfach Spaß gemacht hat. Summa summarum gebe ich vier Sternchen und eine Empfehlung.
55 Bewertungen, 8 Kommentare
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04.11.2012, 11:55 Uhr von Juri1877
Bewertung: sehr hilfreichnoch ein lieber Gruß von mir
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13.05.2012, 15:46 Uhr von DIREKT4000
Bewertung: besonders wertvollToll Ganz liebe Grüße Direkt4000er Bericht
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13.05.2012, 12:33 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW und einen schönen Sonntag!
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13.05.2012, 12:02 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich & liebe Grüße Sarah
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13.05.2012, 10:16 Uhr von XXLALF
Bewertung: sehr hilfreich....und einen schönen sonntag
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13.05.2012, 01:05 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Wochenendgrüße. KATJA
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13.05.2012, 00:43 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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13.05.2012, 00:35 Uhr von morla
Bewertung: besonders wertvollschönes wochenende lg. petra

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