Prometheus - Dunkle Zeichen (DVD) Testbericht
D
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2012
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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Treice564
Prometheus
Pro:
Action
Kontra:
Nichts
Empfehlung:
Ja
Inhalt
Ein Forscherpaar schließt sich gegen Ende unseres Jahrhunderts einer Weltraum-Expedition an und versucht, dem Rätsel der Schöpfung näher zu kommen. Dazu breitet der Science-Fiction-Film einen auf zahllose Vorbilder verweisenden fantastischen Entwurf allen Werdens und Vergehens aus. Regisseur Ridley Scott knüpft an Motive aus seinem Film "Alien" (1979) an und versetzt mit verblüffenden Ideen und visionären Set-Designs in Staunen, während die Handlung zunehmend den Klischees des genreüblichen Horrorfilms verfällt. Die meisten Figuren bleiben blutleer, und der Dialog steht mit seiner auf bloße Worthülsen reduzierten Pseudo-Metaphysik der angestrebten Tiefgründigkeit und dem Genuss der großartigen optischen Schauwerte im Weg.
Kritik
Zu Beginn von Ridley Scotts "Alien" findet die Crew eines intergalaktischen Frachters Teile eines mysteriösen Raumschiffs und in dessen Pilotensitz die Überreste eines entfernt menschenähnlichen Wesens - eine faszinierende Kreation des Schweizer Surrealisten H.R. Giger. Zahlreiche Fans, die den Film mehrmals gesehen hatten, wunderten sich, dass die Figur hernach keine Rolle mehr spielte. Mit ihnen wunderte sich Ridley Scott, warum er nie nach Sinn und Bedeutung des rätselhaften, die Fantasie beflügelnden Wesens gefragt worden ist. Die Film-Crew hatte sogar einen Namen für die Figur erfunden: Space Jockey. Als solcher ist er in die Literatur eingegangen, undefiniert und wenig beachtet, mehr ein Fragezeichen für Analysten des Films als fürs Publikum. Auch die folgenden, nicht mehr von Scott inszenierten "Alien"-Filme hatten für ihn keine Verwendung.
Scotts "Prometheus" könnte auch "Auf den Spuren des Space Jockey" heißen, denn ihm und seinem außerirdischen Geschlecht wird hier eine ausufernde, Gott und die Welt in Frage stellende Geschichte angedichtet, die einerseits von der optischen Faszination bildstarker Weltraum-Panoramen und beunruhigender Giger-Interieurs, andererseits von einer vor dem Fantastischen nicht zurückschreckenden Schöpfungssuche beherrscht ist. Zwei "Vorspiele" gehen der wagnerianischen Space Opera voraus, die darauf einstimmen, dass es diesmal um mehr als die üblichen Weltraum-Abenteuer gehen soll: In einer unbehausten, öden Landschaft opfert sich ein alabasterner Riese für die Kreation des Lebens auf der Erde, und - Werner Herzog grüßt von fern - in einer entlegenen Felsenhöhle entdeckt ein Archäologen-Paar jahrhundertealte Zeichnungen, die es als Hinweise auf die Herkunft ihrer Urheber interpretiert. Weder Stanley Kubrick noch Erich von Däniken sind weit, als sich die beiden Wissenschaftler zur Teilnahme an einer superteuren Expedition zu fernen Galaxien entschließen und von einem Androiden namens David aus ihrem künstlich induzierten Schlaf geweckt werden. Vor allem die aus einer Missionarsfamilie stammende Archäologin hegt die Hoffnung, Aufschluss über die Ursprünge menschlichen Lebens zu finden. Die Landung auf einem wüsten, von Spuren einer verschollenen Zivilisation durchzogenen Planeten geht ohne Zwischenfälle vonstatten; als die Forscher in die Felsenwelt des erdähnlichen Gestirns vordringen, stoßen sie auf die Katakomben einer alten Kultur, aber auch auf Zeichen prähistorischer Zerstörung der Schöpfung durch die Schöpfer. Je mehr sie der Neugier verfallen, die Restbestände des einstigen Lebens zu enträtseln, umso mehr gerät ihr eigenes Leben in Gefahr.
Auch 30 Jahre nach seinem letzten Science-Fiction-Film "Blade Runner" erweist sich Ridley Scott immer noch als ein visionärer, technisch ausgefuchster Regisseur futuristischer Konstellationen. Lange Zeit kommt man nicht aus dem Staunen heraus, mit welcher Akribie sich Scott auch das 3D-Verfahren zunutze macht, um Dimensionen und Perspektiven zu entwickeln, die einem immer wieder den Atem rauben und die in ihrer majestätischen Eindruckskraft - wie später auch in ihrer Schrecklichkeit - James Camerons "Avatar" ins harmlose Märchenland verweisen. Es ist unverkennbar, dass "Prometheus" mit seinen düsteren, klaustrophobischen Kreationen aus Scotts Sicht eine Art Antithese zum optimistischen "Star Trek"-Universum und dem Kult sein möchte, der sich daraus abgeleitet hat. Scott lotet mit diesem Film auch tiefer als mit "Alien". Sein Ehrgeiz, ein kompliziertes Modell alles Werdens und Vergehens auszubreiten, ist unverkennbar, nicht zuletzt in den Anleihen, die er bei Miltons "Paradise Lost" und Lovecrafts "At the Mountain of Madness" macht. Sein Entwurf ist anspruchsvoll, wenn auch fantastisch, was im Zusammenhang eines Science-Fiction-Films durchaus gestattet ist. In die Schranken gewiesen wird er allerdings immer wieder durch seinen Autor Damon Lindelof, der mit "Cowboys & Aliens" und der Fernsehserie "Lost" bekannt wurde. Auch Lindelof besitzt fraglos ein Gespür für aufreizende, extreme Ideenentwürfe, aber er kann - wie sich schon früher erwiesen hat - einfach keine Geschichten erzählen und noch viel weniger Dialoge schreiben. Will man den Erfindungsreichtum und die oft geradezu überwältigenden Set-Designs richtig genießen, muss man schon die Ohren verschließen. Wann immer in "Prometheus" nämlich einer der Akteure den Mund aufmacht, kommen nur Sprechblasen und Naivitäten heraus, die den Film in Gefahr bringen, auf das Niveau jener billigen Science-Fiction-Hefte abzusacken, die einst von Schulkindern zu Millionen verschlungen wurden. Über Wasser hält Lindelof seine von lauter blutleeren Attrappen bevölkerte Story eigentlich nur mit der ironischen, an Spielbergs "A.I. - Künstliche Intelligenz" erinnernden Figur des Androiden, die Michael Fassbender als doppelbödige Peter-O'Toole-Karikatur bis zum Schluss interessant macht.
Schon in den frühesten Exemplaren des Science-Fiction-Films vermischten sich die Sci-Fi-Elemente häufig mit Bestandteilen des Horrorfilms. Das ganze Konzept von "Alien" war ebenfalls auf dieser Ambivalenz aufgebaut, und es ließ sich kaum anderes erwarten, als dass Ridley Scott den Faden wieder aufnehmen und in "Prometheus" weiterspinnen würde. Aber Lindelof fühlt sich ganz offensichtlich wohler, die Topoi des Horror-Kinos zu bedienen, als der mit einiger Glaubhaftigkeit auszustattenden Science Fiction nachzugehen. Vermischt mit seinen unausgegorenen Sprüchen über Gott-Suche, Schöpfungsglauben und Darwinismus, die Scotts Konzept geradezu auf Hilfsschul-Niveau degradieren, entwickelt sich der so hoffnungsvoll beginnende Film mit fortschreitender Dauer zu einer kaum noch konsumierbaren Mixtur aus überstrapazierten Horror-Effekten und unsubstanziierter metaphysischer Unterfütterung. Das Erbe von Prometheus, dem Sagenhelden, auf den der Titel Bezug nimmt, bleibt dabei letztlich auf der Strecke.
Ein Forscherpaar schließt sich gegen Ende unseres Jahrhunderts einer Weltraum-Expedition an und versucht, dem Rätsel der Schöpfung näher zu kommen. Dazu breitet der Science-Fiction-Film einen auf zahllose Vorbilder verweisenden fantastischen Entwurf allen Werdens und Vergehens aus. Regisseur Ridley Scott knüpft an Motive aus seinem Film "Alien" (1979) an und versetzt mit verblüffenden Ideen und visionären Set-Designs in Staunen, während die Handlung zunehmend den Klischees des genreüblichen Horrorfilms verfällt. Die meisten Figuren bleiben blutleer, und der Dialog steht mit seiner auf bloße Worthülsen reduzierten Pseudo-Metaphysik der angestrebten Tiefgründigkeit und dem Genuss der großartigen optischen Schauwerte im Weg.
Kritik
Zu Beginn von Ridley Scotts "Alien" findet die Crew eines intergalaktischen Frachters Teile eines mysteriösen Raumschiffs und in dessen Pilotensitz die Überreste eines entfernt menschenähnlichen Wesens - eine faszinierende Kreation des Schweizer Surrealisten H.R. Giger. Zahlreiche Fans, die den Film mehrmals gesehen hatten, wunderten sich, dass die Figur hernach keine Rolle mehr spielte. Mit ihnen wunderte sich Ridley Scott, warum er nie nach Sinn und Bedeutung des rätselhaften, die Fantasie beflügelnden Wesens gefragt worden ist. Die Film-Crew hatte sogar einen Namen für die Figur erfunden: Space Jockey. Als solcher ist er in die Literatur eingegangen, undefiniert und wenig beachtet, mehr ein Fragezeichen für Analysten des Films als fürs Publikum. Auch die folgenden, nicht mehr von Scott inszenierten "Alien"-Filme hatten für ihn keine Verwendung.
Scotts "Prometheus" könnte auch "Auf den Spuren des Space Jockey" heißen, denn ihm und seinem außerirdischen Geschlecht wird hier eine ausufernde, Gott und die Welt in Frage stellende Geschichte angedichtet, die einerseits von der optischen Faszination bildstarker Weltraum-Panoramen und beunruhigender Giger-Interieurs, andererseits von einer vor dem Fantastischen nicht zurückschreckenden Schöpfungssuche beherrscht ist. Zwei "Vorspiele" gehen der wagnerianischen Space Opera voraus, die darauf einstimmen, dass es diesmal um mehr als die üblichen Weltraum-Abenteuer gehen soll: In einer unbehausten, öden Landschaft opfert sich ein alabasterner Riese für die Kreation des Lebens auf der Erde, und - Werner Herzog grüßt von fern - in einer entlegenen Felsenhöhle entdeckt ein Archäologen-Paar jahrhundertealte Zeichnungen, die es als Hinweise auf die Herkunft ihrer Urheber interpretiert. Weder Stanley Kubrick noch Erich von Däniken sind weit, als sich die beiden Wissenschaftler zur Teilnahme an einer superteuren Expedition zu fernen Galaxien entschließen und von einem Androiden namens David aus ihrem künstlich induzierten Schlaf geweckt werden. Vor allem die aus einer Missionarsfamilie stammende Archäologin hegt die Hoffnung, Aufschluss über die Ursprünge menschlichen Lebens zu finden. Die Landung auf einem wüsten, von Spuren einer verschollenen Zivilisation durchzogenen Planeten geht ohne Zwischenfälle vonstatten; als die Forscher in die Felsenwelt des erdähnlichen Gestirns vordringen, stoßen sie auf die Katakomben einer alten Kultur, aber auch auf Zeichen prähistorischer Zerstörung der Schöpfung durch die Schöpfer. Je mehr sie der Neugier verfallen, die Restbestände des einstigen Lebens zu enträtseln, umso mehr gerät ihr eigenes Leben in Gefahr.
Auch 30 Jahre nach seinem letzten Science-Fiction-Film "Blade Runner" erweist sich Ridley Scott immer noch als ein visionärer, technisch ausgefuchster Regisseur futuristischer Konstellationen. Lange Zeit kommt man nicht aus dem Staunen heraus, mit welcher Akribie sich Scott auch das 3D-Verfahren zunutze macht, um Dimensionen und Perspektiven zu entwickeln, die einem immer wieder den Atem rauben und die in ihrer majestätischen Eindruckskraft - wie später auch in ihrer Schrecklichkeit - James Camerons "Avatar" ins harmlose Märchenland verweisen. Es ist unverkennbar, dass "Prometheus" mit seinen düsteren, klaustrophobischen Kreationen aus Scotts Sicht eine Art Antithese zum optimistischen "Star Trek"-Universum und dem Kult sein möchte, der sich daraus abgeleitet hat. Scott lotet mit diesem Film auch tiefer als mit "Alien". Sein Ehrgeiz, ein kompliziertes Modell alles Werdens und Vergehens auszubreiten, ist unverkennbar, nicht zuletzt in den Anleihen, die er bei Miltons "Paradise Lost" und Lovecrafts "At the Mountain of Madness" macht. Sein Entwurf ist anspruchsvoll, wenn auch fantastisch, was im Zusammenhang eines Science-Fiction-Films durchaus gestattet ist. In die Schranken gewiesen wird er allerdings immer wieder durch seinen Autor Damon Lindelof, der mit "Cowboys & Aliens" und der Fernsehserie "Lost" bekannt wurde. Auch Lindelof besitzt fraglos ein Gespür für aufreizende, extreme Ideenentwürfe, aber er kann - wie sich schon früher erwiesen hat - einfach keine Geschichten erzählen und noch viel weniger Dialoge schreiben. Will man den Erfindungsreichtum und die oft geradezu überwältigenden Set-Designs richtig genießen, muss man schon die Ohren verschließen. Wann immer in "Prometheus" nämlich einer der Akteure den Mund aufmacht, kommen nur Sprechblasen und Naivitäten heraus, die den Film in Gefahr bringen, auf das Niveau jener billigen Science-Fiction-Hefte abzusacken, die einst von Schulkindern zu Millionen verschlungen wurden. Über Wasser hält Lindelof seine von lauter blutleeren Attrappen bevölkerte Story eigentlich nur mit der ironischen, an Spielbergs "A.I. - Künstliche Intelligenz" erinnernden Figur des Androiden, die Michael Fassbender als doppelbödige Peter-O'Toole-Karikatur bis zum Schluss interessant macht.
Schon in den frühesten Exemplaren des Science-Fiction-Films vermischten sich die Sci-Fi-Elemente häufig mit Bestandteilen des Horrorfilms. Das ganze Konzept von "Alien" war ebenfalls auf dieser Ambivalenz aufgebaut, und es ließ sich kaum anderes erwarten, als dass Ridley Scott den Faden wieder aufnehmen und in "Prometheus" weiterspinnen würde. Aber Lindelof fühlt sich ganz offensichtlich wohler, die Topoi des Horror-Kinos zu bedienen, als der mit einiger Glaubhaftigkeit auszustattenden Science Fiction nachzugehen. Vermischt mit seinen unausgegorenen Sprüchen über Gott-Suche, Schöpfungsglauben und Darwinismus, die Scotts Konzept geradezu auf Hilfsschul-Niveau degradieren, entwickelt sich der so hoffnungsvoll beginnende Film mit fortschreitender Dauer zu einer kaum noch konsumierbaren Mixtur aus überstrapazierten Horror-Effekten und unsubstanziierter metaphysischer Unterfütterung. Das Erbe von Prometheus, dem Sagenhelden, auf den der Titel Bezug nimmt, bleibt dabei letztlich auf der Strecke.
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