Mehr zu AutorInnen mit V Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Pro & Kontra
Vorteile
- Inhalt, Stil
- sehr guter Schreibstil, viele Informatione...unerwartete Wendungen
- informaiv
- sehr spannend , liest sich gut
- sher gut geschrieben, nie langweilig
Nachteile / Kritik
- keine
- könnte länger sein....wie jeder ROman ;D, keine Worterklärung für Einsteiger
- zu wenig allgemeine Inforamtionen
- keins
- leider nicht im Handsel erhältlich
Tests und Erfahrungsberichte
-
Verdorfer, Martha; Zweierlei Faschismus - Südtirol
15.06.2003, 17:21 Uhr von
Mhkize
Ausbildung als Ing.(FH) mit umfangreicher Erfahrung in Bauphysik, Schallschutz, Feuerschutz, Wärm...5Pro:
Geschichtlich sehr interessant
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Zweierlei Faschismus
Beschrieben wird die Lage in Südtirol, wie sie durch den italienischen Faschismus und dem deutschen Nazi geprägt wurde.
Südtirol befand sich in jener Zeit gesellschaftspolitisch in einer Ausnahmesituation, wie sie wohl keine andere Bevölkerungsminderheit erlebt hat.
Herausgelöst aus dem österreichischen Staatsverband – 1919 nach dem Ersten Weltkrieg - und abgeschnitten von der übrigen tiroler Bevölkerung, gegen das sich die Südtiroler energisch aber fruchtlos gewehrt, steht es einer vollkommen fremden Kultur, der italienischen Kultur, gegenüber.
Alles was mit der österreichischen Kultur in Verbindung zu bringen war, wurde verboten: die deutsche Sprache, das Vereinsleben, die Wirtschaftsverbände, deutsche Namen, deutsche Orts- und Flurnamen usw. Es sollte eine vollkommene Assimilierung werden.
Alles das österreichische, was verboten wurde, wurde durch das italienische ersetzt. In den ersten Jahren war diese Assimilierungspolitik noch harmlos in vergleich zur Zeit nach 1924, als die Faschisten mit Mussolini an der Spitze die Regierung übernahmen.
In diesem Buch wird anhand von Zeitzeugen berichtet wie sich die Südtiroler Bevölkerung in dieser Zeit verhielt.
I.Die Italiener wurden als Sieger verachtet.
"Der Kriegsausgang bedeutete für die Südtiroler vor allem aber auch einen enormen sozialen Prestige- und Statusverlust, den man mit dem Abstieg von der bisherigen Zugehörigkeit zur staatstragenden Nation auf dem Rang einer hilfsbedürftigen deutschen Minderheit umschreiben kann."
Dabei wurde jedoch unterschieden zwischen der Politik und den Menschen, die als Soldaten, das Land besetzten. So bestand gegenüber dem Italiener keine Feindschaft. So berichtet ein Zeitzeuge: "Es waren meist Soldaten und die hatten eigentlich keine, fast keine politische Einstellung. Die sind von der Front gekommen." oder ein andere: "Ich weiß, bei uns daneben waren Soldaten einquartiert. Mein Gott, die sind mit uns Kindern sehr nett gewesen. Die sind heraufgekommen, dann haben wir Reis bekommen, Nudeln bekommen und alle waren nett. ..."
II.Der Faschismus als Importware
Nach dem Ersten Weltkrieg waren nur einige tausend Italiener in Südtirol. Es gab keinen Grundstock für einen Faschismus, sondern dieser wurde mit den Arbeiter aus Italien importiert. Es wird beschrieben wie die Südtiroler diese "Importware" empfunden und sich ihr gegenüber verhalten haben. Ein Zeitzeuge: "... ein faschistischer Funktionär schreit da: "Wem es unter unserer Herrschaft nicht passt, der drei Lire fünfzig nehmen und soll über den Brenner hinaus fahren. Solche Leute brauchen wir nicht." Das sagte er uns! Wir, wo wir seit 600 Jahren auf diesem Boden gesessen sind und der Trottel kommt acht Tage vorher aus Sizilien herauf und sagt uns wir sollen gehen. ...."
Diese Importware konnte aber in die überwiegend bäuerliche Struktur nicht eindringen, sie besetzten hauptsächlich die regierungsnahem Positionen und wurden von der Bevölkerung als Kolonialherren betrachten und abgelehnt. Hierzu beigetragen hat auch die fast ersatzlose Enteignung großer landwirtschaftlicher Flächen, die dann zu Arbeitsplätzen für die Eindringlinge umgewandelt wurden.
Die Faschisten versuchten unter Südtiroler Bevölkerung Mitglieder zu bekommen, da sie nur an solchen Arbeit verteilten. "In den 20er Jahren, wenn man nicht dem Faschismus beigetreten ist, dann ist man arbeitslos gewesen."
III.Akzeptanz des italienischen Faschismus
nachdem die wichtigsten regierungsnahen Positionen mit Italienern besetzt waren, mussten auch die Südtiroler eine bestimmte Akzeptanz dem Regime entgegenbringen um zu überleben.
Wie dies funktionierte wird beschrieben. Oft wurde nach der Methode gehandelt: die Hand wäscht die andere. Ein Gastwirt berichtet: "Dann natürlich muss man sich erkenntlich zeigen. Dann konnten sie bei mir essen und trinken bei mir und haben nie eine Lire bezahlt. Wenn ich einmal etwas gebraucht habe, bin ich zu ihm gegangen, der hat mir immer alles erledigt. Es gibt ja bei den Italienern auch gute Menschen; man darf nicht alle verachten. Der jedenfalls war gut mit mir."
Es wird berichtet wie zweisprachige Ehe entstanden und welche Akzeptanz dieser auf beiden Seiten entgegengebracht wurde.
Entgegen den vertraglichen Vereinbarungen wurden die Südtiroler auch zum Militär eingezogen. Dort haben sie ihren Dienst getan und waren sehr angesehen, so dass sich viele Offiziere einen Südtiroler als Laufburschen nahm.
IV.Neue symbolische Ordnung
Die Tiroler habe immer ihre Freiheit genossen und hatten schon im Kaiserreich eine Sonderstellung. Es hat sich eine hochstehende Kultur herausgebildet und es sind umfangreiche Symbole entstanden, die große Bedeutung hatten. Nun wurden alle diese Symbole entfernt. Alte Hofnamen, die an den Hausmauern angebracht waren mussten überpinselt werden, Trachten, Schützenvereine, Musikkapellen wurden verboten. Die Reaktion der Bevölkerung hierauf wird plastisch dargestellt und mit Aussagen von Zeitzeugen untermauert.
"In der Konfrontation mit einer fremdnationalen Minderheit, die selbst eine sehr ausgeprägte nationale Symbolik besaß, bedeutete das brachiale vorgehen des italienischen Faschismus die Zerstörung von wesentlichen Vermittlungsinstanzen zwischen politischer Macht und Bevölkerung"
V.Der italienische Faschismus als Vorerfahrung für den Nationalsozialismus
Berichtet wird hier hauptsächlich über die Biographien der zwischen 1920 und 1930 Geborenen, die am Kriegsende junge Erwachsen waren.
Die Schule wurde als mittel der faschistischen Erziehung eingesetzt. Die deutsche Sprache war verboten. Die Kinder und Jugendlichen wurden in die faschistischen Kinder- bzw. Jugendorganisationen eingebunden. Da dies zwangsweise war, habe manche auch ihren Streich dabei geführt.
Da in den öffentlichen Schulen die deutsche Sprache verboten war, wurden Katakombenschulen errichtet, in denen aus dem Schuldienst entlassenen Lehrer in der deutschen Sprache unterrichten. Der Aufbau und die Tarnung dieses Unterrichts wird beschrieben.
Nach dem Einmarsch der deutschen Armee in Italien, wurde in Südtirol die deutsche Schule wieder aufgebaut. Auch die Nationalsozialisten haben die Schule für ihre Propagandazwecke missbraucht. Das wurde aber eher akzeptiert, weil man die Sprache verstand. Die weiterführenden Schulen konnten im "Reich" besucht werden und es gab bessere Aufstiegsmöglichkeiten.
VI.Die Option
Hitler und Mussolini haben vereinbart, dass Südtirol von der deutschsprachigen Bevölkerung befreit wird, damit die Italiener nachrücken konnten. So konnten die Südtiroler entscheiden, ob sie nach für Deutschland oder Italien stimmen. Die meisten haben für Deutschland gestimmt. "Wir haben alle für Deutschland optiert, nicht für den Hitler."
Beschrieben wird, wie die Bevölkerung diesen Vorgang empfunden hat. Wie jene in der "neuen Heimat" aufgenommen wurden, die Südtirol verlassen haben, und welche Schwierigkeiten auf sie zu kamen als sie nach dem Kriege wieder nach Südtirol zurück kamen.
VII.Der Nationalsozialismus in Südtirol.
Die nationalsozialistische Bewegung setzte in Südtirol sehr früh ein; schon 1926 wurden die ersten entsprechenden Verein gebildet. Die Wege, aber auch die Irrweg hierzu, werden aufgezeigt. "Die Irritation über diese neue Form der Machtausübung zieht sich in den Interviews als roter Faden von der Option, beginnend 1938, bis zum Kriegsende durch."
Die Südtiroler Bevölkerung war damals überwiegend in der Landwirtschaft tätig und waren:
einerseits die politische Freiheit, die es unter den österreichischen Kaiser hatte noch gewohnt,
anderseits aber sehr von der katholischen Kirche geprägt die eine Obrigkeitshörigkeit mit sich brachte.
Durch den italienischen Faschismus waren der Bevölkerung jede Freiheit genommen, insbesondere jene der Sprache. Durch den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Norditalien durch die Südtiroler wieder ihre Muttersprache überall gebrauchen, was sie als eine große Erleichterung empfanden. Sie sahen jedoch auch die Greueltaten des NAZI, die sie verabscheuten, andererseits hat sie die anerzogenen Obrigkeitsgläubigkeit daran gehindert gegen diese vorzugehen. Über diesem Zwiespalt wird am ende dieses Buches berichtet.
Verdorfer, Martha
Zweierlei Faschismus
Alltagserfahrungen in Südtirol 1918 - 1945
Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik Band 47
Herausgegeben vom:Verein Kritischer Sozialwissenschaft und Politische Bildung 1990
ISBN 3-5005-122-4 weiterlesen schließen -
-
Vandenberg, Philipp: Der Spiegelmacher
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Historische Romane haben schon immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt, wenn gleich ich doch eher selten zu dieser Art von Buch greife. Meistens braucht man für solche Bücher ein wenig Ruhe und kann es nicht einfach mal so nebenbei lesen – und genauso ist es auch mit dem Werk „Der Spiegelmacher“ von Philipp Vandenberg.
„Technische“ Details
Die gebundene Ausgabe ist im Jahr 1998 bei Lübbe erschienen, beinhaltet 479 Seiten, trägt die ISBN-Nummer 3785709064 und kostet bei amazon derzeit 22,- Euro. Ich persönlich habe die Ausgabe auf dem Flohmarkt für 3,- Euro gekauft.
Storyline
Die Geschichte spielt in der Mitte des 16ten Jahrhunderts und handelt in erster Linie vom Spiegelmacher Michael Melzer aus Mainz. Dieser reist mit seiner Tochter nach Konstantinopel, damit sie die versprochene Ehe eingehen kann. Als Melzer feststellt, dass der zukünftige Bräutigam der Vielweiberei anhängt, kommt es zum Streit um das bereits bezahlte Brautgeld – Melzers Tochter ergreift die Flucht, da sie zu unrecht glaubt ihr Vater hätte sie verkauft und landet schließlich in Venedig.
Melzer bleibt in Konstantinopel, da er hofft seine Tochter dort zu finden. Dabei findet er Kontakt zu Chinesen, die die ersten Gehversuche in der Kunst des Buchdrucks unternehmen – die sogenannte „künstliche Schrift“ oder auch „Schwarzschrift“. Diese Kunst ist vor allem bei der katholischen Kirche sehr beliebt – man kann damit scheinbar viel Geld verdienen. Melzer wird beim Verschwinden der Chinesen selber zum Schwarzkünstler und flieht letztendlich aus verschiedensten Gründen von Konstantinopel nach Venedig, wo er auch seine Tochter wieder trifft – allerdings verläuft dieses Treffen ganz anders als er erwartet hatte.
Mehr sei hier nicht verraten.
Literarisches
Das Buch ist auf keinen Fall als leichte Kost zu bezeichnen. Vandenberg nutzt häufig komplizierte Satzkonstruktionen mit scheinbar unendlich verschachtelten Nebensätzen. Man muss schon sehr konzentriert lesen, um der Story folgen zu können. Dies liegt aber nicht nur an dem Schreibstil, sondern auch daran, dass viele Personen auftauchen. Dabei bekommen einzelne Figuren, die am Anfang mal in einem Nebensatz erwähnt worden sind, im Laufe der Geschichte eine große Bedeutung. Beim erneuten Auftauchen der Figuren wird aber nicht mehr erklärt, um wen es sich handelt – nicht ganz einfach, wenn man diesen Punkt im besagten vorherigen Nebensatz übersehen hat.
Die Story wird abwechselnd aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben. Sie beginnt damit, dass Melzer im Gefängnis sitzt und einem Mithäftling seine Geschichte erzählt. Dabei erscheint die Story in der Ich-Perspektive. Dann ändert sich die Erwählweise auf eine unpersönliche Er-Perspektive, in dem von einem Erzähler die Taten von Melzer und den anderen Personen geschildert werden. Dieser Wechsel vollzieht sich mehrmals im Laufe der Geschichte – meistens dann, wenn persönliche Eindrücke und Gedanken von Melzer geschildert werden. Mit diesem Kniff ist es Vandenberg übrigens hervorragend gelungen, neben der reinen Beschreibung von Vorgängen auch ein wenig Gefühl in die Geschichte zu bringen. In den Ich-Perspektive-Teilen der Geschichte konnte ich das Denken und Fühlen von Melzer ziemlich gut nachvollziehen.
Story: 2 in 1
Die gesamte Story hat eigentlich zwei grundlegende Elemente, die geschickt miteinander verwoben sind. Auf der einen Seite steht dort die persönliche Geschichte von Michael Melzer und die seiner Tochter. Dabei messe ich allerdings der Geschichte von Melzer’s Tochter weit weniger Bedeutung zu, als es beispielsweise viele andere Rezensionen tun, ich finde eigentlich, dass es einfach nur eine nette Nebenrolle ist. Melzer’s Geschichte erinnert manchmal ein wenig an einen kleinen Trottel – allerdings durchaus liebenswert. Die persönlichen Schicksale berühren den Leser dabei durchaus und dieser Teil des Buches hat irgendwie etwas von einer Schnulze – zumindest phasenweise.
Der zweite Leitfaden der Geschichte ist die Buchdruckkunst, beziehungsweise deren Anfänge. Denn zunächst gilt es ja nahezu als aussichtslos, mit der neuen Technik der „künstlichen Schrift“ mehr als ein einseitiges Dokument zu beschriften. Dabei ist besonders gut erklärt, welche Schwierigkeiten diese neue Technik mit sich bringt und welchen Aufwand sie zur damaligen Zeit bedeutet hat. Auch sehr gut herausgestellt wird die gesellschaftliche Meinung zur neuen Technik, alleine schon der Begriff „Schwarzkünstler“ legt eine Verbindung zu Hexerei nahe. Besonders amüsant fand ich die Haltung der katholischen Kirche, die einerseits die Technik nutzen möchte, um tausende Ablassbriefe unter das Volk zu bringen, andererseits das Ganze aber als Teufelswerk verdammt, weil sie die Gefahr der Verbreitung von Lehren auf Papier durchaus erkannt hat. Geschichtlich gesehen sind viele Details enthalten, die durchaus so gewesen sein könnten und die Darstellung von politischen und gesellschaftlichen Situationen ist Vandenberg ziemlich gut gelungen. Auch wenn der Hauptleitfaden die Buchdruckkunst ist, erfährt man viel über das Leben, Lieben und Treiben der Zeit – was davon reine Fiktion und was historische Tatsache ist bleibt oft unklar, tut der Geschichte aber keinen Abbruch. Insgesamt kann man sich durchaus vorstellen, dass es so passiert ist – vor allem auch, weil Vandenberg am Ende sehr geschickt den Sprung zu der historischen Tatsache, dass Johann Gutenberg die Druckkunst eingeführt hat, schafft.
Fazit
Ein sehr schön geschriebenes Buch vor historischem Hintergrund. Auch wenn nicht klar ist, was Fiktion und was Wirklichkeit ist, wirkt dieses Werk durchweg glaubhaft. Man muss sich zum Lesen schon ein wenig Ruhe können, den erstens ist der Schreibstil manchmal etwas schwierig und zweitens bekommen scheinbar unwichtige Details später eine sehr große Bedeutung. Das Buch ist durchaus spannend geschrieben, manchmal lässt sich die Geschichte aber auch ganz gut vorhersagen. Insgesamt kann ich aber jedem, der auch komplizierte Geschichte nicht scheut, dieses Buch ans Herz legen.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-13 11:22:10 mit dem Titel 10 verlorene Tage der Menschheit
Nachdem ich von einem anderen Werk des Autors Philipp Vandenberg sehr angetan war, habe ich mich gleich eines zweites Buches dieses Herrn bemächtigt und es genauso verschlungen, wie das erste. Diesmal geht es um „Der Fluch des Kopernikus“.
„Technische“ Details
Die broschierte Ausgabe ist im Jahr 1998 bei Lübbe erschienen, beinhaltet 507 Seiten, trägt die ISBN-Nummer 3404128397 und kostet bei amazon derzeit 7,45 Euro.
Storyline
Das Buch beginnt in der Einleitung mit der historischen Tatsache, das Papst Gregor XIII im Jahre 1582 den heute noch gültigen – sogenannten gregorianischen – Kalender eingeführt hat und dass im Zuge dieser Einführung einfach 10 Tage aus dem Leben der Menschheit gestrichen worden sind, da auf den 4 Oktober 1582 gleich der 15 Oktober 1582 folgte. Der Roman soll versuchen, eine mögliche Ursache für diese fehlenden 10 Tage darzustellen.
Hauptperson der Geschichte ist Lebrecht Hamann, ein junger Steinmetz. Er verliert während seiner Ausbildung seinen Vater und wird von einem reichen Schankwirt quasi adoptiert. Wie auch sein Vater hat Lebrecht einen guten Kontakt zum örtlichen Benedektiner-Kloster und wird von den dortigen Mönchen in die Welt der Wissenschaft eingeführt. Als die römische Inquisition Lebrechts Vater nach seinem Tod wieder exhumiert und die Leiche als Ketzer verbrennen lässt, beginnt Lebrechts Kampf gegen die Kirche. Dabei kommt ihm das unglaubliche Wissen, welches er sich in der Klosterbibliothek angeeignet hat zu nutze – und eine ganz besondere Rolle spielt dabei ein verbotenes Buch von Nikolaus Kopernikus.
Zusammen mit seiner Stiefmutter, die inzwischen zu seiner Geliebten geworden ist, muss Lebrecht fliehen und landet schließlich auf der Dombauhütte zu St.Peter in Rom. Hier benutzt er das letzte Exemplar des verbotenen Buches von Kopernikus in dem Versuch, seinem Vater nachträglich Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Das Buch ist besonders für die Kirche eine Gefahr, da Kopernikus darin mathematisch beweist, dass die Erde im Oktober 1582 von einem Kometen vernichtet werden wird – womit die heilige Schrift und die dortigen Aussagen über der jüngste Gericht ad absurdum geführt werden würden. Der Kirche ist durchaus bewusst, dass ein Bekannt-Werden der Lehren des Kopernikus eine Abwendung der Menschheit von Glauben zur Folge hätte und sie kämpft mit der vollen Macht, die ihr zur Verfügung steht ...
Literarisches
Es ist Vandenberg wieder einmal ausgezeichnet gelungen, historische Fakten und Fiktion in einem Roman zu verbinden. Dabei ist an vielen Stellen nicht wirklich klar, was auf Tatsachen beruht und was erfunden ist. Lesetechnisch ist das Buch nicht als trivial zu bezeichnen, die Satzkonstruktionen sind oft sehr lang, die Wortwahl mutet manchmal etwas antiquiert an – aber das passt hervorragend zum Inhalt des Buches und ist nicht wirklich ein Manko. Man muss sich beim Lesen aber doch sehr konzentrieren.
Auch in diesem Buch braucht der Leser ein gutes Gedächtnis für Personen, die in der Geschichte vorkommen. Scheinbare Nebenrollen, die zu Beginn einen kurzen Gastauftritt haben, tauchen am Ende wieder auf und nehmen entscheidende Positionen ein. Auch dieser Punkt zeigt wieder, dass dieses Buch nicht einfach mal so gelesen werden kann, sondern dass es einer gewissen Konzentration dabei bedarf.
Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht eines Erzählers formuliert, wobei dieser zu keinem Zeitpunkt auftritt.
Was ich denke
Für jeden, der Interesse an historischen Romanen hat, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Rolle der römisch-katholischen Kirche im Leben der Menschen des Mittelalters. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, kann man sich an sehr vielen Stellen vorstellen, dass es wirklich so gewesen ist.
Besonders gelungen finde ich die Beschreibung der Angst, die die römische Inquisition hervorgerufen hat. Es gelingt Vandenberg sehr gut, darzustellen, wie die Menschen ihr Verhalten an diese Institution anpassen und durch blanken Terror auf die Linie der Kirche gebracht werden. Im krassen Gegensatz dazu beschreibt Vandenberg das Leben des obersten Klerus, der sich in Orgien ergeht, Geliebte hält und sozusagen in Saus-und-Braus lebt. Auch diese Darstellungen sind äusserst glaubhaft formuliert – und erinnern nicht zuletzt auch an die heutige gesellschaftliche Situation, wobei der Klerus heute durch die Politiker dargestellt wird :-)
An einigen Stellen merkt man deutlich, dass Vandenberg auf historischen Tatsachen basiert. Besonders gelungen ist ihm dabei die Position des Michelangelo beim Bau des St.Peter-Doms und die Beschreibung des Wandgemäldes des gleichen Künstlers in der sixtinischen Kapelle. Alleine die paar Seiten, in denen Vandenberg seine Hauptfiguren das Bildnis des Michelangelo interpretieren lässt, ist das Lesen dieses Romans wert.
Auch die Rolle des verbotenen Buches kommt sehr gut rüber und belegt die historische belegte Angst der Kirche vor den modernen Wissenschaften. Ob es ein solches Buch wirklich gegeben hat, ob die beschriebenen Ereignisse wirklich zu den fehlenden 10 Tagen im christlichen Kalender geführt haben und ob das beschriebene Leben der Menschen wirklich so gewesen ist, mag ich nicht entscheiden. Vorstellen kann ich es mir aber auf jeden Fall.
Fazit
Ein Werk, welches einiges an Konzentration beim Lesen erfordert, welches die Mühe aber wert ist. Dieser historische Roman beschreibt äußerst eindrucksvoll die Rolle der Kirche im Mittelalter und das Leben der Menschen in dieser Zeit. Wen der Stoff interessiert, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-13 11:22:30 mit dem Titel 10 verlorene Tage der Menschheit
Nachdem ich von einem anderen Werk des Autors Philipp Vandenberg sehr angetan war, habe ich mich gleich eines zweites Buches dieses Herrn bemächtigt und es genauso verschlungen, wie das erste. Diesmal geht es um „Der Fluch des Kopernikus“.
„Technische“ Details
Die broschierte Ausgabe ist im Jahr 1998 bei Lübbe erschienen, beinhaltet 507 Seiten, trägt die ISBN-Nummer 3404128397 und kostet bei amazon derzeit 7,45 Euro.
Storyline
Das Buch beginnt in der Einleitung mit der historischen Tatsache, das Papst Gregor XIII im Jahre 1582 den heute noch gültigen – sogenannten gregorianischen – Kalender eingeführt hat und dass im Zuge dieser Einführung einfach 10 Tage aus dem Leben der Menschheit gestrichen worden sind, da auf den 4 Oktober 1582 gleich der 15 Oktober 1582 folgte. Der Roman soll versuchen, eine mögliche Ursache für diese fehlenden 10 Tage darzustellen.
Hauptperson der Geschichte ist Lebrecht Hamann, ein junger Steinmetz. Er verliert während seiner Ausbildung seinen Vater und wird von einem reichen Schankwirt quasi adoptiert. Wie auch sein Vater hat Lebrecht einen guten Kontakt zum örtlichen Benedektiner-Kloster und wird von den dortigen Mönchen in die Welt der Wissenschaft eingeführt. Als die römische Inquisition Lebrechts Vater nach seinem Tod wieder exhumiert und die Leiche als Ketzer verbrennen lässt, beginnt Lebrechts Kampf gegen die Kirche. Dabei kommt ihm das unglaubliche Wissen, welches er sich in der Klosterbibliothek angeeignet hat zu nutze – und eine ganz besondere Rolle spielt dabei ein verbotenes Buch von Nikolaus Kopernikus.
Zusammen mit seiner Stiefmutter, die inzwischen zu seiner Geliebten geworden ist, muss Lebrecht fliehen und landet schließlich auf der Dombauhütte zu St.Peter in Rom. Hier benutzt er das letzte Exemplar des verbotenen Buches von Kopernikus in dem Versuch, seinem Vater nachträglich Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Das Buch ist besonders für die Kirche eine Gefahr, da Kopernikus darin mathematisch beweist, dass die Erde im Oktober 1582 von einem Kometen vernichtet werden wird – womit die heilige Schrift und die dortigen Aussagen über der jüngste Gericht ad absurdum geführt werden würden. Der Kirche ist durchaus bewusst, dass ein Bekannt-Werden der Lehren des Kopernikus eine Abwendung der Menschheit von Glauben zur Folge hätte und sie kämpft mit der vollen Macht, die ihr zur Verfügung steht ...
Literarisches
Es ist Vandenberg wieder einmal ausgezeichnet gelungen, historische Fakten und Fiktion in einem Roman zu verbinden. Dabei ist an vielen Stellen nicht wirklich klar, was auf Tatsachen beruht und was erfunden ist. Lesetechnisch ist das Buch nicht als trivial zu bezeichnen, die Satzkonstruktionen sind oft sehr lang, die Wortwahl mutet manchmal etwas antiquiert an – aber das passt hervorragend zum Inhalt des Buches und ist nicht wirklich ein Manko. Man muss sich beim Lesen aber doch sehr konzentrieren.
Auch in diesem Buch braucht der Leser ein gutes Gedächtnis für Personen, die in der Geschichte vorkommen. Scheinbare Nebenrollen, die zu Beginn einen kurzen Gastauftritt haben, tauchen am Ende wieder auf und nehmen entscheidende Positionen ein. Auch dieser Punkt zeigt wieder, dass dieses Buch nicht einfach mal so gelesen werden kann, sondern dass es einer gewissen Konzentration dabei bedarf.
Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht eines Erzählers formuliert, wobei dieser zu keinem Zeitpunkt auftritt.
Was ich denke
Für jeden, der Interesse an historischen Romanen hat, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Rolle der römisch-katholischen Kirche im Leben der Menschen des Mittelalters. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, kann man sich an sehr vielen Stellen vorstellen, dass es wirklich so gewesen ist.
Besonders gelungen finde ich die Beschreibung der Angst, die die römische Inquisition hervorgerufen hat. Es gelingt Vandenberg sehr gut, darzustellen, wie die Menschen ihr Verhalten an diese Institution anpassen und durch blanken Terror auf die Linie der Kirche gebracht werden. Im krassen Gegensatz dazu beschreibt Vandenberg das Leben des obersten Klerus, der sich in Orgien ergeht, Geliebte hält und sozusagen in Saus-und-Braus lebt. Auch diese Darstellungen sind äusserst glaubhaft formuliert – und erinnern nicht zuletzt auch an die heutige gesellschaftliche Situation, wobei der Klerus heute durch die Politiker dargestellt wird :-)
An einigen Stellen merkt man deutlich, dass Vandenberg auf historischen Tatsachen basiert. Besonders gelungen ist ihm dabei die Position des Michelangelo beim Bau des St.Peter-Doms und die Beschreibung des Wandgemäldes des gleichen Künstlers in der sixtinischen Kapelle. Alleine die paar Seiten, in denen Vandenberg seine Hauptfiguren das Bildnis des Michelangelo interpretieren lässt, ist das Lesen dieses Romans wert.
Auch die Rolle des verbotenen Buches kommt sehr gut rüber und belegt die historische belegte Angst der Kirche vor den modernen Wissenschaften. Ob es ein solches Buch wirklich gegeben hat, ob die beschriebenen Ereignisse wirklich zu den fehlenden 10 Tagen im christlichen Kalender geführt haben und ob das beschriebene Leben der Menschen wirklich so gewesen ist, mag ich nicht entscheiden. Vorstellen kann ich es mir aber auf jeden Fall.
Fazit
Ein Werk, welches einiges an Konzentration beim Lesen erfordert, welches die Mühe aber wert ist. Dieser historische Roman beschreibt äußerst eindrucksvoll die Rolle der Kirche im Mittelalter und das Leben der Menschen in dieser Zeit. Wen der Stoff interessiert, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk weiterlesen schließen -
Alfred Elton van Vogt: *Ischer*: Klassischer Science-Fiction-Zyklus
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
In der neuesten Ausgabe der Heyne-Science Fiction-Anthologie "Ikarus" für das Jahr 2002 eröffnet eine klassische Story des US-Autors Alfred Elton van Vogt den Reigen der Texte: "Die Wippe" (1941). Was macht diese Story nach über 60 Jahren noch so gut? Und was hat sie mit dem Ischer-Zyklus zu tun, vor dessen Hintergrund sie spielt?
Hier stelle ich einen Sammelband mit dem Titel "Ischer" vor, den der deutsche van Vogt Experte Rainer Eisfeld herausgegeben hat. Der Band enthält neben Vor- und Nachwort 2 Romane und 2 Erzählungen: "Die Wippe" (1941), "Der Waffenladen" (1942) sowie die Romane "Die Waffenläden von Ischer" (1941-42/51) und "Die Waffenschmiede" (1943/46). Der Dynastie-Name 'Ischer' beruht auf der Anspielung auf Edgar Allan Poes Story "Der Untergang des Hauses Ascher".
Hintergrund: Das Ischer-Universum
Van Vogts Stories waren u.a. deshalb so beliebt, weil sie kompliziert und stets überraschend bzw. verblüffend waren. So auch hier. 3000 Jahre in der Zukunft, in einem Planetenimperium unseres Sonnensystems. Es gibt eine Zeitwippe, die einen Menschen abwechselnd in die Zukunft und in die Vergangenheit schleudert und ihn schließlich zur Ursache für die Entstehung von Planeten werden lässt. Es gibt einen Unsterblichen mit einem Arsenal geheimer Erfindungen, Zeitparadoxa, eine außerirdische Spinnenrasse, die den Menschen weit überlegen ist - und einiges andere mehr.
Hintergrund dieser "Räuberpistolen" ist ein Kaiserreich der Zukunft, dessen Herrscherin Innelda in ihrer Machtvollkommenheit durch die Gilde der Waffenschmiede eingeengt wird, die den Kaiserlichen immer ein gutes Stück voraus sind, was Wissenschaft und Technik angeht. Die Schmiede arbeiten auf zwei Ebenen: In über das ganze Land (der Zentralwelt) verteilten Waffengeschäften erhalten Bürger zu niedrigen Preisen Schusswaffen, die nur der Selbstverteidigung dienen können.
Außerdem verhilft ihr geheimnisvoller Gerichtshof betrogenen Bürgern zu ihrem Recht. Die abwesenden Angeklagten, meist Firmen, werden im Schnellverfahren verurteilt und bestraft. Die Waffenschmiede sind mächtig genug, sowohl die Urteile durchzusetzen als auch ihre Läden den Zugriffen der Kaiserin zu entziehen.
Das System Kaiserhaus/Gilde, das einen Balancezustand schaffen soll, wurde einst von dem Unsterblichen Robert Hedrock ins Leben gerufen und seither von ihm aus dem Hintergrund überwacht.
Die Handlungen der Stories
1) In der amerikanischen Stadt "Middle City" ereignen sich in "Die Wippe" merkwürdige Dinge. Als ein Waffenladen auftaucht und später wieder verschwindet, heftet sich der Reporter Chris McAllister an die Fersen dieses Phänomens. Wir erfahren praktisch nichts über ihn, sondern nur über sein Schicksal. Eine Art Zeitwippe schleudert ihn Millionen Jahre in die Vergangenheit. Um den Preis seines Lebens verursacht er die Entstehung des Sonnensystems.
Diesen Vorgang nennt Stanislaw Lem "Autokreation", Selbsterschaffung des Menschen und seiner Umwelt. Wie kann der Kosmos denn aus Nichts entstanden sein - es muss eine Zutat, ein Etwas gegeben haben. Also beschließt ein Wisenschaftler in ferner Zukunft, ein einziges Elektron entgegen dem Zeitstrom in die ferne Vergangenheit zurückzuschießen, um den Urknall auszulösen - soweit die Theorie Lems. Dieser Mensch spielt Gott.
Van Vogts Lösung sieht jedoch so aus: McAllister wird unfreiwillig in die Lage eines Gewichts am Ende einer Zeitwippe versetzt; bei jeder Schwingung der Wippe lädt sich dieses Gewicht mit einem immer größerer Energiepotenzial auf. Es explodiert schließlich in unvorstellbarer Vergangenheit und löst jenen Urknall aus, dem auch das Sonnensystem seine Entstehung verdankt.
Doch bereits 1949 wurde dieses Szenario widerlegt: Zur laufenden Vergrößerung des Ausschwingens der Wippe müsste dem System ständig neue Energie zugeführt werden - woher soll die aber kommen? Darüber verliert van Vogt kein Wort.
2) Seine Story "Der Waffenladen" wurde hingegen von seinen Kollegen auf Platz 13 der besten Stories des Goldenen Zeitalters der Science Fiction zwischen 1929 und 1964 gewählt, und das will schon etwas heißen. Dennoch ist es merkwürdig, denn, wie schon John W. Campbell schrieb, "die Story hat keine handlung, setzt nirgendwo im besonderen ein, schweift umher und endet schließlich an einer genauso beliebigen Stelle - es ist, als schlendere man durch einen Park".
Es ist eine eminent menschliche Geschichte, die van Vogt erzählt (vielleicht stammt sie ja von seiner Frau Edna?). Da gibt es die Konflikte zwischen den geschlechterrollen von fara Clark und seiner Frau Creel, und da gibt es den Generationenkonflikt zwischen diesen Eltern und ihrem Sohn Cayle (der im Roman "Die Waffenläden von Ischer" die Hauptfigur abgibt). Das Auftauchen des Waffenladens bringt die gespannte Situation nur zum Explodieren. Durch seine patriarchalische Unnachgiebigkeit sorgt Fara dafür, dass Cayle sich ihm endgültig entfremdet.
Fara wird um Geschäft und Ersparnisse gebracht, empfindet sich als ausgestoßen und steht kurz davor, Selbstmord zu begehen. Doch er lernt nicht nur die verborgene Funktion der Waffenläden , deren Organisation ihm Rettung bringt, in der korrupten irdischen Zivilisation in der Ischer-Ära kennen.
Ihm wird auch höchst eindringlich vor Augen geführt, dass er sich ein System starrer Wertvorstellungen zurechtgelegt hat, das auf einer fundamentalen Selbsttäuschung über seine Umwelt beruht. Der Mechanismus, der ihm jahrzehntelang als psychische Krücke gedient hat, erweist seine Brüchigkeit, als es zur Krise kommt. "Ich habe mich benommen wie ein Geisteskranker", sagt Fara Clark am Schluss. Dies ist eine psychoanalytische Erkenntnis. Als Faras Glaube an die Autorität der Kaiserin Innelda Ischer in Frage gestellt wird, reagiert er als Autoritäts- und Hierarchiefanatiker mit krankhafter Aggressivität. Dabei erwartet er von seiner Familie, dass sie pariert. (Die weiterentwickelte Psychoanalyse wird jedoch van Vogt auf den Irrweg der Scientology führen.)
Gleichzeitig entwirft van Vogt mit Creel Clark ein weibliches Gegenbild zu dem in seiner sterotypen Männerrolle befangenen Fara. Emotional stabiler, psychisch reifer und flexibler, lässt sie sich von Fara nicht ins Boxhorn jagen, und in der Krise berät sie ihn und bleibt vernünftig. Schließlich emanzipiert sie sich von der jahrzehntelangen anerzogenen Unterordnung unter männliche Dominanz, allerdings auf konstruktive Weise. Auch van Vogt Charakterisierung der Kaiserin Innelda - selbständig, attraktiv, lebenstüchtig - entspricht der an Creel gezeigten Sensibilität, und diese war zu Zeiten der Groschenromane keineswegs üblich, sondern vielmehr verpönt.
Asimov konnte überhaupt keine erwachsenen Frauen zeichnen und Heinlein allenfalls solche, die sich dem Mann willig unterordnen und sich benutzen ließen. Nach Meinung von Rainer Eisfeld nimmt van Vogt hier sogar das Bild der neuen "Women of Wonder" bei Joanna Russ, Joan D. Vinge, pamela Sargent (die Herausgeberin der zwei gleichnamigen Storysammlungen) und Ursula K. LeGuin aus den siebziger Jahren vorweg. Darüber jedoch ließe sich streiten.
Die Handlungen der Romane
1) "Die Waffenläden von Ischer"
Im ersten Band kommt Cayle Clark, ein junger Mann mit dem Talent, Dinge und Personen in seinem Sinne zu beeinflussen, vom Lande in die Hauptstadt. Nach unliebsamen Zusammenstößen mit der Unterwelt fällt er auf, als er im Spiel zuviel gewinnt. Man macht ihn zu einem Sklaven in einem Illusionspalast, verschleppt ihn zum Mars, lässt ihn dann aber Offizier der Kaiserin werden.
Schließlich wird er Zeitreisender und der mächtigste Mann in der Wirtschaft, immer beschützt von Lucy, seiner späteren Frau, einer Angehörigen der Waffenhändler-Gilde.
2) "Die Waffenhändler von Ischer"
Der anschließend veröffentlichte zweite Band steht im Zeichen der Kaiserin Innelda Ischer und des Unsterblichen Robert Hedrock (s.o.). Hedrock wird sowohl von Innelda als auch der Gilde mit der Hinrichtung bedroht, kann aber fliehen. Er stiehlt einen geheimgehaltenen Antrieb für interstellaren Raumflug, gerät in die Gefangenschaft der Spinnen-Aliens, vergrößert sich selbst (!), zerstört als menschlicher Gigant eine Stadt und geht schließlich als Sieger aus allen Konflikten hervor - eine reine Allmachtsphantasie, wenn es je eine gegeben hat.
Fazit
Diese dürren Inhaltsangaben können den Romanen und Stories allerdings kaum gerecht werden, weil ihr Reiz in einer fast explosiven Verkettung von Ideen besteht: Der (jugendliche und männliche) Leser (von Groschenheften, den sog. 'Pulps') wird von einer Überraschung zur nächsten geführt, und erst allmählich treten die Machtstrukturen, die Hintermänner und Drahtzieher von Intrigen klar hervor.
Dieses Jonglieren mit zum Teil sehr widersprüchlichen Zutaten macht den hauptreiz der beiden Romane aus. Sonderlich glaubwürdig ist der soziokulturelle Hintergrund nicht gerade. Aber van Vogts Werke - auch die Null-A-Romane - leben von der Kopplung von Dingen und Ideen, die sich eigentlich nicht verknüpfen lassen. Wissenschaftlich begründete Allmacht wird hier mit Machtstrukturen vergangener Jahrhunderte - Gilden, feudale Kaiserreiche - ausgeübt.
Das Ergebnis ist ein aus allen historischen Zusammenhängen herausgelöstes Gebilde, das sich ideal als Hintergrund für Ränkespiele und Intrigen jener allzu häufig übermenschlichen Helden eignet, denen der Pulp-Autor van Vogt generell zuneigte. Einfache Bürger haben im Machtspiel solcher Halbgötter nicht allzuviel zu sagen, eigentlich gar nichts. Die bestimmende Triebkraft dieser Superhelden ist das Streben nach offener oder versteckter - also zur Manipulation taugender - Macht.
In der Geschichte der Science Fiction sind die Ischer-Geschichten insofern von Interesse, als sie dem Genre neue Dimensionen eröffnet haben. Denn van Vogt (1912-2000) trug in einer Zeit, als die Science Fiction unter der Ägide von Magazin-herausgeber John W. Campbell jr. zu immer neuen Themen und Sensationen expandierte (aber mitunter auch zu Mist wie etwa Scientology) mit seiner Kreativität wesentlich zur Weiterentwicklung des Genres bei: "Er fügte der Wissenschaft die magie hinzu", meinte James Gunn, selbst Autor und Chronist der Science Fiction.
Der Autor
Ich will nicht verschweigen, dass van Vogt in den allermeisten seiner Geschichten sich als literarisch ziemlich unbedarfter Autor zeigt, mit einem schlechten Stil und kaum in der Lage, glaubwürdige Charaktere zu entwickeln (Ausnahme: "Slan", 1946). Seine Vorlieb für Größenwahn, Supermänner und feudalistische Gesellschaftsformen machten ihn bereits früh zu einem umstrittenen Autor, der von Herausgeber Damon Knight mit dem vernichtenden Urteil "kosmischer Bauspekulant" belegt wurde.
Rainer Eisfeld weiß diese Vorverurteilung geschickt und kenntnisreich zu relativieren. So etwa widerlegt die Existenz der demokratischen organisation der "Waffenhändler" die unterstellte Unterstützung feudalistischer Gesellschaften.
Aus dem Zusammenhang der Genre-Entwicklung und seiner wirtschaftlichen Zwänge (Groschenhefte, Papiermangel während des Krieges, miese Bezahlung) wird klar, dass van Vogt nur so gut oder schlecht schrieb, wie es der Markt zuließ. Asimov und Heinlein, seine größten Konkurrenten wussten sich a) besser zu verkaufen und hatten b) (vielleicht) die besseren Ideen.
Durch den frühen Tod seines Vaters musste van Vogt schon früh von der Schule angehen und sich als Gelegenheitsarbeiter verdingen, bis er dann 1931 mit 19 Jahren sein erstes Produkt veröffentlichte, ein Prostituierten-Melodram. Seine erste Science Fiction-Story war "Vault of the Beast", seiner erste veröffentlichte Science Fiction-Story erschien 1939 in Campbells "Astounding Science Fiction": "The Black Destroyer" ist die erste und beste Story des bekanntesten Episoden-Romans van Vogts: "Die Expedition der Space Beagle" (1950; "Beagle" hieß das Schiff, auf dem Charles Darwin mitsegelte) - eine phantasiereiche Erforschung der gefährlichen Wunder, die das Universum für uns bereithält.
Ein Bildteil bringt die wichtigsten Buchtitel, den Autor und bestimmte Veröffentlichung. Solche Bilder wird man in der sonstigen Skundärliteratur zur SF vergeblich suchen.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Heyne 1989, Nr. 06/73, München; 508 Seiten, DM 16,80, aus dem US-Englischen übertragen von Rainer Eisfeld; ISBN 3-453-03121-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-20 18:01:25 mit dem Titel Anne-Marie Villefranche: *Der Liebesapfel*: Rohre werden verlegt
Turbuelente Liebesabenteuer voll Eleganz und Geschmack - das bietet dieses nette Erotikon.
Die Autorin
°°°°°°°°°°°
Villefranche ist eine elegante und geschmackvolle Erzählerin erotischer Schlüpfrigkeiten. Ihre Darstellung lassen dennoch nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Sie erlebte das Paris der 20er Jahre und heiratete 1928 einen englischen Diplomaten. Nach ausgedehnten Reisen starb sie 1980. Erst danach stieß man auf ihre intimen Erzählungen, denen offenbar eigene erotische Erelebnisse aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zugrundelagen. "Der Liebesapfel" ist ein erst vor kurzem entdecktes Manuskript.
Handlung
°°°°°°°°
Der arme Marc! Hat ihm doch seine hinreißende Geliebte Arlette die Liebe aufgekündigt – mir nichts, dir nichts! Natürlich kann man sich auch noch freundschaftlich lieben, aber es ist eben nicht dasselbe wie zuvor, und ein schwerer Schlag für das, ähm, Ego eines Schürzenjägers wie Marc. Schuld daran ist nur dieses völlig unbegründete Gerücht, er hätte etwas mit Jacqueline (die übrigens auch nicht schlecht aussieht).
Prompt lässt er sich sich wieder bei seiner Angetrauten, Sylvie, blicken, von der er bereits sechs Monate getrennt lebt. Sie liegt verdächtig offenherzig mitten am Tag im Bett – ob sie wohl einen Liebhaber...? Nach getaner Liebestat spürt Marc denn auch sofort seinem finsteren Verdacht nach und lädt seinen Cousin Pierre ins Bordell ein. Sicherlich gibt es keinen unverfänglicheren Pariser Ort zur Besprechung von allerlei Liebeshändeln, nicht wahr? Doch Pierre, o Graus, spielt das Unschuldslamm, und so kommt Marc auch hier auf keinen grünen Zweig. Vielmehr tröstet er sich mit der, geben wir's ruhig zu, längst überfälligen Jacqueline.
Marc, der Hansdampf in allen Höschen, taumelt von Affäre zu Affäre, immer auf der Suche nach der perfekten körperlichen und seelischen Vereinigung, und wundert sich, warum ihn keine seiner angelegten Damen mehr sehen will. Dabei "war es allgemein bekannt, dass Frauen hauptsächlich zu dem Zweck existierten, dass man sie auszog und sich mit ihnen amüsierte". Marc beteuert ihnen immer wieder, dass er sie anhimmle, doch soll wollen wahre Liebe. Was soll man davon halten?
Auch ein allerletzter versuch, die betrogene Sylvie per Beichte und Blumenstrauß zurückzugewinnen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn Marcs Schwester Claudine ist anwesend, und die weiß genau über seine Affären Bescheid, treibt sie es doch selbst mit Pierre, Marcs Cousin, und ist daher im Bilde. Und so endet das Buch mit einem (rein weiblich besetzten) Tribunal, einem "Ich hasse dich" - und einer glücklichen Ménage à trois, in der nur leider Marc absolut keine Rolle spielt, wohl aber Arlette und Jacqueline und Arlettes schmucker Mann.
Fazit
°°°°°
Zunächst erinnert die Struktur des Romans ein wenig an den "Reigen" von Arthur Schnitzler. Zeitlich spielt die Handlung nicht weit entfernt, in den 20er oder 30er Jahren. Doch die Gesellschaftsschichten sind lediglich auf zwei beschränkt: auf Herrschaft und Bedienstete. Und wenn es zwischen Angehörigen der beiden zu Techtelmechteln kommt, ist dies in den Augen der Autorin immer noch höchst unstatthaft. Insofern ist das Buch mit dem "Reigen" nicht zu vergleichen, doch das gleiche Dutzend Figuren treibt es in immer neuen erotischen Konstellationen und Stellungen miteinander.
Wie am Schluss das Tribunal und das glückliche Trio zeigen, geht es der Autorin vor allem um die Untersuchung zweier Liebes- und Lebensentwürfe.
Auf der einen Seite Marc, der Macho alten Schlages, der jede Frau dominieren und kontrollieren will, ohne sie zugleich auch lieben zu müssen. Auf der anderen Seite des Spektrums – nach mehreren Zwischenstationen– die libertinäre Liebe: zwei Frauen und ein befreiter, liberaler Mann, nämlich Arlettes Gatte, der in Südostasien neue Erfahrungen gemacht hat. Hier kommen homo- (sprich: lesbische) und heterosexuelle Elemente zusammen.
Der Schluss des Buches ist offen, der Leser hat die Wahl zwischen den Szenarien und Modellen. Wem das zuviel verlangt ist, genießt einfach einen eleganten, flotten zuweilen witzigen, aber stets anregenden Erotikroman.
Das Wort "elegant" spielt eine enorm große Rolle. Schon so sehr, dass es nach einer Weile aufdringlich und suggestiv eingesetzt wirkt. Auch die netten frz. Bezeichnungen "la belle chose" und "joujou" für die Muschi werden allenthalben verwendet. Leider gibt es für den Phallus kein entsprechendes Gegenstück – schade. Er ist einfach der Schaft, der Stab, das Rohr – hier werden eine Menge "Rohre" verlegt!
Michael Matzer © 2002ff
Info: 2000; Blanvalet 2001, Nr. 35354, München; 288 Seiten, DM 14,90, aus dem Französischen übertragen von Inez Meyer; ISBN 3-442-35354-8
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-24 22:46:59 mit dem Titel Anne-Marie Villefranche: *Die Zaubermuschel*: Humorvolles Erotikon
In Anne-Marie Villefranches erotischem Roman "Die Zaubermuschel" kommt ein Bursche, der zu Muscheln ein ebenso inniges Verhältnis pflegt. Es ist ein wahres Vergnügen, dem nimmermüden Monsieur Marcel bei seinem Muschelspiel zu folgen – besonders wenn es für ihn schier unüberwindbare Hindernisse zu bewältigen gilt.
Handlung
Die Handlung spielt im Frankreich der zwanziger Jahre. Die 'Grande Nation' hat den Ersten Weltkrieg mit etlichen Opfern überstanden. Auch Marcels Mutter wurde Witwe, doch sind sie und ihr 30-jähriger Sohn aufgrund der Investitionen des Verblichenen gut versorgt. Doch etwas fehlt noch zum Glück: eine Schwiegertochter! Marcel hingegen denkt nicht ans Heiraten, tummelt er sich doch offenbar mit einem Freifahrtschein in den Betten und Boudoirs der schönsten Damen. Dennoch läuft die Handlung daraufhinaus, die Richtige für ihn zu finden.
Da wäre zunächst einmal die edle Gabrielle mit den eleganten Brüsten, die jedoch verächtlich auf die Freuden des Fleisches herabsieht. Marcel bringt ihr geduldig und sinnfällig bei, dass die einzige Hoffnung, unsere Fleischesbegierde zu besiegen, in ihrer Abtötung durch Überstrapazierung liege. Diesem Rezept folgen denn auch beide. Doch Gabrielle ist inzwischen die Verlobte von Adolphe, der einst der Jugendfreund von Marcels Mutter war. Das gibt zwar reichlich Gelegenheit zu Besuchen, aber letzten Endes siegt die Vernunft: Die göttliche Gabi sucht ihr materielles Heil in der Ehe mit Adolphe.
Doch dessen Schwester, Silvie, entschädigt Marcel durch sinnliche Genüsse, wie sie über eine reifere Dame von über 35 oder 38 Jahren zu bieten hat. Sie geht sogar soweit, mit ihm, als Freier verkleidet, die Niederungen der Prostitution zu erkunden, und zwar nicht in den feinen Bordellen der Seine-Metropole, wo man sie erkennen würde, sondern in den dunkleren Gassen am Montparnasse. Das ist zwar vergnüglich und interessant, beschwört aber die Gefahr herauf, dass Silvie von gewissen Subjekten erpresst wird.
Die süße Dany Robineau wurde von Marcels Mama zur idealen Schwiegertochter auserkoren. Dany ist auch männlicher Zuwendung gar nicht abgeneigt, doch will sie um keinen Preis ihre Jungfräulichkeit opfern, bevor nicht der Richtige gekommen ist, um sie zu heiraten. Vernünftig gedacht, nur funktioniert es nicht – zumindest fehlt ihr die Widerstandsfähigkeit gegenüber Marcels Attacken. Und im Nachhinein sieht sich der Eroberer in eine herzzerreißende, hochnotpeinliche Szene involviert, in der Danys Mutter ihn quasi zur Heirat nötigen will. Bloß weg hier, denkt sich Marcel.
Zwei Kandidatinnen ausgeschieden – da bleibt nur noch Silvie. Sie muss vor den Erpressern fliehen, greift sich Marcel, und gemeinsam besteigen sie den Orient-Express gen Istanbul. Erlöst, denkt Marcel. Zu früh gefreut...
Fazit
Jedes Kapitel dieses routiniert geschriebenen Romans aus Mme. Villefranches Nachlass bietet dem Leser mindestens eine sinnliche Szene. Was sich nun nach Nummernrevue anhört, bietet jedoch die Reize einer Boulevardkomödie französischen Zuschnitts: Witz, Abwechslung und Sinnlichkeit.
Mehr oder weniger edle Damen geizen nicht mit ihren Reizen, galante Herren sind stets zur Attacke bereit, und zwischen ihnen entwickeln sich die Wirrnisse und Konflikte, die eben Allzumenschliches bietet.
Dies alles ist aufgrund der feinen Ironie recht kurzweilig zu lesen, inbesondere unterwegs, etwa im Flugzeug.
Michael Matzer © 2002ff
Info: Souvenir d'amour, 1991; Portobello/Goldmann 2001, Nr. 55185, München; 288 Seiten, DM 9,95, aus dem US-Englischen übertragen von Angelika Weidmann; ISBN 3-442-55185-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-27 17:39:14 mit dem Titel Peter Verhelst: *Das Muskelalphabet*: Hals über Kopf verliebt in einen Engel
Wie geht mann mit einer jungen Frau um, die sich in einen Engel verwandeln will? Mann verliebt sich Hals über Kopf mit Haut und Haar in sie. So eine Frau ist Lore in Peter Verhelsts Roman "Das Muskelalphabet". Ein junger Archivar schreibt hier sein Tagebuch über die merkwürdigen und tragischen Ereignisse, die ihm nicht nur mit Lore zustoßen.
Der Autor
°°°°°°°°°
Peter Verhelst ist ein 1962 geborener Niederländer mit einem höchst individuellen und innovativen Stil. Hatte bereits sein ausgezeichneter Roman "Der Farbenfänger" eine amour fou zum zentralen Thema, so ist ihm auch mit "Das Muskelalphabet" ein an Bedeutungsebenen reicher erotischer Roman gelungen. Ich mag seinen anschaulichen und konzentrierten Stil, der aufgrund seiner zahlreichen Andeutungen und Lücken viel Raum für die Fantasie lässt.
Handlung
°°°°°°°°
Zusammen mit drei anderen jungen Frauen wollte Lore ihren Körper umformen, wollte ihn asexuell machen: keine Brüste, keine weiblichen Rundungen, Waschbrettbauch, keinerlei Haare usw. – das volle Programm. Leider hat der Abschluss nicht ganz geklappt: zwei der Frauen stiegen aus dem Programm aus, und als es ans Fliegen ging, stürzte Lores beste Freundin ab. Doch Lore ist ein Überlebenstyp. Sie taucht eines Tages bei dem jungen Archivar in der öffentlichen Bibliothek auf und lässt ein Buch mitgehen. Abfangen zwecklos. Zudem lebt Lore in der Wohnung auf der anderen Seite der Straße und bietet ihm Tanzvorführungen. Klar, dass er nicht mehr von ihr lassen kann.
Die Tänze, die sie ihm vorführt, als er ihr etwas von seiner Arbeit in der Krypta einer Kirche erzählt, sind etwas ganz Besonderes und machen sie unwiderstehlich. Sie tanzt im Dunkeln, doch ihre Fingerspitzen sind mit fluoreszierender Farbe bedeckt, so dass er nur ihren Händen folgen kann. Später findet er mit Hilfe eines Computers, der das Video auswertet, heraus, welche Figuren sie getanzt hat. Die Figuren entsprechen bestimmten Buchstaben des Alphabets. Lore ist bereits wieder verschwunden, als er mit wachsendem Entsetzen so ihre letzte Botschaft entziffert: D, E, L, E, T, E. (Löschen!). In seinem Kopf ertönt der Soundgarden-Song "Black Hole Sun"...
Dies ist die Schnittstelle zur aktuellen Arbeit des Archivars. In der Krypta erhält er E-Mail-Botschaften unbekannter Herkunft, die sich mit der Sonne und dem Universum befassen. Sie könnten aus Stephen Hawkings Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" stammen. Wie sich herausstellt, stammen sie von René, seinem Vorgänger in der Krypta, der fast völlig gelähmt im Rollstuhl im Krankenhaus sitzt. Diese E-Mails sind die letzten Botschaften eines sterbenden Mannes. Ebenso wie DELETE Lores letzte Botschaft war. Und natürlich enthält die so verhängnisvoll auf René wirkende Krypta ebenfalls eine letzte Botschaft, allerdings in einer Bedeutungsebene, die uns heute unvertraut ist.
Unter den Grabplatten der Krypta befinden sich die sterblichen Überreste der Familie eines reichen Bankiers aus dem 16. Jahrhundert. Aufgabe des Archivars ist die Katalogisierung der umfangreichen Bibliothek in dem reich geschmückten Gewölbe. Riesige steinerne Statuen stellen allegorisch nicht nur die 7 Freien Künste mit ihren Attributen dar, sondern, wie ihn Lore aufzeigt, auch die 7 Todsünden! Und in der zerbrochenen Figur eines schwarzen jungen Mannes finden sich kleine Päckchen an 7 Körperstellen. Die Linien zwischen diesen Stellen zeichnen das Siebengestirn der Plejaden nach. Die Plejaden waren der Sage zufolge die 7 Töchter eines antiken Paares, die vor den Nachstellungen des Jägers Orion ans Firmament versetzt wurden. Und Lores letzter Tanz beschreibt die Figur der Plejaden nach. Der Kreis (der letzten Botschaften) schließt sich.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°
Ein angemessenerer Titel für diesen bedeutungsreichen erotischen Roman wäre "Black Hole Sun" statt des prätentiösen "Muskelalphabet". Dieses Alphabet reicht nämlich nur von A bis C. Und es lenkt die Aufmerksamkeit auf den falschen Aspekt: Auf die Arbeit im Archiv, wo sich Muskeldarstellungen in den Büchern finden – ebenso wie im Text übrigens. Doch dieses Thema lenkt von der erotischen Beziehung, die der Archivar zu Lore (und zu Inez und zu Iris) hat, ab. Es ist eine hoffnungslose amour fou zu einem Wesen, das keine Schranken akzeptiert, weder in ihrem Menschsein, noch in ihrem Frausein. Doch genau dies macht Lore so anziehend. Mag auch diese Liebe ohne Bestand sein, so liegt doch ihr Wert in ihr selbst: "Verschwende deine Jugend!" steht als Motto vor dem Roman.
Mehrschichtig & verschlüsselt
Natürlich ist diese Art von mehrschichtigem, vieldeutigem Roman nicht ganz mühelos zu lesen. Auch ich habe mehrere Anläufe gebraucht. Hat man aber einmal den Einstieg gefunden, braucht man sich nur vom Autor führen zu lassen.
Die Inhaltsangabe, die ich oben skizziert habe, erschließt jedoch erst nach einigem Nachdenken. Schließlich ist doch einiges verschlüsselt.
Das erinnert an eine bestimmte Tradition der Literatur, die das Verschlüsseln ebenso liebt wie das Spiel mit Sprache und Darstellung: Olipo (bitte nachschlagen). Auch Italo Clavino war ein Verfechter bzw. Praktikant von Olipo, wie etwa sein Roman "Der Garten, darin sich Schicksale kreuzen" zeigt.
Für geübte Leser
Somit eignet sich Verhelsts Roman besonders für geübte Leser, die sich auf ein Spiel mit Motiven, Informationen und Wörtern einlassen. Hier wird ja auch Bewegung zu Sprache, wie Lores Tanz zeigt. man sollte den Mut haben, sich darauf einzulassen.
Michael Matzer © 2001/02ff
Info: Het spierenalfabet, 1995; Goldmann 1999, Nr. 54061, München; 192 Seiten, DM 18,00, aus dem Niederländischen übertragen von Barbara Heller; ISBN 3-442-54061-5
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-27 17:49:02 mit dem Titel Peter Verhelst: *Der Farbenfänger*: Poetisches Fest der Farben
Ein sehr poetisches Buch, voll Fantasie und Zärtlichkeit.-- Peter Verhelst, geboren 1962, gehört zur neuen niederländischen Autorengeneration. Dieser Roman war 1997 nominiert für den Libris-Literaturpreis.
Handlung
°°°°°°°°
Das Buch ist eigentlich falsch benannt, denn im Mittelpunkt steht nicht der Farbenfänger, sondern ein Liebespaar aus dem belgischen Brügge: Sie lebt in der Kathedrale und bestiehlt die Touristen, der Junge macht das gleiche, streunt herum und fotografiert.
Er verliebt sich in das kräftige Rotkehlchenrot ihrer Haare. Beide werden eines Nachts Zeugen eines Mordes, wenige Tage später stürzt sie von einem Brückengeländer. Wurde sie von zwei unbekannten Männern gestoßen, oder sprang sie selbst?
Der Junge folgt einem Samenfaden mit einem ihrer Haare daran quer durch Europa, nach Barcelona, Berlin, Bordeaux und Venedig.
Die Verbindungslinien ergeben ein magisches Pentagramm, die fünf Eckpunkte entsprechen den Enden des menschlichen Körpers. Die Reise ist eine Erkundung der phantastischen Möglichkeiten des Menschen, sowohl in der Kultur, im Körperlichen wie auch im Gesellschaftlichen.
Der Junge, nun ein Erdwesen, überwintert gerne im Boden oder versteckt sich dort. Das Mädchen verwandelte sich nach ihrem Sprung in eine Nixe und beobachtet ihn auf seinen Reisen. Beide erzählen in der Ich-Person.
Auch der sogenannte "Farbenfänger", ein sehr sonderbarer Sammler von intensiven Farben, der sich auf der Suche nach der Farbe Gottes befindet, erzählt von sich.
Zahlreiche Geschichten verdichten das Geflecht der Ideen und Leitmotive. Der Farbenfänger taucht in den Geschichten um den jungen Maler Goya auf, der sich in einen Stierkämpfer verliebt hatte, der tags darauf umkam. Fortan malte Goya nur das Schwarz des Stierfells. Er nimmt den Farbenfänger als Schüler und lehrt ihn die Extraktion von Farben aus Tieren und anderen Lebewesen. Der Farbenfänger, auf der Jagd nach dem einzigartigen Rot der Mädchenhaare, verfolgt den Jungen, der ihn wieder zu jenem Mädchen aus Brügge führen wird.
In Venedig kommt es zum Showdown, nachdem der Junge erkannt hat, welche Gefahr vom Farbenfänger droht. Doch er überlistet ihn und vereint sich mit seiner einzigen Liebe. Fortan leben beide unter Wasser und erzählen sich Geschichten.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°
Dies ist eine poetisch-phantastische Erkundung eines europäischen Kosmos der Imagination. Hier treten Versionen von Picasso und Prometheus, von Ikarus und Undine sowie von dem Geruchssammler in Süskinds Roman "Das Parfüm" auf. Selbst einen relativ unpoetischen Ort wie Hannover verwandelt Vehelsts sprachliche Überhöhung in einen magischen Raum, in dem Punks und Polizisten sich mythische Kämpfe liefern können.
Dies ist kein kitschiges Buch: Weder die knappen, lyrischen Sätze noch die zahlreichen Beschreibungen von farbigen Körperflüssigkeiten - allen voran das Rot von Blut - verleiten zu romantischen Träumereien. Ein ungewöhnliches, reichhaltiges Buch mit einem witzigen Happy-end. Mein Tipp daher: mehrmals lesen!
Michael Matzer © 2001/02ff
Info: De kleurenvanger, 1996; Goldmann 1/1999, Nr. 54082, München; 285 Seiten, DM 18,00, aus dem Niederländischen übertragen von Barbara Heller; ISBN 3-442-54082-8
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-01 19:52:01 mit dem Titel Zeitflaschenpost : Jules Vernes erster und letzter Roman
Vielen von uns ist Jules Verne als der Autor zahlreicher Jugendbücher vertraut. Daß er dies nicht von Anfang an war, beweist "Paris im 20. Jahrhundert", ein lange verschollener Roman von 1863, Vernes erstes größeres Werk.
Nachdem das Manuskript von Vernes Verleger abgelehnt worden war, lagerte es rund 85 Jahre in einem verschlossenen Tresor ohne Schlüssel. Zur Zeit wird es jedoch in zahlreiche Sprachen übersetzt, denn das Interesse an Verne ist weiterhin ungebrochen.
Handlung
Verne nimmt einfach den Einstieg eines jungen neunzehnjährigen Mannes, Michel, in die etablierte Gesellschaft von Paris zum Anlaß, um die westliche Zivilisation des Jahres 1963 vorzustellen. Technisch hochgerüstet, mangelt es ihr doch an geistiger und menschlicher Kultur - wie Michel, der verhinderte Dichter und Romantiker, zu seinem Leidwesen erfahren muß. Kaum hat er von der staatlichen "Bildungskreditanstalt" sein Abschlußdiplom und einen Preis für seine anachronistischen Lateinerverse erhalten, muß er auch schon auf Geheiß seines Vormunds und Onkels in dessen Bank anheuern. Hier scheitert er in einer Position nach der anderen, bis er als Diktierer beim Buchhalter des Großen Hauptbuches landet. Der Buchhalter ist wenigstens gut drauf - er spielt Klavier! - und erklärt Michel einiges von der Welt.
Michel verliebt sich und bekommt die Frauen des 20. Jahrhunderts erklärt. Dies endet in einem Loblied auf die Pariserinnen des 19. Jahrhunderts. Er und sein Freund verlieren natürlich wegen eines Streits um die Evastöchter die Fassung und den Job. Am Theater ergeht es Michel als Stückbearbeiter nicht viel besser, und er gerät in Arbeitslosigkeit und Elend. Schlußszene: Michel sinkt unter den prachtvollen Grabmälern der französischen Geistesgrößen des 18. und 19. Jahrhunderts bewußtlos in den Schnee.
Anders als diese recht pessimistisch endende Story ist für den heutigen Leser viel interessanter, wie sich Verne die technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts vorstellen konnte. Ausgehend von bahnbrechenden Erfindungen um 1863 herum beschreibt Verne immerhin gasgetriebene Automobile, elektrische Straßenbeleuchtung, Faxgeräte, fast lautlose S-Bahnen und riesige Ozeandampfer. 1963 funktionieren Handel und Wandel prächtig und vor allem effizient. Die Bibliotheken der Klassiker hingegen sind leer, in den Gymnasien werden praktisch nur technische Fächer unterrichtet, und das menschliche Miteinander ist ebenfalls utilitaristisch geprägt. Michel, der Schöngeist, fühlt sich nur unter den Anachronismen dieser Zeit wohl - Vernes rückwärtsgewandte Kritik an den Entwicklungstendenzen seiner eigenen Zeit.
Eine weitere interessante Geschichte erzählen die ausgezeichneten Anmerkungen, die man zu jedem Kapitel benötigt, und das Nachwort von der Übersetzerin. Sie klärt uns darüber auf, was Verne eigentlich mit diesem Roman bezweckte: Der desillusionierte Ingenieur wollte unbedingt gedruckt werden und die Anerkennung seines Verlegers gewinnen. Aus diesem Grund zitiert Verne zahlreiche Freunde des Verlegers, übertreibt es aber leider dabei ein wenig, so daß dieser einmal ins Manuskript schreibt: "Sie spinnen!" Nun, wie man weiß, stellte sich nach diesem Fehlstart bereits mit dem nächsten Buch "Fünf Wochen im Ballon" der große Erfolg ein.
Michael Matzer(c)2002ff
Info: Paris au XXième siècle, aus dem Französischen von Elisabeth Edl, broschiert - 202 Seiten - Fischer-TB.-Vlg.,Ffm, Erscheinungsdatum: September 1998, ISBN: 3596139538; wird leider nicht mehr bei Amazon.de geführt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-31 19:09:56 mit dem Titel Kurt Vonnegut: *Zeitbeben*: Skurrile Phantasie mit Weisheitsanteilen
Was wäre, wenn man die zeit anhalten und dann wieder ablaufen lassen könnte? Welche Folgen hätte dieses "zeitbeben" auf die Menschheit? Vonneguts letzter Roman sprüht vor ideen, wie das aussehen könnte.
Der Autor
Kurt Vonnegut, Jahrgang 1922, ist der Autor des verfilmten Romans "Slaughterhouse Five" (dt. 1970) und zahlreicher anderer satirischer Romane. In etlichen Werken hat er Science-Fiction-Elemente verwendet, so auch in "Zeitbeben". 1998 gab er bekannt, mit dem Schreiben aufzuhören.
Handlung
Leser, die Vonnegut noch nicht kennen, sollten sich auf ein ungewöhnliches Leseerlebnis einstellen - hier werden keinerlei Genre-Regeln beachtet, und gegenüber den lieben Mitmenschen nehmen weder Vonneguts Ich-Erzähler noch sein alter ego Kilgore Trout ein Blatt vor den Mund. "Zeitbeben" ist eben ein Vonnegut-Roman.
Der Autor, "Amerikas beliebtester griesgrämiger Alter", erklärt unumwunden, er habe aus seinem mißglückten Roman "Zeitbeben Eins", an dem er zehn Jahre lang gebastelt hatte und der gar nicht erst geschrieben werden wollte, die besten Stücke filetiert und den Rest weggeworfen. Das Ergebnis ist "Zeitbeben".
Worum geht's? Gute Frage! Die Struktur des Buches ist "etwas unübersichtlich", um es vornehm auszudrücken. Ein Versuch:
Im Jahr 2001 beschließt das Universum, vor die Wahl gestellt, ob es sich weiterhin ausdehnen oder einen zweiten Urknall erleben soll, ins Jahr 1991 zurückzugehen. Zehn Jahre lang kommt es folglich zu einer Wiederholung von allem und jedem, der freie Wille ist suspendiert - ein Zeitalter auf Autopilot.
Als "freie Wille wieder voll reinhaut", wie Kilgore Trout es so unnachahmlich elegant formuliert, schlägt dessen große Stunde. Trout ist ein "vergriffener Science-Fiction-Autor" und im Jahr 2001 ein steinalter Penner - aber mit guten Stories und erstklassigen schmutzigen Witzen. Und er erweist sich als Retter in der Not, als der Autopilot des Universums aussetzt und in New York das reine Chaos ausbricht.
Der große Rest des Buches ist Autobiographie, Satire, kosmische und nicht so kosmische Meditation, Geraunze, sind Anekdoten - vor allem über den weitläufigen Clan der Vonneguts -, Aphorismen und natürliche Witze.
Fazit
In einer für Vonnegut charakteristischen Mischung aus Albernheit und Tiefsinn, ernsten Sentenzen und Slapstick-Elementen wettert der ergraute Vonnegut gegen Krieg und Gewalt, gegen das verblödende Fernsehen und gegen den Strichpunkt, gegen die Mißachtung von Jugend und Alter und kehrt immer wieder zu seinen Lieblingsthemen zurück: zur Bedeutung von Familie und Geschichte, zur Vergeblichkeit allen menschlichen Handelns ("vanitas") und zur Vergänglichkeit irdischen Lebens. So erweist er sich als großer Moralist am Ende seines Jahrhunderts, aber ohne Larmoyanz. Er verabschiedet sich von der literarischen Bühne mit einem Biß in den Hintern seiner geschätzten Kritiker.
Michael Matzer © 2003ff
Info: Timequake, 1997; Hanser 1998, München; 225 Seiten, DM 36,00, aus dem US-Englischen übertragen von Harry Rowohlt; ISBN 3-446-19508-4. Das Buch gibt es bei Goldmann auch im Taschenbuch. weiterlesen schließen -
Komplott im Vatikan
20.12.2002, 06:09 Uhr von
rider-of-apocalypse
ich hätet gerne einen Dodge, nen neuen Rechner, ein neues Notebook, eine Eigentumswohnung oder ei...Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Bei einem meiner letzten Besuche in einer Dürener Buchhandlung entdeckte ich wiedereinmal ein Buch, dessen Titel und vor allem dessen Inhaltsangabe auf der Rückseite meine Neugier weckte und das ich mir dann auch kaufte.
Bei diesem Buch handelt es sich um den Roman PURPUR SCHATTEN von PHILIPP VANDENBERG
INHALT
°°°°°°°°°°
Alexander Brodka arbeitet als Fotograf, als er die Nachricht über den Tod seiner in Deutschland lebenden Mutter erhält, zu der er ein eher schlechtes Verhältnis hatte.
Zur Regelung des Nachlasses reist er umgehend nach Deutschland, wo er feststellt, dass ihm seine Mutter nicht nur ein Mietshaus und eine höhere Summe Bargeld hinterlassen hat, sondern auch einen Schlüssel zu einem Bankschließfach. In diesem Bankschließfach findet er allerdings lediglich ein sehr altes Foto, das seine Mutter, ihn als Kind und einen Mann, der mutmaßlich sein Vater ist (Alexander Brodka wuchs in einem Internat auf und kennt seinen Vater nicht) zeigt, von dem er sich aber auch nicht erklären kann, warum dieses Foto in einem Bankschließfach aufbewahrt wurde.
Am Grab seiner Mutter wird Alexander Brodka plötzlich von einem Sargträger angesprochen, der ihm mitteilt, er habe den Eindruck gehabt, der Sarg wäre leer gewesen und nur kurze Zeit später wird auf ihn geschossen.
So stellt Alexander Brodka weitere Nachforschungen an, bei denen er auch herausfindet, dass seine Mutter vor langer Zeit ein Mietshaus von einem Immobilienmakler des Vatikans, der nicht gerade für Großzügigkeit bekannt ist, zum Symbolischen Preis von 1,00 DM gekauft hat und auch weitere Spuren deuten zum Vatikan.
Auch die Lebensgefährtin von Alexander Brodka, die Galeristin Juliette bekommt plötzlich Probleme, als sich von ihr verkaufte Bilder, die sie selbst von dem italienischen Kunsthändler Fasolino, dessen Frau Kontakte zu einem Kardinal hat, gekauft hatte, als Fälschungen herausstellen und so reisen die beiden nach Rom.
Dort erfahren die beiden, dass es im Vatikan eine Gruppe von Verschwörern gibt, die unter anderem Kunstschätze des Vatikan fälschen lässt und die Originale verkauft um eine Aktion zu finanzieren, in der der Papst getötet und durch einen der Rädelsführer, den Kardinal Smolenski ersetzt werden soll.
Zur Verwirklichung dieser Pläne geht die Verschwörergruppe, deren Erkennungszeichen eine purpurne Schleife ist, äußerst rücksichtslos vor.
An dieser Stelle breche ich (wie gewohnt) meine Kurzdarstellung des Inhalts ab, um potentiellen Lesern nicht zu viel der Story oder gar den Ausgang der Geschichte zu verraten. Ich denke aber, als kurzer Überblick über die Thematik des Romans ist meine Inhaltsdarstellung hier durchaus dienlich und ausreichend.
ANMERKUNGEN
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
PHILIPP VANDENBERG wechselt in diesem Roman mehrfach zwischen der Grundhandlung um den Hauptakteur Alexander Brodka und den Geschehnissen im Vatikan. Dazu kommt noch eine Vielzahl beteiligter Personen und auch die Beziehung von Alexander Brodka und Juliette wird näher betrachtet, aber dennoch schafft es PHILIPP VENDENBERG, den sehr vielschichtigen Inhalt seines Romans PURPUR SCHATTEN so zu erzählen, dass es jedem jederzeit möglich sein sollte, der Story zu folgen, wobei sein sehr angenehm zu lesender und präziser Stil sicher einen erheblichen Anteil hat.
Dabei beschreibt der Autor die Geschehnisse ebenso detailliert wie die Akteure und Orte der Geschichte.
Von der ersten Seite an ist der Roman spannend geschrieben und diese Spannung verbraucht sich auch bis zur letzten der etwa 540 Seiten nicht.
Trotz der vielschichtigen Handlungsstränge wirkt die Story des Romans dabei auch in ihrer Gesamtheit immer weitestgehend glaubwürdig.
Die etwa 540 Seiten des Romans sind in 17 Kapitel unterteilt, wobei die Unterteilung meines Erachtens geschickt ausgeführt wurde und ausreichen Möglichkeiten bietet, zwischen den Szenarios zu wechseln.
ALLGEMEINES
°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Nach Romanen wie DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG, DAS FÜNFTE EVANGELIUM und anderen, schrieb PHILIPP VENDENBERG mit PURPUR SCHATTEN einen weiteren Thriller aus dem Bereich der Kirchen/Religion, der als Taschenbuch im Jahr 2002 (das Copyright der deutschsprachigen Ausgabe datiert aus dem Jahr 1999) im Bastei Lübbe Verlag veröffentlicht wurde.
Entsprechend dem Titel des Romans ist auch der Einband des Buchs in rot gehalten und zeigt die Abbildung eines kirchlichen Würdenträgers (ohne Kopf) vor eine schweren Holztür.
Der Preis für das Taschenbuch (ISBN 3-404-14771-5) beträgt zur Zeit 8,90 €.
SCHLUSSWORTE
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Mit PURPUR SCHATTEN schrieb PHILIPP VENDENBERG einen meines Erachtens ebenso spannenden wie kurzweiligen Roman um eine Verschwörung innerhalb der Führung der katholischen Kirche, den ich hier uneingeschränkt empfehlen kann und mit SEHR GUT beurteile.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-20 05:09:50 mit dem Titel MICHELANGELO VERSUS VATIKAN
Mit Büchern, die sich mit Verschwörungen/Intrigen innerhalb der katholischen Kirche befassen habe ich bisher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht (zum Beispiel mit den Romanen PURPUR SCHATTEN und DER STILLE GOTT DER WÖLFE) und so zögerte ich keine Sekunde, als ich in einer hiesigen Buchhandlung den Roman DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG von PHILIP VANDENBERG entdeckte und kaufte mir die Taschenbuchausgabe dieses Buches.
INHALT
°°°°°°°°°°
Papst Julius II zwang zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Bildhauer Michelangelo zur Ausmalung der sixtinischen Kapelle in Rom und das Ergebnis zählte zu den bedeutendsten Kunstwerken der damaligen Zeit.
Zu Zeiten des Papstes Johannes Paul II (also in der jüngeren Vergangenheit) werden nun bei Restaurationsarbeiten an den Deckengemälden Michelangelos die Buchstabenkombination ABULAFIA entdeckt und da Michelangelos Konflikt mit der katholischen Kirche bekannt ist, wird sofort der Kardinal Jellinek beauftragt, herauszufinden, was es mit dieser Buchstabenfolge auf sich hat.
Kardinal Jellinek beginnt Nachforschungen anzustellen, bei denen er nicht nur entdeckt, dass der Vatikan ehemaligen SS-Angehörigen nach dem 2. Weltkrieg zur Flucht verholfen hat, sondern auch einige Ungereimtheiten bezüglich des Todes des Papstes Johannes Paul I.
Obwohl Kardinal Jellinek nun auch bedroht wird forscht er weiter und stellt dabei einen möglichen Zusammenhang zwischen der Buchstabenkombination an der Decke der sixtinischen Kapelle und einem jüdischen Kabbalisten fest, der, so der Kabbalist den mit seinen aussagen recht hat, die katholische Kirche in ihrer Existenz massiv bedrohen könnte.
Wie gewohnt, so beschränke ich auch hier meine Inhaltsdarstellung auf die Grundzüge der Handlung, um Interesse zu wecken, ohne interessierten Lesern durch Offenlegung zu vieler Einzelheiten (oder gar des Ausgangs) der Story die Spannung beim Lesen zu nehmen.
ANMERKUNGEN
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
PHILIP VANDENBERG vermischt auch in seinem Roman DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG geschickt historische Fakten mit Fiktion und nicht zuletzt auch aufgrund seiner Ausbildung als Kunstgeschichtler (und Germanisten) wirken seine Ausführungen dabei nachvollziehbar und glaubwürdig und teilweise ist es nicht ganz einfach, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden.
Dabei beschreibt PHILIP VANDENBERG (wie übrigens auch in PURPUR SCHATTEN) den Vatikan als ein professionelles Unternehmen, in dem Intrigen an der Tagesordnung sind und der Papst mehr eine Marionette machthungriger Kardinäle ist, als ein tatsächliches Oberhaupt der katholischen Kirche.
Anhänger der katholischen Kirche mögen beanstanden, dass PHILIP VANDENBERG diese nicht besonders gut aussehen lässt (so ist beispielsweise die (erpresste) Unterstützung der ehemaligen SS-Angehörigen durch den Vatikan für den Handlungsverlauf beispielsweise ebenso verzichtbar wie die Darstellung (bzw. Erwähnung) der Geldwäsche durch die Bank des Vatikans) und Historiker und andere könnten die recht sorglose Vermischung von Realität und Fiktion beanstanden, mich hat beides jedoch in keinster Weise gestört – ganz im Gegenteil.
Ein geschicktes stilistisches Mittel war es auch, dass Buch mit einer Einleitung zu beginnen, in der er beschreibt, wie ein Geistlicher ihm die Geschichte erzählt und er sie nun wiedergibt.
Insgesamt schafft es PHILIP VANDENBERG, den Roman in einer verständlichen und vor allem spannenden Form zu schreiben, die den Leser (jedenfalls mich) von Beginn an fesselt und dies Spannung bleibt bis zum Ausgang der Geschichte nach rund 250 Seiten erhalten. Einzig die häufigen Zitate in Latein sowie italienische Namen und Fachbegriffe aus dem Bereich der Kirche (Übersetzungen und Erläuterungen finden sich m Anhang des Buches) erschweren das Lesen gelegentlich, was mir aufgrund der Spannung (die völlig ohne „Action“ aufgebaut wird) allerdings nicht wirklich störend erschien (eher sogar konzentrationsfördernd).
In einem anderen Roman zu einem vergleichbaren Thema wurde die Frage gestellt, in wie weit eine Entdeckung, die in der Lage ist, die Grundlagen des Glaubens in Frage zu stellen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte und auch diese Frage stellt sich hier erneut. Berücksichtigt man, wie wichtig der Glauben für viele Menschen ist, so werden viele der beschriebenen Intrigen und Handlungen der Kardinäle durchaus verständlich.
ALLGEMEINES
°°°°°°°°°°°°°°°°°°
PHILIP VANDENBERG wurde im Jahre 1941 geboren. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitete längere Zeit als Journalist, bevor er 1976 seinen ersten Roman veröffentlichte. Zu seinen wohl bekanntesten Büchern zählen DAS FÜNFTE EVANGELIUM, PURPURSCHATTEN, DER VERGESSENE PHARAO und einige mehr.
DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG erschien im Jahre 1988 und ist zur Zeit als Taschenbuch im Verlag Bastei Lübbe (ISBN 3-404-11686-0) zum Preis von 7,90 € erhältlich. Im selben Verlag ist auch ein „Double-Feature“ aus den Romanen DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG und DAS PHARAOKOMPLOTT (ISBN 3-404-12264-X) erhältlich, das lediglich 7,00 € kostet und somit die wohl bessere Wahl darstellt.
SCHLUSSWORTE
°°°°°°°°°°°°°
Ich habe den Roman DIE SIXTINISCHE VERSCHWÖRUNG von PHILIP VANDENBERG mit Begeisterung gelesen und so kann ich dieses Buch hier auch guten Gewissens empfehlen und urteile mit SEHR GUT ! weiterlesen schließen -
Barbara Vine Die im Dunkeln sieht man doch
Pro:
sehr spannend , liest sich gut
Kontra:
keins
Empfehlung:
Nein
Ich bin durch Zufall auf ein Buch von Barbara Vine gestoßen, als ich Literatur für meinen Urlaub brauchte. Ich wollte was Spannendes nicht zu Schweres. Eben Urlaubslektüre. Das diese so fesselnd sein würde hatte ich nicht bedacht. Das Taschenbuch hat einen papierfarbenen Einband, auf der Vorderseite des Buchs ist eine Frau in blauem Kleid abgebildet, die in einer Art Garten steht und scheu auf die untere Ecke des Buches blickt.
Schon als ich die ersten Seiten des Buches gelesen hatte, hatte mich das Fieber gepackt. Ich saß im Zug und konnte nicht aufhören. Einfach nicht aufhören zu lesen. Es ist ja auch gemein, wenn einer immer nur Andeutungen macht, den Nebel etwas lüftet, nur soweit, daß man gerade Umrisse sieht, die auch gleich wieder verschwinden. Da, noch ein Anhaltspunkt, dort eine Ahnung, langsam fügt sich alles zusammen. Nein, doch nicht oder doch. Das kann doch nicht sein. Letztendlich gibt es nicht nur eine Lösung.
Barbara Vine oder Ruth Rendell, unter diesem Namen ist sie wohl bekannter, zeigt immer nur Bruchteile, Puzzelstückchen, die letztendlich zu einem Bild zusammengefügt werden und erzeugt damit eine ungeheure Spannung. Ich erfahre viel über die Familie Longley, aber erst die offizielle Seite, später, am Ende des Buches, bin ich erst eingeweiht in die Familiengeheimnisse. (Copyright by Schauig)
Es geht um Mord, um Mord in der Familie. Barbara Vine zeigt mir die Umstände unter denen es dazu kommen konnte, daß jemand den Menschen tötet, den er doch am meisten liebt. Angeregt wir die Erzählung eines Familienmitglieds durch die Recherche eines Journalisten, der den Fall wieder aufrollen will. Faith erzählt mir die Geschichte Ihrer Familie. Eine traurige Geschichte, eine spannende Geschichte. Sie zeigt mir wieso alles so kam, führt mich in die Irre, in die sie geführt wurde und teilt mit mir ihr Wissen. Sie erzählt spannend, so daß ich nach fünf Stunden Bahnfahrt mürrisch bin, weil ich das Buch erstmal aus der Hand legen muß.
Ich erfahre die Familiengeschichte einer Familie des englischen Landadels. Die Handlung spielt in England vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg. Die Zeit ist aber nicht wirklich von Bedeutung. Die Charaktere der Familie sind realistisch gezeichnet und in den Facetten ihres Daseins dargestellt. Diese Familie könnte es tatsächlich so oder so ähnlich gegeben haben. Auch die dargestellten Handlungen sind durchaus nachvollziehbar, kommen sie doch in den besten Familien vor. Es ist fast so, als erzähle uns Barbara Vine von ihrer eigenen Familie.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen, es ist ein spannender Thriller, der immer wieder mit Überraschungen aufwartet, wenn man denkt man hat des Rätsels Lösung gefunden. Ich fand das Buch spannend und kurzweilig erzählt, ein richtiger Thriller.
Der Lesespaß kostet 9,90 Euro, ISBN-Nr. 3257218265
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack:
Dreimal in den letzten fünfunddreißig Jahren hatte ich ihren Namen gedruckt gesehen. Einmal stand er als Headline über der Fortsetzung einer Artikelserie über Frauen, die man im Lauf dieses Jahrhunderts in England gehängt hatte. weiterlesen schließen -
Inquisitor auf Zeit
01.06.2002, 21:22 Uhr von
da_sonix
Noch einmal Willkommen meine YOPI-Brüder und Schwestern. Um es einfacher zu machen biete ich gern...Pro:
sehr guter Schreibstil, viele Informatione...unerwartete Wendungen
Kontra:
könnte länger sein....wie jeder ROman ;D, keine Worterklärung für Einsteiger
Empfehlung:
Nein
Der Letzte wird Inquisitor" von Jesco von Voss ist der 58 Band in der Romanreihe zum Schwarzen Auge.
Autor:
Das 285 Seiten starke Buch ist das Erstlingswerk von Jesco von Voss, der hiermit einen guten Einstieg in die DSA-Autorenliga geschaffen hat.
Layout:
Der Einband ist wie üblich hinten und am Rücken den anderen nachempfunden und passt somit perfekt ins Regal. Das Titelbild ist ein wenig irreführend. Das Gesicht eines alten Mannes in roten Farben schaut auf 3 Jäger auf einem Felsen oder einer Klippe.
Thema:
Der Roman beginnt 6 Wochen nach dem Überfall des Dämonenmeisters, somit 27 n.H. in einer kühlen Rondranacht. Die Hauptfigur Zoltan Immfelde, seines Zeichens spätberufener Praiosnovize, befindet sich in der Stadt des Götterfürsten, Beilunk.
Der ehemalige Hauptmann der 'Almadaner' folgte seit der Erleuchtung durch den Götterfürsten nur noch dem Ziel, Inquisitor zu werden um den Dunklen Horden einhalt zu gebieten und Verräter ausfindig zu machen.
Dieses Ziel rückt ihm schneller entgegen als gedacht, nachdem ihn der Hochgeweihte Berglund ins nahegelegene Perricum schickte. Eine Vision des greisen Kirchenvorstandes zufolge, soll es einen Verräter innerhalb der Kirchenschaft geben, den der Novize ausfindig machen soll. Zoltan wird schnell klar, dass er nur der entbehrlichkeit wegen für diese Aufgabe ausgesucht wird und fasst neuen Ehrgeiz.
Um seine Aufgabe zu erfüllen erhält er die Befugnisse eines Inquisitors auf Zeit mit all seinen Rechten.
Als Unterstützung begleiten ihn 6 Bannstrahler der Praioskirche.
Schon auf dem Weg nach Perricum bekommen es unsere 7 Helden mit dem Gegner zu tun. Dies in Form von Fischwesen die sie auf einem, dem Wasser nahen Bauernhof angreifen. Bei diesem Kampf verliert der ehemalige Hauptmann seine erste Begleiterin.
Nach einem kühlen Empfang im Perricumer Praiostempel beginnt Zoltan seine Untersuchungen innerhalb der Kirche, stößt aber beim Hochgeweihten Luminon auf erstaunliche Gegenwehr, in Form von Verboten und Einschränkungen die verdächtig sind.
Nach einigen, sonst der Inquisition fremden Mitteln, sich der Kreis der Verdächtigen gelichtet hat, schmeissen ein paar unerwartete Ereignisse alles über den Haufen und sorgen für einen Nebel der sich jedoch schnell aufklärt und Zoltabn den rechten Weg weist.
Dies ist nur ein kleiner Teil der fabelhaften Geschichte.
Weiteres:
Zum Roman allgemein kann man nur sagen, das sich von Voss wirklich Mühe gegeben hat. Neben den abergläubischen Ritualen der Krieger, die er im Verhalten von Zoltan sehr gut zur Schau stellt, findet der Leser eine Menge Informationen zu Kirche des Praios. Angefangen von der Rangfole über Visionen, Geschichte bis hin zu Gebeten auf Bosparano und kleinere Stoßgebete.
Die Geschichte ist zusammenhängend, die Aktionen gut erläutert und Kämpfe wunderschön beschrieben, so das man gut die Fantasie spielen lassen kann.
Aufbau:
Der Roman ist in 7 Kapitel und ein Vor- bzw Nachwort gegliedert. Eine Karte hilft bei der Orientierung. Leider fehlt eine Erkläung von Fremdwörtern, doch sind diese nur sehr selten verwendet.
Fazit:
Ein muss für jeden DSA-Spieler. Jedem zu empfehlen, der einmal den ehrgeizigen Praiosgeweihten spielen will.
Mich hat dieser Roman sofort in seinen Bann gezogen. Die Geschichte nimmt so unerwartete Wendungen, Personen erscheinen die man nie vermutet hätte und so schlüssige Sachen lösen sich in Sekunden auf...wirklich fantastisch.
Ein Roman wie er sein soll...Handlung mit rollenspielerischen Hintergrundeinlagen. Hoffentlich können wir bald mehr von Jesco von Voss lesen! weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
Alusru, 03.06.2002, 00:05 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Da hast du dir aber viel Mühe gemacht super, gruß Uschi.
-
-
Mein eigenes Buch -Erinnerung an schwere Jahre
20.05.2002, 12:46 Uhr von
christa26
Als Internet - Omi mit 75 Jahren melde ich mich mal wieder an - obwohl ich das mit den Guthaben ,...Pro:
es ist unsere Erinnerung an schwere Jahre
Kontra:
keins
Empfehlung:
Nein
Es ist vielleicht ungewöhnlich ,wenn man sein eigenes Buch beschreibt - aber da ich die netten Berichte bei ciao gelesen habe , drängt es mich nun doch ,einioge Worte dazu zu schreiben.
Vor einer ganzen Reihe von Jahren haben mein Mann und ich beschlossen ,die Probleme unseres Sohnes mit seinem Diabetes in ein Buch zu bringen , vor allem um anderen Eltern und Jugendlichen mit ähnlichen Problemen und Sorgen zu helfen und ihnen Mut zu machen.
Also haben wir uns nach damals langer Zeit hingesetzt ,nächtelang gearbeitet und unsere Erfahrungen ,Erlebnisse und Erkenntnisse zu Papier gebracht und das ganze unter dem Titel " Leben nach der Uhr" im damaligen Verlag Neues Leben veröffentlicht.
Wir haben uns sehr gefreut ,von einigen von Euch einen Bericht zu diesem Buch hier zu finden - mein Mann ist sogar an den Computer gekommen(den er sonst meidet) und hat sich kurz nach seinem 80zigsten Geburtstag hingesetzt und im Computer gelesen.
In unserem Buch geht es darum ,das ein Jugendlicher in einem damals typischen Dorf der DDR mit dem Berufswunsch Offizier Diabetes mellitus bekommt ,ab sofort spritzen muß ,Wünsche und Träume begraben muß und lernen muß ,sein Leben und das seiner Umwelt ganz neu und anders zu erleben und zu verstehen.
Es fällt ihm nicht leicht ,seiner Umwelt klarzumachen ,das er nicht krank ,sondern bedingt gesund ist - und seinen Freunden ,Lehrern und auch den Eltern(ja ,auch uns) fällt es schwer ,ihn nicht mit Mitleid zu ertränken ,sondern zu helfen ,die neuen Spielregeln einzuhalten ,die ein fast normales Leben ermöglichen.
Sein bester Freund ,neue Freunde und verständnisvolle Menschen helfen ihm und den Eltern dabei ,mit der Situazion fertigzuwerden , neue Dinge zu lernen ,Schmerz zu zeigen und nicht den überstarken Mann zu markieren.
Uns hat unser Sohn damals sehr geholfen ,der viele Situationen in unserem Buch selbst beschreibt ,mit seinen Worten und Gefühlen.
Aus vielen Gesprächen und Lesungen mit Jugendlichen und Erwachsenen wissen wir ,das es ein Buch geworden ist ,das so manchem Jugendlichen Mut gemacht hat.
Viele waren traurig über den Tod vopn Katharina - aber etwas dichterische und dramaturgische Spannung muß ja auch sein.Wir wollten (und haben hoffentlich) kein Tränendrüsenbuch ,sondermn einen Mutmacher geschrieben ,dessen Fortsetzung zu unserem Leidwesen leider der Wende zu Opfer fiel.
Wenn Ihr also etwas erfahren wollt über die Probleme des Diabetes und die Chance ,trotzdem zu leben wie ein normaler ,gesunder Mensch - dann versucht ,unser Buch in den Bibliotheken zu erhalten - leider ist es im Handel nicht mehr erhältlich.
Viel Spass beim Lesen und euch allen ein gesundes und erfolgreiches 2002
Eurer Internet-Oma christa weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
FloVi, 20.05.2002, 12:58 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Anfangs habe ich gedacht, es handelt sich bei dem Buch um einen reinen Erfahrungsbericht, doch dann hast Du was von dramaturgische Spannung geschrieben. Ist es nun ein Roman oder ein Sachbuch. Irgendwie kann ich mir nicht so recht was darunter vorstellen.
-
-
Eines der besten Jugendbücher für mich
Pro:
sehr gut bund einfühlsam geschrieben, realitätsnah
Kontra:
leider kaum im Handel erhältlich
Empfehlung:
Nein
Es ist eines der beeindruckensten Bücher ,die ich gelesen habe -und zwar zweimal .
Beim ersten Mal konnte ich nach den ersten Seiten nicht mehr aufhören und habe die knapp 200 Seiten durchgelesen.
Die Autoren ,das Schriftstellerehepaar Vogel , heute noch in Mecklenburg lebend ,hat damit sein Schaffen gekrönt und ein Jugendbuch geschaffen ,das leider nur noch in Bibliotheken oder ganz selten in Antiquarien zu haben ist.
Zum Inhalt : Bruno ,die Hauptfigur ,ist ein Jugendlicher ,der plötzlich an Diabetes mellittus erkrankt ,sein ganzes Leben und das seiner Eltern und Freunde verändert und lernen muß ,mit dieser Krankheit zu leben.
Dabei gibt es Höhen und Tiefen , Erfolge und Tiefschläge ,Verlust und Gewinn - halt wie im echten Leben.
Man merkt ,das die Autoren einen Diabetiker in der Familie haben ,denn die Schilderungen des Krankheitsbildes ,der Gefühle des Bruno sind lebensecht und einfühlsam ohne Übertreibung geschildert.
Marcel ,der Freund und seine Freundin helfen ihm ,mit allen Problemen weitestgehend fertigzuwerden.
Auch die Schilderung der Gefühlswelt der Eltern und bBekannten zeigt die ganze Vielfalt und Tiefe von inneren Konflikten.
Der Tod von Brunos Freundin am Schluß des Buches ist eigentlich der Anschlußpunkt ,an dem man fragt : Wo bleibt der zweite Teil??
Dieses Buch ist fesselnd geschrieben ,auch für Erwachsene und Jugendliche geeignet ,mehr zu lernen über den hilfreichen Umgang mit diabeteserkrankten Menschen und die Art und Weise ,mit ihnen gemeinsam den Diabetes zu einem Freund zu machen.
Das Buch ist ehemals erschienen im Verlag Neues Leben.
Wer neugierig geworden ist ,der sollte in Bibliotheken nachfragen.
Eine Anmerkung noch : Ich kenne die Autoren von mehreren Lesungen in unserer Schule - wer eine Lesung mit den beiden über 70jährigen erlebt hat ,wird verstehen ,warum dieses Buch so gut ist....
Die Kontaktadresse bei Fragen ,Anfragen usw. [email protected]
Einenweiteren Bericht könnt ihr unter tommixyz bei ciao lesen weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
wanderpause, 20.05.2002, 11:12 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
es ist wirklich ein scjhönes Buch und sehr hilfreich für Betroffene
-
-
Vogel Christiane und Gerhard leben nach der Uhr Ein Buch zum besseren Verständnis
Pro:
sher gut geschrieben, nie langweilig
Kontra:
leider nicht im Handsel erhältlich
Empfehlung:
Nein
Wenn man dieses doch schon etwas ältere Buch gelesen hat ,würde man sich freuen ,wenn es eine Fortsetzubg geben würde. Schade ,daß kurz nach der Wende der geplante 2.Teil im damaligen Kinderbuchverlag nicht mehr erschienen ist.
Kurz zum Inhalt und Anliegen : Ein Junge erkrankt plötzlich an Diabetes mellitus und muß mit seinem neuen Leben ,den Einschränkungen und Folgen ,umgehen lernen .Es trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Freunden und auch die Liebe ist manchmal kompliziert und doch schön...
Mit Hilfe seines allerbeten Freundes muß Bruno ( so der Name des Heldens ) mit den Sorgen seiner Mutter ,den Lehrern und vor allem sich selbst fertig werden ,was manchmal nicht einfach ist.
Er muß und wird lernen ,seinen Diabetes mit Hilfe erfahrener und menschlicher Ärzte als einen Freund zu betrachten ,wird seine erste große und wahre Liebe kennenlernen ,wird sich mit Erwachsenen und seinem angekratzten Selbstbewußtsein auseinandersetzen müssen und vieles dazulernen müssen.
Das das nicht immer einfach ist ,man aber mit wahren Freunden und Selbstbewußtsein sein Leben durchaus meistern kann - dazu ist dieses Buch fast eine Lebensanleitung.
Für Menschen ,die sich mit Diabetes nicht so auskennen ,fast eine Gebrauchsanleitung für den richtigen Umgang mit Diabetikern.
Leider ist dieses Buch nur sehr schwer zu haben ,meist noch in Bibliotheken - oder bei den Autoren nachfragen ,eventuell auch bei mir auf meiner homepage unter Diskussionsforen - ich kann dieses Buch gut beurteilen - ich bin der Bruno....... weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
-
Vargas Fred schrieb einen anspruchsvollen ,rätselhaft schönen Pariser Krimi
Pro:
Pariser Szenario augefallene Charaktere interessante Story schöne Sprache
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
Fred Vargas ist eine noch recht neue französische Schriftstellerin.
Sie lebt in Paris und hier spielen auch ihre literarisch anspruchsvollen Kriminalromane.
Der Roman- Die schöne Diva von Saint-Jacques- erschien 1995 in Frankreich und kam 1999 beim Aufbau Taschenbuchverlag GmbH Berlin in Deutschland heraus.
Mittlereweile mit der 6.Auflage( ISBN 3-7466-1510-0).
Der Verlag hat auch eine Webseite: www.aufbau-taschenbuch.de
Ich hatte noch 15,90 DM für das Buch bezahlt.Aktuell kostet es etwa 9 €.
Doch nun zum Inhalt:
Irgendwo zwischen Montparnass und der Place d`Italia ,im südlichen Paris,steht in einer stillen Straße ein handtuchbreites Haus,das drei arbeitslose Akademiker(Historiker) instand gesetzt haben:Marc,Mathias und Lucien (schon bald zieht der Exkommisar Vandoosler,rüstiger Vater des einen Bewohners,ein).
Mathias forscht über die Frühgeschichte,bewohnt daher den untersten Stock und würde am liebsten ganz auf Kleider verzichten.
Marc wohnt über ihm,und beschäftigt sich daher mit dem Mittelalter,und einen Stock höher der vom ersten Weltkrieg besessene Lucien.Er kann nicht genügend Quellen und Info´s zu seinem Thema bekommen und ist rastlos unterwegs.
Vandoosler wird im Dachgeschoss untergebracht.
Sie mögen sich sehr als Freunde.Sie verachten einander tief beruflich.Und eines Tages werden sie unfreiwillig zu Kriminalisten,als ihre schöne Nachbarin,die Sängerin und Diva Sophia,spurlos verschwunden ist
Einziges rätselhaftes Vorkommnis:In einer vorausgegangenen Nacht,ist ein Baum in ihrem Garten aufgetaucht,von unbekannter Hand gepflanzt.
Die drei beginnen sich zu interessieren und desto tiefer sie in die Vergangenheit der Diva eintauchen desto mehr bringen sie ins rollen.Zwei Morde werden dadurch ausgelöst bis sie gegen Ende der Geschichte auf einen uralten Hass stoßen und sich selbst in Gefahr bringen.
Jetzt habe ich aber glaube ich genug vom Inhalt preis gegeben.
Wer das Buch lesen will,sollte nicht mehr darüber erfahren.
Es ist ein klassischer Krimi der spannend beginnt im Mittelteil etwas flacher wird und dann aber im letzten Drittel rasant zulegt.
Es bleibt bis zur letzten Seite spannend mit einem wirklich überraschendem Ende.
Die Zeitung Liberation hat geschrieben : Vargas zieht den schwarzen Kriminalroman die sanfte Verschrobenheit ihrer Helden vor,die alle ein wenig Looser,ein bischen einsam,nicht immer nur sympathisch,aber ungeheuer lebendig sind.
Jetzt viel Spaß beim schmökern....... weiterlesen schließen
Informationen
Die Erfahrungsberichte in den einzelnen Kategorien stellen keine Meinungsäußerung der Yopi GmbH dar, sondern geben ausschließlich die Ansicht des jeweiligen Verfassers wieder. Beachten Sie weiter, dass bei Medikamenten außerdem gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Bewerten / Kommentar schreiben