Sky Testbericht

Erfahrungsbericht von Levay

Exklusiv und teuer

Pro:

tolles Programm und tolle Bildqualität

Kontra:

viel zu teuer, mieser Service

Empfehlung:

Ja

1. Mein Premiere und ich

Seit einigen Wochen bin ich nun im Genuss des Premiere-Fernsehens, frei nach dem Motto: „Früher oder später bestellst du dir das sowieso, wieso also nicht gleich?“ Meine bisherigen Eindrücke und Erfahrungen führen dabei zu einer durchwachsenen Meinung, welche ich dem treuen Leser meiner Berichte nun darlegen möchte.


2. Installation

Weil Premiere kein analoges, sondern digitales Fernsehen ist und weil es überdies verschlüsselt ausgestrahlt wird, ist für den Empfang eine Hardware-Installation erforderlich, nämlich die der sog. D-Box. Sie dechiffriert das verschlüsselte Signal und wandelt es zudem in ein analoges um, sodass das Bild auf jedem herkömmlichen Fernseher angezeigt werden kann.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Installation waren nun alles andere als gut, worauf ich später noch eingehen werde. Es scheint jedoch, als sei die Einrichtung der D-Box grundsätzlich ein Kinderspiel. Im Grunde muss man sie nur anschließen und einigen wenigen Anweisungen auf dem Bildschirm folgen, und nach wenigen Minuten ist alles fertig. Auch der Anschluss eines Videorekorders stellt keine größere Schwierigkeit dar, die Dokumentation ist leicht verständlich. Leider fehlt es ihr andererseits aber auch an Vollständigkeit, was nur dann zum Problem avanciert, wenn einmal nicht alles so läuft wie in 90% der Fälle – so wie bei mir eben.

Direkt nach der Installation freut sich der Kunde übrigens über hervorragende Bildqualität – dem digitalen Fernsehen dürfte die Zukunft gehören!


3. Programm

Kommen wir nun aber zum Wichtigsten, dem Programm: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Premiere-Kunden über gerade mal einen einzigen zusätzlichen Kanal verfügten – der digitalen Technik sei Dank bietet Premiere heute einen wahren Strauß voller bunter Programmblumen! Leider ist die Paketauswahl etwas kompliziert oder wird meistens zumindest recht kompliziert dargestellt, sodass ich mich nun mal mühen werde, sie mit einfachen Worten zusammenzufassen:

a) Premiere Start ist ein Kanal, der am ehesten mit dem „alten“ Premiere vergleichbar ist: Rund um die Uhr laufen hier die verschiedensten Sendungen, etwa Filme, Serien und Sport. Dabei wird kurzerhand aus den Vollen des gesamten Premiere-Programms geschöpft, aber ohne dass der Kunde eine Wahl hat. Er sieht, was im geboten wird.

b) Premiere Film umfasst sieben Film-Kanäle und den sog. Disney-Kanal mit Kindersendungen. Die Filmkanäle bieten hochkarätiges Kinoprogramm, hier laufen weitaus mehr große Kinostreifen als im Free-TV – und das ohne Senderlogo und (wie auch im Übrigen Premiere-Programm) ohne jede Werbeunterbrechung. Premiere 1 – 7 wiederholen alle Filme dabei mehrfach, sodass niemand einen Film verpasst, nur weil er gerade keine Zeit hat. Premiere 2 zeigt ausschließlich das, was Premiere 1 zeigt, und zwar um eine Stunde verzögert. Interessant ist die Möglichkeit, sich viele Filme in Originalsprache anzusehen. Premiere Film beinhaltet zudem stets auch Premiere Start.

c) Premiere Sport besteht aus zwei Kanälen, die vor allem dadurch Berühmtheit erlangt haben, dass auf ihnen die Bundesliga live übertragen wird. Dabei kann der Kunde entweder eine Konferenzschaltung oder einzelne Spiele ansehen. Ausländische Spiele, sei es nun etwa in England oder Spanien, sind auch gelegentlich im Programm vertreten, hier lässt sich dann ähnlich wie bei Filmen oft der ausländische Kommentator „einschalten“. Auch Zusammenfassungen und Wiederholungen der Spiele werden ausgetrahlt.

Zudem zeigt Premiere Sport viele Autorennen und jede Menge Golf, Eishockey, American Football, Baseball und Wrestling, was ich ziemlich uninteressant finde; beim Autorennen kann der Kunde etwa aus verschiedenen Kameras diejenige wählen, deren Bild er sehen möchte. So soll es jedenfalls sein, probiert habe ich es mangels Interesse noch nicht. Auch bei Premiere Sport ist Premiere Start im Preis inbegriffen.

d) Premiere Plus ist eine Sammlung von Themen-Kanälen, die sich einzeln oder im Paket abonnieren lassen. Es ist allerdings nicht möglich, sich auf Premiere Plus zu beschränken; Premiere Start, Film oder Sport sind Grundvoraussetzung.

Premiere Plus bietet zunächst mal die Kinderkanäle Disney (auch im Filmpaket enthalten, vgl. oben), Junior und Fox Kids. Für Wissensdurstige werden auf Discovery Channel rund um die Uhr und auf Planet von 16 Uhr bis in die Nacht hinein Dokumentationssendungen ausgestrahlt. Auch für Fans von Science Fiction und Krimis gibt es eigene Kanäle, nämlich Krimi, 13th Street und Science Fiction. Beathe-Uhse.TV ist die erste Wahl für alle, die dümmliche Blondinen mit großen Busen an- oder wohl eher erregend finden. Wer klassische Musik zu schätzen weiß, kann sich auf Classica Konzerte großer Orchester und mit großen Dirigenten ansehen (kurz ins Programmheft gesehen und sogleich die Berliner Philharmoniker und Leonard Bernstein gefunden). Fans der Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer profitieren von einem eigenen MGM-Programm, Liebhaber von Matlock und & Co freuen sich über Premiere Serie.

e) Goldstar TV bringt für die ganzen Harten tags und nachts durchgehend Schlagermusik auf einem und jede Menge Heimatfilme auf einem weiteren Kanal und lässt sich wie die Premiere-Plus-Kanäle einzeln abonnieren, gehört aber eben nicht zu Premiere Plus und ist somit auch nicht im Plus-Gesamtpaket enthalten.

f) Premiere Direkt ist für all jene gedacht, die in Premiere Film, Sport und Plus sowie bei Goldstar TV keine Befriedigung finden können. Sie haben die Möglichkeit, einzelne neue Spielfilme, ferner auch Erotik und einzelne Sportveranstaltungen (oder im Paket z.B. die Bundesliga für ein ganzes Wochenende zu horrenden Preisen) zu bestellen.

g) Auch das Free-TV-Angebot wird für Premiere-Kunden erweitert. Das liegt weniger an Premiere selbst als vielmehr an der D-Box, die jede Menge in- und ausländische Fernsehsender empfängt, die digital zur Verfügung stehen. So kann man etwa auch in Köln Hessen 3 und Tele 5 empfangen, und das ZDF bietet einen Theater-, einen Info- und einen Doku-Kanal, die dem Digitalkunden vorbehalten bleiben. Da dies alles keine Leistung von Premiere ist, sei es nur am Rande erwähnt.


4. Kosten

Die absolut und auch relativ gesehen hohen Kosten sind das größte Manko von Premiere. Je nach Länge der Vertragsbindung (ein oder zwei Jahre) kostet

- Premiere Start 5,- Euro / Monat,
- Premiere Sport 18,- bzw. 20,- Euro / Monat
- Premiere Film ebenso wie Premiere Sport 18,- bzw. 20,- Euro / Monat,
- Premiere Sport und Premiere Film zusammen (genannt: Premiere Super) immerhin noch 28,- bzw. 30,- Euro / Monat.

Die einzelnen Kanäle von Premiere Plus schlagen unabhängig von der Mindestvertragslaufzeit mit jeweils 2,- oder 3,- Euro / Monat zu Buche, kosten alle zusammen allerdings „nur“ 10,- Euro / Monat.

Hinzu kommt, dass der Kunde entweder eine D-Box kaufen muss (die je nach gewähltem Paket subventioniert wird und von 59,- Euro bis 149,- Euro kostet) oder aber 7,- Euro Miete pro Monat zu berappen hat – denn ohne D-Box kein Premiere…

Wer alles zusammen haben möchte (dies nennt sich dann Premiere Komplett), zahlt pro Mont 41,- Euro oder 43,- Euro, ggf. zzgl. der Miete für die D-Box, also im schlimmsten Fall 50,50 Euro / Monat.

Ich selbst habe die D-Box gekauft und verfüge über Premiere Super sowie Planet und Discovery Channel und komme bei einer 24-monatigen Vertragsbindung auf einen monatlichen Preis von 33 Euro. Viel Geld, aber immerhin habe ich dafür Premiere Start, 7 Filmkanäle, den „tollen“ Disney-Channel (für mich sind dort nur die Golden Girls interessant), sowie jeweils 2 Sport- und Doku-Channel, macht summa summarum 13 Kanäle.


5. Service

Weil man den Service von Premiere selten bis nie in Anspruch nehmen muss, spielt er in der endgültigen Bewertung eine untergeordnete Rolle. Ansonsten aber würde eben diese endgültige Bewertung empfindlich nach unten korrigiert werden müssen, denn selbst für deutsche Verhältnisse ist der Premiere-Service – man müsste ihn eigentlich „Unservice“ nennen –, eine Unverschämtheit.

Wie ich bereits schrieb, hatte ich schon bei der Installation der D-Box einige Schwierigkeiten; auch als mir selbige schließlich gelungen war, hatte ich mit Ausfällen zu kämpfen, und so war ich gezwungen, den technischen Support zu kontaktieren. Die Rufnummer ist eine 0180/5-Nummer (12 Cent / Minute aus dem Festnetz der Telekom) und leider so gut wie gar nicht zu erreichen. Man mag von einem Zufall sprechen, aber ich habe es über zwei Wochen zu jeder Tages- und Nachtzeit probiert und wurde stets nur von einer Computerstimme darauf hingewiesen, dass man meinen Anruf derzeit wegen eines außergewöhnlichen Anrufaufkommens nicht entgegennehmen könne. Was natürlich glatt gelogen war, denn „außergewöhnlich“ würde ja bedeuten, es handelt sich um eine Ausnahme, in Wahrheit ist das aber offenbar Standard. Aus gutem Grund, nehme ich an: Am Service verdient Premiere nichts, und da die Kunden sich ohnehin schon auf eine Vertragsbindung eingelassen haben, muss man sie nun nicht mehr besonders beachten. Eine Anfrage per E-Mail wurde nach einer Woche und eine per Post gar nicht beantwortet. Dagegen ist selbst der Service der Deutschen Telekom ein Segen! Für den Service von Premiere kann es bestenfalls die Note „Mangelhaft“ geben, die Tendenz zum „Ungenügend“ ist stark. Allerdings habe ich die technische Hotline auch einmal erreicht und prompt konstruktive Hilfe erhalten.


6. Tipps und Tricks

Nun noch ein paar Tipps und Tricks.

a) Premiere günstig

Ein klein wenig günstiger bekomm man Premiere mit einem Konto bei web.de (kostenlos und binnen weniger Minuten eingerichtet). Wer sein Premiere über die Seite http://premiere.web.de/ und natürlich unter Angabe seiner web.de-Zugangsdaten bestellt, erhält eine neuwertige D-Box für 1,- Euro und spart somit den Kaufpreis respektive die monatliche Miete. Premiere Start allein lässt sich so allerdings nicht abonnieren, es muss schon Film, Sport oder Super sein.

„Neuwertige“ D-Box bedeutet übrigens, dass es sich um gebrauchtes, technisch überholtes und damit innen wie außen einwandfreies Gerät handelt. Was an sich kein Problem darstellt, es sei denn…

b) Premiere installieren

…von Seiten Premieres wird darauf verzichtet, die Werkseinstellungen zu laden. Beim Erstbetrieb wird der Kunde nämlich durch ein Menü geführt, das die Einstellungen übernimmt, so aber nicht, wenn es sich aus „Sicht des Gerätes“ gar nicht um einen Erstbetrieb handelt.

Leider hatte ich anfangs mit dem Problem zu kämpfen, keinen einzigen Premiere-Kanal empfangen zu können und auch keinen sonst. Nur warum? Die Lösung hätte sein müssen, die Werkseinstellungen herzustellen, was bei mir leider nicht funktionierte. Also überlegen: Woran konnte es liegen? Über diese Frage musste ich deswegen grübeln, weil der technische Support ja nicht zu erreichen war…

Um also allen, die wie ich nur ein gebrauchtes Gerät bekommen, die Lösung zu geben: Die Kanalsuche muss neu gestartet werden! Das funktioniert ganz einfach und automatisch nach Auswahl des entsprechenden Menüpunktes. Ich vermute, dass, wenn der Vorbesitzer ganz woanders wohnte, er die Kanäle auch auf anderen Frequenzen hatte. Die Vermutung wird dadurch gestützt, dass der Empfang nach der automatischen Kanalsuche funktionierte…

c) Premiere fehlerfrei

…wenn auch leider nicht immer einwandfrei. Anfangs trübten nur kurzzeitig einfrierende Bilder mein Fernsehvergnügen, dann fiel das Bild immer häufiger gänzlich aus, schließlich fielen einige Kanäle (etwa Sport 1 und das ausgerechnet während eines Spiels der Champions League) ganz aus und am Ende konnte ich gar keinen mehr empfangen. Auf die Beantwortung meiner E-Mail warte ich bis heute und die technische Hotline… wie gehabt.

Nicht ganz: Dieses eine Mal, dass ich Hotline erreichte, kam gerade recht, als ich gar kein Premiere mehr empfangen konnte. Und wie ich oben schon sagte: Man (genau genommen frau) konnte mir auch sogleich helfen. Des Pudels Kern war ein T-Stück, das an der Wand steckte. Von dort aus führte ein Kabel zum Fernseher meines Mitbewohners und eines zu meiner D-Box. Das darf nicht sein, weil das digitale Signal viel stärker sein muss als beim analogen Fernsehen; digitaler Empfang ist eben viel empfindlicher. Also, wer zwei Fernseher mit einer Antennenbuchse versorgen muss, der beachte: Das T-Stück nicht in die Wand reinstecken, sondern an den TV-Ausgang der D-Box. Für den zweiten Fernseher (ohne Premiere) macht das keinen Unterschied (u.U. muss ein Kanal neu gesucht werden), und der eigene Fernseher (mit Premiere) kommt endlich in den Hochgenuss der digitalen Kanäle – störungsfrei.


7. Fazit

Premiere bietet hochwertiges Fernsehen zu einem unverhältnismäßigen Preis und nahezu ohne jeden Service. Wer auf ein tolles Filmprogramm, Bundesliga live und jede Menge Dokus nicht verzichten kann oder möchte, wird damit aber sein Vergnügen haben!

11 Bewertungen