Alkohol - Missbrauch Testbericht

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Erfahrungsbericht von Anubis71

Mein Mann ist doch kein Alkoholiker!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Anmerkung:Die hier geschriebene Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Namen und Angaben zu Personen und Orten sind frei erfunden.

Wie einige hier vielleicht wissen, arbeitete ich nebenbei 10 Jahre im Rettungsdienst meiner Heimatstadt. In dieser Zeit habe ich schon die eine oder andere Geschichte erlebt und auch Menschen getroffen, die mehr als nur ein bisschen interessant waren.

Wie so oft beginnt alles immer ganz harmlos, wie auch an diesem Sonntag. Irgendwann im Laufe des Tages rief eine Frau in der ÄBP (= ärztliche Bereitschaftspraxis) an und bat um einem Hausbesuch, weil ihr Mann so schwer krank sei und nicht in die Zentrale komme könne, wegen seiner schweren Grippe. Dies erscheint ein wenig lächerlich, aber das ist einer der häufigsten Gründe für einen Hausbesuch! Also taten wir unsere Pflicht und ich fuhr mit meinem Doc los um den Herren zu behandeln.

Die Adresse war ein gepflegtes Haus inmitten einer der Vororte. Ein kleiner und sehr gepflegter Vorgarten umsäumte den Weg zur Haustür. Wie das meist mit den kranken so ist, liegen die meist im Bett, anstatt sich ein wenig zu bewegen, was den meisten sicher nicht schlecht tun würde, aber dann wäre das Leiden ja nicht überzeugend genug gegenüber den anderen. Die Diagnose stellte klar, was eh schon vermutet wurde, der Mann hatte seit drei Tagen ein grippalen Infekt und keine Grippe (das haben eh nur die wenigsten, denn eine echte Grippe ist saugefährlich und sehr selten). Es wurden die üblichen Medikamente für diesen Fall verschrieben, dann noch ein paare warme Worte vom Doktor und schon waren wird auf dem Weg zum nächsten Patienten.

Nach zwei Stunden kam eine erneuter Anruf der Frau ihrem Mann würde es nicht besser gehen sondern schlechter und wir sollen noch mal kommen. Ja bin ich denn bescheuert? Wie soll denn ein grippaler Infekt nach zwei Stunden weg sein, wenn die Medikamente erst nach eine Tag anschlagen können ?? Aber mein Doc bestand darauf das wir eben noch mal hinfahren und die Sache erneut in Augenschein nehmen. Und der Arzt hat immer recht! :-)
Also sind wir dann noch mal hingefahren.

Wieder der kleine nette Vorgarten welcher uns gepflegt entgegensah in seiner spiessigen Gepflegtheit. Wieder in dieselbe schön hergemacht Wohnung, ordentlich, sauber und aufgeräumt. Naja, wenn die Leute sonst keine Sorgen haben, nerven sie eben andere mit ihren kleine Sorgen, dachte ich so bei mir, dein ein erneutet Besuch bei einem grippalen Infekt, also langsam wird’s lächerlich!

Der Patient stand mitten im Raum und sagten keinen Ton. Das war aber nicht wirlich das Problem, denn er reagierte auch auf keinen Ton. Selbst das nachhaltige Bitten meines Arztes, er möge sich doch bitte hinsetzen ignorierte er. Er stand einfach nur dumpf im Raum, sagte keinen ton und reagierte auch in keiner Weise auf Ansprache. Meinen Doc und mit kam das ein wenig merkwürdig vor und so entschied der Doc, das ich bitte eine Krankenwagen zwecks einer Einweisung in die Klink bestellen solle.

Gerade als ich dann mit der Leitstelle telefonierte geschah etwas sehr ungewöhnliches. Der Mann, eben noch aufrecht stehend fiel um wie ein Brett und begann zu krampfen! Geistesgegenwärtig sagte ich der Leitstelle mit der ich immer noch verbunden war, sie sollen einen Rettungswagen schicken und das mit Sonderrechten! Als die Gefahr dann bewältigt und der Mann sich auf dem Weg in die Klinik befand stellte mein Doc der Frau des Mannes noch ein paar Fragen:

Doc: trinkt ihr Mann Alkohol?
Frau: Ja.
Doc: Wieviel?
Frau: jeden Abend drei bis vier Flaschen Bier und ein paar Gläser Whiskey.
Doc: Sind sie nicht der Meinung, das ihr Mann vielleicht ein Alkoholproblem hat?
Frau: WAS? Mein Mann ist doch kein Alkoholiker, wie kommen sie denn darauf?


Ich denke den weiteren Verlauf des Gespräches kann ich mir an der Stelle schenken. Vielen ist einfach nicht klar, das Alkohol eine Droge ist, die man nicht unterschätzen sollte. Das Problem in diesem Fall war, das der Mann entgegen der Meinung seiner Frau alkoholkrank ist und wegen seiner Grippe eben keinen Nachschub mehr bekommen hat. In der Folge rutschte er ins Delirium wegen Alkoholmangel und bekam den Krampfanfall. Man sieht es den Leuten nicht immer an, wenn sie ein Problem mit Alk haben, auch die Umgebung ist wie in diesem Fall nicht immer typisch. Es stehen nicht immer die berühmten leeren Flaschen rum, erst recht nicht wenn man eine treusorgende Ehefrau hat, die einem den Kram immer wieder wegräumt wie ich in diesem Fall vermute.

Ich denke das dieses Beispiel einem sehr anschaulich zeigt was denn alle passieren kann und ich hoffe ihre versteht die Warnung, die ich euch sagen will. Mal ein Glas Alk kann nicht schaden, sich hin und wieder mal die Kanne zu geben ist sicher auch eine Erfahrung wert, aber wenn man eben das Mass der Dinge nicht mehr erkennt, dann hat man ein Problem.

Es ist keine Schande Alkoholkrank zu sein, aber es ist eine Schande nichts dagegen zu machen!

In diesem Sinne

Anubis71

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