All Eyez On Me - 2Pac Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Dnome

Der Klassiker - California Love pur

5
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  gut

Pro:

Abwechslungsreich (Partytracks, Balladen) viele Burner, gute Gastfeatures, insgesamt 1A

Kontra:

CD 2 ist im Vergleich nicht so gut wie CD 1

Empfehlung:

Ja

Da mir im Moment nicht einfällt, worüber ich sonst genug schreiben könnte, um meine Leserschaft nicht zu enttäuschen, bringe ich erstmal mein "All Eyez On Me"-Review hinter mich. Vielleicht fallen mir zwischendurch noch weitere schöne Themen ein, wir werden sehen (bzw. lesen)...

Da war doch...
Eigentlich dürfte fast ALLEN, die heute mindestens volljährig sind, der Name "2Pac" ein Begriff sein und auch derzeitige erfolgreiche Rapper wie natürlich Eminem, 50 Cent oder - würg! - Ja Rule kommen in letzter Zeit immer häufiger auf ihn zu sprechen: Den ungekrönten King des Westcoast-Rap der 90er - Pac.
Zu einer KURZ angeschnittenen Biografie komme ich gleich noch, erstmal möchte ich allerdings das Phänomen von "All Eyez On Me" anschneiden. Wer kennt denn NICHT die oft imitierten Klassiker wie "California Love" mit Dr. Dre, den Inbegriff des Diss-Songs "Hit 'Em Up" oder das tieftraurige melodiöse "Life Goes On"? Ein Faktum ist es, daß diese LP nicht bloß das Rapgame, sondern im Nachhinein - über den Tod seines Künstlers hinaus - die gesamte moderne Musikszene durcheinandergewirbelt hat. Noch mehr als sieben Jahre nach seinem Erscheinen ist dieses Doppelalbum schwer zu toppen und klingt frisch und hip wie seit eh und je.
"All Eyez On Me" war die erste Rap-Doppel-CD mit originalem Material, was ihr den Eintrag in's Guiness-Buch der Rekorde bescherte. Allein im ersten halben Jahr seit ihrem Release am 13. Februar 1996 wurde sie 5 Millionen mal verkauft (5x Platin), am 18. Juni 1998 erhielt sie offiziell die 9. Platin-Auszeichnung für 9 Millionen über die Ladentische gegangene Exemplare. Inzwischen dürfte sie die Auszeichnung "Diamond" (10 Millionen) längst erreicht haben. Nur wenige LP's konnten seitdem diesen Erfolg verbuchen - vor allem, wenn man die Umstände des Erscheinens sowie das Jahr des Release betrachtet.

Kurzinfo über 2Pac:
Ich werde an einem späteren Datum mal auf die Person 2Pac genauer eingehen (und wenn ich sage "genauer", dann MEINE ich auch genauer), jetzt also nur ein flüchtiger Blick auf sein Leben, damit Unkundige wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Tupac Amaru Shakur wurde am 16. Juni 1971 in Brooklyn, New York als Lesane Parish Crooks geboren. Seine Mutter Afeni war aktives Mitglied in der "Black Panther"-Partei. Kurz nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis (in das sie hauptsächlich aufgrund ihr vorgeworfener Attentatspläne auf NYer Gebäude gebracht worden war) brachte sie ihren Sohn zur Welt. Das Gefängnis sollte trotzdem eine zentrale Rolle in Tupac's zukünftigem Leben spielen.
Als 12jähriger spielte er beim "127th Street Ensemble" in Harlem seine erste Rolle in einem Theaterstück - den Travis in "A Raisin In The Sun". Noch vor Beginn seiner Karriere als Rapper wollte er am liebsten Schauspieler werden - ein Traum, den er sich später noch durch einige Filmrollen erfüllen würde. Doch unzählige Umzüge, u.a. nach Baltimore und Kalifornien, machen es ihm schwer, Fuß zu fassen und lassen ihn langsam in kriminelle Bahnen geraten. Was jedoch ständig durchschimmert, sind sein soziales Verantwortungsgefühl und Loyalität zu seinen Kameraden. Im Jahr 1986 schreibt er nach einem tödlichen Unfall eines Freundes seinen ersten Rap - über Selbstkontrolle im Umgang mit Waffen. In Baltimore lernte er auch Ballett und Schauspielerei an der "Baltimore School for the Arts", doch der plötzliche Umzug nach Marin City, Kalifornien, bringt ihn zu Fall und er wird kriminell. Mehr zu seiner Jugend und wann wie wo was passiert ist, folgt später mal an anderer Stelle.
Auf jeden Fall war 2Pac, wie er sich als Künstler schlicht nannte, zu Beginn Backgroundtänzer für die Rap-Combo "Digital Underground", bis er 1991 auf einem ihrer Songs als Feature auftrat und großen Erfolg erntete. Es folgten zwei Soloalben sowie 1994 eine LP mit seiner von ihm gegründeten Posse "Thug Life" und der charismatische Rapper hatte scih bereits durchaus einen Namen gemacht - doch der größte Erfolg kam erst später, und zwar sprichwörtlich mit einem Knall.
In der Nacht zum 1. Dezember 1994 war 2Pac gerade auf dem Weg in die New Yorker Quad-Studios, um mit einem jungen Rapper namens Lil' Shawn (nie wieder etwas von ihm gehört) einen Song aufzunehmen, als er in der Lobby ausgeraubt und mit fünf Schüssen niedergestreckt wurde. Er beschuldigte später u.a. The Notorious B.I.G. und Puff Daddy, von dem geplanten Attentat gewußt und ihn nicht rechtzeitig gewarnt zu haben, denn beide waren zur Tatzeit im selben Gebäude und schienen beim Anblick des blutenden Pac eher überrascht darüber zu sein, daß er noch lebte als über das Attentat selbst. Auch dieses Ereignis werde ich noch genauer durchleuchten, ein andernmal.
Einen Tag nach dem Attentat erschien 2Pac auf eigenen Wunsch bereits vor Gericht, weil er sich dort wegen einem Vorwurf von sexuellem Mißbrauch an einer 19jährigen zu verantworten hatte. Er wollte nicht den Anschein erwecken, den versuchten Mord als Anlaß für's Fernbleiben vor Gericht zu benutzen, also wurde ein Häufchen Elend im Rollstuhl - mit verbundenem Kopf (zwei Streifschüsse), verbundener Hand, sowie verbundenem Magen und Bein (jeweil ein Schuß) - zur Anklagebank geschoben. Tupac Shakur erhielt eine Haftstrafe von 4,5 Jahren in einem "Maximum security Prison" im New Yorker "Riker's Island"-Gefängis.
2Pac's dritte LP "Me Against The World", die er nach dem Release von "Ready To Die" (von mir bereits rezensiert) von The Notorious B.I.G. völlig umkonzeptioniert und nach seinem Schuldspruch auch mit neuen Tracks vervollständigt hatte, wurde sein bis dahin erfolgreichstes Werk. Nie zuvor ist eine LP eines zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung einsitzenden Interpreten auf Anhieb auf Platz 1 (der RnB- und Pop-)Charts gestiegen - ein weiterer Eintrag in's Guiness-Buch. "Me Against The World", ein sehr introspektives Album, wurde am 26. April 1995 nach nur zwei Monaten mit 2x Platin ausgezeichnet. Und TROTZDEM konnte 2Pac seinen bisherigen Erfolg toppen. Mit verantwortlich dafür: Suge Knight.

All Eyez On Him:
Als einziger bot Suge Knight 2Pac an, ihn für die Summe von 1,4 Millionen Dollar frühzeitig auf Bewährung aus dem Knast zu holen, wenn dieser dafür einen exklusiven 3-LP-Deal mit seinem berüchtigten Label "Death Row Records" abschließen würde. 2Pac sagte zu, wurde im Oktober 1995 entlassen und flog auf der Stelle nach L.A., Kalifornien, um sein erstes Album "All Eyez On Me" aufzunehmen. Noch in der ersten Nacht in Freiheit (nach immerhin 9 Monaten Gefängnis) wurde eine große Party geschmissen, Frauen flachgelegt und gleich der erste Song - das Intro "Ambitionz Az A Ridah" aufgenommen. Alle sollen da schon ziemlich breit gewesen sein, aber man hört eigentlich nix heraus ;-)
In nur etwas mehr als zwei Wochen, ein Beweis für seine unglaubliche Schaffenskraft, nahm 2Pac alle knapp 30 Songs für die LP auf. Dies soll aber nicht heißen, daß sie deswegen von minderer Qualität wären - keineswegs! Es handelt sich bei dieser CD im Gegensatz zum melancholischen, ruhigen Vorgänger um eine Scheibe voller Partytracks und Lobeshymnen auf den neuen Westcoast-Lifestyle. Zudem ist sie prallgefüllt mit Gastauftritten vieler anderer Raptalente, die somit Teil eines zeitlosen Klassikers wurden.
Hier steht 2Pac drauf, hier ist 2Pac drin. Auch wenn der "Gangsta-Rapper" bereits jetzt sein neues Alias "Makaveli" erwähnt, das an den italienischen Schriftsteller und Philosophen Niccolo Machiavelli angelenht ist (komme irgendwann nochmal drauf zurück). In einem späteren Interview gab Pac zu, "All Eyez On Me" als Gefallen für Suge aufgenommen zu haben. "Sein" wahres Album sollte dann gegen Ende '96 "The 7 Day Theory" werden.

Nicht etwas für den Kopf, sondern etwas für's Herz:
Das könnte man über dieses Album von 2Pac sagen. Im Vergleich zu seinen anderen Alben hinkt es in Punkto Ernsthaftigkeit und Realness deutlich hinterher - auch wenn es einige Ausnahmen unter den 27 Tracks gibt - doch man muß den zeitlichen Kontext berücksichtigen. 2Pac hatte sich mit Sicherheit schon mit den drohenden viereinhalb Jahren Haft abgefunden. Plötzlich meldet sich Suge Knight, der ihm bereits einige Jahre zuvor erfolglos einen Deal angeboten hatte, und holt ihn gegen Kaution raus. "Death Row" bedeutete zu diesem Zeitpunkt "Macht" im Rapgame, denn dieses Label hatte die erfolgreichsten Rapper (wie Dre, Snoop und The Dogg Pound) sowie einen als rücksichtslos geltenden CEO Knight, der Pac's Potential rechtzeitig erkannte und seine Chance nutzte. Ein großes Haus, ein 500 SL, ein Rolls Royce und Schutz durch Bodyguards sowie eine kugelsichere Weste, die 2Pac sogar auf dem Cover von "All Eyez On Me" trug. Die Haupt-Message der LP war höchstwahrscheinlich "I'm still here and I just don't give a fuck" und an die neugeborene Konkurrenz auf der Ostseite der USA gerichtet. Von den folgenden heftigen verbalen Attacken auf BIG und CO spürt man auf "All Eyez On Me" noch wenig, auch wenn sich bereits graue Wolken am Himmel sammeln. Statt Namen gibt es fast nur "subliminal disses", also unterschwellige Angriffe auf "Bad Boy Records" und diejenigen, die 2Pac umzubringen versucht hatten.
Somit kann man diese 27 Tracks starke Lobpreisung auf die Westcoast und den befreiten, durch neues Selbstbewußtsein gestärkten Lebensstil eines 24jährigen Künstlers ohne Kopfschmerzen genießen und in Träumen von Alkohol, schönen Frauen und schnellen Autos zerfließen. "No more pain" lautet der Titel samt Hook eines der Tracks, doch der größte Schmerz sollte die Fangemeinde sowohl von 2Pac als auch The Notorious B.I.G. bald schon ereilen.
Nun aber endlich zu meinem Review!

Die Songs:
Disc 1
1. Ambitionz Az A Ridah
Aus dem Off beginnt 2Pac zu sprechen "I won't deny it, I'm a straight rider, you don't wanna fuck wit' me..." und ein Piano setzt ein. Im Hintergrund ertönt das allseits bekannte "LET'S GET READY TO RUMBLEEE!" und bedeutet gleich mehreres: Zuallererst läutet es den Beginn dieses opulenten Albums ein, außerdem sang 2Pac diesen Song passenderweise erstmals live vor Beginn eines Mike Tyson-Boxkampfes und drittens stieg 2Pac zugleich symbolisch gegen seine Widersacher in den Ring. Das Intro kommt ohne große Vor-Labereien zurecht und gleich zur Sache - Pac spricht darüber, wie er angeschossen wurde und in's Gefängnis kam und sich seine Einstellung zu seinen ehemaligen Homies seitdem grundlegend geändert hat. "It was my only wish to rise/Above these jealous coward muthafuckas I despise" und "When it's time to die then be a man and pick the way you leave" läßt ohne Zweifel erkennen, daß in Bezug auf seine Gegner 2Pac's Herz kälter geworden ist: "Blast me, but they didn't finish/Didn't diminish my powers/So now I'm back to be a muthafuckin' menace". "I'm ready to die right here tonight" ist hingegen eine Referenz zu BIG's LP "Ready To Die", begleitet von einem leisen "Yeah, nigga!" im Hintergrund.
Zuweilen trägt Pac dick auf, strotzt gar nur so von Selbstlob - doch nachdem er mit "Me Against The World" bewiesen hat, daß in seinem Kopf eben KEINE gähnende Leere steckt, ahnt man, wie es hier gemeint ist. It's all about respect, und nun auch "all about fear": "Gettin' much mail in jail, niggaz tellin' me to kill it/Knowin' when I get out, they gon' feel it" - hier spielt er auf Puff Daddy an, der ihm Briefe in's Gefängnis geschrieben hatte, in denen er jedwegen Beef zu beenden versuchte. 2Pac reagierte nicht "wie geplant", sondern beginnt nun mit dieser "Antwort" seinen Rachefeldzug. Der Piano-Loop ist auf den ersten Blick etwas eintönig, aber erfüllt vollstens seinen Zweck: Das Ergebnis ist ein cooles Comeback, bis hin zum Summen der Frauenstimmen am Ende. (9/10)
2. All 'Bout U
Und die Party kann losgehen! Auf diesen Song werde ich nie müde, er ist funky, fröhlich und mit einem Schuß Selbstironie versehen - wie beispielsweise, wenn 2Pac rappt: "Guess it's true what they're tellin' me/Fresh outta jail life's Hell for a black celebrity". Die Outlaw Immortalz-Mitglieder Hussein Fatal und Yaki Kadafi tragen einen gemeinsamen Vers bei, abgerundet wird der Groupies gewidmete Track von einem Dru Down-Intro sowie einem entspannt vorgetragenen Snoop Dogg-Outro. G-Funk at its best. (10/10)
3. Skandalouz
Dieses Stück ist ebenfalls locker und frisch, produziert von Daz Dillinger alias "Dat Nigga Daz" von Tha Dogg Pound. Spricht 2Pac über die Frau, die ihn mit dem Vergewaltigungsvorwurf belastet hatte? Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber im dritten Vers gibt es definitiv wieder einen subliminal diss gegen BIG und Puff: "I thought we was cool, I was a fool, thinkin' you could be true when I don't fuck with your punk crew" - wir erinnern uns, daß 2Pac sich weigerte bei "Bad Boy" zu signen und möglicherweise DESHALB der Mord geplant worden war. Wie auch immer, der Song ist voll und ganz happy aufgenommen, 2Pac bezeichnet sich selbst(ironisch) als "scandalous", aber vergißt deswegen die gute Stimmung nicht. Nate Dogg's Stimme verfeinert den Hook. (10/10)
4. Got My Mind Made Up
Ich habe vor kurzem erfahren, daß dieser Track ursprünglich auf einem Album von Daz Dillinger auftauchen sollte - er wurde ohne 2Pac, aber mit Inspectah Deck und weiteren Leuten aufgenommen. 2Pac signte dann bei "Death Row" und kaufte den Song, verkürzte ihn etwas und nahm einen eigenen schnellen Vers auf. Das Resultat ist noch immer genial und eine heiße Kollaboration von Pac, Method Man & Redman sowie Tha Dogg Pound - aber ich würde wirklich gerne auch mal die erste Version hören! (10/10)
5. How Do U Want It
Ein... tja, "Fuck-Song", anders kann man es nicht nennen und anders hat es auch 2Pac nicht genannt. Es geht nur um das Eine und hier klingt das sehr gut. K-Ci & JoJo singen den ohrwurmträchtigen Refrain, nachdem ursprünglich bloß Pac alleine ihn singen wollte. Aber Suge hatte auch hier wieder einen guten Riecher und die RnB-Sänger wissen ein Song mit dem nötigen Hit-Flair zu würzen. (10/10)
6. 2 Of Amerikaz Most Wanted
Die heißeste Kollaboration neben "California Love"! Lange waren sie bloß befreundete Konkurrenten, doch jetzt endlich Labelmates - Snoop hatte Suge den Tip gegeben, Pac aus dem Gefängnis zu holen. Heute stellt man sich unter "America's Most" nur noch Bin Laden oder Saddam vor, aber vor ein paar Jahren konnte aus dieser Thematik noch ein richtig bangender Song gemacht werden. Beide genießen das Gangsta-Leben hier in vollen Zügen. (10/10)
7. No More Pain
Der Hook ist diesmal von Method Man's 1994er Hit "Bring The Pain" gezockt und leicht variiert. Das Ergebnis ist ein bedrohlicher, untypischer Rapsong, in dem 2Pac sich seine Feinde zum Hauptthema macht. "When I die, I wanna be a livin legend, say my name/Affiliated with this muthafuckin' game with no more pain" ist sein geäußerter Wunsch, "Busters shot me five times, real niggaz don't die/Can you hear me? Laced with this game, I know you feel me" seine Feststellung. Stellenweise hat er spezifische Zeilen zweifach übereinandergespielt, was ihren Eindruck intensiver macht. Auch das mit "wahnsinniger" Stimme vorgetragene Gerede im Hintergrund verstärkt die Wirkung dieses Songs. Er endet mit unterschwelligen Beleidigungen in Richtung von "Bad Boy", der von 2Pac geprägte Begriff "Bad Boy-killers" ist auch sehr leise zu hören. (7/10)
8. Heartz Of Men
Und wieder ein Partytrack, diesmal weniger ausgelassen, aber 2Pac bemüht sich, die Stimmung wieder aufzulockern. Gerade raus aus dem Knast und die Party kann steigen - dies ist die Ausgangssituation des Songs. Zum ersten Mal wird "Mr. Makaveli" erwähnt, doch zu eingespielten Samples zwischen den Versen wird getanzt und genickt. "I died and came back/I hustle with these lyrics as if it's a game of crack" - Exit 2Pac, enter Makaveli. (9/10)
9. Life Goes On
"How many brothers fell victim to the streets?" stellt 2Pac eine rhetorische Frage. Zu viele. Und dies ist ein wirklich zu Herzen gehendes Stück, allen toten und vermissten Freunden gewidmet. Gleichzeitig stellt sich der Rapper vor, wie seine eigene Beerdigung aussehen soll. "Bury me smilin' wit' G's in my pocket/Have a party at my funeral, let every rapper rock it" singt Pac und meint kurz danach "Until I get free/I live my life in the fast lane/Got police chasin' me". Zu seinen Homies meint er im Outro: "Make sure it's poppin' when we get up there". Hoffentlich... (10/10)
10. Only God Can Judge Me
Ein ernstes Thema so locker wie möglich verfaßt und mit einer nicht ungesunden Prise Optimismus gewürzt - das ist "Only God Can Judge Me", mit dem 2Pac zudem der Bay-Area seine Ehre erwies. Rappin' 4-Tay wird gefeatured und 2Pac rollt die genaueren Umstände direkt nach seiner versuchten Ermordung auf, unter anderem die Angst, die er auf dem O.P. gefühlt hat. Sein Credo hier: "That which does not kill me can only make me stronger/And I don't see why everybody feel as though that they gotta tell me how to live my life/Let me live baby, let me live!" (9/10)
11. Tradin' War Stories
Und nun der erste Song mit den Outlawz, dazu noch C-Bo und "der weibliche Outlaw" Storm - die ich aber seperat aufliste, da sie nur sehr kurz Mitglied der Gruppe war und sich nach Pac's Tod aufgrund des Schocks aus dem Rapgame vollständig zurückgezogen hat. Der Song läßt den Zuhörer etwas aufatmen nach all den Bangern, die ohne Pause durch die Boxen dröhnten, dabei ist der Inhalt hier wieder härterer Tobak. Der "War", der Kampf um's Überleben auf den Straßen der 90er, ist das Grundthema, mit dem die Outlaw Immortalz erstmals offiziell von sich reden machen. (7/10)
12. California Love (Remix)
Leider, leider ist die originale Version des Hits "California Love" NICHT auf "All Eyez On Me" - dafür aber der ruhigere, längere Remix, der sich auch nicht schlecht anhört. Es gibt zu beiden Version ein jeweiliges Musikvideo! Aber ich komme ja später nochmal auf die einzelnen Videos zu sprechen, nicht hier. Urpsrünglich wurde "Cali Love" von Dr. Dre für sich und Ice Cube geschrieben, dann kam 2Pac und Suge überzeugte Dre davon, daß dieses Stück OHNE Pac unvollständig sei. Zum Glück behielt er dabei Recht, denn es wurde einer der erfolgreichsten Songs in beider Rapper Karrieren. Shake it, Cali! Das Outro ist... schnief... (10/10)
13. I Ain't Mad At Cha
Dieser Beat ist auch von Dre produziert, der Song die letzte von 2Pac unter seinem "alten" Künstlernamen veröffentlichte Single. Danny Boy harmonisiert hier bestens mit Pac, der über alte Freunde nachdenkt, die inzwischen einen anderen Weg eingeschlagen haben und nicht länger mit ihm das Partyleben bestreiten. Er ist ihnen nicht böse, selbst wenn er lange nicht mehr von sich hat hören lassen. (9/10)
14. What'z Ya Phone #
2Pac selbst behauptete später in einem Interview, daß ihm dieser Song im Nachhinein persönlich überhaupt nicht gefallen hat. Es ist ein strikter Fuck-Song, zwei kurze aber nette Verse werden von einem langen Telefongespräch zwischen Pac und einer unbekannten Fremden abgelöst. Dieses Gespräch ist ganz lustig, aber der gesamte Song ist lediglich ein nettes Gimmick - eigenständig einfach zu wenig für ein richtiges Lied. "Do a bear shit in the woods and wipe his ass with a rabbit?" ;-) (6/10)
Urteil Disc 1: 9,14

Disc 2
1. Can't C Me
Die zweite CD beginnt mit einem Banger - George Clinton unterstützt 2Pac hier mit einigen Lines, während Dr. Dre in gewohnt hervorragender Qualität die Beats sicherstellt. 2Pac und Dre, das ist zuviel des Guten, wie auch Pac selbst anmerkt: "You niggaz made a mistake/You shoulda never put my rhymes wit' Dre". Der Song ist The Notorious B.I.G. und dessen Mitstreitern "gewidmet": "This one's for you, BIG baby..." Sehr funky, aber man kann es nicht jeden Tag hören. (8/10)
2. Shorty Wanna Be A Thug
Dieser Song fällt völlig aus der Reihe, da 2Pac hier in bester Pre-Death Row-Manier die Geschichte eines jungen Möchtegern-Gangstas erzählt. Unterlegt ist seine Stimme dabei jedoch erstmals von einem "Death Row"-Beat, das Ergebnis ist ein guter, ruhiger Track ohne nennenswerte Höhepunkte, der neben den ganzen G-Funk-Tracks aber leider blass wirkt. (7/10)
3. Holla At Me
Ja holla! ;-) Ein weiterer Song an Biggie, diesmal aber direkt und ohne Umschweife. Nein, sein Name wird wieder nicht erwähnt, aber zu Beginn spricht 2Pac gleich "This goes out to YOU, player/You know... you know who you are!" und es folgen drei dope Verse mit hoher Geschwindigkeit, mit inhaltlicher Präzision und klagender, bisweilen rauchiger Stimme vorgetragen und direkt in's Herz zielend. Es sind die ersten abgrundtief ehrlich gemeinten Worte eines Mannes an seinen ehemals guten Freund, von dem er massiv enttäuscht wurde und vor dem er deshalb jeglichen Respekt verloren hat. Vers 1 verdeutlicht dies mit klaren Aussagen wie "When me and you was homies/No one informed me, it was all a scheme/You infiltrated my team and sold a niggaz' dreams" oder "I know I'm runnin' through your head now/What could you do?/If it was up to you I'd be dead now". Vers 2 zeigt 2Pac's Reaktion auf all dies, wie er trotzdem wieder in's Studio geht und lyrische Bomben zündet, sich nicht unterkriegen läßt. In Vers 3 adressiert er dann plötzlich die Frau, die ihn wegen sexuellen Mißbrauchs in den Knast brachte: "So much pressure on my brain while she blame me/Secrets in the dark, only her and I know/Now I'm sittin' in the state pen, doin' time slow..." (9/10)
4. Wonda Why They Call U Bytch
In erster Linie ist dieser Track eine reine Provokation, gerichtet an die schwarze Bürgerrechtlerin Deloris Tucker. 2Pac impliziert durch seine Lyricz, daß es sich bei der beschriebenen Frau um sie handelt, da er gegen Ende des Songs auch ihren Namen erwähnt. Wie die inzwischen steinalte Frau NACH seinem Tod erklärte, zerstörte dieser Song ihr Sexualleben und daraufhin forderte sie eine satte Entschädigung aus dem Nachlaß Tupac Shakurs. Wer's glaubt. Grund: Er spricht zu einer imaginären Frau, die sich schon seit der High School jedem Kerl hergibt, nur wegen der Kohle und aus Einsamkeit. Er selbst hingegen wollte immer bei ihr landen, doch war nie erfolgreich, was ihn traurig werden läßt. Dann ruft er sie nach Jahren wieder an und bereuht dies bald, denn aus ihr ist eine verarmte häßliche Frau geworden - ihr Lifestyle macht sich nun bezahlt. Kinder, Wohlfahrt und letztenendes AIDS, woran sie stirbt und endlich in Frieden ruht. Ein sarkastischer Song, wenn man die Umstände betrachtet - 2Pac setzt dem Ganzen durch seine naiv gehaltene, ernste Stimme die Krone auf. Würde er nicht Ms. Tucker am Ende erwähnen, wäre dieser Song als wirklich ernstgemeint durchgegangen ;-) Lines wie "More money from the county and thanks to the welfare/You're about to get your hair done" lassen aber gelegentlich durchscheinen, daß er sie bloß verarscht. Er erwähnt die Frau übrigens auch auf dem Song "How Do U Want It" (Disc 1) im letzten Vers. Grund für all den Streit ist, daß sie seinen Rap als Gefährdung für den gesellschaftlichen Frieden bezeichnet hatte und "Gangsta-Rap" im Allgemeinen verbieten lassen wollte. "Instead of tryin' to help a nigga you destroy a brother" meinte 2Pac dazu in "How Do U Want It". Fazit: Dies ist ein schöner, wenn auch bitterböser, sarkastischer Song, der leider ähnlich wie Track 2 auf dieser CD ein wenig im Schatten der anderen Stücke steht. (7/10)
5. When We Ride
Der zweite Song, der die Outlawz vollständig featured. Dabei sind sogar die kurzzeitigen Outlawz-Members und Kumpels bereits aus früheren Tagen Mopreme (2Pac's Halbbruder) und Big Syke. Jeder einzelne Outlaw inklusive Pac stellt kurz sich und sein neues Alias vor. Schnittiger Song. Etwas mehr Bass wäre cool. (8/10)
6. Thug Passion
Labelmate Jewell harmonisiert hier super zu Pac's neuem "Thug-Anthem". Die Outlawz sind ebenfalls dabei und steigern kontinuierlich die Stimmung, bis Mr. Makaveli persönlich den letzten Vers zum Besten gibt. Ein toller Song, um angetrunken Auto zu fahren. Ist aber verboten, also laßt es ;-) (9/10)
7. Picture Me Rollin'
Ruhiger Chillout-Song, zu dem man gut zu später Stunde im Auto umherfahren kann - es ist spät, deswegen träume ich die ganze Zeit von einem schönen, schwarzen Benz ;-) CPO liefert einen lässigen Vers und Danny Boy harmonisiert. Wird leider durch die anderen Highlights der LP fast zu einem Filler degradiert, da er halt so unglaublich lässig und ruhig ist. (9/10)
8. Check Out Time
Oha, und es wird sogar noch eine Runde chilliger. Doch diesmal ist Daz derjenige, der den Beat vorgibt und man kann förmlich die kalte klare Nachtluft in Kalifornien auf seiner Haut spüren. Man ist bereit, die Party ruft, man findet seine Schuhe nicht (bzw. Syke) und freut sich auf die Ladies... "We gotta go...", zu DIESEM Song immer gerne! (10/10)
9. Ratha Be Ya Nigga
Und nach einer Kollaboration auf "Me Against The World" sowie einigen unveröffentlichten Joints treffen erneut Pac und sein guter Freund Richie Rich aufeinander. Das Ergebnis ist ein sehr direkter, graphischer Lovesong, in dem es darum geht, die vergebene Traumfrau doch noch von sich zu überzeugen: "Now it's time for the moment of truth, I got ya naked/Totally sweatin', let's see how hot I can make it..." (10/10)
10. All Eyez On Me
Der Titelsong der LP. Ganz passabler Beat, wurde u.a. auch von Nas verwendet/kopiert. Syke und Pac haben hier folgendes Titelthema: 2Pac. Alle Augen sind auf ihn gerichtet, die der Feds, der Polizei, der Konkurrenz, der Medien. Viele wollten ihn wieder zurück im Gefängnis sehen, möglicherweise sogar für länger als "bloß" viereinhalb Jahre. Aber trotz all dem Druck gibt er seine Lebensweise nicht auf, denn damit würde er bloß sich selbst belügen. (8/10)
11. Run Tha Streetz
Es kommt nix hartes mehr, soviel hat der Zuhörer inzwischen begriffen. Viele Frauen singen die Hooks, viele RnB-Elemente bestimmten die gebildete Atmosphäre beim Hören der CD. Wer darauf nicht steht, wird spätestens jetzt wieder zu CD 1 wechseln. Wer offener ist und Sachen wie "Run Tha Streetz" mag, der wird eigentlich die ganze zweite CD auch in sein Herz schließen. Es ist ein guter Song, wie die anderen auch, aber zwischen all den ruhigen Stücken hätte man eventuell gerne auch etwas schnelleres gehabt. Nun gut, dann nicht, es ist aber trotzdem noch eine möglichst unabhängige Bewertung der einzelnen Songs möglich. Nach Jewell stimmt hier Michel'le zu einem Song mit Kollege 2Pac ein. Ein Song, den die "Players" unter den Männern ihren zuhause wartenden, zornigen Frauen vorspielen sollten - "Versteht uns doch!" (7/10)
12. Ain't Hard 2 Find
Eine große Kollaboration findet sich gegen Ende der zweiten CD doch noch - mit B-Legit, C-Bo und E-40. Richie Rich ist auch wieder dabei. 2Pac's Vers ist kurz, jedoch prägnant und auf jeden Fall Fragen aufwerfend: "I heard a rumour I died, murdered in cold blood, dramatized/Picutes of me in my final stage, you know Mama cried/But that was fiction, some coward got the story twisted/Like I no longer existed, mysteriously missin'" Gerade im Kontext, daß viele Fans glauben, er hätte im September 1996 seinen Tod bloß vorgetäuscht und würde dies in vielen seiner Songs andeuten, werden diese Zeilen hochgradig interessant für Spekulationen und Theorien. Ich komme natürlich ein anderes Mal genauer darauf zu sprechen. (8/10)
13. Heaven Ain't Hard 2 Find
Und mit einem unbeschwerten, fast schüchternen Lovesong endet "All Eyez On Me". Zu Danny Boy's leichter, heller Stimme im Hintergrund und während des Hooks nähert sich 2Pac vorsichtig an eine große Liebe. "Through my eye contact I wink and you respond back/Look at me, what's all that?/It's like the closer you get, baby, the quicker I'm speakin'..." Ein wunderschönes Lied eigentlich, würden einige Leute einem "bösen Gangsta-Rapper" möglicherweise garnicht zutrauen. Ich wäre jedoch vorsichtig mit so einer Grundeinstellung. Man kann Highlights wie dieses verpassen... (10/10)
Urteil Disc 2: 8,46

Gesamturteil:
Ich komme zu einer Durchschnittsnote von 8,80. Die erste CD ist wohlkonzeptionierter und liefert einfach Hit auf Hit. Egal, ob Partystücke oder ernste Songs - die Mischung und vor allem die ständig wechselnden Tempi lassen alles zu, aber keine Langeweile. Auf Disc 1 befinden sich auch alle Single-Auskopplungen, die dann sogar noch durch weitere Hits wie "Hit 'Em Up" oder das Original von "California Love" ergänzt wurden. Also sei euch gesagt: Auch wenn das GESAMTE Album die 9 Punkte bloß durch Aufrundung erreicht, so ist CD 1 auf jeden Fall ein hervorragendes Werk, das auch eigenständig eine gute Figur macht. CD 2 stimmt einen viel ruhigeren Ton an - von Track 1 und 3 mal abgesehen, die wirklich klasse sind. Es finden sich keine schlechten Songs, bloß blasse. "All Eyez On Me" beruht auf dem Konzept "Westcoast-Lifestyle" und für die eingeschlagene Richtung sind die meisten Tracks auf der zweiten Scheibe dann doch etwas zu farblos. Um Mal wieder, zum letzten Mal heute ;-), auf eine Autofahrt zu sprechen zu kommen (wenn ich mir die Musik - egal welche - während einer Autofahrt vorstelle, kann ich sie am besten reviewen): Disc 1 würde ich tagsüber mit aufgedrehten Boxen und heruntergekurbelten Fenstern hören, Disc 2 nachts auf einer Heimfahrt. Das Gesamtwerk "All Eyez On Me" ist NICHT 2Pac's am besten zusammengestelltes Album, aber für den Großteil seiner Fangemeide einfach das "BESTE" und ohne Zweifel IST es auch eines der besten Rap-LP's aller Zeiten und quasi das "Chronic" der späten 90er.
Als Fan von Westcoast-Rap MUSS man dieses Album mindestens mal gehört haben, als Fan von 2Pac ist dieses Album dasjenige, das auf jeden Fall in die Sammlung gehört. Hiermit verabschiede ich mich erstmal.

9 (*****)

40 Bewertungen