Anstoß 3 - Der Fußballmanager (Management PC Spiel) Testbericht

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Erfahrungsbericht von danielschreiber1981

Realismus Pur

Pro:

s.o.

Kontra:

s.o.

Empfehlung:

Ja

Vorwort
Mein Haus! Meine Frau! Meine Mannschaft! Der geniale Fußballmanager stammt aus der Schmiede von Ascaron. Im Vergleich zum Vorgänger ist dritte Abkömmling : schöner, tiefgründiger, intelligenter und erfolgreicher.


2)Was ist neu?

Anstoss 3 hat zig Neuheiten; manche davon fallen erst nach Tagen auf. Hier die wichtigsten:

- 3D-Torszenen: echtzeitberechnet, aussagekräftig, derzeit etwas holprig und teilweise unlogisch.

- Bedienung: Zwischen dem Büro aus Anstoss 1, der Nagivationsleiste aus Teil 2 oder einem extrem schlichten Textmenü kann nun hin- und hergeschaltet werden. Daneben erfasst der Kalender alle wichtigen Ereignisse.

- Immobilien: In Manier eines Aufbaustrategiespiels bauen reihen wir Kinos, Würstchenbuden und Dopingcenters nebeneinander.

- Eigenes Leben: Erfolg macht sexy, zumindest hier. Ein gut laufender Verein beschert seinem Trainer Geld, das er wiederum in Statussymbole anlegt in der Hoffnung, Glück in der Liebe zu finden. Aber Vorsicht: Ehe schützt vor Affären nicht!

- Tatik, Aufstellung, Training: Spezielle Aufstellungen sind möglich per Knopfdruck, ebenso leicht einzustellen: erlaubte Wirkungsbereiche der Kicker und Einschränkungen ihrer Freizeit, Sondertraining, Bettenbelegung etc.

- Finanzbereich: Eine übersichtlichere Bilanz liefert transparentere Daten zur finanziellen Situation. Im Zuge der allgemeinen Börseneuphorie ist nach zwei Jahren mit schwarzen Zahlen auch ein \"Going Public\" möglich.

3)Spielsystem

Zu Beginn entscheidet ihr, aus welchem Land euer Verein kommen soll und welche Ligen aus welchem Land parallel berechnet werden sollen. Dorthin könnt ihr zum Beispiel später wechseln. Der Karrierestart als Spielertrainer eines unbeliebten Regionalligavereins ist ebenso möglich wie der Einstieg beim FC Bayern. Der anfangs eingestellte Schwierigkeitsgrad lässt sich während einer Karriere ändern. Da Tore auch im einfachsten Schwierigkeitsgrad nicht von selbst fallen, schont eine nachträgliche Anpassung ans eigene Können die Nerven.

Kenner von einem der Vorgänger fühlen sich sofort in vertrauter Umgebung. So wie der Word-Benutzer, der Office 2000 zum ersten Mal startet und prompt und problemlos einen Brief tippen kann, so gibt der Anstoss-Spieler seine Daten ein, wählt sein Team aus und klickt sich ein bisschen durchs Menü. Markante Schriftarten, quietschvergnügte Comic-Fußbälle, ein sehr bekanntes Aufstellungsmenü – da dauert die Eingewöhnung nicht lange. Denkste! Wie der Office-Heini, der sich erst in die neue Serienbrieffunktion einarbeiten muss, so klickt auch der Anstoss-Profi durch die Menüs, offen für alle Neuerungen – und das sollte er auch sein. Neuerungen gibt’s nämlich zur Genüge, hauptsächlich im Detail.



Auf vier Bildschirmen verteilen sich etwa die Informationen zu jedem Spieler – und was für welche. Da geraten selbst Inoffizielle Mitarbeiter aus alten DDR-Tagen ins Staunen. Die aktuelle Form, Stärken und Schwächen listet jeder Fußballmanager auf. Aber: Raucht er? Hat er Sprachprobleme? Wie läuft seine Beziehung oder Ehe? Pflegt er vielleicht nebenbei eine Affäre? Mit welchem Mitspieler ist er verfeindet oder gut befreundet? Mögen ihn die Fans? Da private Probleme auf jeden Job Einfluss auswirken, ist ein gelegentlicher Check einzelner Hitzköpfe von Bedeutung. Vor allem für die Zimmerbelegung des Trainingslagers: Man stelle sich vor, Spieler X spannt Freundin von Spieler Y aus, und beide in einem Zimmer...

Da zum Manager-Job vor allem betriebswirtschaftliche Dinge gehören, gehört die Kontrolle über Finanzen zur Routine. Planzahlen erstellen, Verträge mit Spielern, Cotrainern und Sponsoren aushandeln, Stadion ausbauen, einen Börsengang vorbereiten – Möglichkeiten gibt’s zur Genüge, zum Glück hat Ascaron den Wirtschaftsbereich aber nicht in eine interaktive Fallstudie für BWL-Studenten ausarten lassen. Gerade der Stadionausbau, der auch Immobiliengeschäfte erlaubt im Stil von „Unser Stadion wird Teil eines einen Vergnügungsparks“, erweist sich als umständlich. Trotz witziger Ideen (Dopinglabor) macht die Gestaltung der Umgebung wenig Laune, weder optisch noch spielerisch. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Wer sich nur um die sportliche Seite kümmern möchte, lässt seinen Computer den Uli Hoeneß spielen. Dass diese Bequemlichkeit aufs Geld geht, versteht sich von selbst. Co-Trainer helfen bei Training und Aufstellung, Detektive spionieren in Bayern-Manier einzelne Spieler aus und Talentsucher machen exakt das, was ihr Name verspricht. Das Standardtraining zu automatisieren, erspart lästige Routinearbeit. Ganz aufs Trainingmanagment zu verzichten kann sich aber kein engagierter Manager erlauben. Sei es, um die schwache Abseitsfalle zu stärken, einzelnen Spielern Sonderübungen zu verpassen oder die Regeneration voranzutreiben – zwischendurch offenbaren sich regelmäßig einzelne Schwächen, die ihr ausmerzen müsst. Das simple Prinzip eines Fußballmanagers, angesichts der Menge an Möglichkeiten aber äußerst spaßig.


Schwächen des Gegners und des eigenen Teams zu erkennen, ist vor allem in den Spielszenen von Bedeutung. Anstoss bietet drei Darstellungsformen an: Im Textmodus (bekannt aus dem ersten Teil) gibt’s reichlich Übersicht, laufend aktualisierte Ergebnisse und Spielernoten und Texte im Stil von Radioreportern („Meyer flankt nach innen. Kopfball an Brinz... an den Pfosten!“). Oder man begnügt sich mit den Highlights aus dem Spiel im Fernsehstil. Langfristig die beste Möglichkeit sind die 3D-Spielszenen. Knapp zehn Minuten lang, in 3D und erstmals echtzeitberechnet. Das hat Vor- und Nachteile: Die 3D-Engine ist gegenüber zu Bundesliga ’99 etwas besser, im Verhältnis zum Kicker Fußballmanager geradezu revolutionär. Fans von FIFA 2000 oder Microsoft Fußball dagegen spotten; selbst das uralte Actua Soccer bietet bessere Animationen.


Allerdings zeichneten sich Fußballmanager bislang noch nie durch tolle Optik aus; das Verfallsdatum alter Engines ist deutlich großzügiger bemessen als in Actionspielen. Sinnvolle Entscheidungen für Aufstellung und Taktik lassen sich jedenfalls von den Szenen ableiten. Wenngleich man ab und zu manches Auge zudrücken muss: wenn der Stürmer ewig lange läuft, ohne zu passen; wenn ein Spieler statt eines Alleingangs von der Mittellinie aus schießt; wenn der Ball plötzlich verhext scheint wegen seltsamer Bewegungen. Doch Ascaron hat ja schon ein paar Patches nachgeschoben.

Praktisch alles, was das Trainer- und Managerleben hergibt, wurde berücksichtigt. Jugendarbeit mit Vorverträgen, Schiedsrichterbestechungen, Tage der offenen Tür, Fantreffen, Saufabende mit dem Team, Hunderte von Statistiken, Spielerdatenbank mit detaillierter Suchfunktion für den Transfermarkt, unzählige Ereignisse, Aufstiegschancen, Karrieren als Nationaltrainer – niemand, wirklich niemand darf sich über geringen Optionsumfang beschweren.

Auch Trainer sind nur Menschen

Optionen alleine reichen aber nicht, um Monate motiviert vor den Monitor zu hocken und vor Spannung an den Fingernägeln zu knabbern. Möglichkeiten in Hülle und Fülle boten vor Jahren schon der Bundesliga Manager Hattrick und seine Nachfolger (wenngleich auch nicht soo viele). Was Anstoss von allen anderen Konkurrenten abhebt, ist sein ungeschlagener Spielwitz. Vom ersten bis zum dritten Teil wurde Anstoss Stück für Stück lebendiger. Im ersten Teil skandierten die Fans von Dynamo Dresden „Wir sind das Volk“, jetzt beschweren sich die Spielerfrauen, dass sie ihm Trainingslager nicht zu ihren Männern aufs Zimmer dürfen – wenn sie nicht gerade Verhandlungen beiwohnen.

Man mehrt bei Erfolgen sein privates Vermögen, kauft Statussymbole und erreicht damit oft den klischeehaften Erfolg bei Frauen – was zuweilen auch die Karriere beeinflussen kann, etwa wenn die eigene Ehe kriselt. Es sind die menschlichen und augenzwinkernden Sachen, die Anstoss 3 so faszinierend machen. Man hat nicht das Gefühl, Zahlenwüsten zu managen, sondern mit Menschen umzugehen. Die Identifizierung fällt leicht, wenn man auch die persönlichen Probleme seiner Balltreter kennt. Der Spielwitz geht nicht verloren trotz einer Optionsfülle, die man auch nach einem Dutzend Stunden mit Anstoss 3 noch nicht völlig ausgereizt hat. Was beim Vorgänger der Fall war, gilt auch hier: Selbst nach Wochen entdeckt man Neues.

Zu kritisieren ist die launische Menügestaltung: Manche Oberflächen haben Witz und Charme, manche hätten wirklich hübscher gestalltet werden können.


Nervend vor allem sind die zahlreichen Fehler – bei dem Umfang kein Wunder, aber sehr ärgerlich. Neben den besagten teils seltsamen Verhaltensweisen von Spieler und Ball in den 3D-Szenen tauchen gelegentlich Abstürze und seltsame Formwerte auf. Der Toptorjäger etwa verliert ohne einen triftigen Grund an Form? Seltsam. Wer in die offiziellen Anstoss-3-Boards schaut, findet haufenweise Logik- und andere Fehler, an denen Ascaron derzeit fleißig arbeitet. Ein erster Patch hat bereits die Absturzfreudigkeit gemindert. Spielbar ist Anstoss 3, nur eben deutlich unausgereifter als sein Vorgänger zum Beispiel.


4)Fazit
Dennoch ist und bleibt Anstoss der Freizeitkiller für Fußballfans schlechthin. Ein Spiel, das man Samstagmorgen startet und am Abend ganz vergisst, dass die Bundesliga schon längst gespielt hat.
Realistischer kann man ein Managerspiel nicht umsetzen.

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